Dezember 11-13, 2018 Kujaza – bitte auffüllen – aber wie weit?

Nach meiner Ankunft heisst es immer „kujaza“ = auffüllen. Unsere Wohnung ist zwar nicht schlecht, da riesengross aber sie hat halt ein paar nennenswerte Nachteile: die Kids, die keinen Spielplatz haben und extrem laut Fussball spielen – des öfteren auch mit Schuss auf unseren Balkon und das Auto. Und dann die vielen Dinge, die nach 4 Jahren schon zerbröseln: einige der vielen Waschbecken sind vollkommen kaputt, die Leisten bei den Böden teilweise von Termiten zerfressen, die Plastikvorderseiten der “Teak-Holzkästen” wölben sich und sogar mein gesponsortes „Leder“-sofa löst sich auf. Das tut mir immer so weh aber es ist hier der Lauf der Dinge: das feuchte Klima, die schlechte Qualität und der extreme Gebrauch führen zu Abnützungserscheinungen – so auch beim Auto, dessen Stossdämpfer in Ganze so arg abgenützt wurden und das Salzwasser an der Küste auch noch seinen Beitrag geleistet hat.

Ich stelle mich immer darauf ein, dass meine Kenia-Aufenthalte nicht nur eitel Sonnenschein werden und dass mein Budget strapaziert wird und doch finde ich es gleichzeitig auch immer wieder anstrengend.

Mein Lieblings-Nakumatt (Supermarkt) ist ja auf dem Weg zur Schliessung und ich war so stolz auf meine Nakumatt Karte (eine Art Bonusprogramm)… die macht mich ja schon fast zur Nairobianerin. Und so wie sich andere vielleicht an Hotels, Banken oder anderen Gebäuden orientieren kenne ich in Nairobi alle Shoppingcenter und wir fahren zu einem der grössten Nakumatts: Nakumatt Prestige. Aber der Name hält nicht mehr was er verspricht: das Angebot ist kleiner geworden, die Preise aber extrem höher. Ich habe meine Handcrème zuhause vergessen – so eine kostet hier Ksh 1‘450 was sage und schreibe CHF 14.50 sind!!! Das wäre mir ja selbst in der Schweiz zu teuer. Ich kann mir nicht vorstellen, wie sich jemand hier das leisten kann. Rasierschaum gibt es im Riesenladen keinen und im Spezialladen will ich Druckerpatronen kaufen, aber sie hatten nur noch farbige…

Am Jamhuri Day – das ist der Unabhängigkeitstag von Kenia, d.h. (erst) seit 1963 ist Kenia von England unabhängig – ein Fakt, den wir alle immer gerne vergessen. Wir schauen uns den Speech des Präsidenten an der im grossen Stadion die Militärparade abnimmt und gehen dann Food Shopping, da sich die beiden Schwestern von Peter zum zNacht eingeladen haben.

Im Shopping Center ist tatsächlich nicht alles offen aber die Metzgerei ist geöffnet. Ich bin erstaunt, wie sauber alles ist aber der Gestank in einer Metzgerei den finde ich einfach grässlich. Ich entweiche den beiden Herren für einen Moment und kaufe mir eine schöne Tasche für meinen neuen iPad (nennt man das Kompensationskauf?). Danach gibt es noch was Feines im Java House. Gemäss Daniel gehört diese Kette dem Vizepräsidenten, der sich damit bestimmt eine goldene Nase verdient, denn selbst in Spitälern ist diese Kette mit extrem hohen Preisen – fast vergleichbar mit anderen bekannten Kaffeeketten.

Klar, auffüllen müssenen wir auch noch Benzin, Elektrisch (Peter hat neustens einen Zähler in der Wohnung, was Sinn macht) und Internet und TV Gebühren… Aber schliesslich will ich ja WLAN benutzen, warm duschen und mit dem Auto rumgefahren werden – also berappe ich alles… Mit dem Sanitärler, der in Marere die Installationen machte muss ich besprechen, was alles gemacht werden muss: er erinnert mich daran, dass ich ihm mal einen Laptop versprochen hatte und zeigt mir, wie schlecht er auf seinem mit einem CAD Programm arbeiten kann. Doch an dieses Versprechen kann ich mich wirklich nicht erinnern… Ganz zum Schluss kommt dann noch die Frage: ob ich ihm einen Vorschuss geben könne, denn er schliesse nächste Woche seine Schule ab (er will Architekt werden) und wenn er das Schulgeld nicht voll bezahlt hat dann kriegt er kein Zertifikat… ich denke darüber nach und ganz ganz zum Schluss will er noch die Weihnachtsguetzli mitnehmen, die im Sack sind weil er sonst nichts zum Essen hat am Mittag – bitte Peter nicht weitersagen aber ich habe sie ihm gegeben…

Es ist immer eine Gratwanderung, wie viel ich gebe und wann ich wirklich nein sage. Zwischen der Wiedersehensfreude mit Peter und dem Ausgenommen werden wie eine Weihnachtsgans von allen die Peter kennen – ist ein grosser Gap – ich versuche immer wieder – wie auch sonst im Leben, das zu geben, was für mich stimmt und wo ich dahinter stehen kann. Und so handhabe ich es mit allem was auf mich zukommt.

Es ist immer wieder eine Gratwanderung,

sich nicht zu wichtig,

aber doch wichtig genug zu nehmen.

Helga Schäferling

Das wunderbare Essen mit der Family ist auch wieder Kompensation für so vieles denn Peter’s Schwester habe eine echte Wiedersehensfreude und nachdem sie sich über meine improvisierte Weihnachtsdeko gefreut haben muss ich über alle Familienmitglieder, über die politische und die Wettersituation in Kenia berichten. Die Herzlichkeit und Grosszügigkeit ist so gross wie ihre Bodies: die big Mamas sind einfach unschlagbar und so schlemmen wir das Chicken, das Daniel unter meiner Supervision gemacht hat mit den feinen Chapatis (Fladenbroten). Ich wollte zwar lernen, wie man die macht aber Daniel macht das “aus dem Gefühl” und das ist für mich als “Abwägerin” schwierig zu kopieren. Beim Auswallen (schön rund sollten sie sein) bin ich kläglich gescheitert. Aber immerhin: der erste Schritt ist gemacht.

Peter rückt sogar noch ein paar von seinen Weihnachtskeksen (der Ausdruck ist speziell für dich Anja) raus und so schnabulieren alle mit Freude. Es gibt sogar noch einen Schluck Whiskey von Joshua (Peter’s Bruder), der für die Kenya Brewery arbeitet und immer ein Gratiskontigent an Getränken hat…

Ich bin angekommen und alles ist kujaza

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