Dezember 16, 2018: Nairobi City Limits

Nairobi life passt mir. Ich habe vor Jahren einen Typ via Facebook kennengelernt. Wir haben uns mal getroffen und sind seither in Kontakt. Er hat eine Model Agentur und organisiert immer wieder Fashion Anlässe. Wir haben auch mal diskutiert, ob er nach Ganze kommen könnte und wir etwas für die Locals machen könnten mit Modeschau, Fotografie etc. aber bisher sind es nur Pläne gewesen. Es gibt Dinge, die  in Ganze vorgehen, das ist klar. 

Jetzt hat er mir eine Einladung geschickt für Fashion meets Music – ein Anlass in einem Club in Nairobi und ich überrede meine Männer, d.h. Peter und seine Söhne, dass sie mich dorthin begleiten. Offiziell beginnt es um 14.00 Uhr aber Alaro empfiehlt uns, um 16.00 Uhr zu kommen. Somit haben wir noch Zeit um uns verschönern zu lassen. Die Tante von meiner Putzfrau – Milli – ist im Parlament für die Maniküre und Pediküre der Parlamentarier zuständig. Sie kommt mit ihren Zwillingskindern vorbei und macht einen Hausbesuch. Auch wenn ich sehr kitzlig bin geniesse ich eine wunderbare Pediküre und eine Maniküre mit Armmassage. Es ist interessant, was sie erzählt über das jetzige Parlament. Sie findet es das Schlimmste überhaupt. Viele MPs (Member of Parliaments) seien so jung und ihnen sei es nur wichtig, dass sie diesen Posten hätten aber wirklich um die Wahlkreise würden sie sich kaum kümmern. Sie kommen, checken für die Sitzungen ein, damit sie Sitzungsgelder erhalten und danach kämen sie vor allem ins Fitnesscenter und liessen sich massieren und verschönern. So wird es  wohl schwierig, das Land zu regieren. 

Sie ist genau wie meine Putzfrau eine wunderbare Frau und nachdem auch Peter noch seine Elefantenfüsse behandelt kriegt schneidet sie ihm die Haare zu einer perfekten Glatze. In der Zwischenzeit amüsieren sich ihre Kinder mit meinem Weihnachtshund und fallen über die Schweizer Schokolade her, die ihnen offensichtlich extrem gut schmeckt.

Es wird etwa 18.00 Uhr bis wir beim Event eintreffen und als erstes erfahren wir, dass der “Facial Artist” Verspätung hatte und wir wohl erst ab 19.00 Uhr in den Genuss der Modeschau kommen würden. Lustig ist es, dass ich das Warten gut aushalte, dass aber die Söhne von Peter langsam ungeduldig werden. Immerhin: ich habe einen Platz auf meinen Namen reserviert und wir vertreiben uns die Zeit mit Drinks und Liverpool:Manchester United schauen am TV. Wir freuen uns über die beiden Tore von Shakiri und darüber, dass es offensichtlich am Austragungsort schneit und bitterkalt ist. Irgendwann geht dann die Show los und es ist ganz amüsant. Wunderbare Stoffe werden in einer modernen Art verarbeitet und wir schauen uns 2 Fashion Runs mit schönen Models an und hören dazwischen 2 ziemlich schlechte Rapper… Irgendwann kommen richtig viele Leute und somit herrscht eine ausgelassene Stimmung. Eine Touristin, die mich vorher schon ziemlich fixiert hat kommt auf mich zu und spricht mich in einer Sprache an, die mir gar nicht bekannt vorkommt: es ist Finnisch und sie haben gewettet, dass ich sicher auch eine Finnin sei. Sie ist sooo interessiert an mir, dass ich schnell sage: das ist mein Mann mit seinen Söhnen. Ich habe so das Gefühl, sie hätte mich gerne noch viel näher kennengelernt… Homosexualität ist ja in Kenia extrem verpöhnt und wird immer noch als Krankheit angesehen, aber in Nairobi sind sehr viele zu entdecken, was natürlich auch unter uns wieder grosse Diskussionen auslöst. Ich bin dann aber auch irgendwie erleichtert, als die Gruppe wieder geht und wir noch den 2. Teil geniessen können. Danach ist aber der Ruf nach Essen der drei Männer so gross, dass wir wieder in die Wohnung zurück gehen und noch die Resten vom Weihnachtsessen vertilgen. Morgen müssen wir um 6.00 Uhr los nach Marere.

Peter macht mir das Schlafen schwer, weil er meint, dass in Marere (Ganze) wohl niemand sei, der Kochen würde im Moment und ich wohl selber mit Feuer kochen müsse damit alle genügend zu essen haben. Ich habe schon fast Albträume, wenn ich mir vorstelle, dass ich aus der Zivilisation jetzt einige Tage – wieviele können wir noch nicht abschätzen – gehen werde und ich betone halt immer wieder “I am city girl” und ich betrachte es als echtes Abenteuer nach der Millionenstadt Nairobi jetzt nach Ganze zu fahren, wo ich noch keine Ahnung habe, was mich erwartet. Ich war weder je bei der Pfadi noch hat mich Camping fasziniert. Im Tourismus zu arbeiten hat mich sicherlich ein wenig verweichlicht und verwöhnt auch wenn ich keine Luxustussi bin. Ich komme mir schon ein bisschen vor wie eine Memme aber ich sage mir auch: jeder sucht sich das Leben aus, das ihm gefällt und somit habe ich doch eher ein mulmiges Gefühl, was die nächsten Tage anbelangt. Es wird aber bestimmt spannend mit dem Blog, denn mein Tablet werde ich auch im Busch (so nennt man das Landleben) dabei haben, auch wenn ich keinerlei Internetverbindung habe. Ihr dürft gespannt bleiben.

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