Dezember 23, 2018: Christmas is coming to Marere

Die Vorbereitungen für Weihnachten laufen auf Hochtouren in Marere. Gestern wollte Peter abends um 21.00 Uhr plötzlich mit den Dekorationen beginnen. Er hatte mir in der Schweiz schon im Sommer zwei Lichterketten “abgeluchst” und jetzt wollte er sie aufhängen, was zu einem grösseren Spektakel wurde. 4 Männer, die Weihnachtsdeko aufhängen: fast wie in einer kitschigen amerikanischen Komödie. Alle halten ein Teil aber alle sind zu klein um ganz weit raufzukommen. Also holen sie einen Stuhl, dann einen Tisch und am Schluss gar noch eine Leiter.

Zuerst hängen sie den Samichlaus verkehrt rum auf – also alles nochmals rausgefädelt und wieder runtergenommen. Aber ich muss sagen: am Schluss macht das alles etwas her. Ich habe ja in jedem Büro, in dem ich gearbeitet habe jeweils die Weihnachtsmänner-Houssen auf den Bürostühlen verteilt und auch noch allerlei Deko aufgehängt. Ja tut mir leid, liebe Raiffeisen Kolleginnen und Kollegen: diese zwei Dekobilder hängen jetzt in Marere und erfreuen Gross und Klein. Auf der einen Seite der Samichlaus und auf der anderen ein Weihnachtsbaum und auch mein Vorhang von der Küche (Guetzlitauschbörsenbesucher erinnern sich) stimmen hier auf Weihnachten ein. Da ich noch einen tanzenden Weihnachtshund zuviel zuhause hatte habe ich auch diesen mitgenommen, denn ich wusste: die Kinder hier würden eine unglaubliche Freude daran haben. Den Tanz der Zwillinge in Nairobi habe ich ja schon mal irgendwo gepostet. Hier renken sich die Kinder aber fast nicht mehr ein: sie schreien vor Freude und glucksen vor Lachen nur noch. Sie sind total fasziniert und ich muss den Song mindestens 5x abspielen bis sie zufrieden sind. Sie versuchen herauszufinden, warum sich das Ding überhaupt bewegt und fangen an, die Bewegung nachzumachen während ihnen Mama Kaya das Lied vorsingt: Merry Christmas – wir haben einen Riesenspass zusammen.

Ich finde es herrlich, wie die Faszination in allen Ländern gleich ist: die Kinder sitzen mit glänzenden Augen da und freuen sich unglaublich über so etwas Kleines.

Gestern wurde sogar noch ein Christkind in Form eines Kalbes geboren – die Viecher sehen so herzig aus wenn sie grad zur Welt gekommen sind. Wir haben eine riesige Aufregung weil die Mutter immer wieder ihr Kleines sucht und mit lautem Brüllen nicht aufgibt bis sie ihr Kind wieder bei sich hat.

Unserem Bauherren Ravasco müssen wir noch Geld abliefern und er insistiert, dass er uns ein Huhn schenken darf. Wir besuchen ihn also zuhause bei seiner Grossfamilie. Es werden grad alle mit neuen “Haaren” schön gemacht. Das ist ja auch so ein witziges Thema: die wenigsten Frauen tragen ihre eigenen Haaren hier sondern haben sogenannte Extensions. Die gibt es in den verschiedensten Looks und sie werden in die eigenen Haare eingeflochten. So verändern sich die Frauen auch auf dem Land für Weihnachten nochmals vollkommen und sind teilweise kaum wieder zu erkennen. Es gibt auch viele Frauen, die eine ganze Perücke tragen und dann am liebsten in einem Stil mit ganz graden Haaren, so wie ich.

Wobei ich ja momentan meistens eine Art Vogelnest trage, denn an Styling ist kaum zu denken. Wenn ich am morgen dusche und dann gleich föhne, dann kann es eine Weile gehen und alles sieht passabel aus. Aber mit dem phasenweise starken Wind, dem permanenten Staub und dem Wind im Auto (Peter hasst Air Conditioning und wird gleich krank wenn er sie eingeschaltet hat) komme ich schon fast an Trumps Bodenlumpen ran. Ich habe mal eine kreative Variante mit Klämmerchen versucht (normalerweise finde ich die Spängelifrisuren, die manche Frauen in der Schweiz haben ganz etwas grässliches) aber das Resultat ist jetzt nicht gerade Salon de la Haute Coiffure like – tut mir leid liebe Judith…In der Schweiz trage ich ja im Sommer oft einen Hut aber mit meinen Kangakleidern zusammen ergibt das auch nicht gerade einen sehr stilgerechten Look und so lasse ich einfach die Natur wirken und mehr so den Explosionslook walten. Alles nur halb so tragisch. Was noch dazu kommt: bei der Hitze habe ich oft einen extrem roten Kopf und glänze wie eine Speckschwarte. Mein Gesicht ist aufgedunsen und meine Augen sind nur noch kleine Knöpfchen aber wisst ihr was: ich fühle mich trotzdem grossartig und die Kenianerinnen finden immer wieder, dass meine Frisur ganz wunderbar ist. Es ist vielleicht nicht ganz so Instagram/Facebook tauglich aber ich bin definitiv nicht hier um einen Schönheitswettbewerb zu gewinnen. Ich finde sowieso die Schönheit der Kenianerinnen und Kenianer faszinierend. Es gibt so unterschiedliche Typen und mit der Zeit lerne ich, sie zu unterscheiden. Aber ich habe ja auch lange geübt und kann sie mittlerweile ziemlich gut in die Herkunft einordnen. Ganze ist nicht sehr bekannt für die allerschönsten Menschen aber ab und zu begegne ich einfach wieder Jemandem, der mich total fasziniert. Das hat aber auch wieder viel mit nonverbaler Kommunikation zu tun. Ein sympathisches Lachen, leuchtende Augen – das macht einen Menschen so schön, dass er von innen heraus strahlt. Weil ich die Sprache nicht ganz verstehe beobachte ich auch viel mehr und es ist unglaublich, wie schnell sich da Sympathien und Antipathien bilden. Manche Leute könnte ich grad knuddeln und habe sie gleich zum Fressen gern und andere wieder möchte ich am liebsten nicht am Tisch haben. Bei wiederum anderen braucht es etwas Zeit bis ich sie kenne und meine Meinung bilden kann.

An Weihnachten ist es also üblich, dass man etwas Neues zum Anziehen kriegt und so können wir heute eine ganze Gruppe von Artisten beglücken mit Raiffeisen Twint Shirts, die ich gekriegt habe weil sie sonst entsorgt worden wären.

Sie haben eine solche Riesenfreude daran. Aber sie müssen schon sitzen – da haben sie also auch ihren Stolz – und so tauschen wir die Grössen aus bis es allen passt. Sie werden mit einem riesengrossen Stolz ihre Shows präsentieren. Ich verteile ihnen dann auch noch Kugelschreiber und ein Schöggeli und sie sind echt im siebten Himmel und unglaublich dankbar über die kleine Spende.

Es gibt hier kein spezielles Weihnachtsessen aber normalerweise beginnt man am 24. die Mahamris für den Weihnachtstag vorzubereiten. Das ist eine Art von Donut: Teigtaschen aus Hefe, Mehl, Gewürzen wie Kardamom und einer ganzen Menge Zucker gemacht und das Ganze wird dann im Öl gebraten. Für mich ein perfektes Frühstück: kenianischer Tee (Chai), der ebenfalls mit Gewürzen und Milch gekocht wird und 2 Mahamris und wenn es ganz gut kommt noch frische Mangos oder Papaya oder Ananas und ich bin vollkommen zufrieden. Überhaupt habe ich mich extrem an das lokale Essen gewöhnt. Ugali (ungesalzene Polenta) mit irgendetwas wie Poulet, Fisch, Crevetten, Ziege und etwas “Soup” also eine Sauce und ich bin vollständig happy. Ab und zu auch Samosas (indische Teigtaschen) oder – wie wir für Weihnachten geplant haben – ein feines Pilau. Das ist eine Art Reiseintopf mit verschiedenen Gewürzen und Fleischstückchen. Wenn es dazu dann noch Kachumbari, den feinsten Tomatensalat der Welt, gibt dann bin ich ebenfalls zufrieden. Mit den Händen zu essen macht mir enorm Spass und auch dass die Hände vorher und nachher gewaschen werden finde ich ein schönes Ritual – so weiss man wenigstens, dass alle am Tisch saubere Hände haben… Und irgendwie ist es eine Art Ehrerbietung und manchmal erinnert es mich an das Thema des Füsse Waschens aus der Bibel – das finde ich auch eine wahnsinnig schöne Geste und nachdem ich jetzt schon eine ganze Weile im Busch gelebt habe weiss ich, was es bedeutet, wenn einem Jemand die schmutzigen und staubigen Füsse wäscht: eine ungeheure Wohltat.

Wenn ich jetzt schon fast ein bisschen biblisch werde so hat das bestimmt damit zu tun, dass mich all die Vorbereitungen richtig schön auf Weihnachten einstimmen. Ich freue mich schon darauf, das goldene Tischtuch, das wir beim Araber gekauft haben, auf dem grossen Tisch auszubreiten und viele Leute zu bewirten – keine Ahnung wie viele – aber Daniel hat mir versprochen, dass alles gut kommt und darauf vertraue ich auch. Ich wünsche euch ebenfalls grosses Vertrauen in eine wunderschöne Weihnachtszeit. Umgibt euch mit wunderbaren Menschen, tut Gutes und verbreitet eine friedliche Atmosphäre. Egal wo auf der Welt ihr dieses schöne und fröhliche Fest feiert.

Merry Christmas to all of you!

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