Dezember 27, 2018: Not so holy, not silent, but a happy night

Wir haben am 25. Dezember wirklich wunderbare Weihnachten erlebt. Peter und ich sind schon um 05.30 aufgestanden und ungeduscht sind wir nach Kilifi gefahren, denn dort hatten wir das Fleisch vorbestellt. Aber nicht einfach so ein paar Kilo, sondern ein ganzes Bein einer Kuh. Das wurde dann in verschiedene Stücke geschnitten: für den Grill, für das Pilau und der Rest für Suppe etc. Daniel, Paul und ich hatten das finanziert, damit es für alle ein Festmahl sein würde. Da unsere europäischen Gäste Fast-Vegetarierinnen waren gab es auch noch einen feinen frischen Fisch und den allerbesten Tomatensalat der Welt: Kachumbari. Ich muss in der Schweiz wirklich auch mal versuchen, ihn so hinzukriegen.

Tatjana, die ja 2017 selber ein paar Wochen mit den Mijikenda gelebt hat und darüber ein Buch geschrieben hat, kam mit ihrer Freundin Petra und als erstes durften sie die feinen Mahamris degustieren, die extra am Abend vorher nochmal nachlproduziert wurden. Peter und ich waren auch erst grad zurückgekehrt nachdem wir dann doch länger warten mussten und uns noch mit einem Brocken Eis von meinem „Geheimort“ eingedeckt hatten und eine ganze Ladung Leute mitgenommen hatten. Wir mussten erst mal duschen und uns weihnachtsfertig machen. Den Ort hatten wir ja schon schön dekoriert und das goldene Weihnachtstischtusch war auch schön platziert und die Kids durften gefühlte 100 Mal noch den Weihnachtshund laufen lassen.

Der Rest des Tages war dann vor allem viel Diskutieren, viel Lachen, viel Wein, 1 Runde Weihnachtsmusik von meiner Playlist, danach dann ein wirklich feines Essen, das mit Gemüsespiessli und anderen Knabbereien von den Gästen angereichert wurde. Wiedersehensfreude mit vielen Verwandten und Bekannten, darunter natürlich unser favorite Bodyguard Malingi, der schon Angst hatte, dass seine innige Umarmung mit Tatjana auf Facebook publiziert würde (Schisshas). Eine grosse Diskussion war natürlich der eine Kenianer, der unbedingt wollte, dass wir ihm eine Muzungu organisieren, damit er in die Schweiz oder nach Deutschland reisen kann. Das hat auch bei uns viele Überlegungen ausgelöst: Peter hat wieder seine Begeisterung über die Schweiz kundgetan, weil er sagt, dass in der Schweiz alles funktioniert und er der Schweiz für sehr vieles, was er gelernt hat, dankbar ist – aber dann haben wir auch die Schattenseiten beleuchtet, denn alleine unsere beiden Gäste aus Deutschland erfahren viel Negatives gegenüber Deutschen und wenn du noch von anderer Hautfarbe bist, dann ist es noch um einiges schwieriger. Viele Schweizer sind rassistisch – sehr oft nicht offensichtlich aber im tiefen Inneren schon. Es verhält sich ganz ähnlich wie mit der Homosexualität: nach aussen modern, grosszügig offen aber was: mein Kind ist schwul oder lesbisch – also das geht dann schon zu weit. Über dieses Thema haben wir aber schon gar keine Diskussion angefangen, denn das wäre so, als würdest du am Stammtisch vom Schächental mit so einem Thema die Gemüter erhitzen. Es wird noch dauern, bis das alles kein Thema sein wird. Somit haben wir dem jungen Mann die Einreise in der Schweiz eher ein bisschen madig gemacht und ihn auch noch „gezwungen“ Käse und Oliven zu probieren, was er sehr sehr komisch fand und sogar etwas die Nase rümpfte. Er langte erst nochmals zu, als wir ihm sagten, Käse und Oliven zu mögen sei eine Grundbedingung für die Einreise in die Schweiz… Somit war das nicht ganz einfache Thema Anlass für sehr viel Gelächter vor allem als dann auch noch die italienischen alten Macho Männer in Watamu zur Sprache kamen. Ich könnt euch die Diskussionsrichtung vorstellen.

Später gab es dann noch ganz wenige Weihnachtsguetzli aus Peter‘s „Tresor“ in Form von einer Guetzlibüchse. Er hat sie wirklich nur sehr selektiv aufgemacht aber für alle, die an meiner Guetzlibörse waren: ihr habt damit wirklich ganz vielen Menschen eine ganz grosse Freude bereitet und meine Idee, Guetzli in Form von afrikanischen Tieren zu machen kam auch besonders gut an. Die Szenerie hat sich dann immer mehr verändert hin zu Disco Musik (ja, wieder mit DJ Bobo!!!), noch später dann die einheimische Mijikenda Musik, bei der jeder Song für mich genau gleich klang und mich geradezu einlullte. Dazu haben die Männer (Frauen waren entweder schon im Bett oder gar nicht erst mitgekommen) ihren saugrusigen Mnazi (Palmwein) getrunken, Miraa gekaut (fand ich auch wääähh) und sie wurden immer redseliger und betrunkener. Ich lag im Bett und fand sogar Schlaf – vielleicht kann man sich wirklich an alles gewöhnen. Was mich dann aber wirklich noch aus dem Schlaf gerissen hat war der unglaubliche Gestank von gebratenem Fleisch sozusagen vor meiner Zimmertüre. Ich habe ja schon darüber berichtet, dass ich den Geschmack von brennendem Holz nicht besonders inspirierend finde, so finde ich das noch weniger, wenn darauf Fleisch gebraten wird und der Rauch unweigerlich in mein Zimmer dringt und mich zum husten bringt. Aber ich machte keinen Aufstand sondern dachte: ab Morgen ist der Spuk wieder vorbei und darauf freue ich mich. Schlagartig war es dann still und die Naturgeräusche waren wieder zurück (nebst der unglaublich lauten Disco mit noch unglaublicher lauten Bässen) von Dsitzoni (einige Kilometer entfernt), die das Bett noch erzittern liessen. Die jüngeren Männer sind nach Kilifi gefahren und sahen dann am nächsten Tag auch entsprechend aus: uuuuhhh, ohhhhh, kleine Äuglein und schwer in die Gänge zu bringen.

Zusammengefasst waren es definitiv sehr fröhliche Weihnachten und wie bereits mehrfach in Kommentaren geschrieben sicher keine besinnliche oder gar ruhige. Aber when in Rome do as the Romans do.

No silent night, ein bisschen holy night und ganz viel happy night!

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