Dezember 29, 2018: Vorauf kannst du nicht verzichten?

Es ist unglaublich, wie schnell ich mich an das Landleben gewöhnt habe, ohne Gemotze und ohne grosse Probleme. Jetzt – nach 2 Tagen in einem einigermassen „anständigen“ Hotel in einem tropischen Garten – kann ich auch besser formulieren, was mir wirklich extrem fehlen würde, wenn ich länger so leben müsste (aus welchem Grund auch immer: Katastrophe, Liebe – wirklich egal…).

Toilette

Ich finde die Plumpsklos ja einigermassen hygienisch, wenn nicht gerade jemand anderes falsch gezielt hätte vor mir. Aber in Marere haben wir einige Meter vom Zimmer entfernt immerhin einen Duschraum mit Keramikplumpsschüssel, die schnell gereinigt ist. Auch wenn ich jedes 2. Mal das Frottiertuch vergessen habe und nochmals retour musste und auch wenn ich mich an das Pinkeln in der Hocke (gute Übung fürs Skifahren) gewöhnt habe so hat es doch ganz schwierige Seiten: bei Durchfall oder bei einem Rumpeln im Magen mitten in der Nacht ist es einfach grauenhaft, wenn du eine solche Toilette benutzen musst: erstens musst du es schon mal dorthin schaffen zur Zeit und zweitens ist es nach einem Bandscheibenvorfall im Sommer gar nicht so einfach genügend lange die Abfahrtsstellung einzunehmen, bis du dann wirklich erleichtert bist. Ganz zu schweigen vom korrekten Zielen und vom Kichern der Kinder, die im Zimmer nebenan leben und bei jedem Ton ihre Geräusche kundtun. Auch der Rauch aus der Küche nebenan, der phasenweise das ganze Klo einnebelt kann schwierig werden. Dann hatte ich noch gewisse Probleme, weil ich nicht wusste wohin mit den Kleidern und es hat etwa 3 Tage gedauert, bis sie wirklich begriffen haben, dass ich einfach 3 Nägel in der Holztüre möchte. So haben sie mir zwar eine Leine an die Wand gemacht, aber dort wollte ich wirklich nichts aufhängen. Erst als ich dann ernsthaft selber zum Hammer gegriffen haben wurden sie aktiv. Echt jetzt: mit einem Krug Wasser über den Kopf zu leeren geht echt super und daran habe ich mich 100%ig gewöhnt. Es ist sogar viel besser als im jetzigen Hotel, wo nur so ein Tropfgerinnsel aus der Dusche kommt und du zwischen brühend heiss oder sozusagen kein Wasser wählen musst  und fast in der Dusche tanzen musst, damit du einigermassen nass wirst (Olivia: du erinnerst dich ans CDA?).

Ein Problem war dann immer, dass ich mich nachher ja irgendwie anziehen musste und das eine Mal, wo ich mich dafür entschieden habe, nur das Tuch zu verwenden bekam ich prompt einen Rüffel von Mama Rehema, dass meine Beine zu sehen seien… und bis ich dann meine Kleider wieder angezogen habe bin ich fast so verschwitzt wie vorher

Wasser

Ohne Wasser habe ich keine Ahnung, wie ich das überleben würde. Ich stelle fest, wie oft ich mir die Hände wasche oder waschen möchte während des Tages. Ob man Creme aufgetragen hat, etwas kurz abgewischt hat oder die Linsen einsetzen möchte – es sind x Dinge, nach denen man die Hände waschen möchte, aber wenn keines vorhanden ist dann wird es klebrig und unangenehm. Wasser ist wirklich Leben, dessen werde ich mir hier täglich bewusst. Ich bin auch zuhause eine absolute Schnellduscherin und daher bin ich bestimmt 3x schneller als Peter. Wenn ich aber meine Meditationsbadewanne zu hause denke, da kriege ich schon fast Heimweh, denn ich bade sicher 4x in der Woche. Das ist sogar was, das mich an meiner Traumwohnung in Feldmeilen gestört hat – es ist für mich Meditation, Herunterfahren, Träumen, Ideen entwickeln. Ich weiss, ein Luxusproblem, aber ich weiss noch besser, dass ich das wieder enorm schätzen werde zuhause im Stadtwald.

Elektrizität

Das ist wahrscheinlich etwas vom Wertvollsten in Marere. Wir sind an der Elektrizität angeschlossen. Aufladen kann man das Konto mit dem Telefon und MPESA (das kenianische Twint, das es schon die längste Zeit gibt in diesem Land) und es bedeutet, dass ich alle elektronischen Geräte problemlos aufladen kann, Licht habe und mir sogar einen Ventilator kaufen konnte, der mich ab und zu wieder etwas runterkühlt, wenn ich fast einen Hitzeschlag kriege.

Matratze und Moskitonetz

In einem richtigen Bett mit Matratze, sauberer Bettwäsche und einem Moskitonetz zu schlafen gehört hier zum Luxus, den ich nicht missen möchte. Ich kann auf einer harten Unterlage liegen aber es gehört halt schon zu einem Wohlgefühl, das ein gewisses Zuhausegefühl gibt.

W-LAN (wenigstens ab und zu)

Ja, ich weiss, das ist jetzt wirklich das Höchste der Luxusgefühle, aber bei mir gehört es echt zum Grundbedürfnis. In der Zwischenzeit habe ich herausgefunden, dass ich mit meinem kenianischen Telefon einen Hotspot machen kann und dann auch mit der Aussenwelt verbunden bin. Ich gebe zwar viel zu viel Geld dafür aus aber das ist es mir wert. So weiss ich ein bisschen über Facebook, Linkedin und Xing, was in der anderen Welt läuft, ich kann Nachrichten lesen und meinen Blog posten. Eure Rückmeldungen sind ein Aufsteller und es kommt nie Langeweile auf. Wenn ich wieder Rückenschmerzen habe kann ich Übungen von Liebscher und Bracht runterladen oder wenn ich vergessen habe, wie der Sonnengruss geht dann kann ich ihn mir kurz anschauen. Ich kann meiner Freundin Helene sogar via Twint Geld für die bestellten Tickets am Summerdays Festival überweisen. Ja, das macht mich glücklich und mit WLAN ist mein Leben lebenswerter. Der Spruch: Home is where your WLAN connects automatically hat wirklich was. Zudem bin ich ab und zu mit meinen Allerliebsten Kids zuhause verbunden und weiss, dass es ihnen gut geht und dass auch @sie ihre unternehmungslustige Gotte gut aufgehoben wissen. Die Freunde vermisse ich dadurch auch weniger, denn sie sind in Kontakt und ich weiss: sie werden wieder dort sein, wenn ich retour bin und wir uns über die vielen Erlebnisse unterhalten werden.

Ich geniesse grad zwei relaxte Tage mit Peter im Boko Boko Porini Restaurant, das noch ein paar Gästezimmer hat. Die Kinder des Bruders haben wir in den Bus nach Nairobi gesetzt damit wir auch wieder etwas Ruhe haben. Wir schlürfen einen Whiskey auf der Terrasse unseres Zimmers, hören Seven über unseren Lautsprecher und er wird begleitet von einem Froschkonzert im kleinen Urwald. 

Life is good und ich geniesse meinen verrückten Mann, der mein Leben ebenfalls bereichert durch seine Art, seine Anwesenheit, seinen Humor und seine Schachtel Weihnachtsguetzli… 

Worauf könntet ihr nie verzichten?

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