Januar 1, 2019: Different procedure from every year

Schon unglaublich, wie hoch unsere Erwartungen am Sylvesterabend manchmal sein können. Ich glaube, ich habe in meinem Leben schon alles erlebt. Ich habe rauschende Fester irgendwo auf der Welt genossen, unter dem Sternenhimmel getanzt, an den schönsten Stränden Parties gemacht, alleine zuhause sämtliche astrologischen Voraussagen gelesen. Mit einem kleinen Freundeskreis gediegen gefeiert und über unerfüllte Lieben gejammert. Eine Casinoparty zuhause organisiert. Einen alten Freund an eine neue Frau verloren und mich damit gerächt, mich mit seinem besten Freund einzulassen. Ich habe mit der Familie einen Spielabend verbracht oder eine Spontanparty organisiert. In der Wunderbar Dinner fo one live gesehen. Sogar drei Tage mit einer Gruppe geschwiegen und erst am 1.1. wieder gesprochen (echt jetzt, das kann ich auch…) Ich war schon in Skihütten, Luxushotels, bei Freunden und auch bei solchen, die sich als Nicht-Freunde entpuppt haben.

Heute bin ich in Marere. Mit meinem Peter habe ich einen Rundgang gemacht und begutachtet, welch tolle Arbeit der Fundi am Wassertank in sengender Hitze gemacht hat und welches Stück Land die Frauen in der ebenso heissen Sonne vom Busch befreit haben. Danach wollte Peter mir einen Whiskey servieren, den ich aber abgelehnt habe, weil ich ein Tonic Water kühl gestellt habe mit dem Eis, das mir Joshua organisiert hat und das ich mit meinem kenianischen Gin geniessen wollte.

Also hat er die Doppeldosis getrunken, was bestimmt 2 dl entsprach… Da er sich ja gar nicht ans Trinken gewohnt ist (zum Glück..) ist er fast am Tisch eingeschlafen und auch die Dusche hat nicht viel geholfen. Mein Schatz war sturzbetrunken und er musste sich hinlegen, weil er sonst wohl noch im alten Jahr nach den kenianischen Krähen gerufen hätte. Ich sitze jetzt also hier mit 2 Wächtern, die kein Wort Englisch sprechen, höre Seven und JayZ auf meinen Lautsprechern (war grad alles, was ich auf meinem iPad hatte) und durchforste das Facebook, beantworte die spannenden Fragen von Pony M über das Leben und bleibe dabei ganz entspannt.

Der Tag war so ereignisreich. Das Ganze Women Sacco Meeting mit 100 Frauen, die Übergabe von einem neuen Fussball und einer ganzen Ausüstung, die wir durch Simone aus dem Chor vom FC Bühler erben konnten und interessante Diskussionen über das Leben in Kenia waren die Highlights. Ich fühle mich inzwischen wirklich wohl hier und weil meine Hüfte immer noch schmerzt nehme ich mir sicher vor, mich 2019 viel mehr zu bewegen und das meine ich jetzt physisch.

Das Nachtessen war gut: ein frisches Huhn, das mit einer feinen Sauce und Ugali serviert wurde und natürlich mit den Händen konsumiert wurde. Ich wollte mich auch schon schlafen legen, denn Mitternacht am 31. ist ja auch einfach ein Ding in unseren Köpfen aber Peter meinte, ich soll ihn wecken wenn es soweit ist, denn wir haben Prosecco und Eis organisiert und es wäre doch doof, wenn wir das nicht konsumieren würden. Aber wie gesagt: es ist nur ein Datum und wie man es verbringt wird kaum Einfluss haben darauf, wie das Jahr verlaufen wird.

Ich habe noch einiges abgeschlossen und z.B. den Kindern von Petern einen Brief geschrieben, weil ich das Verhalten der Töchter kaum akzeptieren kann nach der katastrophalen Weihnacht 2017 als die eine Tochter hier in Kenia durchgedreht hat und behauptete, ihr Vater wolle sie verhexen. Das musste ich einfach für mein Seelenheil machen. Colombe hat wie immer super reagiert, als ich es ihr erzählt habe. Sie meinte, vielleicht seien halt andere eifersüchtig darauf, weil wir einen so guten Zusammenhalt haben.

Ich hatte dann plötzlich die Idee, Dinner for One runterzuladen, denn für uns Schweizer gehört das ja zur „same procedure as every year“. Weil es immer noch lange dauerte bis Mitternacht habe ich versucht, mit Chiwai eine Minikonversation zu führen und ich habe rausgekriegt, dass seine Lieblingsmusik Bango ist. Die kenne ich ja schon von Joshua dem Bango King. Wir haben also via Youtube Bango Videos angeschaut und seine Augen strahlten. Meinen Mann habe ich dann tatsächlich noch wach gekriegt. Wir haben uns alle zusammen hingesetzt und Dinner for One geschaut. Das hat auch bei Chiwai, der wirklich im Busch aufgewachsen ist, grosse Lacher ausgelöst. Dann war Zeit, den Prosecco zu öffnen und auf das 2019 anzustossen. Moses war schon lautstark am Schnarchen und hat den Übergang nicht gespürt. Wir drei haben aber Bango getanzt, uns über den fantastischen Sternenhimmel gefreut und darauf angestossen, dass das Jahr 2019 neues Glück, eine neue Aufgabe für Peter und eine beständige Liebe für uns beide bringen wird.

Wir bleiben alle in gespannter Vorfreude und wünsche euch allen, dass ihr eine glückliche Zeit verbracht hat – egal in welcher Form und mit wem auch immer.

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