Donnerstag, 4. April 2019: Wofür steht THY?

Ich habe in letzter Zeit so viele neue Arbeitskolleginnen und -Kollegen näher kennengelernt im jetzigen Projekt (Workday, Einführung einer neuen HR Plattform…) – sie alle kannten meine Geschichte und meinen Blog noch nicht so und in diversen Konversationen habe ich ein paar Anekdoten aus meinem Kenia-Leben erzählt. Ich weiss natürlich, dass sie jetzt wie gespannte Regenwürmer zwischen 2 Amseln reinklicken und nachsehen, ob ich schon gebloggt habe. Und irgendwie wusste ich, dass es schon vor der Ankunft was zu bloggen gibt aber mir war noch nicht ganz klar was. 

Also, dass ich die Nacht vor der Abreise noch mit Packen verbringe das wisst ihr ja in der Zwischenzeit. Und zwar ist es egal, ob ich 3 Wochen vorher schon Dinge parat lege oder ob ich mir erst am Abend vorher überlege, was ich mitnehmen will. Es gibt einfach immer noch einen finalen Entscheidungsstress. Dieses Mal war ich recht erfolgreich mit meinem Handy-Aufruf und ich kriegte sogar noch ein Tablet dazu geschenkt (muss ich mir dann gut überlegen, wem ich das schenke) aber mit dem Tablet auch noch eine rechte Menge an Medikamenten. Die meisten waren mir bekannt und ein paar unbekannte könnte man ja auch noch googeln (wenn man Zeit dafür hätte und eben nicht packen müsste…) aber als ich in der Gesangsprobe (ja die war auch noch zusammen mit HV) erwähnte, dass ich eine ganze Menge Medis habe meinte meine Polizistin-Freundin: au do muesch denn aber uufpasse! Und tatsächlich überlegte ich mir, wie sie mir in Mombasa einen Strick draus drehen könnten, dass ich rezeptpflichtige Medis dabei habe, die wohl kaum für meinen Eigenbedarf sind. Die Gesundheit war ja auf meiner letzten Reise ein Thema aber deswegen brauche ich jetzt nicht Durchfall, Harnleiterinfektion, Erbrechen, Antibiotikum und heavy Schmerztabletten auf einmal… Ich entschied mich also für eine vernünftige Menge an Mitteln, die mir bekannt sind und die wirklich in Kenia auch bei mir regelmässig zum Einsatz kommen: Schmerzmittel und Durchfallmittel und eine ganze Menge Pfläschterli und Verbandsmaterial. Dafür konnte ich meinen Dampkochtopf mitnehmen, denn wenn ich wirklich mal kochen muss für eine ganze Meute dann bin ich damit gerüstet… Das Teil habe ich in meiner Diät-Euphorie gekauft weil CHEF AJ in höchsten Tönen angeraten hat, so ein Teil zu beschaffen.

Aber es muss wohl verschiedene Grössen davon geben – ich konnte in der Schweiz nur die XXL Variante bestellen und die habe ich jetzt ein einziges Mal gebraucht und mich gefragt, ob es nicht ebenso gut geganen wäre mit einer normalen Pfanne… Aber in Gadgets kaufen bin ich stark. Raphi Baer, der unser Studio bei Raiffeisen betreut, hat mich angefixt mit seiner Blogger-Tasche (mit Wendepailetten wohlbemerkt), die er firmenintern ausleiht. Da ist eine DJI Osmo Gimbal Kamera dabei – OMG: so was will ich unbedingt haben!!! Aber es sind einfach wieder 400 Stutz, die ich jetzt in Kenia natürlich anders einsetzen kann z.B. um den Boden im Wohnzimmer zu plättlen… So habe ich mir einfach 2 gute Mikrofone geleistet, die nicht teuer sind aber bei Audio- und Videoaufnahmen einen wesentlichen Unterschied machen. Und mein Plan ist, dass ich meinen Blog auch mal vertone. Das haben mir Freunde schon lange angeraten: einerseits, weil es praktisch ist, wenn man z.B. am Morgen während dem Kaffee oder während dem Schminken auch mal einfach meinen Blog hören könnte – oder auch im Auto oder auf dem E-Bike oder als Gutenachtgeschichte wo und warum auch immer…

Bin dann gespannt auf eure Reaktionen! Ja und dann kommt noch dazu, dass ein Bankleiter einer Raiffeisenbank seine letzte Konversation mit einem Kompliment eingeleitet hat: „Frau Fuhrer sie müssen zum Radio – ihre Stimme ist ja so angenehm – ich hätte Ihren Telefonbeantworter gleich nochmal abhören können!“ Und ich die ja schon fast einen Stimmen-Fetisch hat, könnte ja diesen Versuch ja wirklich mal wagen (den mit dem Blog vertonen und den mit dem Radio vielleicht auch – wer weiss, vielleicht werde ich ja noch entdeckt….) A propos Radio: ich habe da so eine lustige Facebook-Beziehung zu Michel Birri aufgebaut (genau: der von der Sonntags-Hitparade) weil ich ihm gratuliert habe zum coolen Auftritt in der ersten Staffel „Darf ich bitten“ und er unglaublicherweise jeden einzelnen Kommentar beantwortet oder kommentiert (wie wird das wohl sein, wenn er mal so richtig berühmt ist???) Irgendwann kamen wir drauf, dass ich seine Grosstante kenne, denn die hat in Kilifi ein kleines und feines Hotel und 2014 sassen Peter und ich bei ihr im Garten. Für meine Kenia-Kenner-Freunde: Maison Müge in Kilifi… Also: it‘s a small world und sie wird gleich noch smaller…

Ich habe also von 03.00 Uhr bis 06.00 Uhr geschlafen – ich habe mal gelesen, dass man bei wenig Zeit am besten in 1.5 Stunden Rhythmen schlafen soll. Es waren also 3 Stunden, denn ich wollte ja auch keinen Schweinestall hinterlassen, noch etwas für den Blumengiesser Mica bereit legen, den Abfallsack entsorgen, Käse und Bündnerfleisch für Peter einpacken, die finale Kleiderentscheidung treffen etc.etc. Die Zeit verging wie im Fluge und keine Ahnung warum, aber ich hatte ausgerechnet, dass ich auf den 09.48 Zug muss (war irgendwie viel zu früh) aber auch wenn ich normalerweise immer „knapp aber rechtzeitig“ komme so ist es beim Reisen echt so, dass ich gerne genügend Zeit habe und lieber noch am Flughafen rumtrödle.

Ich habe also ausprobiert wie es mit 2 Koffern & einem Bordköfferchen & einem Rucksack gefüllt mit Laptop, 2 Tablets und allem was nicht mehr in den Koffer passte jonglieren würde… Ich musste einfach schauen, dass die Stangen der beiden kleinen Koffer etwa gleich hoch sind und ich sie mit einer Hand schieben konnte und den riesengrossen Regenbogenkoffer, den konnte ich mit der anderen Hand schieben. Na ja gerade bequem reisen nennt man das nicht, aber zum Rorschach Stadt Bahnhof habe ich ja nur etwa 5 Minuten. Aber als ich rauskomme zibölletet es mir entgegen, was das Zeugs hält. Ich verwandle mein Foulard in ein Kopftuch weil es richtig runterlässt sehe ich ungefähr so aus, als ob ich auf der Flucht wäre mit gestohlenem Gut, denn ich versuche, so schnell wie möglich vorwärts zu kommen. Die Leute schauen mich etwas mitleidig an aber was soll‘s: ich habe gelernt: beim Reisen muss ich immer schauen, dass ich auf niemanden angewiesen bin.

Beim Einsteigen bietet mir ein überaus charmanter junger Mann seine Hilfe an und hilft mir, die Koffer reinzuhiefen, denn jeder der grösseren hat natürlich 23 Kilo – genau so viel wie erlaubt…

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Ich glaube es kaum: es folgt eine so angeregte Diskussion – das passt eigentlich gar nicht in die 14-minütige Fahrt rein aber wir unterhalten uns über türkische Politik, Hilfswerke (ich empfehle ihm das Buch „Doing good better“, er zeigt mir eine App für Pferdebesitzer, die er entwickelt hat – sayblake heisst sie – und in St. Gallen dann auch noch 2 Videos, die er produziert hat. Ich bin vollkommen begeistert und sage ihm, dass ich vielleicht auch mal einen Auftrag für ihn habe – besonders auch mit meiner „Wowcom“ und vielleicht auch von der Raiffeisen… Und er fragt nur: „kennst du Illi“? Wir sind (noch) 2000 Mitarbeiter bei Raiffeisen Schweiz aber Illi bzw. Yllzana wie sie richtig heisst – ist eine meiner bevorzugten Kolleginnen, die gleich im Büro nebenan im Projekt sitzt (siehe oben) und jetzt sicher grinst wenn sie diese Zeilen liest… Wir schicken ihr ein Selfie und danach tauschen wir uns auf meiner Anreise im Zug noch weiter aus und lachen über diesen unglaublichen Zufall!!! Sie schickt mir sogar einen Film, den dieser Atilla für sie gemacht hat. Ach ich liebe solche Begebenheiten und wenn man mit offenen Augen und offenem Herzen durchs Leben geht, dann begegnen einem (oder mir auf jeden Fall) immer wieder solche wunderbare Situationen, die mir einmal mehr aufzeigen, dass wir alle zu einem grossen Ganzen gehören (gell Arsallan?) und es uns besser geht, wenn es denen um uns herum auch besser geht!

Daher fluche ich jetzt nicht über Turkish Airlines, die ihre Flugzeiten in den letzten 2 Tagen 4x geändert haben sondern freue mich, dass ich hier in Istanbul schön Zeit habe, euch upzudaten und euch auf meine kenianischen Abenteuer vorzubereiten. Ich freue mich wie ein kleines Kind darauf – dass am Ende dieses Fluges mein Schatz und Onkel Peter und ganz viele Menschen warten, die mir in den letzten 8 Jahren sehr ans Herz gewachsen sind. Und am Dienstag kommt dann noch Olivia, die effektiv schon in den Startlöchern ist und sich bestimmt auch sehr auf den Abflug freut (sie wollte genau an dem Tag reisen, an dem der gesamte Flughafen Atatürk zum neuen Flughafen Istanbul migriert wird. Das Angebot, am Donnerstag nach Istanbul zu fliegen und erst am Montag nach Mombasa hat sie dann dankend (und wahrscheinlich auch ein bisschen fluchend) abgelehnt weil sie ja nicht in das (ebenfalls wunderschöne) Istanbul will sondern endlich endlich wieder in Kenia mit uns was bewegen will.

Au – sie rufen den Flug schon auf – ich hoffe auf nette und gut duftende Sitznachbarn und freue mich auf eure Kommentare und Rückmeldungen! Und danke auch für die Türkisch-Witze auf Facebook – nicht unbedingt über die Airline – aber sie waren sehr amüsant… Ich hätte da auch noch eine Idee, was THY (Turkish Hava Yollari) auch bedeuten könnte: Take it with Humor – you have no other option…

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