Dienstag, April 9, 2019: Flexibilitätsworkshop mit Happy End

Monate im Voraus hat unser lieber Onkel Peter ein Programm auf die Beine gestellt für sein IT Training. Ich habe es ihm überlassen, es zu gestalten. Er wollte von meinem „Piter“ (so nennen wir ihn zur Unterscheidung von den anderen 2 Petern…), dass er Leute organisiert, die Englisch können und schon einige IT Kenntnisse haben. Sie sollen sagen, was sie genau lernen möchten und gleich Beispiele mitbringen von Dingen, die sie machen möchten, z.B. Listen von Schülern, Durchschnittsnoten, Kosten für die Schule, ein Budget etc. Er wollte, dass sie wirklich das gelehrt kriegen, was ihnen am meisten hilft. Könnt ihr schon ahnen, ob das funktioniert hat?

Piter war extrem bemüht, das zu organisieren. Er hatte von einem Principal (Schulleiter) die Zusage, dass etwa 10 Personen kommen würden, dass sie aber jetzt noch zu beschäftigt waren um das Semesterende vorzubereiten. Piter hat bis zur letzten Minute versucht, Beispiele zu kriegen aber das sind sie sich hier einfach nicht gewohnt. Wir haben früher schon festgestellt, dass sie sich selber nicht einschätzen können, sich selber nicht gut darstellen können (ganz im Gegensatz zu allen Politikern, die meinen, sie können alles und noch. mehr – die scheinen eine andere Schule durchlaufen zu haben) und einfach das lehren, was sie vorgesetzt kriegen.

Also Monate zuvor hat Onkel Peter alle Laptops neu aufgesetzt und updated, er hat Images erstellt, die er dann auf die Computer in Kenia spielen konnte und sich akribisch mit LibreOffice (ein kostenloses Office Programm) auf sämtliche Fragen und Möglichkeiten vorbereitet, die seine Schüler ihm stellen könnten.

Als ich angekommen bin haben wir alles ausgetestet und dann abends auf dem Beamer auch gleich noch getestet ob man auch Filme schauen kann. Ich hatte etwas zu kämpfen, denn mit einem direkten Anschluss via HDMI konnte ich den Sound nur über die schäpprigen Beamer Lautsprecher abspielen. Die Boom Box wollte mein Laptop partout nicht erkennen und einen 9-poligen Anschluss hatte er nicht. Ich habe aber immerhin hingekriegt, dass wir „A Star is born“ sehen konnten am ersten Abend und über meinen iPad die Filme, die ich selber gemacht hatte und mit iMovie bearbeitet hatte was natürlich wieder viel Gelächter hervorrief. Was aber nicht funktionierte war der Film, den ich von Netflix heruntergeladen habe, denn es war nur ein schwarzes Bild zu sehen. Und die geniale Idee „l‘Intouchable“ zu sehen ist daran gescheitert, dass dieser Video nur auf französisch war. Meine Tanzfilme, die ich mitgenommen hatten wollten sie nicht sehen – Action wäre angesagt gewesen, aber das erachtete ich als pädagogisch nicht so sinnvoll. Stell dir mal vor: du lebst im Bush und kriegst plötzlich einen krassen Action-Film zu sehen. Das könnte definitiv zur Nachahmung animieren. Selbst die Nacktszenen aus A Star is Born und die eine Szene, wo sie einem in der Bar eine runterhaut haben schon zu lautstarken Kommentaren geführt.

Zum Glück hatte ich noch einen netten – wenn auch sehr kurzen – kenianischen Film auf DVD dabei. Hakim – die Geschichte eines Waisenjungen, der stirbt und sich in einen Schmetterling verwandelt. Ich muss die Videothek wohl noch etwas aufstocken und ich habe gesehen, dass ich in der Brocki in Rorschach Filme für 2 Stutz kaufen kann…

Der grosse Tag ist gekommen. Weil Olivia später mit dem Flug in Mombasa ankam hatte auch der Driver für Onkel Peter ein bisschen Verspätung und ich begann mit den Jungs in Marere schon mal mit dem Einrichten. So weit war alles bereit und sogar der erste Student war schon eingetroffen als Onkel Petert dann für den final Setup kam. Er musste nur noch die richtigen Stecker einstecken (Kenia hat ja dummerweise diese fetten englischen Stecker), den Beamer einstellen und alles sah paletti aus. Die Plätze hatten wir schön hergerichtet, wie ich es aus der Schweiz gewohnt bin und seit einem Jahr haben wir gute Schreibtafeln, also sorry, wir haben Schreibtafeln, die sind etwa so fein geschliffen sind wie ein Schieferdach und holprig wie nur etwas aber man kann sie brauchen und mit den farbigen Kreiden kommen sie zwar nicht an meine geliebten Neuland Stifte heran aber es ist eine sinnvolle Alternative.

Nach einer weiteren Stunde trafen 2 weitere Personen ein, die wurden aber erst am Abend vorher informiert, dass es eine Schulung gäbe. Alle zusammen organisierten dann weitere Lehrer, die in der Nähe waren. Wie wir erfahren haben sind nämlich die meisten Lehrer in den Ferien vorbildlicherweise auch in anderen Weiterbildungen oder sie gehen zu ihren Familien über diese Zeit. Wir haben jetzt gelernt, dass wir vor den Schulungen Brief schreiben müssen mit einer offiziellen Einladung, die dann jedem als Hardcopy zugestellt wird, damit die Schule auch das notwendige Fahrgeld bezahlt.

Von den 10, die aufgeboten waren kam also nur einer und nicht mal der, der es organisiert hat. Bis zum Mittag waren es dann aber doch stolze 8 Teilnehmer (immerhin 80%). Wir haben aber mit den ersten 4 begonnen und nachdem Onkel Peter sich vorgestellt hatte und nach Programmwünschen fragte meinten sie: also Briefe schreiben, das können sie bereits… also blieb noch Excel. Als sie den Vorschlag sahen meinte einer, ob er eine Frage stellen dürfe: Onkel Peter ging natürlich gerne darauf ein. Der Schüler meinte also: solche Tabellen zu machen das würde ihm eigentlich gar nichts bringen, er sei ja kein Buchhalter. Aber was er dauernd machen müsse seien Präsentation und er habe auf dem Computer gesehen, dass es auch ein Präsentationsmodul gäbe. Also das wäre das, was ihm am meisten bringen würde. Die anderen 3 pflichteten bei und sagten: ja Präsentaitonen, das möchten wir lernen. Onkel Peter meinte: no problem – hakuna matata und begann mit Impress etwas zu zeigen. Dummerweise war er dann nach etwa 10 Minuten mit seinem Präsentations-Latein am Ende, weil das nicht etwas ist, das er je braucht.

Barbara – kannst du bitte helfen? Scheibenkleister – ich hatte mit einem geruhsamen Tag gerechnet. Ich war sowieso schon durchgeschwitzt weil ich ja die ganze Installation gemacht hatte aber jetzt musste ich einschreiten. Oh wie gerne hätte ich jetzt allen eine illegale Lizenz von PowerPoint installiert aber das geht natürlich nicht, wenn Onkel Peter sagt, das sei illegal…. Ich bin ja quasi die Queen of PowerPoint aber mit diesem Impress von LibreOffice habe ich im Leben noch nie, aber auch noch gar nie etwas zu tun gehabt…. Hilfeeeee!!!!!!

Ich will grad mit einem grossen Thema beginnen: Masterfolie erstellen und mache meine ersten Schritte bis ich merke: Scheisse: wie schliesse ich diese Masterfolie jetzt wieder? Alles ist an einem anderen Ort, die Menüs heissen total anders, es hat keine Icons wie im PowerPoint. Ich verzweifle fast und das eben erwähnte Scheisse ist grad noch ein liebes Wort, das ich verwende. Auch die Animationen, die natürlich besonders viel Spass machen würden kriege ich nicht hin und ich bin grad kurz überfordert und vollkommen hässig. Ihr erinnert euch an meine Ankunft ohne meinen Piter am Flughafen? Genau: auch hier sage ich mir: entweder bist du jetzt hässig und verdirbst mindestens 10 Leuten den ganzen Tag oder du machst einen auf Spontanmodus. Mist: Internet hatten wir auch keins und somit auch keine Möglichkeit, Links zu erstellen oder Bilder runterzuladen. Ahhhh!

Und so habe ich im Hirn den Hebel rumgelegt und ihnen einfach eine coole und nützliche Schulung gegeben mit einigen Showeinlagen – das kommt hier besonders gut an und – falls ihr schon mal bei mir in einer Schulung wart: das kann ich auch gut. Ich habe ihnen also Tipps & Tricks gezeigt, Shortcuts die ihnen beim Erstellen helfen und dann auch noch ein paar coole Übergänge von einer Folie zur anderen. Nach der Pause habe ich sie mit meinem beliebten 1,2,3 Spiel wieder aktiviert – sie haben sich fast kaputt gelacht und die Stimmung war mittlerweilen auf dem Höhepunkt. Ich habe ihnen dann eine von meinen Top PowerPoint Präsentation gezeigt, die auch noch einen Bezug zu Kenia hatte. Kurz vor dem Mittagessen (das allerdings erst um 15.30 serviert wurde weil wir ja zuerst mal wissen mussten wieviele Leute überhaupt zum essen kommen würden…) hatte ich dann die glorreiche Idee, sie selber arbeiten zu lassen: sie musste eine Präsi von 5-10 Slides machen, auf denen sie sich selber vorstellten.

Was danach kam, hat mich einmal mehr zu Tränen gerührt (das passiert mir übrigens jeweils auch in der Schweiz in meinen Klassen): die Präsentationen, die folgten waren so supertoll. Olivia traf nach ihrem Powernap auch in Marere ein und setzte sich hinten ins Klassenzimmer: auch sie war vollkommen beeindruckt, denn sie wusste ja, dass diese Leute erst einen Tag Schulung hatten. Jeder hatte sich auf eine so tolle Weise, teils sogar mir viel Humor und spannenden Leitsprüchen eingebundenen Bildern und Filmen vorgestellt: es war eine wahre Freude. An der Päsentationstechnik können wir noch feilen, aber das ist dann ein Vorhaben für nächstes Jahr.

Ouff, ich habe das Essen genossen aber ich war vollkommen geschafft: damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet aber der Zweck war erfüllt: 8 Personen konnten mit neuen Fähigkeiten zurück in ihre Klassen gehen und ihre Schüler überzeugen. Eine ältere Frau hat dann eine Lobeshymne auf die Schweizer Truppe gehalten und uns den Himmel runtergedankt und an die Lehrer appeliiert: sie sollen sich nicht über die schlechten Situationen beklagen sondern das Gelernte weiterverbreiten und sich glücklich schätzen, dass sie von Schweizern, die so weit hergereist seien unterrichtet worden sind mit so viel Herzblut.

Das war die Kompensation für Onkel Peter, Olivia und mich, dass die Arbeit, die wir hier leisten wirklich etwas bewirkt und das was wir Lehren weitergetragen wird und den Lehrerinnen und Lehrern einen Stolz gibt, weil sie etwas Neues dazulernen konnten. So sinnvoll dürfte es in meinem Leben jeden Tag sein!

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