Donnerstag, 11. April 2019: 6 men strong!!!

Ich bin etwas übernächtigt, da mein lieber Piter mich gestern spät noch überredet hat, für US Aid (eine amerikanische Hilfsorganisation) ein Factsheet über Marere zu machen und Bilder zu versenden… Er hat mich ziemlich gestresst, denn ich mag solche Feuerwehrübungen nicht. Ich helfe gerne aber dann wenn ich Zeit habe. Aber ganz immer können wir ja auch nicht gleicher Meinung sein – auch wenn ich das mit meinem hohen Harmoniebedürfnis am liebsten so leben würde.

Heute ist das Volleyballturnier angesagt. Für einmal erleben Olivia und Onkel Peter, was es heisst, zu spät zu kommen. Denn sie haben auf 9h das Volleyballturnier angesagt in der Marere Primary School. Aber wer rechnet denn noch damit, dass die Pumpe für die Bälle versagt, dass man noch WC Papier für Barbara kaufen muss und es im ersten Laden keins hat und dass einem noch in den Sinn kommt, dass die Spieler wohl auch noch Wasser brauchen und es aber im 1. Laden nur 1 „crate“ davon hat und man daher noch in einen zweiten muss… Ganz verzweifelt schreibt Olivia: ja zu spät kommen versteht man erst, wenn es einem selber betrifft…

Auf dem Feld wurde schon versucht, mit Kreide die Umrandung einzuzeichnen, man suchte noch nach einem Faden, der wahrscheinlich aus dem Nähunterricht geliefert wurde. Die 4 Teams erhalten alle neue Shirt und das Versprechen, dass am Schluss alle einen Ball erhalten würden und das Netz in der Schule bleiben wird.

Das spornt die 2 Mädchen und die 2 Jungs-Teams mächtig an und so spielen sie auf holprigem Boden mit krassen Dornen, teils in Badelatschen, die Mädchen in Röcken alles was ihre Fähigkeiten hergeben – und das ist echt viel. Total ernsthaft mit ganz viel Enthusiasmus. Die Jungs haben sogar für jedes Team einen Schlachtruf ausgedacht. Nach jedem Punkt stehen sie zusammen und rufen laut: 6 men strong, sogar der kleine „Pfüdi“ der kaum etwas ausrichten kann aber auch mitspielt. Onkel Peter und ich sind die Fans und beklatschen jeden Punkt, wie wenn es der grösste Cup wäre. Es hat bei den Jungs ein paar Spieler dabei, die es auf nationales Niveau schaffen könnten, wenn sie denn nur Trainer und Unterstützung hätten.

Die Wasserverteilung artet fast in eine Schlägerei aus und nach den Spielen müssen wir wieder mal an die Sauberkeit erinnern und ihnen auch aufzeigen, dass Aufräumen mit dazu gehört. Aber sie bringen alle Plastikstühle zurück und auch den Schulbank auf dem der Schiedsrichter gethront hat.

Es ist einfach herrlich zu sehen, wie viel Freude mit diesem Anlass geschenkt wurde und ich bin sicher, in nächster Zeit wird an der Marere Primary School Volleyball trainiert wie verrückt. Einer der Lehrer investiert ja jeden Samstag und oft noch den Sonntag und trainiert die Kinder der ganzen Gegend. Ach ja – habe ich schon erwähnt, dass all das bei etwa 35 Grad im Schatten passiert und wir schon fast Hitzeausschläge vom reinen Sitzen kriegen? Die paar Tropfen Regen, die fallen haben uns zwar extrem erfreut aber ein Tropfen auf einen heissen Stein ist im wahrsten Sinne des Wortes noch gar nichts… Die Wettervorhersage klingt nicht gerade viel versprechend und wir mussten schon wieder Wasser kaufen, was ein extremer Kostenfaktor ist.

Danach machen wir eine Exkursion nach Gosheni, der Tagesstätte für Waisen, die von Wiesers in ein kleines Paradies verwandelt wurde. Alles wächst und spriesst. Es hat richtige Beete in denen verschiedene Gemüse und Früchte wachsen und einige Bäume sind gepflanzt, die bald Früchte tragen werden und Schatten spenden werden. Es ist eine echte Freude das zu sehen. Nur den Tomaten im Gewächshaus geht es nicht gut, sie sind von einem Schädling befallen und müssen gespritzt werden. Sie brauchen auch viel zu viel Wasser, das momentan echt nicht vorhanden ist. Was uns natürlich wieder einmal mehr auf den Boden kommen lässt ist der Fakt, dass sie jetzt zwar eine wunderbare Küche haben aber es doch vorziehen auf dem alten offenen Feuer kochen. Es gehe viel schneller meinen sie… wir können ihnen manchmal einfach nicht aufzwingen, was wir denken, dass besser ist.

In Kilifi haben wir uns mit neuen Platten für den Wohnzimmerboden eingedeckt bei Al Madina – ein Laden, der uns alle fasziniert. Mit dem Material daraus könnte man effektiv ein Haus bauen. Die Leute kennen uns zum Glück und wir können schon mal die Platten holen, ohne dass wir sie bezahlt haben. Wir sind hier kreditwürdig. Wenn wir aber nicht sofort bezahlen dann gibt es fast stündlich einen Anruf vom Besitzer Ali, der schon weiss, wie er sein Geld eintreiben muss.

Piter hatte nervöse Unterhosen an, denn momentan sind sie am Registrieren der Bevölkderung in Kenya. Sie düsen mit einem Gerät herum auf dem sie alle Einwohner einloggen inkl. Fingerabdruck und Passfoto, die gleich vor Ort mit dem Gerät geschossen wird. Irgendwie erinnert es mich an das alte rote SBB Gerät. Ob hier mein ehemaliger Arbeitgeber STEAG noch die Software geliefert hat?

Normalerweise muss man ja vorbeigehen bei einer offiziellen Registrierstation aber für den ex MP kommt man persönlich vorbei. Aber einen kühlen Drink im Makuti Villa – offeriert vom Onkel Peter – den lasse ich mir jetzt also nicht verderben. In dieser Hitze ist mein Mund manchmal so ausgetrocknet, dass ich mir ab und zu einen Softdrink gönne – rein um mal einen anderen Geschmack im Mund zu haben.

Wir sind noch vollkommen früh genug retour und die Registrierleute kommen erst später vorbei. Peter möchte unbedingt, dass ich mich auch registriere, aber das scheitert dann an der Eingabe „County“ anstatt „Country“ und in welchem County Rorschach ist, das weiss ich jetzt auch nicht… Auch Peter fehlen noch ein paar Dinge, denn die Anforderungen sind hoch: Birth Certificate, Driver‘s License, Gesundheitsversicherung, ID Nummer und Passnummer – alles sollte verfügbar sein und ist es jetzt hier in Marere natürlich nicht.

Irgendwann zwischendurch kommt auch noch der Plättlileger, der sofort mit Verlegen anfängt und einen sensationellen Job macht. So 60×60 Platten zu verlegen ist ja auch nicht grad so einfach aber er schafft gewissenhaft vor sich hin und nach einem halben Tag sieht das Wohnzimmer schon ganz passabel aus. Zwischendurch wurden auch die Vorhangstangen geliefert und eine Gertrude hat mir eine Offerte für Vorhänge gemacht, die mir jetzt grad ein bisschen hoch erscheint. Wir diskutieren, was wir mit den Möbeln, dem Kühlschrank der Waschmaschine etc. etc. aus Nairobi machen werden und wir beschliessen, das meiste liefern zu lassen – aber auch dort braucht es noch eine zweite Offerte, denn die erste ist horrend hoch. Hier geht einfach das meiste pole pole (langsam) und wenn es nach mir ginge, da müsste es haraka haraka (schnell) sein.

Ich teste noch mein Equipment für den nächsten Tag und kaum habe ich den Beamer eingeschaltet sitzen auch schon wieder 5 Männer davor, da sie denken, dass es wieder einen Film gibt. Ich teste verschiedene Laptops durch: der eine hat kein Bluetooth, der andere hätte es zwar, es lässt sich aber nicht aktivieren und meinen Laptop möchte ich nicht benutzen, da ich auch noch letzte Vorbereitungen machen muss (fast wie zuhause…). Aber einer, der grade einen neuen Job angefangen hat kann aushelfen. Ein schöner neuer HP Laptop mit DVD Laufwerk und einem HDMI Anschluss funktioniert schlussendlich und wir gucken uns alle den Tanzfilm Honey an, der sogar die Männer begeistert weil auch ein kleines bisschen Sex & Drugs beinhaltet.

Die Plättlileger übernachten sogar in Marere, damit sie am nächsten Tag wieder früh beginnen können – es ist ein Berufsstolz, der seinesgleichen sucht und davon können wir uns alle eine Scheibe abschneiden! Ich finde es immer toll, wenn wir gegenseitig voneinander lernen können.

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