Dec 26-27, 2019: Food for thoughts

Unsere Essensgewohnheiten renken sich langsam ein: Peter isst brav, alles was „braun“ ist. Ugali (Maispampe ohne Salz) aus braunem Mehl – es ist richtig übel aber er isst es. Und auch hinter die Weihnachtsguetzli Büchse durfte er nur 2x für je ein Mailänderli. Ich mache ihm Braune Toastbrot-Sandwiches mit etwas Käse drin und er isst viel Gemüse – teilweise sogar aus dem eigenen Garten. Die Werte sind noch nicht optimal aber wir gehen nochmals zum Arzt nach Malindi und ich erhalte dort die Antwort auf die Fragen, die ich noch hatte bezüglich Zeitpunkt der Messungen, der Spritzen etc. Sie finden heraus, dass Peter gewisse Medikamente gar nicht erhalten oder geholt hat – vielleicht auch, weil er damals recht drunter und drüber war. Mit dem Rauchen soll er auch hören beschwören wir ihn aber auf dem Ohr ist er taub. Der Doktor – ein arabischer Mohamed – versucht ihm den Zusammenhang zu erklären.

Was Peter total verschweigt ist, dass er bei einem sudanesischen „Wunderdoktor“ war und daher auch 3 Wochen lang weder Insulin gespritzt noch die Daten aufgeschrieben hat. Ich glaube ja absolut auch an Naturärzte aber wenn man in einem so kritischen Zustand ist wie Peter dann sollte man sich echt nicht auf Experimente einlassen. Selbst dieser Arzt hier stellt durchaus in Aussicht, dass bei einer stabilen Situation auch die Möglichkeit besteht, dass Peter plötzlich nur noch 1 Medikament nehmen muss. Aber dafür braucht es jetzt noch mehr Disziplin. 3x am Tag zur gleichen Zeit essen, 4 x spritzen und 2x messen. Wir müssen das noch hinkriegen…

Die Leute sind richtig herzig hier: seit sie gehört haben, dass es ihm nicht gut ging bringen sie Kürbisse, Mais und andere Geschenke vorbei. Und so beginne ich meine Schweizer Kürbis-Suppe auf die hiesigen Gewohnheiten zu adaptieren. Das Resultat ist spitzenmässig und wird der Renner von Marere! Einer meint: er hätte immer massenweise von diesem Gemüse in seinem Garten gehabt aber er habe nie gewusst, was damit anfangen… Jetzt werde er das nachkochen. Anstrengend ist nur, dass ich nicht die richtigen Tools habe zum Kochen und alles jetzt nochmals doppelt zu kaufen (in Nairobi haben wir einen gut eingerichteten Haushalt) macht einfach auch null Sinn und ist schlichtweg zu teuer.

Was mir extrem fehlt ist ein Ofen: mal was überbacken, im Ofen brutzeln lassen – das wäre supercool. Vielleicht finde ich noch so etwas und dann könnte ich noch vielfältigere Dinge zubereiten. Mindestens haben wir einen Grill und darauf können wir Poulet und Fisch braten.

In Gesprächen finden wir heraus, dass so viele Leute hier Diabetes haben und dazu habe ich mal eine Foto gemacht, von all den fritierten Dingen, die hier zu einem Frühstück gehören – alleine vom Hinschauen wirst du zuckerkrank!!! Dann haben die Kenianer auch noch eine andere schlechte Angewohnheit: sie trinken dauernd frische Fruchtsäfte zum Essen. Ein Saft ist ja alleine schon eine Mahlzeit aber sie nehmen fast literweise Säfte zu sich zu dem fettigen Essen! Die nicht ganz Armen bewegen sich auch kaum und das führt dann zu extremer Verfettung. Ich glaube, mir wird hier echt vor Augen geführt, wie viel Einfluss das Essverhalten hat und wer weiss: vielleicht ist es endlich auch für mich das Ticket zu weniger Kilos, denn irgendwie verliert das Essen momentan recht an Bedeutung bzw. die Suche nach Gesundem nimmt zu und bewirkt, dass ich mich mehr damit auseinandersetze. Irgendein Grund steckt einfach in allem, was in unserem Leben passiert auch wenn wir es manchmal erst auf den zweiten Blick realisieren.

Meine Saftmaschine kommt aber trotzdem für Wassermelonen zum Einsatz – sie funktioniert hervorragend aber trotzdem sage ich: es ist besser, die Früchte ganz zu essen als den Saft zu pressen. Das ist auch der Grund weshalb ich sie in der Schweiz fast nie mehr gebraucht habe. Für Passionsfrüchte wird sie aber wieder super sein im Einsatz. Witzig war auch noch, den Unterschied zu White Bread und Brown Bread zu hören vom Arzt: ich war mir fast sicher, dass es sozusagen dasselbe ist: eine echt Pampe, die nur durchs Toasten einigermassen erträglich wird… wir müssen also nach Whole Meal Bread fragen – das ist was wir brauchen. Das habe ich bisher aber höchstens mal in Nairobi gesehen. Und hier in Mailindi – das ja wegen der vielen Italiener auch Milano 2 genannt wird – gibt es auch vor allem weisses Brot. Aber der Doktor meinte: mehr und mehr Muzungus (Ausländer) müssen auch besser auf die Ernährung achten und kaufen dieses Brot und nach einigen Suchen finden wir sogar eine richtig hübsche Bäckerei. Er hat grad frisch gebacken und normalerweise hat er auch Vollkorn-Pasta im Angebot aber die haben die Italiener jetzt weggekauft über die Feiertage.

Ich habe ja einige Freundinnen, die mir beim letzten Ernährungs-Hilfeschrei versucht haben zu helfen aber manchmal bin ich echt verwirrt, was das Essen anbelangt. Ich glaube schon mal, dass eine vollkommene Reduktion von allem, was „processed“ ist ein super Schritt ist und auf dem Weg befinden wir uns: Fiber, good fats and Protein. Der Arzt hat noch die CRAP Methode erwähnt. Auch dazu finde ich unterschiedliche Erklärungen. Eine ist:

C   affeine

R   efined Sugars

A   lcohol

P   rocessed foods

Die andere:

Auf dem Rückweg von Malindi decken wir uns noch mit Crevetten ein. Ein Hüüfeli für KeSH 50 (50 Rappen). Zuhause angekommen vertilgen wir sie gleich mit einer zitronigen Sauce – für mich ohne Wari (die Maispampe) dafür begleitet von meiner feinen Kürbissuppe – richtig lecker!

Ich bin nicht abgeneigt über Ernährungstipps aber im Endeffekt muss ich für mich selber entscheiden, was richtig ist – wie für alles im Leben.

Maisha Marefu sagt man hier beim Anstossen: auf ein langes Leben!

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