Dec 29-30, 2019: Ich bin auch eine Sekretärin…

Ich stelle ja gerne meine Fähigkeiten zur Verfügung, wenn sie der Community etwas nützen. Momentan werde ich aber als Sekretärin des Chief‘s Offices eingesetzt und kriege Briefe nicht gerade diktiert aber vorgeschrieben. Weil niemand (auch mein Mann nicht) weiss, wie man das sauber in einen Computer kriegt und dann ausdrucken kann komme ich zum Einsatz.

Ich schreibe einige Briefe auf meinem Mac. Ich schicke dann auch eine Kopie an Peter indem ich mich kurz mit dem Internet verbinde. Da ich mit Libre Office arbeite muss ich aber aufpassen, dass ich sie nicht in diesem „schrägen“ *.odt Format schicke sondern zuerst entweder ein PDF oder ein Wort Format draus mache. Die Frage nach dem Verbleib des Druckers, den ich damals für Pro Ganze gekauft habe, kann nicht abschliessend geklärt werden. Auf jeden Fall ist das Teil nicht auffindbar. Bei solchen Dingen (eigentlich immer wenn es um Geld geht) verlässt mich meine Gelassenheit – ich kriege wirklich einen dicken Hals. Das ist unschön, zumal ich ja wegen der Hitze schon immer das Gefühl habe aufgedunsen zu sein… Aber ich versuche dann all die guten Ratschläge zu befolgen und beruhige mich irgendwie wieder.

Die Briefe werden durchgelesen und jetzt müssen wir speziell in ein Cyber-Café nach Kilifi fahren – das sind etwa 40 Autominuten, denn das Mini-Cyber-Café in der Nähe hat nur Viren auf dem Computer und jemand hat schon die Erfahrung gemacht, dass er nachher alle seine Daten auf seinem Computer verloren hat. So fahren wir jetzt mit meinem Mac nach Kilifi um die Briefe drucken zu lassen und noch 4 Dossiers zu kreieren. Ich ahne schon, dass das eine lange Prozedur wird und habe gleich noch das Geschenk von Olivia (Pro Ganze Mitglied) für einen Freund mitgenommen. Meine Ahnung stimmt und selbst nachdem ich die Files vom Mac auf einem Stick übergeben habe bleibt mir noch genügend Zeit um auf dem Markt einzukaufen und beim Electronics Shop vorbei zu schauen, ob sie vielleicht nicht doch noch eine passende Steckerleiste für europäische Stecker haben. Paul braucht unsere in Nairobi für eine Shisha (noch ein Streitpunkt…) und weil sich seine Reise verkompliziert hat ist die Schiene an dem Tag noch nicht eingetroffen.

Was mich echt zum Schmunzeln bringt: es wird jetzt noch am Brief herumgemeckert und neu geschrieben, obwohl ihn schon mehrere Mal durchlesen habe lassen. Zudem muss ich jetzt für das Dossier auch noch ein Inhaltsverzeichnis liefern. Zum Glück habe ich den Mac mit dabei. Ich habe Angst, dass er nächstens den Geist aufgibt weil ich nämlich mein Netzgerät in Nairobi vergessen habe und (siehe oben) dieses noch nicht gebracht werden konnte.

Nach diesem ganzen Verfahren kommt raus, dass der Adressat falsch war und es auch sonst noch ein paar Formfehler gab in dem Brief, der bezüglich der Eröffnungsfeier für das Kauma Sub-County geschrieben wurde. Das muss ich kurz erklären: Ganze bestand früher aus 4 Wards (Gemeinden). Weil es aber immer Streit gab mit dem grösseren Stamm der Giriamas haben die Chionyis und die Kauma ein eigenes Sub-County (ähnlich wie ein Ward) erhalten. Das wurde im offiziellen Amtspapier vom August 2017 verkündet. Dummerweise ist ganz genau diese Ausgabe der Kenya Gazette nicht mehr online verfügbar. Ich suche und suche und brauche meine letzten Internet-Bundles (prepaid Internet-Zugang) für diese Suche, denn mir wird nur gesagt, dass es irgendwie zwischen Juni und August 2017 war, als diese Entscheidung getroffen wurde. Peter muss all seine Beziehungen spielen lassen bis endlich das genaue Datum und die Nummer der Gazette gefunden wird. Es ist tatsächlich so, dass genau diese Ausgabe nicht auf dem Internet ist, denn gleichzeitig mit dem Entscheid war noch ein anderen gefällt worden, der mittlerweilen vor Gericht ist. In einem anderen Wahlkreis wollte nämlich jemand gleich 11 Sub-Counties kreieren – alle dafür, dass er dann mehr Geld erhält. Das war also der Grund weshalb man das Ding nicht auffinden konnte. Danach muss jemand in Nairobi in das Ministerium gehen um eine offizielle Kopie zu verlangen und ausdrucken zu lassen. All das verlangsamt unser Prozedere.

Es gibt dann sogar noch ein Meeting mit allen Chiefs des neuen Sub-Countys und danach muss ich Änderungen im ursprünglichen Brief machen. Da Paul – der inzwischen eingetroffen und schon wieder abgereist ist – das Ladekabel aber leider in Nairobi vergessen hat (grrhhhh) macht mein Mac keinen Wank mehr. Ich schreibe den Brief also nochmals auf dem alten Lenovo – wir haben ja zum Glück viele – schreibe ich einem noch älteren Libre Office (Hilfe, wo sind hier die Formattierungen?) den Brief nochmals, was echt ein Klacks ist für mich. Als ich aber den Brief an Peter schicken will merke ich, dass leider kein Netzwerk mit meinem Hotspot hergestellt werden kann! Ärger kommt hoch…

Aber jetzt gibt es sowieso noch Besuch von einem jungen Mann, für den Peter letztes Jahr eine Stelle bei einem Anwalt organisiert hat. Er betrachtet den ganzen Brief nochmals aus einer ganz anderen Sicht und alles muss jetzt formalisiert und umgestellt werden und wir arbeiten noch dran, als uns die Moskitos schon fast auffressen… Ich werde den Brief wohl auf einem Stick mitnehmen müssen und dann beginnt die ganze Prozedur von oben. Was noch ein zusätzliches Schmunzeln verursacht: die ganze Eröffnungszeremonie hätte ja eh schon längst durchgeführt werden sollen, da der Entscheid für das Sub-County ja schon seit über 2 Jahren gefällt wurde. Aber ohne die Hilfe und das Pushen von Peter geht in dieser Community echt nichts vorwärts. Die Chonyis haben bereits das Geld erhalten um die Büros zu bauen.

Irgendwie kann ich sehen, weshalb es mit Kenia und ganz spezifisch mit Ganze einfach nicht vorwärts geht… Die Korruption, die Faulheit, das Nichtwissen gepaart mit einer Ignoranz sind ein schlechter Cocktail.

Bestimmt ist es jetzt noch amüsant das im Nachhinein zu lesen. Wenn du aber mitten drin steckst dann gibt es wohl keine bessere Übung für Gelassenheit… oooohhhhmmmmm

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