Dec 31, 2019: es gibt eine Fortsetzung von “Ich bin auch eine Sekretärin”…

Den Reaktionen an habt ihr mit mir mitgelitten – darum jetzt doch noch eine Art „Happy End“… aber ein ganz langsames…

Ich habe heute Morgen also eine Liste erhalten, wie und was ich noch ausdrucken muss und wieviele Male ich dies und jenes kopieren soll. Mit dem Lastwagen-Fahrer Changawa habe ich mich auf den Weg nach Kilifi gemacht – immer mit einem gelassenen Ooohhhmm – Ton im Inneren. Ich schaue Peter ein bisschen vorwurfsvoll an uns sage: hast du eine Ahnung, wie lange das dauern wird? Er meint nur: du kannst die Zeit stoppen: nicht länger als 30 Minuten, denn heute seien bestimmt alle in den Ferien! (Kenianische Minuten wohlverstanden…).

Unser Auto ist leider in einem eher desolaten Zustand und daher ist es mir recht, wenn Changawa mich fährt – der wüsste wenigstens was wir zu tun hätten in einem Notfall. Ich habe meine Liste für das Cyber Café und meine Shoppingliste mit dabei. Auf dem Weg kommt plötzlich ein Anruf, dass noch etwas eingefügt werden muss in den Brief! Ich glaube es kaum und verlange den genauen Text per SMS…

Kilifi ist natürlich voller Menschen. Es ist ein Gewusel und mir fällt auf, dass es jetzt viel mehr Muzungus (Ausländer bzw. Weisse) hat. Ich deute das mal als gutes Zeichen, dass es wieder etwas mehr Tourismus hat. Changawa lässt mich vor dem Cyber aussteigen und geht parken und ich kläre mit Peter, wo denn der besagte Satz genau hin müsse. Dann mache ich mich entschlossen zum Cyber im Hinterhof auf und: genau – niemand hat Ferien aber das Cyber (es heisst übrigens Reality Dream Cyber) hat zu!!!

Ich kenne noch ein anderes: beim Watergate Hotel und wir düsen da hin. Aber leider ist jetzt dort ein Kleiderladen und kein Cyber mehr… unser Mitfahrer weiss noch eins beim Titanic Hotel (Irgendwie kein Wunder, dass hier alle Hotels Katastrophennamen haben…). Also: wenn man das Cyber nennen kann. Es ist ein munziger Schlauch: auf der einen Seite 1 Computer, 2 Drucker und ein paar Gestelle, dann ein Stuhl und dann kann aber auch schon niemand mehr hinten durchgehen. Ich darf mich an den PC setzen und es dauert mindestens 10 Minuten, bis der zu laufen beginnt. Garantiert ohne Virus sagt Stanley, der jetzt echt nett und freundlich ist und extrem hilfsbereit. Ich  ändere den Text und drucke alles aus was ich brauche. Jetzt muss ich die neuen Seiten bei den alten Dokumenten austauschen und das Ganze muss dann nochmals 3x kopiert werden. 3x = tatu in Swahili und er nimmt ganz langsam ein Blatt nach dem anderen und legt es in den Drucker und kopiert. Mitten drin bleibt immer ein Blatt wieder stecken und dann hat er kein Papier mehr. Nicht nur im Drucker sondern auch in seinem Cyber und er muss zuerst noch holen gehen. Als er alles gedruckt hat gibt er mir 1 Exemplar. EIN Exemplar!!! Ich habe aber drei gesagt!!! Ach ja stimmt – es tut mir leid – ich habe es wieder vergessen, ich bin etwas gestresst… Und ja, die ganze Prozedur nochmals von vorne. Ich reihe die Brief korrekt ein und dann werden sie gebunden. So mit schwarzem Klebeband und die übrigen Teile werden mit einem Kartonmesser abgeschnitten. Nach einer Stunde und 50 Minuten habe ich schon, was ich wollte und ich bin echt gaaaanz ruhig geblieben dabei. Dieser Stanley ist aber wirklich ein wunderbar relaxter Mensch: ich frage ihn, ob er auch Computerlehrer sein könnte. Er meint, ja das könnte er aber er müsse jetzt eben grad noch 2x in der Woche in die Bibelschule für die Kirche und er habe 2 Cyber Cafés, da bleibe keine Zeit um noch etwas anderes zu machen – aber er kennen jemanden und ich soll im neuen Jahr wieder anrufen. Wer weiss, vielleicht war es für etwas gut, dass das erste Cyber geschlossen war…

Die restlichen Einkäufe laufen recht zügig: auf dem Markt finde ich Gemüse, das ich gar nicht erwartet hätte wie Salat, Broccoli, Zucchetti und Lauch und ich decke mich mit einem riesigen Sack ein für CHF 10! Das macht mich jetzt grad wieder happy – ich werde das Rezept von einer Freundin ausprobieren mit Kürbisschnitzen. Im Liquor Store heisst es anstehen und ich decke mich mit einem Prosecco und genügend Alkohol ein um mich an Sylvester zu besäuseln…

Die Schlange im Supermarkt Tuskys ist natürlich noch länger aber ich finde immerhin alles was ich brauche und stehe sogar am richtigen Ort an und bin schnell bei der Kasse durch. Letzter Stopp ist dann noch der Fischhändler, bei dem ich 2 Kilo schönen Fisch präparieren lasse und ich gönne mir auch noch ½ Kilo Riesenshrimps, denn zum Alkohol muss ich ja auch etwas essen und dazu wird marinierter Fisch, Shrimps und ein frischer Salat sowie Kürbisschnitze serviert.

In diesem Sinn wünsche ich euch 1/100 der Gelassenheit, die ich in den letzten 2 Tagen benötigt habe und ihr werdet ganz entspannt in ein neues Jahr gleiten!

P.S. Grad als ich diese Zeilen in Tumblr publizieren will trifft mich der nächste Schock: ich habe mich ja so auf den frischen Fisch auf dem Grill gefreut: plötzlich sagt mir jemand: aber Moses (der sonst nie kocht, nie etwas in der Küche anrührt, nie, nie, nie!!) habe jetzt den Fisch schon in Wasser gekocht. Mir kommt grad der Sketch von Loriot in den Sinn mit dem Ei – dort heisst es: ich bringe ihn um, morgen bringe ich ihn um…. Fortsetzung folgt…

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