Jan 03, 2020: König Fussball

„Morgen gehen wir an ein Fussbalturnier. Ich habe die Lautsprecher-Anlage gesponsort und daher sollte ich vor Ort sein. Das ist mal eine Ansage, die Freude bereitet.“ Für Fussball lasse ich mich in jedem Land begeistern. Ich hatte letztes Jahr ja schon so Freude an der Übergabe der Outfits vom FC Bühler. Ich finde einfach auch, dass Sport eine bessere Freizeitbeschäftigungn ist als Nasi (fermentiertes Kokosgesöff) zu trinken und Mirah zu kauen.

Das Tournier, organisiert von Peter‘s Freund Omar Kuta, ist ganz in der Nähe. Omar ist derjenige, der in Peter‘s Wahlkampf diese unsagbaren Gadgets gebrandet hat: Tassen, Uhren, Shirts und allem voran eine unvorstellbar kitschige Wanduhr mit Peter und mir drauf und den wichtigsten Werten von Peter im Wahlkampf. Ich glaube „Design“ bedeutet nicht auf der ganzen Welt dasselbe…

Für die Gewinner hat er neon-orange Leibchen gesponsort auf denen sein Name steht in riesigen Buchstaben. Bei uns würde niemand überhaupt ein solches Shirt anziehen aber hier ist es das Wert, dass man alles riskiert um zu gewinnen. Auf dem Gabentisch liegen auch noch Bälle vom Top CC aus der Schweiz?!? und Shirts die von einer Firma gesponsort sind.

Wir kommen gerade für das finale Spiel und es gelingt mir gleich, das erste (und letzte) Tor der Youngsters einzufangen. Wenn die Zuschauer schon nach einem Tor auf den Platz springen, wie wird das wohl sein, wenn sie das Spiel gewinnen? Wir können auf der VIP Seite im Schatten sitzen aber die Spieler geben sich einen harten Kampf in der brütenden Hitze. Das Rundherum ist sehens- bzw. hörenswert. Durch die von Peter ausgeliehenen Speaker dröhnt es wie in einem Riesenstadion: der Speaker kommentiert alles aber auch wirklich alles. Eher so wie am Radio: er erwähnt jeden Spieler, der am Ball ist und jeden Namen und ooohhhh aiaiaiaiaiai und woooooow. Er hat zwar ein Mikrofon aber das hält ihn nicht davon ab so laut zu schreien, dass man ihn fast ohne hören würde. Und das permanent – selbst während der Pause. Er vereint sämtliche Sprecher, die ich kenne und ancheinend ist er auch ein Unterhaltungskünstler, denn das Publikum lacht immer wieder aus vollem Hals. 

Es herrscht eine sehr fröhliche und aufgelöste Stimmung. Die Zuschauer müssen immer wieder hinter die „Abschrankung“ verwiesen werden, d.h. ein paar Pflöcke wurden eingeschlagen und eine Schnur gespannt.

Es gibt Verkäufer, die irgendein Getränk in kleinen Säckchen halbgefroren verkaufen. Mir fällt ein Junge auf, der bestimmt schon zum dritten Mal zum „chrömlen“ kommt. Dann ist da auch ein wandelnder Verkäufer, der die Leute mit seinen Sprüchen animiert, gegen Schluss von einem Sonderangebot spricht, das in Wahrheit gar keins ist und seine Erdnüsse und Kaugummis loswerden will. Sein Hemd ist falsch geknöpft aber er kann ein paar Worte Deutsch – woher auch immer – wahrscheinlich war er auch einmal Strandverkäufer, als es noch viele Touristen gab in Kilifi.

Hinter mir tauchen immer mal wieder Kinder auf, die von der Muzungu fasziniert sind. Mein Ablenkungsmanöver ist meistens ein paar Selfies mit ihnen zu machen. Das finde sie eine Weil lustig und dann gehen sie weiter. Eines der kleinen Kids sieht die Fotos und macht dann auf meinen Handy eine Wischbewegung um die nächste Foto zu sehen: hier im Busch kennen sie diese Bewegung ich bin gleichzeitig fasziniert und ein bisschen schockiert.

Ich finde, die Jungs spielen noch ganz gut. Es hat einzelne, die haben echt Potenzial. Der Sprecher spricht gerade vom Taka Taka und da fällt mir auf: die meisten dieser Spieler haben gar keine Schuhe. Auf diesem Platz, der zu einem der besten in der Gegend gilt, ist es für unsere Verhältnisse wie auf einem Acker. Pro Team haben höchstens 2 Spieler Schuhe aber die rennen, kicken, machen Biciclettas ohne nur mit der Wimper zu zucken. Stell es dir einfach mal vor: mit einem normalen Fussball und barfuss. Wir würden ja schon nach einem Kick winseln. 

Es gibt noch ein paar spannende Momente, einen 16-Meter Freistoss und einige Corners und das Spiel bleibt dann Youngsters 1 : Small Simbas 0. Das löst eine Jubelstimmung sondergleichen aus. Jetzt sind auch die Girls in der Nähe und flirten mit den Gewinnern. Es gibt den Most Valuable Player, die Schiris und die beiden Mannschaften: alle erhalten Bälle, Shirts, ausgestaubte Raiffeisen Trainings-Shirts (die Schiris spielen tatsächlich langärmig in der sengenden Hitze!!!) und für die Gewinner auch einen Pokal, der zwar jetzt schon etwas schäps dreinschaut (scheint ein Modell aus der Brocki zu sein) aber die Freude ist riesengross. Jetzt kommen noch ein paar gescheite Ansprachen – eine davon natürlich von Hon Peter Shehe. Ich weiss nicht genau, was er ihnen erzählt aber sie sind mucksmäuschenstill und hören ihm zu. Stell dir das mal vor: FCSG gewinnt und bevor die Preisverteilung beginnt kommt noch ein ex-Politiker und erzählt dir was übers Leben: da hätte die grüne Fan-Fraktion wohl nicht besonders Freude daran. Aber die sitzen einfach da und lauschen meinem Mann zu – und wenn er mal ein Mikrofon in der Hand hält dann hält er es mindestens eine halbe Halbzeit lang!!! 

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Es gibt aber noch andere, die etwas zu sagen haben – auch Omar Kuta, der zwar normalerweise staggelet wie wahnsinnig aber jetzt ganz gut spricht. Ich bin ganz nervös für ihn – fast so wie im Film „The King’s Speech“ aber er macht es prima. Plötzlich höre ich ein Schreien, eine Aufregung: der Lautsprecher beginnt auf dem Autodach fast zu brennen: Rauchwölkchen steigen auf und ich denke mir nur: nein, nicht das auch noch – ein Kurzschluss am Lautsprecher (wir hatten an dem Tag schon einen am TV – davon dann später mehr…) Ich kann es kommen sehen: das wird wieder kosten und vor allem: wie veranstalten wir den nächsten Filmabend? Aber das Problem gehen wir dann an, wenn es so weit ist.

In der Aufregung kommen jetzt auch noch die Spieler, die gespielt haben und ausgewechselt wurden. Sie finden es nicht fair, dass sie keine Shirts abgekriegt haben und sie werden richtig laut und bestürmen das OK – mir ist nicht mehr besonders wohl. In früheren Zeiten wäre ich sofort vom Bodyguard beschützt bzw. entfernt worden. Jetzt muss ich mich selber durch die Meute kämpfen und im Auto Zuflucht nehmen. Die Zeiten ändern sich – aber Fussball und meine Leidenschaft dafür bleibt für immer!

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