Jan 12, 2020: Good night, don’t let…

Ich habe in Kenia schon ein paar
verschiedene Beschwerden gehabt: von einer offenen Wunde bis zu einem
infiszierten Mückenstich und anderen Wehwehchen… Mir fällt
einfach auf, dass die Heilung schwieriger vor sich geht mit der
feuchten Luft und der Hitze, die wiederum bewirkt, dass man dauernd
am Schwitzen ist. Ich vergleiche es nicht gerade mit dem Buch
Feuchtgebiete aber wie gesagt: nur schon ein Pflaster so anbringen,
dass es hält ist fast illusorisch. Dieses Mal hatte ich einen so
ausgetrockneten Finger, dass ich Risse in der Haut hatte. Beim Gemüse
zubereiten merke ich dann den ersten Fehler, den ich wohl immer
gemacht habe: ich habe die Apfelstückchen oder die
Auberginenstückchen immer gegen den Daumen geschnitten.
Wahrscheinlich war das Messer so scharf, dass es immer kleine
Schnittchen gegeben hat. Dazu kommt noch das häufige Arbeiten am
iPad oder am iPhone, was ja auch den Daumen ziemlich involviert.

Ich habe also gesalbt und immer wieder
versucht ein Pflaster anzubringen, das nach spätestens 2 Stunden
wieder runtergelampet ist. Zum Glück habe ich noch einen kleinen
Rest von Bepanthen Plus gefunden und das hat gewirkt. Ich schneide
jetzt mein Gemüse und meine Früchte schön auf einem Teller und
versuche auch mit anderen Fingern den iPad zu bedienen. Das Internet
war übrigens nicht besonders nützlich, denn dieses Phänomen trete
vor allem bei sehr kaltem Klima auf – ich lache mich schief!

Was mich aber in den ersten zwei Wochen
wieder sehr geplagt hat war das Kratzen am Rücken. Ich hatte ja im
April einen echten Hautausschlag wegen der Hitze: lauter kleine
Bläschen, die ich dann mit Essigspülungen und einer Crème und
einem kühlenden Ventilator wieder wegbringen konnte. Auch dieses Mal
hatte ich jeden Morgen Kratzanfälle und da ich sowieso ein bisschen
entnervt war hat es mich noch zusätzlich gestresst und zum
Unwohlsein beigetragen. Ich habe mich auch gefragt, ob die Matratze
wohl Mitbewohner habe aber so mit blossem Auge habe ich nichts
gefunden. Als ich die Matratze abgetastet habe fühlte sie sich wie
sandig an und dieser “Sand” wurde dann von Linet entfernt und die
Matratze an die Sonne gestellt. Ich dachte, dass es vielleicht
sowieso daran liegt, dass ich jeden Morgen wegen der durchgelegenen
Matratze mit Rückenschmerzen aufwache aber jetzt schon wieder eine
zu kaufen, obwohl wir in Nairobi noch eine supergute haben wollte ich
einfach auch nicht. Die von Nairobi nach Marere zu bringen hätte
aber wohl auch viel gekostet – wahrscheinlich sogar so viel wie
eine Neue, denn ich habe mich im Tuskys in Kilifi erkundigt: so um
die CHF 120 kriegt man schon eine “heavy duty” die einen guten
Schlaf verspricht. So ein bisschen war ich also schon am
rekognoszieren und habe zwischendurch auch mal gefragt, ob man die
Matratze wohl mit unserem Auto transportieren könne.

Peter ist in solchen Sachen nicht so
begeistert – er ist sich immer noch von der Zeit als MP gewöhnt,
dass ihm alles geliefert wird und dass andere so etwas für ihn
machen. So habe ich auch schon Changawa interviewt als wir mal auf
Shoppingtour waren und er meinte: klar, die binden wir einfach aufs
Dach.

Am Sonntag waren wir dann eingeladen bei
guten Freunden aus Basel, die ein wunderschönes Haus in Kilifi
haben. Beim Menü Rindsfilet mit Kokosreis und Gemüse liefen
natürlich Peter und mir schon das Wasser im Mund zusammen. Und dass
es Weisswein geben wird darauf konnte ich auch zählen.

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Es war auch grad noch der Geburtstag der
Gastgeberin (habe ich im Facebook gelesen) und so improvisierte ich
zuhause noch mit Slberpapier, einem Schmuck und einem
Appenzeller-Biberli ein kleines Geschenk für das Geburtstagskind.
Die Wiedersehensfreude war gross – wir kennen uns jetzt doch schon
4 Jahre – ich habe sie nämlich im Kilifi Bay zum ersten Mal
getroffen, als sie den runden Geburtstag im Hotel gefeiert hatte. Ich
glaube wir waren uns auf Anhieb sympathisch und konnten – auch dank
Facebook – den Kontakt aufrecht erhalten. Sie verfolgen auch meinen
Blog und können immer sehr gut nachvollziehen und mitfühlen, was
mir alles passiert.

Wir tauschen unsere Eindrücke über Kenia
aus und wir haben ziemlich den selben Eindruck: es geht einfach nicht
vorwärts mit diesem Land. Die Dinge verbessern sich nicht und
teilweise werden sie sogar noch schlechter (Lärmeinfluss, Witterung,
Zustand der Strassen, Korruption). Sie unterstützen die Kinder einer
Frau, der es wirklich schlecht ging aber es kamen natürlich noch 2
dazu und irgendwann vergeht auch ihnen die Lust immer noch mehr zu
unterstützen.

Als wir uns gegenseitig ins “Gilettäschli
brüeled” hatten (allerdings mit ziemlich viel Gelächter
dazuwischen) sagt der Mann plötzlich: ja du und etwas, das mir noch
nie passiert ist muss ich jetzt auch noch erzählen: meine Matratze
war von Milben befallen, ja sie haben sie sogar regelrecht
zerfressen. Ich stand auf und es kratzte am ganzen Körper und er
zeigt mir die “Stiche”, die wohl eher Ausschläge sind, denn
anscheinend handelt es sich um den Kot von Milben, der allergische
Reaktionen auslöst. En Guetä!!! Aha, so sieht das aus! Ich zeige
meinen Arm und wir sind uns einig: ich schlafe auch nicht alleine!!!

Jetzt ist es also klar: die neue Matratze
wird heute gekauft!!! Es gibt für Peter kein Ausweichen mehr. Ich
lasse mir die beiden Varianten auslegen und mache ein Probeliegen,
was Peter ziemlich schräg findet. So mitten im Supermarkt auf die
dreckige Matratze liegen – so etwas würde ein MP nie machen. Aber
seine Frau, die kennt inzwischen nichts mehr: ich kaufe nicht mehr
eine Katze im Sack!

Die riesige 183×188 Matratze wird schön in
die Hälfte gelegt und mit Schnur zusammengehalten und: oh Wunder sie
passt perfekt ins Auto, das ja wirklich riesengross ist.

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Ich freue mich schon kindlich auf die
nächste Nacht und gehe sogar früher ins Bett als sonst. Ich
inspektiere vorher aber auch noch den Rahmen: der scheint weder
Holzwürmer noch andere verdächtige Spuren zu haben. Zur Sicherheit
wird er mit dem grossen “Doom” Spray eingenebelt (das
Lieblingspielzeug von Peter – er geht jeden Abenda fu Mückenjagd).
Zugegeben: die Matratze ist verdammt hart aber das ist mir lieber so
und nur schon der Gedanke, dass Peter das einzige Lebewesen ist, das
mit mir das Bett teilt verhilft mir zu einem wunderbaren Schlaf.
Leider nur bis 03.00 Uhr, denn dann steigt die Elektrizität aus und
damit auch der zwingend notwendige Deckenventilator. Ich brate wieder
einmal im eigenen Saft und bin direkt froh, dass es Morgen ist und
ich aufstehen kann. Das geht allerdings viel besser mit dieser
Matratze – ohne Anlauf!

Das mit dem Stromausfall dauert den ganzen
Tag aber wir können zum Glück auf die Solaranlage ausweichen –
halt ohne WC Spülung und Duschen oder Wasser… Es ist auch der Tag,
an dem es wie aus Kübeln regnet. Ich stehe mal direkt in den Regen
und lass mich abkühlen – ein herrliches Gefühl. Die Regenfälle
sind so heftig, dass der Wassertank voll wird und es nur so über die
Dachkännel runterläuft. Ich finde es aber noch entspannend und das
Allerbeste daran: es kühlt um ein paar Grad ab, was sich auf meinen
Wohfühlzustand sehr positiv auswirkt. Ich arbeite den ganzen Tag an
der neuen Website von Pro Ganze und bin beschäftigt. Zwischendurch
probieren wir immer wieder mal aus, ob vielleicht der Strom retour
gekommen ist, denn der Körper hat ja trotzdem dieselben Bedürfnisse
wie sonst und ohne Spülung…. Na ja lassen wir diese Details…

Abends um halb Sieben kommt dann plötzlich
Peter ganz schüch daher und meint: wir haben die “Tokens” nicht
aufgefüllt für die Elektrizität. Da gibt es keine Meldung wie bei
den Internet Bundles im Stil von “Achtung: sie haben nur noch 5
Tokens – bitte füllen Sie auf…” nein, da stellt einfach mitten
in der Nacht alles ab und der Kühlschrank beginnt abzutauen und
meine Hitze steigt…

Die Situation hätte mich wohl vor ein paar
Wochen noch die Wände raufgebracht. Aber nach so vielen Wayne Dyer,
Joe Dispenza, Tai Chi und Yogaübungen und anderen Meditationen
bringt das nur ein Lächeln hervor: ich zücke das Handy, überweise
CHF 25 und tippe weiter… Das sind ja so kleine Probleme… Ich
freue mich schon auf die nächste ruhige Nacht und den darauf
folgenden Walk – mindestens mit 4 Grad weniger!!!

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Vielleicht checkt ihr eure Matratze auch
mal, denn im Internet habe ich recherchiert, dass diese Viecher sich
in allen warmen Orten wohl fühlen. Sleep tight – don’t let the
bed bugs bite – diese Formulierung fand ich schon immer lustig und
habe sie in den USA und mit meinen Kids auch öfters verwendet. Jetzt
weiss ich am eigenen Leib, was es bedeutet. Ich werde sie wohl nicht
mehr überlegt verwenden! Lala salama klingt irgendwie harmloser…

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