Jan 23, 2020: Gesundheitsrapport

Ich mache hier etwas publik, das viele Freunde von mir noch nicht wissen. Ein bisschen hoffe ich auch, dass ich gewisse Hilfehinweise kriegen werde… Ich fühle mich seit Jahren müde. Ich habe Energietests gemacht, Tropfen genommen und auch sonst noch einiges ausprobiert. Mein Hausarzt fand heraus, dass ich an Schlafapnoe (Aussetzer während des Schlafs) leide. Das hat viele Tests, Nächte im Schlaflabor und Anfreunden mit einer Schlafmaske gebraucht. Immerhin war ich nicht mehr soooo müde wie vorher, als ich schon morgens um 07.00 Uhr auf der Autobahn von Arbon nach St. Gallen hätte einschlafen können, aber die Resultate waren nicht so grossartig wie erhofft. Ich dachte, dass es vielleicht auch mein Gewicht besser regulieren könnte wenn ich besser schlafen kann. Das ist nicht passiert.

Klar, ich habe ein sehr aussergewöhnlich aktives Leben gelebt. Viel gearbeitet, viel für den Verein gemacht, viel gefeiert, viele Freunde besucht, viele Seminare gehalten, meistens eher wenig geschlafen aber alles was ich gegen meine Müdigkeit versucht habe fruchtete nicht. Manchmal musste ich mich richtig aufraffen um es zur Arbeit zu schaffen. Aber ich habe nicht aufgegeben und immer gehofft, dass es besser kommt. Ich blieb dabei immer noch fröhlich und aufgestellt aber irgendwie nagte es schon an mir.

Bevor ich nach Kenia kam habe ich soooo viel geschlafen, dass ich mich fast nicht mehr zum Aufstehen aufraffen konnte. Ich dachte, das habe vielleicht einen Zusammenhang mit dem “nicht mehr müssen”, da ich jetzt ja pensioniert bin aber ich hatte schon ein schlechtes Gewissen mir und meiner unaufgeräumten Wohnung gegenüber.

Ein Check-up beim Arzt ergab nicht viel Neues: ein bisschen mehr Vitamin D wäre gut aber ansonsten sind alle Werte ganz ok. Selbst meine eigenen Bedenken, dass auch ich Diabetes II haben könnte haben sich als unbegründet erwiesen – aber das Gewicht ist nochmals gestiegen was mich echt stört. Aber in Kenia werde ich ja genügend Zeit haben um zu schlafen. Ein paar Anekdoten habt ihr schon mitgekriegt: bei einer durchhängende Matratze mit Milben, einer Hitze von 34 Grad, Stromausfällen, lauten Meetings vor meinem Schlafzimmerfenster ist der Erholungsfaktor nicht gerade optimal.

Aber ich wollte ja mit etwas Freudigem beginnen und das mache ich jetzt auch: der Gesundheitszustand von Peter ist extrem erfreulich und dafür habe ich viel beigetragen. Als mich Peter in Malindi abholte bin ich grad ein bisschen erschrocken: ein abgemagerter Peter mit fahlem Gesichtsausdruck (das gibt es auch bei den Schwarzen) ist dahergeschlurft (schlurfen kann ich selbst bei kranken Menschen nicht ausstehen) – ich habe seine Energie nicht wieder erkannt. Ich kannte ihn bisher nur als kräftig, muskulär und ja klar: mit seinem Ränzli, das ich aber nie als besonders störend empfunden habe. Dass er dennoch geraucht hat fast ich fast schon positiv! Mir war schnell klar: das kann so nicht weitergehen – der Peter voller Energie muss wieder zurückkommen. Ich habe mich vor allem mit dem Buch “Die Ernährungs Docs – Diabetes II heilen” und mit dem Audible Book von Jason Fung “The Diabetes II Code” schlau gemacht und herausgefunden, was möglich ist, wenn man die Diabetes II in den Griff kriegen will und sogar frei werden will von Medikamenten. Aber was auch immer wir ernährungstechnisch machten: die Werte waren immer noch viel zu hoch. Bald kriegten wir einen Termin im Spital und dort stellten sie fest, dass Peter noch nicht alle Medikamente einnimmt, die sie ihm empfohlen haben. Wahrscheinlich war er zu stark “durch den Wind” als er nach 3 Wochen den Spital verliess.

Also deckten wir uns mit allem ein, ich kaufte ein neues Büchlein, damit auch alle Einträge gemacht werden konnten. Ich kochte Kürbissuppe, machte Salate, strich allen Zucker, alle Süssigkeiten. Alkohol war ohnehin gestrichen und ist ihm zum Glück egal, und auf die Weihnachtsguetzli musste er schweren Herzens verzichten.

Dazu kam Peter’s hergerichtete “Finnenbahn” – unser 800 m Stück auf der Strasse und im Busch, das wir am Morgen früh bis zu 5 Runden lang ablaufen. Mit dem Schuhwerk gab es noch einiges auszuprobieren, denn nach zwei Tagen mit Flip Flops (autsch bei jedem kleinen Steinchen…) testete ich meine Schweizer Schuhe aus und oh Schreck: nach einem Morgen hatte ich eine so riesengrosse Blase – ich musste schon eine üble Infektion befürchten. Von den Flip Flops kriegte ich dann zwischen den Zehen eine Blase und ich musste eine Runde in den Ballerinas machen… Aus Nairobi brachte mir  Paul meine Turnschuhe, aber ich sah schnell, dass die auch schon in einem lamentablen Zustand sind. Aller Superglue der Welt konnte sie nicht flicken also war es “back to Flip Flops” aber schon mit ein bisschen Jammern. Als Paul wieder nachhause ging stellte ich ganz freudig fest, dass er seine Turnschuhe vergessen oder liegen gelassen hatte (danke im Nachhinein Paul) sie hatten zwar auch Löcher in den Sohlen aber mit Socken getragen haben sie mir einen super Dienst erwiesen. It‘s all about tje Outfit gell Corinne?

Das regelmässige Walken hat sich sehr bewährt. Ich muss einfach sicher sein, dass ich spätestens um 06.00 Uhr loslaufe ansonsten wird es wettertechnisch unerträglich sobald die Sonne rauskommt. Da hilft nicht einmal mehr mein super Kühltuch etwas. Wir haben viele lustige Erlebnisse auf diesem Track und die Regelmässigkeit ist sicher das Beste daran. Für Peter wie für mich und auch Mbuche, die meistens mitkommt und am meisten Unfug macht (wie z.B. schneller laufen damit sie mich hinter der nächsten Hecke erschrecken kann!!!

Als die Schule wieder begann wurde dieser Walk aber ziemlich anstrengend: was machst du mit allen Schulkindern, die dir begegnen? Ignorierst du sie oder sagst du immer wieder “Habari ya asubhi”? (wie geht es dir heute Morgen) zu jedem kleinen Grüppchen – das bedeutet nämlich etwa 50 Mal dieselbe Prozedur ab Runde 3… Das Ignorieren funktioniert für mich natürlich nur 5 Minuten und so ist es fast wie in einem Schweizer Käffchen: Grüezi, grüezi, grüezi…. Manchmal machen wir auch Versuche: Peter ruft ein cooles “Mambo” – etwas, das sicher kein Mheshimiwa (Honorable) macht sondern nur die ganz Jungen… aber die Kids finden es natürlich mega witzig und antworen mit Poa! (cool). Ab und zu hält auch mal ein Piki Piki an und fragt, ob ich eine Fahrt nachhause benötige und ich widerstehe kedes Mal. Es gibt Morgen, an denen die Kinder mit Pangas (Machetten) unterwegs sind und wieder andere an denen alle einen Besen mitbringen (kann auch ein Ast von einem Strauch sein…) weil sie gerade etwas aufräumen müssen in der Schule. Es gibt leider Morgen, an denen fast alle wieder nachhause gehen – das bedeutet meistens, dass sie das Schulgeld nicht aufbringen konnten und daher wieder nachhause geschickt wurden. Die Kinder machen meinen Walk abwechslungsreicher aber auch irgendwie anstrengender – wobei: ich kann sogar schon mal mehrere Runden walken MIT sprechen. Der Fortschritt ist gut und ich bin sicher, ich ziehe das auch in der Schweiz weiter durch.

Alle diese Massnahmen tragen dazu bei, dass es Peter jetzt wieder richtig gut geht. Seine Werte sind hervorragend und es gibt ganze Tage, an denen er nicht einmal Insulin spritzen muss. Die Leute rundherum meinen natürlich, das sei alles mein Verdienst aber die Disziplin von Peter trägt seines dazu bei. Die Kombi ist optimal!

Ich habe hier ja immer zu heiss aber seit einigen Tagen kommen auch Kopfschmerzen dazu. Am Tisch meinten schon alle: du hast sicher Malaria aber das konnte ich mir jetzt nicht vorstellen. Ich fand zum Glück meinen Thermometer und der zeigte nie mehr als 37 Grad an. Überall steht, dass Malaria von sehr hohem Fieber begleitet sei. Gliederschmerzen: na ja bei den Matratzen und Aktivitäten: ja mir tun die Glieder ab und zu weh aber nicht wie bei einer Grippe.

Jetzt habe ich am Fuss wieder etwas, das schmerzt: ich habe so trockene Haut, dass ich fast Risse habe und bin am cremen. Plötzlich merke ich aber, dass da noch etwas anderes drin steckt: ein extremer Schmerz genau in der Mitte des Fussballen. Am 2. Morgen machen sich Peter und Mbuche daran, mich zu “operieren*, d.h. die Blase aufzustechen. Da kommt also Wasser raus aber es fühlt sich immer noch so an, als ob da was drin wäre. Ich finde noch ein SuperDuperBlasenpflaster und überdecke das alles in der Hoffnung, dass das Resultat nach ein paar Tagen besser aussieht. Dann eine rote Socke aus dem Flugzeug drüber und das wird schon wieder!

Für Peter müssen wir nach Mtwapa reisen für ein Bankgeschäft. Er nutzt mich als Ausrede damit wir nicht in den 2. Stock rauf müssen. Seine Frau is verletzt und muss ins Spital und so kommen die Beamten mit den ganzen Papieren ans Fenster. Drive-Through Banking und so was von Kunden orientiert… danach fahren wir nach Kilifi um das Fenster am Auto zu reparieren, das einfach nicht mehr schliesst… Aber wir beide finden, dass ich zum Arzt muss für den Fuss, denn so eine Infektion kann schon was Gefährliches sein. Weil die Zeit drängt ruft Peter beim Arzt an und deponiert mich dann einfach in der Mini-Klinik Downtown Kilifi.

Ich kriege meine Audienz ziemlich schnell und liege bald auf dem Schragen. Der Arzt entschuldigt sich jetzt schon, weil er mir eine Spritze in den Fuss machen muss und das immer schmerzhaft ist. Und er behält Recht: auuuuuuhhhhh ich muss mich echt zusammenreissen, dass ich nicht losschreie und er meint, dass ich “very brave” sein. Dann holt er eine Art Mini-Teppichmesser aus der sterilen Verpackung und beginnt drauf loszuschnippseln. Vorsichtig aber entschieden…. Und siehe da: ein ganz kleiner Glassplitter hat sich da im Fuss eingenistet – wahrscheinlich passiert, als mir ein Glas auf den Boden gefallen ist. (es gibt ab sofort in Marere ein Glas-Verbot… Bier, Gin & Tonic wird sofort wieder in Plastikgläsern serviert) Nur schon ein paar Minuten später geht es meinem Fuss spürbar besser – das kommt gut.

Ich frage dann nach wegen der Malaria – mehr so “by the way” und der Daktari meint, das hätten wir schnell gecheckt. Ich muss allerdings nochmals in den Finger gestochen werden. Wir unterhalten uns noch ein bisschen über Gott und die Welt. Mir fällt bei einem Telefongespräch von ihm auf, dass er weder Suaheli noch Giriama spricht und ich frage nach: ja genau, das ist Kikuyu Dialekt. Mir fällt mir eine Piquardo Laptop-Tasche im Hintergrund auf, die mir besonders gefällt und ich stelle die Frage, ob er die in Europa gekauft hat, was er natürlich stolz bejaht. Ich spreche hier also zu einem Daktari, der ziemlich viel Geld besitzt um sich so eine Tasche zu leisten… aber zurück zur Diagnose, die jetzt per Telefon kommt – ich merke es seiner Stimme schon an: ich habe Malaria – auch wenn nicht so wahnsinnig ausgeprägt – die Scheiss-Parasiten haben mich erwischt. Er meint auch, dass es gut sein könnte, dass ich die schon länger in mir habe aber er würde mir jetzt die richtige Medizin geben damit sie verschwinden.

Mist, Mist, Mist, das wollte ich immer umgehen aber ich gebe auch zu, dass ich nicht immer genügend aufmerksam war. Ich achte zwar immer auf lange Kleidung abends aber ich schlafe natürlich nicht im Ganzkörperpyjama (die mit den Füssen dran) und ich sitze schon auch mal mit kurzen Ärmeln am Tisch.

In meiner Ausbildung über African Affairs hatte ich so Angst vor dieser elenden Krankheit gekriegt, dass ich ein paar Jahre lang jeden Tag Malarone gegessen habe bis ich fand, dass das auch zu krass ist. Die meisten LangzeitinKenialebendenMuzungus haben mir auch gesagt, dass sie Malarone immer “in case of Emergency” dabei hätten, denn so kann man es machen und so habe ich es in den letzten 3 Jahren auch gehalten. Ich komme zurück zu meiner Einleitung und wer weiss, vielleicht hat meine Grundmüdigkeit auch damit zu tun… ich kann es mir vorstellen.

Jetzt habe ich die Diagnose und irgendwie macht mich das grad ein bisschen lasch. Es ist etwa so, wie wenn du ins Geschäft gehst mit einer Erkältung: sobald der erste sagt: du solltest nicht hier sein, geh doch besser nachhause” hast du so richtig das Gefühl, dass du dich “gehen lassen kannst”… Zuerst muss ich aber noch ½ Stunde für meine Quittung warten, weil die Frau hinter dem Thresen nicht weiss, wie man eine solche rauslässt. Wenn du gesund bist dann hältst du vieles aus, aber wenn du tropfend und mit Gliederschmerzen einfach weg willst dann wird es anstrengend. Ich sage ihr etwa drei Mal, dass ich auch den handgeschriebenen Fötzel mit einem Stempel nehme aber nein, sie macht noch einen Versuch und noch einen Versuch. Ich tropfe vor mich hin und halte es fast nicht mehr aus. Ich möchte am liebsten zum Arzt zurück und mich beschweren aber ich bleibe geduldig. Sie sagt am Schuss: I am sorry, I don’t really know how to do this und meine Antwort ist nicht nett aber wahr: Yes I can tell, you better take some classes before you try this again. When somebody is sick she doesn’t want to wait for ½ hour. Goodbye…

Jetzt brauche ich grad ein bisschen Mitleid und Streicheleinheiten – aber weil Peter ja noch das Auto reparieren lassen muss steige ich ein Tuk Tuk ein und gehe zu Tuskys für meine Einkäufe. Ich erwische mich dabei, dass ich ein bisschen Verwöhnfood einkaufe wie Mentos und Schoggi-yoghurt (nicht so fein wie das aus der Migros) … und ich bin dann so froh, als Peter auftaucht und ich mich nachhause chauffieren lassen kann.

Für die nächsten beiden Tagen bin ich einfach krank und lasse mich für nichts einspannen. Als Peter mit jemandem reinkommt, der Kopien braucht sage ich nur: ja hier ist der Drucker, das könnt ihr gleich selber machen…. Und sie machen es. Manchmal muss ich mich aus dem Zirkus ausklinken, damit ich wieder mehr geschätzt werde. Meine Benefits sind: es gibt ganz viele Leute, die sich von ganzem Herzen für meine Gesundheit interessieren. Sogar der toughe Moses klopft irgendwann an und fragt nach, wie es mir denn gehe. Das ist zum ersten Mal passiert aber sie haben schon das Gspüri für die Leute, die ihnen sonst auch Gutes tun.

Ich kann ab Morgen wieder auf meine Walking Runde gehen und ich glaube, die Hitze die ich spüre ist nur noch vom Wetter und nicht mehr von meinen Malaria-Schüben – ich bin retour im Leben und einmal mehr: Gesundheit kommt zuerst!

Danke für die Anteilnahme von allen, die das schon mitgekriegt haben und wenn es einen Spruch gibt, den ich absolut verabscheue dann ist es “Unkraut verdirbt nicht” denn ich fühle mich nie im Leben als Unkraut!!! … darum sage ich lieber: Gesundheit ist nicht alles aber ohne Gesundheit ist alles nichts! (Schopenhauer zugeschrieben)

Wonderwoman is back!!!

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