Jan 27, 2020: Makuti Quest

Ihr wisst ja, dass mein Mann mich am liebsten in seiner Nähe hat. Also fand er es nicht gut, dass ich den ganzen Tag zuhause geblieben bin gestern. Ich soll also mitkommen und einerseits die Arbeiten an seinem Gartenhaus überwachen, denn er ist der Überzeugung – und die teile ich – dass sie nur arbeiten, wenn auch jemand alles überwacht. Ich komme mir zwar ziemlich deppert vor dazusitzen und nur zu lesen oder zu schreiben aber ich sehe jetzt auch nicht wirklich eine Arbeit, die ich hier machen kann. Ich bin zwar handwerklich schon ein bisschen begabt aber das hier sind richtig harte Arbeiten, bei denen ich keinen Einsatz sehe.

Dieses Gartenhaus hat also ein sogenanntes “Makuti-Dach”, das ist aus Palmblättern gemacht. So ein Dach hält etwa 11 Jahre und letztes Jahr hat Peter schon mit der Renovation begonnen. Aber in der Hälfte ging ihm das Geld aus, was bedeutete, dass es reingeregnet hat und jetzt dringend fertig gestellt werden muss. Peter hat die Arbeiter dafür uns sie sind bekannt für gute Arbeit. Was aber momentan ein Problem ist, das ist die Makuti Blätter überhaupt zu finden. Anscheinend hat es mit den Regenfällen zu tun.

Wir machen uns also mit dem Dachdecker daran auf Makuti-Quest zu gehen. Der eine Lieferant nimmt schon gar nicht mehr sein Telefon ab – aber das hat anscheinend auch mit seinem ausschweifenden Mnazi Konsum zu tun. Wir fahren Richtung Norden, denn dort sollten sich die Blätter finden lassen. Für den Rest des Daches brauchen wir noch etwa 9000 solcher Blätter! Wir sind schon ziemlich weit Richtung Norden und da hält Peter plötzlich am Strassenrand und fragt einen Piki-Piki Fahrer, ob er wisse, wo es Makuti zu kaufen gäbe. Er scheint zu bejahen und so steigt er ins Auto ein und wir fahren ins Landesinnere. Überall wird nachgefragt, viele sagen “leider nein” und ich bin gerade noch nicht in der besten physischen Verfassung um diese Hitze um dieses für mich sinnlos scheinende Herumirren zu tolerieren. Ich muss unbedingt mehr Wasser trinken – aber selbst das hilft mir momentan nicht – irgendwie schmerzt jede Berührung meiner Haut – bestimmt noch Auswirkungen der Malaria. Zum Glück habe ich noch eine Schmerztablette dabei und die macht es mindestens aushaltbar. Ich kürze die Geschichte ab, denn für mich fühlte sie sich unerträglich lang an… Für den Transport braucht es ja auch noch einen Lastwagen, denn solche Blätter haben ein grosses Volumen.

Spannend ist dann, wie das Dach montiert wird.Es sind alles kleine und sehr flinke und vor allem schwindelfreie Männer. Nachdem die Stangen aufgebaut sind verteilen sie sich auf dem Dach und dann wird ein Paket nach dem anderen hochgeworfen und bereitgelegt für die Installation. Aus dem gekauften Gras, das geteilt wird, werden quasi die “Schnüre” geformt und alles dann zusammengebunden. Diese Männer kommen weder zum Frühstück noch zum Mittagessen runter, das ist dann wohl etwas zu gefährlich. Tradition hat ihren Preis…

Auf jeden Fall werden die Arbeiten am Dach fortgesetzt und auch sonst ist wieder ein allgemeines Schaffen zu sehen: Maler, Elektriker, Plattenleger, Dachdecker, Schweisser, Gras Hacker – alle geben wieder einen vollen Einsatz. Es ist auch spannend zu sehen, wie der Berufsethos aussieht. Der Plattenleger (Bauherr von der Mbonga Primarschule) ist für mich ganz oben auf der Liste. Jeden Tag kommt er zur Zeit, er arbeitet schön langsam vor sich hin und singt sogar noch dabei. Abends wäscht er seine Kleider aus und hängt sie zum Trocknen auf. Am nächsten Tag macht er in einer Seelenruhe wieder weiter und ist auch immer sehr beflissen, mich mit Handschlag zu begrüssen und zu verabschieden. Er weiss natürlich auch noch, was wir in Mbonga als Pro Ganze alles geleistet haben. Dann ist auch der Elektriker, der extrem seriös arbeitet und auch endlich herausgefunden hat, warum es damals im Swimming Pool einen Kurzschluss gab (damals = vor etwa 15-20 Jahren!!) Der Transformer hatte zuwenig Leistung und muss jetzt ersetzt werden – aber das lassen wir mal sein für später. Der Pool hat definitiv keine Priorität! Der Maler macht mir zwar am Anfang auch einen guten Eindruck aber nachdem ich seine Arbeit von 2 Tagen gesehen habe muss ich echt sagen: du bist echt ein Sauhund… sorry! Überall tropft er auf den Boden – von Masking Tape hat er wohl noch nie etwas gehört, er übermalt alle Schalter und das Sims vergisst er noch zu reinigen bevor er drüber malt. Irgendwie schade um das Material aber Peter meint: entweder arbeiten wir mit ihm oder wir müssen jemanden von Mombasa oder Nairobi kommen lassen und das bedeutet wieder erhöhte Kosten.

Aber schon bald können wir uns nach einem Mieter umsehen. Momentan hatte sich schon jemand von US Aid interessiert aber die sind sich gar nicht so sicher, wie weit sie die Zusammenarbeit an der Küste forcieren möchten. Es haben sich aber schon viele Leute erkundigt, ob sie den Ort auch für Hochzeiten oder Parties mieten könnten. Das ist bestimmt eine denkbare Art um aus diesem Haus bald einmal ein bisschen Profit machen zu können. Alles in allem ist die Erfahrung spannend wenn auch in keiner Art und Weise (psychisch und physisch) erholsam. Danke der Nachfrage aber bitte fragt mich lieber nicht, ob ich mich gut erhole…Aber es ist eben ein typischer Tag in Kenia – ein Land voller Überraschungen!

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