Jan 28, 2020: Gynäkologische Mission

Ich wurde vor einiger Zeit von einem Schweizer NGO angefragt, ob ich Spitäler kennen würde, in denen sie ihre Hilfe anbieten könnten. Es geht um Ärzte, die ihre Dienste wie Plastic Surgery und andere ärztliche Dienste im Ausland kostenlos zur Verfügung stellen. Sie sind bisher in Länder gereist, die jetzt aus politischen Gründen viel zu gefährlich sind für Europäer.

Da musste man mich natürlich nicht zweimal fragen. Solche Anfragen sind für mich eine Ehre und eine Vertrauenssache. Das Kilifi District Hospital kenne ich ja schon aus diversen Erfahrungen (zum Glück nicht als Patientin!!!)

Vor einem Jahr hatten wir ja den ganzen Inhalt von 2 Containern dem Kilifi District gespendet und ich werde seither als Weihnachtsengel von der Regionalen Gesundheitschefin bezeichnet… Wir hatten aber zuerst eine Audienz beim Spitalchef und dem Administrator. Sie liessen mich Abklärungen treffen, denn gewisse Bedingungen wie Klimaanlage, Sterilisiergerät etc. müssen erfüllt sein damit sie einen Einsatz leisten werden. Ich betätigte mich also als „Reporterin vor Ort“ und machte Bilder, die hoffentlich aufzeigen werden, was alles vorhanden ist.

Die Sache nahm dann auch Schwung auf und bald hatten die Verantwortlichen miteinander Kontakt aber danach lief auf kenianischer Seite leider nichts mehr. Ob der liebe Doktor überhaupt Zugang zu Internet hat – er machte mir nicht den Anschein, zumal er nicht einmal wusste, dass es in Mbudzi (Jaribuni) ja ein neues Spital gibt, das noch auf die Eröffnung wartet. Da stecken auch wieder politische Themen dahinter, denn das Spital wäre betriebsbereit… Barbara: nicht ärgern über Dinge, die du nicht selber beeinflussen kannst… Mantra Mantra.,..

Ich hatte schon fast Angst, dass die Verantwortlichen in der Schweiz sich nach einem anderen Ort umsehen würden, denn die Antwort auf die Mail war auch nach 10 Tagen nicht eingetroffen… Da mussten halt wieder die Frauen aktiv werden: ich schaltete die Regionalchefin ein und machte ihr gehörig Druck und siehe da – es gab umgehend Antwort und ich erhielt auch die Zusage, die gynäkologischen Instrumente fotografieren zu dürfen. Aber dazu musste ich wieder einen anderen Arzt kontaktieren – zum Glück hat Peter übersetzt – manchmal verstehe ich die Leute hier am Telefon kaum und so viel Geduld ich sonst auch aufbringe – beim Telefonieren habe ich sie nicht. Das ist übrigens auch so, wenn ich mit meinem Mann telefoniere und die Verbindung so miserabel ist. Wenn ich jeden Satz zweimal beginnen muss und immer wieder unterbrochen werde, da vergeht mir die Lust zum Telefonieren – zumal die selten gross ist…

Aber der Termin ist gebucht, wir dürfen vortraben. Anstatt einfach schnell rein, fotografieren und wieder raus beginnt jetzt wieder die ganze „Bürokratie“ bzw. das Aufblasen derselben.

Es muss der Administrator her, die „Matron“ = Chefin der Krankenschwestern und ich muss noch einmal von vorne und hinten erklären, warum wir hier sind, was die Absichten sind. Ich muss die bereits gesendeten und beantworteten E-Mails weiterleiten einfach weil der liebe Herr Doktor auch wichtig sein möchte. Er gibt uns dann doch noch ein paar wertvolle Hintergrundinformationen über politische Aspekte und das kann ganz nützlich sein – zudem ist es angenehm kühl in seinem Büro. Als er dann sagt: es müsste doch genügen, wenn er mir eine Liste von allen Dingen geben würde, die sie haben werde ich ganz unkenianisch deutlich: „First of all let me explain 2 virtues of Swiss people: it is reliability and punctuality“ if you don‘t deliver in time – forget it. There are many other hospitals who need help. (Lass mich zuerst einmal zwei Werte von Schweizer Menschen erklären: es ist Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Und wenn du nicht zur Zeit lieferst, vergiss es einfach. Es gibt noch viele andere Spitäler, die Hilfe brauchen)

I habe damit schon ein bisschen gepokert, und ich gebe ihm gegenüber auch zu, dass mir Kilifi ein Anliegen ist – nicht wegen den Leuten, die in Kilifi leben würden – oder noch weniger wegen der Politiker (da kommen schon fast Fantasien auf, was ich mit denen im Operationssaal machen würde!!!) Aber im Hinterkopf habe ich natürlich die Hoffnung, dass einigen Leuten aus Ganze geholfen werden kann. Wir wissen selber von ein paar Fällen, die „Plastic Surgery“ brauchen könnten – in der Nachbarschaft hat ein Junge mit Batterien „experimentiert“ und sich das halbe Gesicht weggeätzt… ein grausames Leben ohne Aussicht auf Besserung. Aber laut der Regionalchefin gibt es sehr sehr viele Themen, die Hilfe brauchen. Die Leute warten zwischen 3-6 Wochen auf einfache Operationen und die Themen aus der Gynäkologie werden sowieso nicht offen gelegt…

Als der liebe Doktor dann erklärt, dass doch ein Skalpell einfach ein Skalpell sei und ein Tupfer ein Tupfer und das dann mindestens eine halbe Stunde noch elaboriert sage ich klipp und klar: listen, I am not a doctor I am a communication specialist and I am on a mission. The mission is called: take photographs of the gynaecologial equipment and I am not leaving before I have accomplished that“ Frei übersetzt: Jetzt hören Sie mir mal zu: ich bin keine Ärztin – ich bin Kommunikationsfachfrau und ich habe eine Mission: mach Fotos von den gynäkologischen Instrumenten und ich gehe nicht, bevor ich das nicht machen konnte.

Ich werde in die Abteilung geführt und man möchte, dass ich mich hinsetze aber ich lehne ab, auch wenn das vielleicht überhaupt nicht anständig ist. Ich will nur ein paar Fotos machen – das ist alles. So werde ich endlich nochmal am Operationssaal vorbei (da wird gerade eine Frau operiert – nur gut, dass Peter nicht mitgekommen ist, der würde gleich in Ohnmacht fallen) in den sterilen Raum geführt. Dort ist gerade jemand genüsslich am Mittagessen. Eine grünliche Masse – ich frage nicht was es ist… und gnädigerweise werden mir jetzt Instrumente gezeigt wie eine Myom-Schraube (sorry, ich muss unweigerlich an eine Flasche Wein denken, die mir jetzt richtig gut täte…), Kaiserschnitt Utensilien, Gebärmutterentfernungsutensilien.

Lieber Gott mach, dass ich diese Geräte nie an mir angewendet kriege!!! Die Fachfrau ist freundlich, packt eines nach dem anderen aus und lässt mich die Begriffe (ich schreibe nicht grad täglich über Myome und Hysterectomy oder Cesarian Birth) aufschreiben. Und lass mich den Rotwein heute Abend mit dem nötigen Respekt geniessen!

Ich verlasse den Raum gehe zurück zu Peter, der im Auto wartet und wow – mission accomplished!!!

P.S. ich verzichte auf mehr Details, da wir noch „work in progress“ sind…

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