Feb 03, 2020: Ich koche noch mehr

Ich habe heute grad ein Mittagsschläfchen gemacht, da ich gerade das ganze Curriculum für das Marere College am (ab) schreiben bin. Ich habe die Informationen als PDF erhalten – jemand hat die 125!!! Seiten von einen anderen College kopiert und mir bleibt jetzt wirklich nichts anderes übrig als das abzutippen. Ich hätte mir gehofft, dass ich das irgendwie downloaden könnte von einer Website – aber nein, so einfach ist das wohl nicht hier…

Ich komme also etwas schlaftrunken aus dem Zimmer und bin halb knocked out weil es so heiss ist. Aber nein: was sind das jetzt für kleine Bölleli auf dem Sofa? Ich hatte doch die Türe absichtlich fast zugemacht, damit die (vor einem Monat noch) herzige aber überaus lästige Ziege nicht reinkommt… Aber dass die natürlich auch durch das Fenster springen kann, daran habe ich nicht gedacht. Zum Glück sind die Kügelchen ziemlich trocken nur fallen sie dummerweise auch in die Ritzen des Sofas. Sh…. ich kriege die Krise. Aber die noch grössere kriege ich, als ich mein geliebtes iPad betrachte und da ganz klar Ziegenspuren darauf entdecke. Etwas zerkratzt aber noch leistungsfähig – ich habe mir echt schon überlegt, wie diese Schadensmeldung aussehen würde.

Aber ich habe noch mehr davon…

Vielleicht erinnert ihr euch an die Episode als Peter noch MP war. Er kam vollkommen erschöpft nach Kilifi – kaputt von der Reise Nairobi-Kilifi und legte sich in Kiwandani gleich ins Bett. Natürlich war er wie immer mit Anzug (ein besonders schöner dunkelblauer) unterwegs. Sein Helfer Kahindi fand wohl, er wolle ihm etwas Gutes tun und hat sich ins Zimmer geschlichen, den Anzug und die Krawatte genommen und alles: GEWASCHEN und dann erst noch mit Salzwasser!!! Alles sah aus wie Arsch und Friederich und konnte nicht mehr verwendet werden. Was willst du da machen? Schreien, böse sein – er hatte es ja nur gut gemeint…

Dann war ja die Geschichte mit meinen feinen Fisch, den ich für Sylvester gekauft hatte und für den ich den Grill anwerfen wollte und es hiess: aber ich habe ihn schon gekocht… Moses, der sonst NIE, aber GAR NIE kocht wollte mir zuvorkommen und etwas Gutes tun und das Viech in Wasser gekocht!!! Ärger, grhhhh aber irgendwie ja doch noch nett…

Für meine Kochkünste habe ich diesen XXL Pressure Cooker. Das Teil war mir viel zu gross in der Schweiz aber in weiser Voraussicht, dass ich wohl auch mal meine Kochkünste an den Tag legen werde habe ich ihn sorgfältig nach Kenia transportiert. Ausser einer kleinen Delle an der Aussenseite hat er nix abgekriegt auf dem Transport. Allerdings musste ich auf andere Dinge verzichten, die ich auch gerne mitgenommen hätte – aber nützlich war das ja allemal.

Wenn man viel kochen muss und nicht ewig darauf warten möchte, dann ist so ein elektronischer Dampfgarer was Tolles. Zutaten rein, Knöpfchen drücken, Dampf ablassen, fertig. Nicht gerade ein Thermomix oder wie die Wundermaschine heisst, aber immerhin vielseitig einzusetzen: vom Reis bis zum feinen Stew. Ich habe sogar noch gesehen, dass man damit auch steril Einmachen könnte – darauf hat mich eine Freundin bei meinem ersten Aufruf nach Auberginen- und Peperonirezepten nämlich gebracht. Wenn man zu viel Gemüse auf einmal hat: einmachen für schlechtere Zeiten!!!

Ich hatte mit dem “normalen” Fleisch (es gibt hier verschiedene Abstufungen: vom Fleisch für die Ärmsten, über das normale, das ganz akzeptabel ist bis hin zum feinen Filet, das wir bei unseren Freunden genossen haben) einen richtig feinen Eintopf mit viel Gemüse und wenig Kartoffeln (wegen Moses!!!) gemacht und war begeistert: das Fleisch war richtig zart und der Geschmack hervorragend und das alles in 40 Minuten. Gelernt damit zu kochen habe ich übers Internet – moderne Küche bzw. digitale Köchin halt..

Auch meine “Mitesser” waren begeistert – endlich wieder mal ein Menü, das bei allen ankommt. Nach einem Tag in Kilifi – auch Mbuche und Moses waren dabei wollten wir möglichst schnell kochen und so denke ich mir, dass ich ja den Reis auch ganz schnell im XXL Kocher machen könnte. Ich zeige Mbuche, die wie immer superinteressiert ist am Dazulernen, wie das geht: Reis, Öl, Wasser rein, Deckel drauf und einstecken und – baff….. was war das jetzt für ein komisches Geräusch? Fast so wie ein Kurzschluss aber doch irgendwie anders… mehr so wie eine Implosion. Das Display zeigt auch nix an – ich schaue noch, ob ich am falschen Ort eingesteckt habe aber nein – da leuchtet nichts auf. Na ja, der Reis kommt erst mal in die normale Pfanne – müssen wir halt ein bisschen länger auf den Znacht warten.

In der Zwischenzeit lässt mir das aber keine Ruhe und ich schaue mal, was im Internet unter Kurzschluss bei XXL Cooker steht und finde ein Filmchen, das zeigt, wie man die Sicherung auswechselt – scheint kein grosses Ding zu sein. Ich drehe also den grossen Kocher um und: da liegt Wasser auf dem Tisch… Moment mal: Chiwai – kommt mal her. Hast du diesen Topf gewaschen? Ja, ich habe den Innentopf gewaschen… ja, das sehe ich, danke schön… Und wie sieht es mit dem grossen Kocher aus? Er nimmt ein Tuch und zeigt, wie er das ganz sorgfältig abgeputzt hat. Ok, danke für die Info! Ich öffne den unteren Deckel wie im Youtube Video erklärt und da ist einfach alles nass! Chiwai!!!! Warum hat es hier Wasser? Keine Ahnung ich habe nur mit einem Tuch alles abgerieben! Ahhhgrrr!!!!!! Chiwai wäscht NIE ab, aber auch gar NIE!!!! Aber wahrscheinlich wollte er etwas Gutes tun und ihm war etwas langweilig weil er alleine war also hat er den gesamten Topf im Wasser gewaschen!!! Es ist echt der Supergau und ich bin stinksauer, reisse mich aber noch ein bisschen zusammen aber irgendwann spüre ich wie ich soooo wütend bin. Nicht so sehr über das Missgeschick aber darüber, dass ich fadengerade angelogen werde. Das ist etwas, das mich auch in anderem Kontext extrem hässig werden lässt. Gib zu, dass du einen Fehler machst aber lüge mich nicht an. Ich bin am Tisch und fluche vor mich her. Ich lade bei Google translate Sätze wie “You lied to me” “You are a liar” herunter und nehme dann doch Peter als Übersetzer, denn ich könnte Chiwai jetzt wirklich die Fresse polieren!!! Wäre es Mbuche passiert wäre es ein anderer Fall: sie hat auch schon 2 Gläser geschlissen aber nie in böser Absicht und sie hat es sofort gemeldet. Aber ich weiss gar nicht, ob ich diesem Chiwai je wieder trauen kann.

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Ich komme dann irgendwann wieder etwas runter und habe noch Hoffnung, dass unser toller Elektriker etwas ausrichten kann, denn er hat es ja auch geschafft, den Solar Converter einigermassen wieder hinzukriegen. Peter nimmt den Topf also mit nach Kilifi und dort versucht der Elektriker alles, aber es ist so wie immer: dafür muss er nach Mombasa. Ich kriege nach einem Tag eine Zwischenmeldung (habe ich erwähnt, dass ich ja das Matatu, die Ersatzteile und noch so einiges bezahlen muss…) dass es ganz schwierig sei, da es mehrere Sicherungen rausgehauen hat. Er bleibe aber dran und er werde schon eine Lösung finden. Nach drei Tagen kommt er dann vorbei – ein grösseres Schaltteil ist übrig geblieben und der Topf kann leider nur noch “manuell” betrieben werden. Das heisst, er heizt zwar auf, aber das ganze Display mit den Zeitangaben und bestimmt auch mit den verschiedenen Temperaturen funktioniert nicht. Das haben sie in Kenia leider nicht… Ich muss jetzt versuchen, dass ich nicht auch noch mit dem Elektriker hässig bin, denn er hat ja wirklich alles gegeben, und ich weiss auch, dass ich ihn für die 3 Tage Arbeit auch noch bezahlen muss aber ich versuche es ihm so gut wie möglich zu erklären: ich bin mit dem Resultat überhaupt nicht zufrieden, denn so nützt mir dieser Topf wirklich nicht so viel… ich kann einfach eine Temperatur einstellen und die Zeit muss ich selber messen oder erahnen… Peter nimmt ihn dann auch noch zur Seite und erklärt ihm, dass das ein wirklich teures Gerät sei, an dem ich so Freude gehabt habe. Es sei nicht gegen ihn gerichtet usw. usf. Auf jeden Fall handelt er einen akzeptablen Preis aus: CHF 20 und alles, was ich vorher schon bezahlt habe ganz zu Schweigen vom Gerät, das an die CHF 200 gekostet hat – Geld, das ich Chiwai ja nicht gut von seinem Lohn abziehen kann, da er CHF 50 im Monat verdient. Klar, es ist nicht unbedingt notwendig so einen Topf zu haben aber wenn du schon anderen Dingen zu kämpfen hast sind solche Sachen einfach eine Erleichterung im Alltag. Ich weiss z.B. auch von Esther Wieser von Pro Ganze. Weil sie immer so viel Gemüse schnetzeln muss für die Kinder in der Tagesstätte hat sie eine Gemüseschneidemaschine mit nach Kenia genommen. Genau wie die kleine Kaffeemaschine, die sie immer mitschleppt. Man gönnt sich ja sonst nicht so viel. Wer weiss, vielleicht kriege ich ja plötzlich einen Thermomix geschenkt – man weiss nie, was die Leute alles spenden für Pro Ganze!

Am nächsten Tag bringt Peter aus seinem Kilifi Haus eine uralte Backmaschine mit – die war mindestens 25 Jahre nicht in Betrieb – aber oh Wunder: auf youtube gibt es einen Film dafür. Mbuche und ich scheitern leider beim ersten Versuch: 1. weil wir zuerst vergessen haben, den Teigrührer zu montieren und alles wieder rausnehmen müssen – dabei bleibt wohl ein bisschen zu viel Wasser drin und 2. weil es etwa 2 Mal im ganzen Prozess einen Stromunterbruch gab und dann der ganze Prozess wieder von vorne beginnt. Das Resultat ist ein feuchter Hefeknollen. Mbuche (heute auf der Foto wieder mal im Glamour Outfit) wittert aber schon ein Geschäft: wenn wir das gut hinkriegen können wir ein Business daraus machen und frisches Brot verkaufen…

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Dieser Teig war aber definitiv zu viel gerührt und nicht genügend geschüttelt…

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