Feb 16, 2020: Das geht – und das geht nicht…

Ich dachte, die letzten beiden Tage in Malindi wären ereignislos – aber dann gab es daraus sogar noch einen grossen Blogeintrag. Der Sonntag verlief bis jetzt – 17.15 Uhr aber sehr zu meiner Zufriedenheit!

Ich kann es nicht verheimlichen: ich freue mich auch wieder darauf, in meine andere Heimat zurückzukehren. Phasenweise war es ein Aushalten, manchmal sogar fast ein Resignieren, oft fast ein Verzweifeln und ab und zu – vor allem gegen das Ende – hat es auch richtig Spass gemacht. Dazwischen war es einfach das normale Leben, das irgendwo stattfinden kann.

Es gibt einfach Dinge, mit denen ich mich weder anfreunden kann noch anfreunden will. Zu viele Traditionen, die ich nicht kenne und an die ich mich auch nicht adaptieren kann. Ich bin auch der Meinung, dass viel Glück in der Zusammenarbeit steckt aber das bedeutet für mich nicht, dass ich meine gesamte Zeit mit anderen Menschen verbringen muss, dass ich Gastgeberin sein muss für alle, die finden, sie wollen mich jetzt besuchen und ich soll gefälligst für sie ein Bett parat haben und für sie etwas kochen – und zwar etwas, das ihnen schmeckt und nicht mir…  Ich mag es nicht, meine Tage mit „herumsitzen“ zu verbringen. Das ist nicht per se schlecht, aber ich möchte dort sitzen, wo ich will und so lange wie ich will… Ich will nicht jeden Samstag mit Beerdigungen verbringen und dort auch immer noch Geld dafür zahlen – oder gar am Strassenrand angehalten werden und um Geld für eine Beerdigung gebeten werden. Ich will nicht immer überlegen, ob ich das was ich sagen will wirklich auch sagen darf, Ich will nicht einfach “vorhanden” sein sondern mich aktiv einbringen und zwar mit Talenten, die mir auch Spass machen und die ich als sinnvoll erachte. Denn davon habe ich bewiesenermassen sehr viele. In den Momenten, in denen ich diese Fähigkeiten einbringen konnte ging es mir auch richtig gut, auch wenn das Beibringen von Excel Kenntnissen bei blutigen Anfängern recht viel Nerven gebraucht hat. Aber einige Menschen sind wissbegierig und sie wollen etwas Lernen und Erreichen und dann kann ich auch viel Geduld dafür aufbringen.

Peter ist ein Vorbild und ein Mentor für die Menschen hier und er geniesst diese Rolle, was ich vollkommen nachvollziehen kann. Ihn in Marere „für mich“ zu haben (und ich spreche da nur von ab und zu mit ihm alleine essen zu können…) ist ein Ding der Unmöglichkeit und wird es auch bleiben. Er hat diesen Helfertrieb und würde immer zuerst für die Community schauen und erst dann vielleicht für sich selber und erst dann – oder vielleicht auch noch vorher – für mich. Mit viel Einsatz an Nerven, Zeit und manchmal auch Geld versucht er die Leute hier vorwärts zu bringen. Auch jetzt als Nicht-Mehr-Politiker. Dieses Gen hat er einfach in sich. Ich wäre all das auch für die Menschen hier, aber ich bin nicht gerne einfach „nur“ Vorbild – ich möchte auch eine Chance sehen, dass sich etwas verändert und vielleicht ein bisschen schneller, als es hier üblich ist. Für Peter hoffe ich, dass er seine Balance zwischen Geben und Nehmen findet und vor allem, dass er nicht angefeindet oder gar bedroht wird, weil er jetzt doch wieder dem einen und anderen einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, der bisher selber von Geldern profitiert hat, die jetzt dann der Community zu Gute kommen. Aber ihr wisst ja: Angst haben ist für mich keine Option, denn ich kann das nicht beeinflussen, was hier vor Ort passiert.

Peter hat – genau so wie ich – die Wahl und die überlasse ich ihm auch. Ich weiss, dass er mich liebt und mich 24 Stunden an seiner Seite haben möchte. Ich stelle niemanden vor ein Ultimatum, denn das ist der falsche Ansatz in einer Beziehung. Jeder Mensch muss für sich Entscheidungen treffen und sich der Auswirkungen der Entscheidungen bewusst sein. Den Spagat zwischen zwei Welten machen wir immer, wenn wir in zwei Welten leben. Ich selber mache das fast schon mein Leben lang, war schon oft zwischen 2 Ländern hin und hergerissen und habe schon oft gesehen, dass man sich selbst zwar überall hin mitnimmt aber das Verhalten doch auch vom Ursprungsland geprägt ist. Es wird seine Entscheidung sein, wie viel Zeit er in der Schweiz und somit auch mit mir verbringen will. Momentan sind wir bei ca. 3 Monaten in der Schweiz ab Juni…

Ich selber habe mich ebenfalls entschieden, nicht viel mehr Zeit als bisher in Kenia zu verbringen, denn es bringt mir unter dem Strich zu wenig Freude, es nimmt mir phasenweise sogar Energie, es tut meiner Gesundheit nicht immer gut und ich kann zu wenig erfüllt leben. Es wird also auch von meiner Seite ein Maximum von drei Monaten bleibenund das mit genügend Aufgaben, die ich mir vorher schon zurecht gelegt habe. Wenn erst einmal das College am laufen ist kann die Situation auch wieder etwas anders aussehen und die Aussicht auf permanentes WLAN ist dann auch vorhanden – sicher ein Antrieb für das digitale Arbeiten, das ich ja bereits begonnen habe. Wenn ich dann noch ein Air Conditioning für die krassen Hitzeperioden ins Auge fasse dann könnte auch mein Hirn wieder besser funktionieren und ich könnte wirklich online arbeiten.  Und immerhin: 6 Monate zusammen – das ist doppelt so viel als noch vor zwei Jahren!

Mein Mann, den ich immer noch extrem liebe, ist nicht derselbe in Kenia wie in der Schweiz und ich bin es bestimmt auch nicht. Das kenne ich schon zur Genüge aus alten Beziehungen. Was heute aber anders ist: ich versuche niemanden zu ändern und ich versuche auch immer authentisch und somit mich selbst zu sein. Gutes kann ich auf der ganzen Welt tun und die Umgebung muss mir zusagen und ich muss ein positives Gefühl dabei haben und auch ab und zu ein kleines Erfolgserlebnis.

In diesem Sinn: wir sehen und lesen uns – vielleicht unter dem Jahr auch mal zu einem anderen Thema als “Leben mit einem Ex-Member of Parliament” – das Leben schreibt genügend spannende Geschichten – überall auf der Welt! Ich freue mich darauf und ich freue mich darauf, diese mit euch zu teilen. Zu bloggen war meine Seelenrettung. Eure vielen Rückmeldungen, eure Aufmunterungen, Empfehlungen und Tipps haben mir gezeigt: ich habe einfach fantastische Freundinnen und Freunde und die zu pflegen ist mir ein grosses Anliegen! Pamoja (zusammen) geht das Leben wirklich besser und macht noch mehr Freude.

Mein kleines Fazit:

Das alles kann ich auch in Marere:

  • Etwas bewirken, phasenweise mich selber sein, andere inspirieren, meine Motivation kundtun, schreiben, singen, tanzen, lachen, essen, trinken, walken, Gottesdienste halten, eine Fremdsprache lernen, für den Chor üben, E-Mails austauschen, in WhatsApp Gruppen posten, kreativ wirken, Tai Chi üben, Yoga machen, meditieren, in der Hängematte liegen, online arbeiten, kommentieren, austauschen, kochen, geniessen, gärtnern, mit Kindern spielen, selten meinen Mann knuddeln und mit ihm diskutieren, Kaffee aus der Jura-Maschine trinken, Filme schauen, Vorbild sein. Davon profitieren, dass jemand meine Wohnung putzt, mein Geschirr und meine Kleider wäscht. Roger Federer live sehen, eine Massage oder eine Pediküre geniessen. Den Sternenhimmel bestaunen, im Regen tanzen und Regenbogen bewundern.

Das geht nicht:

  • Ein entspannendes Bad nehmen, auf den Bodensee schauen, bestehende Freundinnen und Freunde umarmen, live Vorträge, Vernissagen, Konzerte, Poetry Slam, Veranstaltungen geniessen, in „meinen“ Chören singen, spontane Treffen veranstalten, meine Kids sehen, einen Tag alleine sein, Ruhe haben, spannende und inspirierende Diskussionen mit interessanten Menschen führen. Den ganzen Tag draussen verbringen. Die richtige Temperatur geniessen. Den Kopf frei haben. Nur das tun, was mir gut tut und jederzeit sagen, was ich denke!

Das Leben bleibt spannend und ich liebe es! Kwaherini!!!

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