Weihnachten in Kenia Teil 2: Party on!!!

Es war eine gute Entscheidung, den Powernap zu machen und er
hat auch ein bisschen länger gedauert als geplant: ich wache um 15.00 Uhr auf –
um 14.00 Uhr hätte die Show beginnen sollen. Es gibt aber doch schon Anzeichen,
dass es bald losgeht. Peter hat also diese Gruppe mit älteren Mitgliedern
angefragt: die Kambas – anscheinend haben sie schon einmal für ihn performt und
sie sind so quasi ein bisschen wie Familie. Es ist wirklich eine kuriose
Truppe: die Frauen tragen die traditionellen Kishutu Stoffe, die nur die Mijikendas
tragen und weisse Handos, das sind die Faltenröckchen, die die Hinterteile
besonders gut betonen. Aber ihr besonderes Merkmal sind die verrückten
Sonnenbrillen, die alle tragen. Wahrscheinlich ist das ihr USP um sich von
anderen Tanzgruppen abzuheben.

Die Männer tragen fast so etwas wie eine Uniform, d.h. sie
sind in weisse Tücher gehüllt aber teilweise haben sie Epauletten, die an die
Armee erinnern. Einige haben sich Schild-ähnliche Dinge gefertigt und wieder
andere tragen Krawatten. Einer zeigt stolz seine Mütze mit einem Emblem, das
auf die Queen zurückdatieren soll. Daher kann er die Mütze auch nicht
auswechseln, das wäre ja ein Affront… 

Die meisten haben einen Wedel in der Hand
– wahrscheinlich der Schwanz irgendeines Tieres. Einer spielt auf einem
Vuvuzela-mässigen Horn, das ganz krass klingt. Dazu trommeln etwa 4 Männer auf
diversen Trommeln. Eine aus einer Art Blech und die anderen sind mit Tierhaust überzogen.
Um diese Instrumente zu tunen und zu stimmen haben sie Feuer gemacht und wärmen
die Häute bis sie einigermassen gut zusammenklingen – also mindestens für ihre
Ohren. 

Sie beginnen dann 2 Linien zu formen: die Männer und die Frauen und
machen ihren Aufmarsch mit Gesängen, die ich schon gehört habe. Es sind
Geschichten, die sie mit ihren Tänzen und ihrem Gesang erzählen. 

Ein kurzer Ausschnitt der Tänze: https://youtu.be/XB3Xftrp–0

Phasenweise
können wir mittanzen und das gibt dann besonders gute Stimmung. Manchmal
schreit eine Frau „haya“ und rennt im Kreis durch die Männer und ich probiere
das einfach auch mal aus. Ich habe ja gesagt: ich verliere hier viele
Hemmungen, die ich vorher hatte. Das gibt wieder viel Applaus und Gelächter. Wenn
ich sehe, wie die Frauen ihre Bäuche und ihre Hinterteile förmlich zur Schau
stellen muss ich schon schmunzeln: wir versuchen, die Bäuche zu verstecken und
hier ist es gerade umgekehrt. Ab und zu gibt es auch ein Päuseli, es sind ja
teilweise nicht gerade die Jüngsten. 

Peter fährt plötzlich mit dem
Weihnachtshut auf und das gibt dann eine besondere Stimmung, denn es bleibt für
sie ein Mysterium, wie sich die Zipfelkappe denn so bewegen kann. Ja diese
bewegte Weihnachtsmütze war schon der Mittelpunkt von vielen
Firmen-Weihnachten. Einmal – nur ganz kurz – fragt Peter mich, ob ich nicht
auch das traditionelle Outfit tragen möchte aber als ich höre, dass diese Tänze
bis 21.00 Uhr gehen werden verzichte ich der Bequemlichkeit halber gerne
darauf. Mit dem Outfit fühle ich mich recht eingeschränkt in meiner
Bewegungsfreiheit, weil alles ganz fest gezurrt wird und ich dann noch weniger
gut in die Plastikstühle reinpasse mit dem grossen Plisseejupe… 

Aber ich freue mich auch über Peter’s Freude: er hat dieses Fest auch für mich organisiert, weil ich ja so ein Weihnachtsfreak bin und ich auf die weisse Weihnachten verzichte um nach Kenia zu kommen. Es ist im gelungen: auch mich hat er sehr happy gemacht mit diesem fröhlichen und friedlichen Anlass:

Er tanzt vor Freude. https://youtu.be/UIF_KCfu_Fk

Es wird für den Einsatz meines Handos noch eine Gelegenheit geben, davon bin ich überzeugt. Eine Flasche Ballantine
macht dann auch noch die Runde und die Frauen sind zuerst ein bisschen scheu
aber die Flasche wird dann doch schneller leer als geglaubt. Die Männer trinken
derweil Mnazi (gegorenen Palmwein) und zwar in grossen Mengen. Mnazi wird in ganz speziellen Gefässen getrunken – fast ähnlich wie der Tee in Südamerika.

Bin ich froh,
dass Peter das Gesöff auch nicht mag, denn ich finde, alle die Mnazi trinken
aber eine ganz grauslige Fahne – sie gären selber vor sich hin. Peter ist
einfach nur glücklich – ich sehe es ihm an und ich weiss: das hat er auch für
mich organisiert, denn er weiss, dass ich Fan von so traditionellen Tänzen und
Gepflogenheiten bin. Plötzlich sehe ich unseren Gärtner-Riesen Moses am Tanzen
und sogar der Kuhhirt ist mittem im Geschehen. Einer der nicht zur Truppe
gehört macht mir schon fast Angst, so wedelt er mit seinem Büschelteil vor mir
rum – aber er ist dann bald auch mal out of order, spätestens nachdem er die
Akrobaten imitieren will mit den Breakdance Einlagen.  

Die Truppe der Akrobaten ist echt stark – ich glaube, ich
muss die mal für East Africa Got Talent anmelden. Sie machen Flips, Salti und
Bodenübungen, Kraftakte und Pyramiden. Es ist tatsächlich eine Show, die ich in
Marere so nicht erwartet hätte. Zum Geld sammeln haben sie keinen Hut (trägt
hier kaum jemand) aber zwei Schuhe tun es auch dafür.

Breakdance: https://youtu.be/4glFkoANRBk

Während der ganzen Zeit ist der Schreiner mit seinem Sohn am
Tische schleifen und zusammenkleben – ich kann es nicht fassen. Nachdem sie vom
23. auf den 24. die ganze Nacht durchgearbeitet haben und am 24. weitergemacht
haben geben sie auch heute nicht auf. Die 7 Tische aus einem Neem-Baum, den
Peter fällen liess weil er altersschwach war müssen fertig werden, denn der
Schreiner hat noch andere dringende Aufgaben. So eine Berufsethik ist
unbeschreiblich. Ich sorge dafür, dass sie zu den ersten gehören, die etwas zum
Essen kriegen, denn ich habe fast ein schlechtes Gewissen beim Festen!

Sie halten es sehr lange aus mit Nicht-Essen. Ich selber
kriege schon einen Mordshunger und ich weiss natürlich, dass es heute ein sehr
feines Essen gibt, denn der Koch ist ein Profi und ich habe mir zum Pilau
(Reiseintopf mit Fleischstückchen und exotischen Gewürzen) auch den
Tomatensalat Kachumbari, den ich so liebe, gewünscht. Ich mache zwar eine Foto
von meinem Teller aber zum Glück schaue ich die Foto erst am nächsten Tag an –
keine Ahnung, was ich da für Fleischstücke auf dem Teller habe. 

Geschmeckt hat
es aber wunderbar – dafür hat Samuel gesorgt, der das einfach kann! Und das
alles aus der neuen Küche, die von so vielen Menschen gesponsort wurde. Das ist
irgendwie ein doppeltes Vergnügen.

Sie haben mich gewarnt, dass die Blechteller schnell
verschwinden können und so bin ich mit Argusaugen unterwegs und sammle leere
Teller sofort ein damit auch ganz klar ist, dass die Muzungu die Kontrolle hat!
Je später der Abend desto schöner die Gäste: Als die Show vorbei ist und wir
bereits auf die Lautsprecher-Musik umgeschaltet haben treffen Peter’s Söhne
Daniel und John Baraka (der Hochzeitstänzer) auch noch ein und plötzlich dann
auch noch die Schwester von Peter mit ihren 3 Kindern und mit dem
Weihnachtsgeschenk: einem lebenden Huhn. Das ist hier ganz normal und ich habe
mich dran gewöhnt: eine Ehrerbietung ist ein Huhn oder sogar eine Ziege: die
kriegt man gleich live geschenkt und in der Zwischenzeit ziere ich mich nicht
mehr sondern akzeptiere dankbar, denn dann wird die nächste Rechnung für mich
etwas weniger hoch…

Ich bin strikte bei meinem Lieblingsgetränk Gin & Tonic
geblieben. Drei davon sind es total geworden und das ist doch für eine 6
Stunden Feier total im Rahmen. Vor einem Jahr musste ich noch ganz umständlich
Eis kaufen in Kilifi – jetzt kann ich es mit einem Handumdreh im eigenen
Kühlschrank mit Eisfach produzieren und ich gestehe ein: diese kleinen
Luxussachen machen mir Freude. Um 21.00 Uhr muss Schluss sein, da die Leute um
22.00 Uhr für die Ausgangssperre zuhause sein müssen. Viele müssen noch einen
kilometerlangen Weg zu Fuss in der Dunkelheit auf sich nehmen aber das hat sich
für alle wohl total gelohnt. Blöderweise müssen wir noch die Mutter mit 3 von
ihren Kindern nach Hause fahren und das nimmt eine ganze Stunde in Anspruch
aber als wir zurückkommen traue ich meinen Augen nicht: Moses macht über die
Boxen immer noch riesig laute Musik und tanzt ganz alleine auf dem grossen
Platz vor dem Community Center. So etwas habe ich hier echt noch nie erlebt.
Ein neues Hemd und viel Mnazi müssen ihn zweifelsohne sehr glücklich machen!

Alle sind fröhlich und hatten ein wunderbares Fest! Den
Zusammenhang mit Weihnachten sehe ich nicht aber hey: andere Länder – andere
Sitten! Auf mein kurzes Live-Video, das ich auf Facebook gemacht habe kriege
ich auf jeden Fall eine ganze Menge positiver Reaktionen. 

Und hier veröffentliche ich auch mal etwas, damit meine Nicht-Facebook-Freunde sehen, was man cooles machen kann mit der Kommunikation über Facebook. Auch das ist übrigens mein erstes Mal. In Kursen habe ich mich immer davor gedrückt aber bei diesem Video dachte ich mir einfach: das dürfte die Leute echt interessieren, wie wie hier Weihnachten feiern.

Mein erstes Live-Video aus Facebook:

https://youtu.be/f5eRMHFq49A 

Ich glaube, die
Freude ist vom heissen Kenia in die kühle Schweiz bzw. bis nach ganz Europa und
in das Vereinigte Königreich und in die USA übergeschwappt. Schön, wenn ich
euch damit ein bisschen Wärme in die Stuben bringen konnte! Ach ja und Corona:
keine Ahnung – davon hat heute Abend niemand gesprochen!

Teilen

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert