Wir häkeln einen Flaunt Kinky

Ich weiss gar nicht, ob ich von dem Interview mit Amina
Muzungu geschrieben habe. Sie kann zwar keine Lehrerin werden für den
Hairdressing Kurs aber sie würde gerne ihren Salon ins Community Center
verlegen. Sie hat auch schon viele Kundinnen aber hier im Center hätte sie
natürlich bessere Bedingungen (z.B. Wasser, Licht, Möbel, Utensilien) und wir
könnten ihr den Salon (und nicht Saloon, wie hier die meisten sagen)
einrichten. Ich beschliesse also, dies zu finanzieren, denn ich finde es gut,
wenn viele Leute ins Community Center kommen. Dann werden sie auf das College
aufmerksam und schicken vielleicht ihre Kinder hin oder nehmen selber sogar
Klassen.

Diese Amina ist eine komische Lady. Also nicht nur, dass sie
Muzungu heisst (so heissen hier alle Fremden…) aber sie ist auch mega verklemmt
beim Interview. Sie hat dauernd die Hände im Gesicht (sollte man jetzt echt
nicht machen in Corona-Zeiten) und irgendwann sagt sie dann auch, dass sie
einfach kein Englisch verstehe – sie sei nur bis zur 6. Klasse in die Schule
gegangen. Ok, das kann auch einiges erklären… Wir beschliessen, dass sie selber
dann die Schule auch besuchen kann sobald wir eine Lehrerin haben und in der
Zwischenzeit kann sie schon mal aufschreiben, was sie für den Salon braucht.
Also da hat es einiges drin, was ich spontan nicht erkenne, nicht einmal mit
dem Google Translate. Spiegel, Trockenhaube, Föhn, Kämme etc. das verstehe ich
noch gut aber wenn es dann zur Bezeichnung der diversen Haarteile und
Zusatzteilen kommt – da bin ich am Anschlag. Ich musste Peter dabei haben, da
ich immer noch nicht mit unserem Auto rumfahre (zu gefährlich, zu notwendig…)
Ich kündige also an, dass wir am Donnerstag fahren werden.

Peter ist einverstanden und Amina ist so nervös, dass sie
schon um 7.00 Uhr parat steht. Da bin ich noch nicht einmal wach. Wir fahren
dann um etwa 9.30 h los und müssen noch 2 Chiefs (eine Art Polizeioberhaupt) einladen.
Was mir Peter nicht gesagt hatte: er musste die Chiefs nicht nur aufladen
sondern auch mit ihnen an ein Meeting. Das sagte er mir aber erst 100 Meter vor
dem Ziel. Da ich selber keine Ahnung habe, wo man diese Schönheitsprodukte
herkriegt und auch keine Lust habe, das alles mit einem Tuk-Tuk zusammen zu
sammeln sage ich ihm, dass ich draussen auf ihn warte. Es geht um irgendein
Sicherheitsthema, weil im Moment grad das Subcounty „Kauma“ zerpflückt wird. Es
gibt Leute, die keinesfalls möchten, dass Peter wieder irgendeine Macht erhält –
auch in 2022 (Wahljahr) nicht. Daher wollen sie Kauma in drei Teile aufteilen,
damit es dann zu je einem Drittel zu einer anderen Constituency gehört… Mit
dabei ist natürlich auch der Governor von Kilifi – einer der grössten „Feinde“
von Peter. Er kann 2022 nicht mehr antreten, weil er schon 2x gewählt war aber
wenn er es Peter noch schwer machen kann, dann tut er es. Mit diesem Thema
gingen sie also an dieses Meeting. Das ist natürlich ein total wichtiges Thema,
aber ich hatte ja sowieso schon keine riesengrosse Lust, diesen Einkauf zu
tätigen aber dass ich jetzt auch noch 2 Stunden!!! im Auto vor mich hinbraten
muss das macht mich schon mega hässig… Vor allem hätte ich in Marere so viel zu
tun, denn wir konnten den Anlass für die Schulleiter der Primarschulen auf den
Freitag verlegen und wir müssen noch so viel organisieren damit es dann auch
klappt.

Ich sitze also mit dem Handy da und warte und warte und
überlege mir zwischendrin auch mal, ob ich einfach türmen soll (der Schlüssel
steckt) aber dann denke ich wieder, wenn ich mit so einer Wut losfahre dann
passiert mich erst recht ein Unfall – ich lass es lieber bleiben… Und irgendwie
geht die Zeit dann doch weiter und in mir drin gibt es so ein Gefühl von: dann
sind wir halt nicht vorbereitet für die Schulleiter. Und innerlich weiss ich
aber auch: ich kann meinen Perfektionismus ja doch nicht ganz loslassen – aber ein
bisschen schon…

Wir setzen die Chiefs in der Bäckerei ab und fragen bei
unserer Wholesale Frau nach, wo denn solche Produkte gekauft werden können? Sie
sagt, es heisse „Perfect Lady“ und gibt den Weg bekannt. Und jetzt kommt wieder
dieses Phänomen, das ich schon oft beobachtet habe: wenn Peter (oder ein
anderen Kenianer) nicht genau weiss, wo er hin muss, dann versteht er auch nicht:
geradeaus und dann links und so irrt Peter nochmals herum bis ich selber dann
verstehe, wo es ist und ihn dort hin leite. Wir sind also bei einem „Wholesaler“ Lovely Beauty (ist ja fast dasselbe wie Perfect Lady)
für Coiffeure angelangt. Wir wählen schon mal ein Waschbecken, eine
Trockenhaube aus und ich sage etwa 5x, dass wir einen Föhn zuhause haben, aber
sie will ihren eigenen. Ich halte sie davon ab. Jetzt wütet die kleine Amina und
läuft zu Höchstform auf…. Strähnen, gedrehte Locken, Kämme, Shampoo liest sie
in Massen aus, bis ich sagen muss: jetzt ist aber mal Schluss. Es gibt also Crochet,
Weaves und Hairpieces und Braids etc. Wir brauchen auch noch einen
schönen Stuhl aber die sind mir einfach zu teuer. Ich sage, dass ein
Plastikstuhl momentan einfach mal reichen muss. Vorher sind sie wahrscheinlich
sogar auf dem Lehmboden gehockt. Also zu ein paar Kompromissen muss sie schon
bereit sein. Sie muss also ein paar von den gewählten Produkten wieder retour
geben. Wir sind ja schnell wieder in Kilifi, wenn sie dann so fleissig ist,
dass sie wirklich alles verarbeitet (und auch das Geld entsprechend einkassiert
dafür…) Sie rechnet aber vor, wieviel Geld sie machen kann und vielleicht
stimmt das ja sogar – mich würde es freuen.

Wir haben es ziemlich lustig in dem Laden vor allem, weil sie mir noch dieses und jenes andrehen wollen, z.B. auch Ballone für den Valentinstag. Ich habe ja Erfahrung mit Ballonen und ao sage ich auf Swahili, dass ich Chibofu zuhause habe! Sie lachen alle und sagen, dass es Kibofu heisst. Meine Antwort kommt postwendend: ich spreche halt Kauma nicht Kisuaheli (was bei diesem Wort auch stimmt…) worauf sie sogar klatschen!!! Aber ich schwitze
wieder mal wie blöd vor mich hin. Denn Kilifi mitten am Tag ist einfach nochmal
krasser als Marere, wo es meistens etwas lüftelt. Peter kennt den Besitzer und so kriegen wir einen schönen
Wholesale Discount. Das Total beläuft sich dann auf  fast CHF 400 aber ich habe das Gefühl, das
ist eine gute Investition, weil es auch fürs Marketing gut ist. Wir wollen im
Beauty Salon auch eine gewisse Ausstellung unseres Angebots machen und die
Ladenbesitzerin meint, diese Aufhängevorrichtung können wir auch im Hardware
Store kaufen. Einer der Verkäufer kommt sogar mit und stellt sicher, dass wir
das Richtige einkaufen. Dann brauchen wir noch Haken, damit wir das
präsentieren können.

Wir müssen dann noch das Essen für den nächsten Tag posten
und so fahren wir retour mit den Spiegeln auf den Beinen und den Eiern bei den
Füssen – und wir laden wie immer noch andere Leute auf, die auch in die
Richtung von Marere müssen. Zuhause angekommen bin ich nudelfertig aber Moses
beginnt schon mit dem Aufhängen der Spiegel und des Displays. Manchmal sind sie
schon extrem umtriebig und was mich fasziniert: die unscheinbare Amina ist
schon richtig in Fahrt – am nächsten Tag kommt sie bereits um 08.00 Uhr – es könnte
ja sein, dass schon eine Kundin auf sie wartet!!!

Dass Peter das mitgemacht hat rechne ich ihm hoch an. Ohne
zu murren, ohne zu motzen. Aber irgendwann stehen wir in dem Laden und prusten
raus: ich hatte also wirklich null Bock auf diesen Einkauf – und er sagt genau
dasselbe. Solche Situation schweissen am Ende dann auch zusammen. Falls ihr
also bald mal einen Africana Loco oder einen Bongo Twist oder gar einen  Flaunt Kinky braucht: in Marere findet ihr
das alles!!!

Ich lasse mich natürlich auch instruieren, wie das jetzt
funktioniert: diese künstlichen Haarsträhnen und Locken werden also mit den
eigenen Haaren „verhäkelt“ – daher mussten wir ja auch noch 2 Häkchen kaufen.
Das hält dann ziemlich lange und bewirkt auch, dass die Frauen immer wieder
ganz krass anders aussehen! Ich bin sicher, dass ich noch einiges lernen werde.
Die erste Kundin lässt sich die vielen Curls auch bereits entfernen – sie hat
schon etwas gesehen im Angebot, das ihr gefällt.

Haare “entfernen” das musst du dir anschauen: 

https://youtu.be/p6RMGYEcY-0

Die Frauen in Marere sind
begeistert und sie fragen nach, ob wir auch Spanish Curls und Havana Curls
hätten, aber die führen wir grad nicht. Und so geht Amina nochmals mit dem
Piki-Piki Fahrer nach Kilifi und stockt nochmals auf – und sie kauft sich einen
eigenen Föhn, denn meiner hat keinen Aufsatz, der zwingend gebraucht wird!!!
Ich zeige ihr auch einen Haarglätter – aber das ist ihr nicht bekannt – ich muss
ihr wohl ein Youtube Video dazu zeigen – wer weiss, vielleicht lösen wir hier
noch einen ganz neuen Hype aus.

Falls du noch einen neuen Style suchst – hier findest du
ihn. http://www.sanaangels.net/new-products/
– sag uns einfach, was wir besorgen
müssen!!!

#hairstyles

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