Haute Couture für hohe Gäste

Bereits in der Schweiz hat ja Peter erzählt, dass der Deputy Präsident zu Besuch kommt. Er habe bereits Stoff ausgesucht für mich, damit ich mich in den UDA Farben präsentieren kann: Gelb / Schwarz und etwas grün (Dortmund und YB Fans höre ich schon frohlocken). Ich meinte dann nur: ja ja, wir werden sehen aber sofort als ich am Flughafen ankam nahm er das Thema wieder auf: Also wir müssen dann auf der Rückreise unbedingt bei Imani vorbei, denn sie wird das Kleid nur für dich schneidern. Ich hatte ein bisschen Bedenken, da ich Imani nicht kannte und fand, dass ich in Dama die allerbeste aller Schneiderinnen habe, die mir bisher alle Kanga Kleider genäht hat: tolle Qualität der Arbeit und erst noch ein sehr fairer Preis.

Aber nein, nein: du wirst sehen Amani ist noch viel besser. Ich schlage also vor, dass wir ihr doch schon mal meine Masse durchgeben. An der Reception geben sie uns ein Massband und wir nehmen alle Masse und zeichnen auch das ungefähre Design. Peter hat da was im Kopf und das will er unbedingt so umgesetzt haben. Vielleicht hat er mal was aus einer Pressefoto gesehen, die evtl. so aussah: 

Aus den diversen Bestellungen bei Dama weiss ich ja auch, welche Punkte gemessen werden müssen. Ich denke: doch doch damit kann ich gut leben und wir teilen ihr alle Details mit von Länge über Verzierungen bis zur Form des Ausschnittes etc. etc. Sie macht von sich aus eine Zeichnung und ich staune: ja genau so haben wir uns das vorgestellt. Chapeau, das hätte ich nicht erwartet. Sie muss wirklich gut sein.

Am ersten Tag in Marere sind natürlich alle Vorräte leer: leerer Kühlschrank, leere Regale, sämtliche Gläser kaputt, keine Batterien mehr. Wirklich so, als würde das Leben stehenbleiben oder sogar einen Rückschritt machen, wenn ich nicht hier bin…

Heute ist Immanuel mein Fahrer und Mbuche kommt als Taschenträgerin mit. Ich war schon mit vielen Shoppen, aber diese zwei stellen sich als Verhinderer raus. Die Art zu fahren von Immanuel lässt mich mal die Frage stellen: was ist eigentlich dein richtiger Beruf? Er sagt, dass er momentan keinen Job habe aber dass er seit 1996 Driver = Fahrer ist. Mir entwischt ein lauter Lacher. Es kommt mir eher so vor, als dass er seit 1996 nicht mehr gefahren ist!  Er schleicht wie eine Schildkröte und bei jedem – aber wirklich bei jedem Piki-Piki, Tuk-Tuk, Menschen, Hund, Auto hupt er ein paar Mal laut. Das mag ja mal notwendig sein aber bei JEDEM!!! Es dauert ewig bis wir in Kilifi sind und wer mit mir schon shoppen war weiss, das muss zackig – haraka, haraka gehen. Ich weiss wo ich was kriege und es geht Schlag auf Schlag. Wo man aber „Waterguard“ kriegt (das ist das Mittel, das wir in den Wassertank geben) weiss ich jetzt auch nicht mehr so genau. Wir werden von Laden zu Laden zu Laden geschickt. Bei Nr. 10 gebe ich auf und besorge zuerst alle anderen Sachen. Da Peter dieses Mal nicht dabei ist muss ich wohl oder übel auch selber in die Metzgerei, die ich bisher immer gemieden hatte. Aber es ist gar nicht mal so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte. 2 Kilo Fleisch für Pilau, denn wir erwarten noch Besuch… In einigen Läden kennen sie mich, auf dem Markt habe ich die Marktfrau meines Vertrauens. Mbuche ist sich nicht gewohnt, dass man „Grosseinkauf“ macht und so fragt sie bei jedem Gemüse, bei jeder Frucht: „wie viel kosten die?“. Ich versuche diplomatisch zu sagen, dass sie uns schon einen guten Preis macht und dass sie jetzt nicht jedes Mal fragen soll, denn ich brauche mindestens 12 verschiedene Gemüse und Früchte aber sie bleibt dabei: wieviel kostet das? Sie weiss auch nicht recht, wieviel man von jedem nehmen soll, denn für sich kauft sie wahrscheinlich normalerweise einfach so viel ein, wie das Geld hergibt… Wir kriegen so viel Gemüse für nicht einmal 20 Franken und sogar 2 Salaköpfe sind dabei – ich will mich ja ans gesunde Essen halten! Obendrauf gibt es noch 3 Apple Mangos geschenkt. Peter liebt diese Frucht!

Aber wir werden auch mit dem Rest fündig. Ksh 300 für 6 hübsche Trinkgläser (das heisst etwa 40 Rappen pro Glas), 3 hübsche Teller – jeder für CHF 1 – call me again: Shopping Queen – ich weiss in der Zwischenzeit, wo ich billiger als im Naivash Supermarkt einkaufen kann.

Wir müssen dann auch noch die Deras (Kleider) für die Politische Veranstaltung holen und ich habe nicht ganz gecheckt, dass dieselbe Frau, die diese produziert hat auch „meine“ Haute Couture Schneiderin ist. Ich insistiere also, dass wir mein Kleid auch noch abholen müssen aber Mbuche zeigt auf den Sack mit den Deras und meint, hier ist dein Kleid. Wie bitte, was bitte? Einen solchen Bodenlumpen soll ich tragen, wenn der Deputy President kommt? Und wo bitte ist der schwarze Streifen. „Oh, there was no more black material… sorry!!!“ Ok, damit hätte ich jetzt noch leben können aber der Stoff sieht aus „wie wenen e Chue i de Schnorä gha het“ – ich glaube das habe ich schon mal an einem anderen Ort geschrieben. Also für die Pressebilder macht das „gar kei Falle“!!! Zudem sind die Säume liederlich genäht – überall hängen Fäden raus. Ich probiere das Kleid zuhause spasseshalber mal an: es ist komplett durchsichtig und einfach nicht tauglich für einen Staatsbesuch. Ich bin etwas hin- und hergerissen zwischen huere hässig werden und es mit Humor nehmen und ich entscheide mich für eine Mischung: vordergründig sage ich zu Peter, dass es gar nicht geht und auch er ist mit mir einverstanden. Hintergründig bin ich schon wieder etwas mehr verliebt in ihn, denn die Idee war doch sehr lobens- und liebenswert. Welcher Mann designt schon ein Kleid für seine Frau, weil er es in irgendeinem Fashion Design Heftli so gesehen hat und es ihm gefallen hat.

Die Deras schaue ich mir auch genauer an. Ok, Deras sind einfach grade Hängekleider, da kann man nicht viel falsch machen. Aber ich frage mich, wie man den Kopf durch die Mini-Öffnung am Hals bringt. Ich will eine Dera rausnehmen, aber die klebt an der nächsten, die wieder an der nächsten usw. Den Printer sollte man echt zur Rede stellen. Er hat wohl nicht einmal gewartet, bis der Print trocken war und so geht einerseits der Print kaputt beim auseinanderziehen und andererseits hat jetzt jedes Kleid auf dem Rücken noch einen abverheiten Druck von der nächsten Dera. Ich bin echt entsetzt und hoffe, dass Peter nicht allzu viel dafür bezahlt hat… Aber ich weiss: sie werden diese Kleider mit stolz tragen und von weitem werden sie sogar schön aussehen.

Zum Glück habe ich noch ein gelbes Kleid von zuhause mitgenommen, etwas anders als ursprünglich geplant aber viel mehr Barbara-like. Das verflixte daran ist nur, dass ich auch ein Jäckchen dazu tragen muss, denn protokollmässig geht natürlich ein ärmelloses Oberteil gar nicht…

Ich hoffe immer noch, dass ich euch morgen ein Bild von mir in der vordersten Reihe senden kann. Es sieht immer mehr so aus, als ob der Deputy President tatsächlich auftauchen würde. Die NIS Leute sind auf jeden Fall heute Nachmittag (Gott sei Dank bin ich nicht früh aufgestanden) endlich aufgetaucht und haben alles inspiziert und ich war auch schnell vor Ort und konnte mich davon überzeugen: die Lautsprecher-Anlage funktioniert. Das Podest ist gebaut und mit den Verzierungen an den Zelten fangen sie auch schon an.

Es bleibt spannend. Wetten werden nach wie vor angenommen: kommt er oder kommt er nicht?!!!

#hautecouture

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