Wer hat die Wette gewonnen? 1000 Punkte für Peter Shehe!!!

Nachdem ihr den Teil über die Kleiderwahl schon gelesen habt kommt jetzt der ganze Hintergrund vom bevorstehenden Anlass dazu. Um ein paar politische Erklärungen komme ich nicht herum; sonst versteht ihr die Wichtigkeit dieses Events nicht.

Ich hatte immer sehr gehofft, dass es klappt mit dem Besuch aber die Vergangenheit hat mich gelehrt, dass ich mich nicht zu früh freuen darf. Ich hatte wirklich Schiss, dass es nicht klappt und Peter danach am Boden zerstört ist. Das wollte ich auf keinen Fall. Weder für ihn noch für mich…

Ich versuche mich kurz zu fassen, was das Politische angeht, denn ich habe es schon ein paar Mal thematisiert in meinem Blog. Uhuru Kenyatta machte William Ruto zum Deputy President in 2007. Die Idee war, dass Uhuru 2 Wahlperioden regiert und dann Ruto übernimmt. Beide gründeten die Jubilee Partei, der peter in der letzten Wahl auch beigetreten ist, bzw. beitreten musste. Leider hat sich dann Uhuru von Ruto gelöst und diesen lächerlichen Handshake mit Raila Odinga von der Gegenpartei ODM gemacht. So quasi: wir verstehen uns ab jetzt, obwohl wir uns vorher bis aufs Blut bekämpft haben. Zusammen wollten sie dann auch die Verfassung ändern mit dem Riesenkonstrukt BBI (Building Bridges). Darin war auch vorgesehen, dass es neu die Position des Premierministers gibt (anstelle des Deputy President) und man munkelte, dass dann wohl Uhuru kenyatte diesen Job wolle. Daran habe ich persönlich zwar immer gezweifelt, denn wenn Uhuru etwas nicht braucht ist es ein Job. Er gehört zu den reichsten Afrikanern überhaupt (nicht nur zu den reichsten Kenianern..) Zum Glück wurde dieses BBI Projekt vom Gericht niedergeschmettert und für ungültig erklärt, da nur das Parlament die Verfassung ändern kann. Das Ganze war eine Volksverarschung – ich finde kein schöneres Wort dafür. Die Bürger:innen wussten, dass es nicht sein kann, dass Uhuru sich mit einem Verlierer zusammen tut. Raila Odinga hat jetzt schon 4x die Wahl zum Präsidenten verloren und ist mittlerweile zwar „erst“ 76 aber für mich ein babbelnder Tattergreis, dem alle Felle davonschwimmen und der sich am letzten Strohhalm hält. Es geht schon eher in Richtung „peinlich“…

Ruto aber ist 54, gut ausgebildet und einfach ein extrem cleverer Typ. Peter hat schon immer von ihm geschwärmt. Ich selber war aber hässig auf ihn, weil er Peter nach der Abwahl 2017 einen Job versprochen hat und dieser sich nie materialisiert hat. Doch diese Pläne wurden gemäss Peter immer wieder von der Gegenpartei durchkreuzt und Peter ging leer aus weil Leute aus anderen Stämmen bevorzugt wurden von der Regierung. Ich fand immer, dass Ruto die Macht gehabt hätte einen Job für Peter zu organisieren, aber wer weiss: vielleicht war es ja besser so.

Ruto hat eine neue Partei gegründet, die UDA (United Democratic Alliance). Er will, dass es eine nationale Partei ist und er will nichts mit Tribalism (Stammesdenken) am Hut haben, was ich einen sehr modernen und cleveren Move nenne. Was mir nicht gefällt ist, dass er seine Wahl quasi mit „Hustler Nation“ bezeichnet. Für mich ist Hustler einfach nur das Softporno Magazin, das parallel zu Playboy existiert hat und ein Hustler geht für mich Richtung Zuhälter, was alles nicht frauenfreundlich ist. Ich musste mich aber eines Besseren belehren lassen. Mit dem Word Hustler verweist er auf seine Jugend, als er selber mit dem Verkauf von Hühnern Geld machte und quasi „Hustler“ war = ein kleiner Marktverkäufer, der ums Überleben kämpft – und davon gibt es in Kenia ja Millionen. Damit setzt er sich auch ab von den eingesessenen Politikerdynastien wie Kenyatta und Odinga, die schon in Politikerfamilien geboren wurden. Und mit diesem Spruch gewinnt er sehr viele junge Wähler:innen und auch diejenigen, die nicht von Haus aus reich sind – das ist definitiv die Mehrheit in Kenia.

Kazi ni Kazi steht unter dem UDA Logo: Arbeit ist Arbeit, sprich: es gibt viel zu tun, aber wenn wir es schaffen, dann haben wir Arbeit bzw. Wie es im Wahlmanual steht: every hustle matters…Deshalb auch die Schubkarre im Logo!

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest kannst du googeln oder auch bei BBC nachlesen: https://www.bbc.com/news/world-africa-58246207

Im Team UDA ist dann auch noch Aisha Jumwah, eine echte Pfundsfrau die mich beeindruckt weil sie ihr Meinung sagt und den Weicheiern auch mal deutlich sagt, was Sache ist. Sie ist momentan Member of Parliament von Malindi. Sie ist hard working und hält unglaubliche Reden, bei denen das Volk mitgeht und sich verstanden fühlt. Auch einen MP für Ganze haben wir im Umfeld – er darf aber noch nicht politisieren, da er noch ein öffentliches Amt belegt. Durch das neue Mischen der Parteien kommen jetzt auch immer mehr Leute von der Küste zu UDA. Sie waren vorher fast alle bei ODM (Raila Odinga) und daher hatte Peter ja auch mit viel mehr Problemen zu kämpfen.

Als Peter wusste, dass er 2022 nochmals als MCA (Member of the County Assembly = ähnlich wie ein Gemeindepräsident) für Jaribuni kandidieren möchte hat er sich aufgemacht und die Menschen in Jaribuni für UDA und für die Wahlen registrieren lassen. Die Zahl weiss ich jetzt auch nicht mehr ganz genau aber er war keniaweit die Person, die innert Kürze am meisten Leute registriert hatte. Kein Wunder haben Aisha Jumwah und William Ruto gemerkt, dass sie um Peter an der Küste nicht rumkommen.

Peter hat alles daran gesetzt, dass Ruto auf seiner Küstentour nach Jaribuni kommt. Und es ist vollbracht: heute hat die Veranstaltung vor der Juhudi Schule (dort wo wir mit Pro Ganze 100 Bänke gesponsort haben) mit fast 3’000 Menschen stattgefunden. Ruto ist mit Entourage und dem Helikopter eingeflogen und Peter sass während der ganzen Veranstaltung neben dem Thron… ich hatte wirklich grosse Bedenken, dass sie ihn stehen lassen würden und den Stopp absagen – wie es halt leider schon so oft passiert ist. Ich lerne aber kurz vor Beginn der Veranstaltung die Dame kennen, die fürs Protokoll zuständig ist und sie sagte: wenn der Stuhl (Thron) gebracht wird, dann ist es sicher, dass er kommt und so begann ich dann auch etwas langsamer zu atmen.

Peter blieb die ganze Zeit schon fast übersinnlich ruhig. Er hat zwar kaum geschlafen war noch mehr am Telefon als sonst und musste von den Zelten über die Deko zu den Stühlen bis hin zum Wasser alles organisieren. Und das Schlimmste und Teuerste: die Leute mussten ja aus ganz Jaribuni „angekarrt“ werden. Zum Glück war gerade Schulende für Weihnachten und so konnten wenigstens die Busse der Schulen benutzt werden aber gratis wurde das natürlich nicht gemacht.

Ich selber strahlte auch den ganzen Tag wie ein Honigkuchenpferd (sind die gelb?) und hielt den Anlass so gut wie wie möglich fest. Ich erhielt ein Upgrade und wurde hinter Ruto platziert. Für einmal auf einem Plastikstuhl mit Housse und Schleife!!! Das Dumme daran war nur, dass ich nicht filmen oder fotografieren durfte – ich wurde vom Security Officer ganz bös in die Schranken verwiesen – oups…immer diese Paparazzi!!!

Es ist wohl das erste Mal, dass ich nicht auf die Uhr geschaut habe während einer Wahlveranstaltung. Es war richtig unterhaltsam und nur die Besten durften sprechen und sie haben allesamt brilliert! Peter Shehe hat ganz wichtige Themen angeschnitten und William Ruto hat ganz viel versprochen. Unter anderem auch eine geteerte Strasse zwischen Dztisoni und Beria bis nach Kilifi – davon werde dann sogar ich profitieren können. Und wer weiss, vielleicht lässt er dann auch noch was springen für Juhudi, denn als er gehört hat, in welchem Zustand die Schule ist war er selber schockiert. Aber ich muss voller Bewunderung sagen: wenn einer so sprechen kann und sich so mit den lokalen Begebenheiten auseinandergesetzt hat (er kannte jeden Namen von jedem Kaff und jeden Namen von jeder kandidierenden Person – und das sind nicht wenige) dann ist es so wie der Fahrer Joshua sagte: He is not intelligent: he is a genius!!! Ruto for President ist von jetzt an meine Devise!

Das Ganze war ein fröhliches und farbenfrohes Fest und die Wahlmusik muss ich mir unbedingt noch besorgen: ein richtig cooler grooviger Sound. Die „gruusigen“ Deras sahen wunderbar aus an den Frauen und sie trugen sie mit Stolz. Mein Kleid hat auch Furore gemacht und es war mir egal, dass ich unter dem schwarzen Jäckli einen abschwitzen musste. Als Peter mich noch Ruto vorstellen wollte sagte er: of course I know her, we have met before. Und so kam es dann auch noch zum Handshake, der hoffentlich die Zukunft von Jaribuni verbessern wird: dem Handshake zwischen William Ruto und Barbara Fuhrer.

Ohne Zweifel werden wir heute Nacht gut schlafen und einiges zu verarbeiten haben. Danke, dass ihr mitgefiebert habt und: stay tuned… ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass es noch mehr Aufregung geben wird in den nächsten 2 Monaten – vorerst ist eher wieder runterfahren angesagt…

#kazinikazi

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