Das Kind in dir muss Heimat finden

Als meine Kinder noch kleiner waren, da waren unsere Weihnachtsferien meistens mit Zusammensetzen von Lego geprägt. Mica hatte eine ganze Lego Stadt im oberen Stockwerk und ich habe viel mit ihm Rollenspiele gespielt. Dabei war er immer der Präsident und ich irgendeine Handlangerin, die von ihm herumkommandiert wurde. Aber es hat Spass gemacht am Boden zu hocken und die Fantasie spielen zu lassen. Ich mache es ja jetzt mit Lego Serious Play mit den Erwachsenen auch nicht viel anders…

Mica war auch ein absoluter UNO Freak. Er war manchmal so süchtig, dass wir noch ein kleines Game gespielt haben bevor er zur Schule ging. Gewinnen war ihm wichtig und er ging als Kind schon recht strategisch vor beim Spielen. Weil meine Mutter früher mit ihrer Freundin Canasta spielte brachte sie das auch allen anderen Familienmitgliedern bei und es war wirklich DAS Spiel der Fuhrer-Sarabia Familie. Wir spielten es in den Ferien bis zum Exzess, selbst am Flughafen von Sharm el Sheikh als wir Verspätung hatten. Und eine Szene vergesse ich wohl nie mehr. Es war in einem schönen Hotel in Kreta am Strand. Wir hatten natürlich alle unsere Spielstrategien und meine Mutter lugte auch immer hinter ihrer Brille hervor und versuchte zwar ein Pokerface aber wir durchschauten sie oft und wussten, wann sie „fertig machen“ würde. Oft ärgerten wir uns darüber. Dieses Mal trieb aber ich Colombe zur Weissglut. Ich hatte sie einfach zu oft blockiert oder zu oft gestichelt: plötzlich hatte ich ein Glas Wasser am Kopf (immerhin nur das Wasser ohne Glas). Sie hatte Glück, dass ich in den Badehosen da sass aber meine Mutter forderte vehement, dass es von nun an fair bleiben solle, sonst würde sie nicht mehr mitspielen.

Von Mamush’s Bruder habe ich dann gehört, dass meine Mutter eine ganz schlechte Verliererin war als Kind und dass sie oft alle Spieltözli unter den Tisch geschmissen habe aus Wut übers Verlieren. Ich selber habe das „Winner-Gen“ nicht besonders, d.h. nicht im Sport. Als ich z.B. Tennis oder Squash gespielt habe war es mir einfach wichtig gespielt zu haben und sollte ich je einen Lauf machen, dann wäre es mir wichtig überhaupt ins Ziel zu kommen aber nicht unbedingt zu gewinnen. Als Fan kann es dann schon mal anders sein, wenn ich z.B. mein Fussball-Team ansporne. Und bei Spielen wie Taboo oder Montagmaler oder Trivial Pursuit, da ist es mir schon wichtig, beim Gewinnerteam zu sein und zu zeigen, dass ich eine schnelle Denke habe. Ein Spiel, das ich unbedingt wieder mal mit Freund:innen wiederholen möchte ist ein Krimi-Dinner. Da habe ich noch super Erinnerungen daran, wie alle als verschiedene Charakter verkleidet zu Besuch kamen und sich dann auch ihrer Rolle gemäss in Szene gesetzt haben.

Letztes Jahr hat mir eine Freundin aus den sinGALLinas ein paar Spiele mitgegeben, die sie sonst entsorgt hätte und ich habe dann auch ein paar Mal mit Mbuche Halma, Mikado und Jenga gespielt.

Dieses Jahr waren ja 3 Kinder von Verwandten zu Besuch um uns mit dem Kochen, Aufräumen, Servieren zu helfen. Die Kleinste heisst Faith, ist 11 und sie ist besonders clever. Sie langweilte sich oft, weil ja ihre Schwestern entweder beschäftigt waren oder sich ins Zimmer zurückzogen. Der Bruder war mit dem geschenkten (uralten) iPhone beschäftigt, da ich ihm den WiFi Code gegeben hatte – er war als 20-jähriger im 7. Himmel!!! Als er dann auch noch merkte, dass Mama Kaya sich in Hip Hop auskennt staunte er nicht schlecht und so hörten wir Hip Hop Songs rauf und runter.

Ich habe dann eine „How to make icecream“ session eingelegt. Sie haben die Mangos geschält und in kleine Stücke geschnitten, ich habe die Passionsfrüchte präpariert und dann zeigte ich ihnen meine Wundermaschinen für Jus und die Glacémaschine, die sie total faszinierte. Faith sass fast die ganzen 50 Minuten vor der Maschine und schaute zu, wie das Eis entstand. 

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Das fand ich dann aber doch nicht so eine sinnvolle Beschäftigung und so setzte ich mich hin und wir begannen zu spielen. Die Schwestern wollten natürlich auch mitwirken und wir hatten so viel Spass dabei. Kürzlich erst habe ich übrigens erfahren, dass das Spiel Jenga wohl im Swahili abgespickt hat: Jenga ist das Verb für „bauen“ – passt total.

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Am Abend spielten wir dann noch Eile mit Weile und ich musste kurz mal die Regeln googlen, da ich nicht mehr wusste, mit wieviel man raus darf, was ein 6-er bedeutet etc. etc. Dann musste ich einem etwa 50-jährigen Mann auch erklären, wie man würfelt – er hatte richtiggehend Mühe damit, da er es noch nie in seinem Leben gemacht hatte. 

https://youtu.be/zhi73Bdbpdg 

Aber dann ging die Post ab und wir brachten einander „nachhause“, blockierten uns gegenseitig und nützten all die fiesen Tricks des Spiels aus, wobei ich schon sagen muss, dass das richtig fiese meinen beiden Mitspieler:innen total abging. Sie sagte x-Mal „sorry, sorry“, wenn sie meinen Spielstein nachhause befördern mussten.

Was mir beim Spielen so gefallen hat ist, dass es universell ist. Fast schon wie Musik. Egal, ob man sich sprachlich versteht, egal wie alt man ist, egal welchen Job man hat: irgendwie sind beim Spielen wieder alle gleich – nämlich Kinder, die Spass haben am zusammen etwas unternehmen. Somit kann ich nur sagen: spielt wieder, seid wieder Kinder – es lohnt sich, das Innere Kind wieder zu entdecken. Und das sage ich, während ich das Hörbuch von Stefanie Stahl anhöre: Das Kind in dir muss Heimat finden! Und diese Heimat kann irgendwo auf der Welt sein!

P.S. Auf dem Video mussten wir grad für Dominic würfeln, da er eine Ananas schneiden musste für den Dessert…

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