Politik – ein spiritueller Weg?

Ich weiss, dass ich sehr viele spirituelle Freund:innen habe. Ob die auch diesen Blog lesen – da bin ich mir nicht sicher, aber ich möchte ernsthaft versuchen, den Bogen von Politik zu Spiritualität zu spannen.

Auch wenn es Zeiten gibt, in denen ich die kenianische Politik regelrecht hasse – so muss ich auch zugeben, dass es Zeiten gibt in denen sie mich total fasziniert. Seit dem Besuch des Deputy Präsidenten William Ruto in Jaribuni ist mein Interesse wieder mehr geweckt worden und so war ich auch schockiert zu lesen, dass sein Digitalstratege – der früher für den Präsidenten gearbeitet hat – vor ein paar Tagen entführt, zusammengeschlagen und tot gemeint liegengelassen wurde am Strassenrand. Also gegen diese Stories ist der Tatort tatsächlich ein Weichei-Krimi!

https://www.the-star.co.ke/news/2021-12-29-dp-ruto-claims-itumbi-was-tortured-by-people-who-are-supposed-to-protect-him/ 

Was daran genau stimmt und wer die Verantwortung für diese Handlung trägt: wir werden es kaum je herausfinden aber es gibt mir zu denken. Die Wahrheit wird hier nicht allzu gerne gehört. Aber mit allem Wissen, das ich habe finde ich es angebracht, euch auch über die Hintergründe der bevorstehenden Wahlen zu informieren.

Die Betteltelefone an Peter reissen natürlich nicht ab, denn weil Ruto vor versammelter Gemeinde gesagt hat: you will have a nice Christmas vermuten alle, dass er Peter Geld gegeben hat um es an die Leute zu verteilen. Da es ja fast 3000 waren wurden wirklich nach der Veranstaltung vor Ort sämtliche Namen der Teilnehmer:innen notiert im Beiwohnen des lokalen Chiefs, der bestätigt hat, dass es sich um die Person handelt.

Sollte also je Geld reinkommen dann könnte man das dann auch via die Chiefs verteilen. Aber bei so vielen Leuten würde am Schluss eh nur etwa Ksh 200-300 übrig bleiben (CHF 2-3). Für die Gegner von Peter ist es ein gefundenes Fressen, da sie natürlich behaupten, dass Peter die Millionen, die er gekriegt haben muss eingesackt hat. Schön wär‘s, dann könnten wir vielleicht unsere Ferien in Diani Beach noch etwas fortsetzen…

Wenn ich dann das Interview mit dem afrikanischen Philosophen und Wirtschaftsprofessor Felwine Sarr auf Sternstunde Philosophie anschaue merke ich, wie weit wir von den Utopien und Idealen von ihm entfernt sind. 

Falls du eine Stunde Zeit hast, dir diese intelligente Interview anzusehen:

https://youtu.be/EptpupHJGRo 

Aber irgendwo und mit Irgendjemandem muss die Veränderung ja beginnen. Ich habe von Anfang an zu Peter gesagt, das ich ihn unterstütze, denn ich kenne so wenige Menschen die überhaupt eine Vision haben. Er hat sie und dafür leiste ich gerne meinen Beitrag „for a better world“. In Jaribuni habe ich schwer das Gefühl, dass Peter da einen echten Beitrag zur Veränderung leisten kann. Darum habe ich ihn ja auch ermutigt oder vielleicht einfach nicht entmutigt, sich als MCA aufstellen zu lassen. Es war ein gemeinsamer Entscheid.

Dazu nochmals ein kurzes Flashback: 2013 wurde das erste Parlament mit der neuen Constitution gegründet, nachdem es 2007 zu massiven Ausschreitungen kam und ein neuer Weg gesucht werden musste. Der neue Weg heisst „Devolution“, d.h. Den 47 Counties mehr Macht zu übertragen, ganz ähnlich wie früher in der Schweiz, als dann mit der Zeit mehr Macht an die Kantone übertragen wurde. Hier ist das alles einfach noch sehr neu und der Umgang mit diesem System harzt. Aber seit 2017 hat sich doch schon wieder einiges getan und ein MCA (Member of the County Assembly) ist für einen Ward (Jaribuni, Teil vom Wahlkreis Ganze) zuständig und zwar für die regionalen Strassen, für die ECD (early Childhood development = Kindergärten), für die tertiäre Ausbildung (keinePrimar- und Sekundarschulen) mit den dazu gehörenden Stipendien, für Wasser, Land, Gesundheit, für Agrikultur und Kultur und für Infrastruktur. Ouff… doch noch ganz schön viel was da zusammenkommt!

https://kilifi.go.ke/department/

Wenn Peter gewählt wird im August 2022 dann wird er wegen seiner Seniorität (Alter und politische Erfahrung) bestimmt auch noch die Aufgabe als Leader of the Majority in ganz Kilifi County erhalten und allenfalls auch noch eine Kommission präsidieren. Die MCAs treffen sich zusammen mit den Chief Executives des County’s regelmässig in Malindi und zwar zu denselben Zeiten wie das Parlament in Nairobi, das für das ganze Land zuständig ist. Das heisst also auch, dass es längere Unterbrüche gibt (von 2 bis 6 Wochen) in denen dann auch die eine oder andere Reise für uns beide drinliegen sollte.

Das Amt des MCAs bringt nebst 2 Büros (eins in Kilifi, eins in Jaribuni) dann auch einige Mitarbeitende mit sich: Legal Officer, Communication Officer, Personal Assistant und einen Fahrer. Ich glaube, Bodyguards sind auf diesem Level nicht vorgesehen (Gott sei Dank – so müssen wir den nicht immer mitschleppen, wenn wir irgendwo hingehen…) Sogar die sogenannten „Benchmarking“ Trips sind für die MCAs vorgesehen. Aus meiner Sicht – und die würde ich allen gegenüber vertreten – sind diese Reisen politisch gesehen völlig unnütz, denn sie werden von den meisten nur dafür gebraucht, um Shopping machen zu können im Ausland und um mehr Geld für Reise, Spesen etc. zu erhalten. Sie könnten aber durchaus horizonterweiternd und ausgezeichnet für ein internationales Netzwerk sein. Für mich könnte es allerdings auch eine Chance sein, Peter mal wieder auf einer Geschäftsreise an einen spannenden Ort zu begleiten. Unsere Indonesien-Reise habe ich noch in sehr bunter Erinnerung.

Wenn jemand momentan noch ein Amt belegt in der Regierung und kandidieren will, so muss er bis am 12. Februar kündigen, damit er nachher mit dem Wahlkampf beginnen kann. Dumm ist dann natürlich, wenn er/sie nicht gewählt wird im August: dann haben sie weder den neuen noch den alten Job. Dieses Risiko wollen einige nicht eingehen, obwohl sie mit einem Job in der Regierung liebäugeln. Die Partei-Nominierungen finden dann im April statt und ab dem 15. Mai 2022 ist dann Schluss mit Bewerbungen. Dann weiss man ganz genau wie viele Gegner noch im Rennen sind.

Hier im „Kauma-Land“ ist Peter ja sowieso schon irgendwie der Chef, denn es kommen eh alle zu ihm für Ratschläge. Egal ob das der Rat der Ältesten ist oder die Assoziation der Piki-Piki Fahrer oder Leute, die in die Politik einsteigen wollen oder eine Verwandte, die mit Chicken Farming beginnen möchte. Seine Arbeit wäre dann aber offiziell und vor allem auch bezahlt!!! Das würde schon einige Sorgen abnehmen. Zudem könnte Peter dann das Marere College, das wir ja schon zertifiziert haben richtig vorwärts bringen und gross machen, denn es ist ja das einzige seiner Art in Jaribuni. Deshalb vertrete ich momentan ja auch den Standpunkt, dass wir das Marere College aufrecht erhalten müssen – (fast) koste es, was es wolle, denn es wird eine Zukunft haben, auch wenn es momentan noch eher auf Sparflamme läuft!

Hier sagen also alle: Peter kommt da problemlos durch, Peter is quasi schon gewählt, keine Frage: Peter hat den Job auf sicher. Aber irgendwie habe ich das schon mal gehört für die Wahl zum MP für Ganze in 2017. Aber klar: dass dann Wahlurnen in Kleinbussen abtransportiert werden und die Zahl der Stimmen schon vor dem offiziellen Eintrag ins Register gefälscht wurden hatten wir bei den Plänen nicht mit eingerechnet. Ich sage nicht, dass es dieses Mal nicht wieder passieren könne. Aber nachdem wir Besuch von einem IEBC (das ist die Kommission, die sich mit der Durchführung der Wahlen befasst) Beamten hatten glaube ich ihm, dass es dieses Mal anders ist und die Kontrolle viel stärker sein wird.

https://www.iebc.or.ke

In Jaribuni gibt es momentan 22 Wahllokale, sogenannte Polling Stations. Peter beantragt momentan gerade noch 9 mehr für die nächsten Wahlen, denn wenn die Leute fast 10 Kilometer zu Fuss gehen müssen, dann könnte es schon sein, dass sie sich an dem besagten Wahltag nochmals umdrehen auf ihrer Kokosmatte und das Interesse nicht allzu gross ist, eine Stimme abzugeben. Zudem war auch bei der letzten Wahl die Gefahr, dass die Leute denken: ah: Peter wird ja sowieso gewählt, da muss ich mich jetzt heute nicht darum bemühen. Wenn also noch 9 Lokale dazu kommen würden, dann wäre Jaribuni besser abgedeckt. Es ist nämlich den zur Wahl stehenden auch nicht erlaubt, die Leute im Auto an die Wahllokale zu fahren: weder per Auto noch per Piki Piki. Wenn du findest, die Leute seien vielleicht auch einfach zu faul um abzustimmen, dann stell dir mal vor, du müsstest zu Fuss 2 Stunden bis zur Wahlurne laufen, ohne Essen und Trinken, bei 33 Grad im Schatten – und das ganze dann nach stundenlangem Anstehen wieder retour…

In jedem dieser Wahllokale werden dann von Peters Kampagnen-Kommittee (und das ist schon sehr gross…) 2 Agenten platziert, die vor Ort alles beobachten und uns ins Marere Community Center – das wird die Schaltzentrale sein während der Wahl – alle Zahlen melden. Auf einem Telefon als Bild und auf einem Telefon als Text. Wir werden dann die Zahlen hier zusammenziehen und vergleichen mit den veröffentlichten Zahlen. Sollte es Unterschiede geben schicken wir gleich die Polizei los (oder mindestens so ähnlich…). Momentan geht es auch noch um die „Presiding Officers“ in jedem Wahllokal. Dort besteht auch eine grosse Gefahr, dass die korrupt sind. Wahrscheinlich werden die nochmals kurz vorher ausgewechselt, damit auch Bestechungen nicht greifen können. Aber wenn die Agenten, die wir auch selber ausbilden werden, gut arbeiten und nicht bestechlich sind, dann sind die Chancen für eine faire Wahl gut. Ich bin ja mal gespannt – kommt mir irgendwie ein bisschen vor, wie der Jahreswechsel zwischen 1999 und 2000…

Ich glaube aber tatsächlich auch daran, dass es klappen könnte, denn von den 11‘200 registrierten Wählern hat ja Peter schon über 8‘000 dazu gebracht, sich für die Partei von Ruto UDA einzuschreiben. Und wenn die nicht bestochen werden, oder so dumm sind und sich bestechen lassen, dann steht einem Sieg von Peter nichts im Wege… aber ja ja ich weiss: wenn, wenn, wenn… Nach all dem Jammern nach Peter‘s verlorener Wahl in 2017 glaube ich aber, dass die Leute schon checken könnten, dass nur er sie weiterbringen kann, weil er ja nicht mal aufgehört hat Projekte zu initiieren – selbst nach seiner Abwahl. Und seine Muzungu Frau hat er ja auch immer noch…

Es gibt natürlich viele, die ihn jetzt verspotten, weil er sich „nur“ als MCA aufstellen lässt, denn im Vergleich zu einem MP ist das ein regelrechter Rückschritt aus Sicht von machthungrigen Politikern. Aber dass Peter dabei für die Kauma Community mehr ausrichten kann ist auch sonnenklar. Aber so weit geht das Denkvermögen der wenigsten nicht: dass man sich nicht für sich selbst sondern für die Gemeinschaft einsetzen will. Und da schliesst sich der Kreis mit dem Interview von Felwine Sarr auch wieder: Afrika braucht eine Vision, Jaribuni braucht eine Vision. Und das Wissen der Gemeinschaft ist im Prinzip einer der Grundwerte Afrikas, der einfach etwas auf der Strecke blieb.

Vielleicht klingt es hochgegriffen aber Sarr‘s Worte waren im Interview:

Wir müssen menschlich weiterkommen. Wer sich dem menschlichen Bewusstsein zuwendet und sich bemüht, seinen hellsten Teil zum Erblühen zu bringen befindet sich auf einem spirituellen Weg. Das Beste und Strahlendste des Menschen in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen ist ein spirituelles Vorhaben…. Die Gesellschaft sollte darüber nachdenken, wie man Wirtschaft, Politik, Kultur und Ökologie zum Wohle der Menschheit, zum Wohle des Lebendigen miteinander verbindet.

Wer die Art und Weise unserers Kennenlernens mitverfolgt hat weiss, dass ich mir einen spirituellen Mann gewünscht habe. Und ich habe auch zugegeben, dass ich inmitten der Kaya (Heiliger Wald) als mir ein Eingeweihter durch seinen Mund eine stinkige Brühe ins Gesicht gespritzt hat gedacht habe: na ja soooo spirituell hätte es auch nicht sein müssen…

Nicht umsonst heisst es aber in einem afrikanischen Sprichwort: es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind aufzuziehen. Und ich leite davon ab: es braucht ein ganzes Netzwerk um Peter zum Sitz als MCA zu verhelfen.  Ein weltliches und ein spirituelles! Und in diesem Sinn bist du jetzt alleine durch das Lesen ein Teil davon geworden. Danke für deinen Beitrag, für deinen Enthusiasmus und für deine Unterstützung – in welcher Form auch immer.

#SheheforMCAJaribuni2022

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