Dinner for more than one

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Ich hatte ja keine Ahnung, was mich da am Sylvester
erwartet. Einige meinten, dass sie zu Besuch kommen würden. Die meisten
verschoben es aber dann doch auf dem 1. Januar und mir war es recht. Es wurde
ein ganz friedlicher Tag und mein Plan war, dass wir auf jeden Fall fein essen
würden, ziemlich viel trinken (inkl. 2 Flaschen Prosecco) und ganz bestimmt
Dinner for One schauen werden. Für einmal ging ein Plan sogar auf, das ist
bemerkenswert.

Das mit dem Dinner for One machen wir nämlich schon das 3.
Mal – also schon der Beginn einer Tradition. Es war ja so lustig, als ich das
der Journalistin von Le Temps erzählte. Da sie Französin ist hat sie von diesem
Brauch auch noch nie etwas gehört und ich glaube, das ist sowieso ein
Deutschschweizerischer Brauch, den man in der Romandie nicht einmal kennt… oder
weiss da jemand Bescheid? Ich bin mir auch nicht mehr ganz sicher, wann wir in
unserer Familie damit begonnen haben, aber es ist sicher so lange her, dass ich
es nicht mehr weiss!!! Es ist doch ein absolutes Phänomen, dass man über
denselben Sketch nach Jahren immer noch gleich lachen kann wie beim ersten Mal.
Inzwischen habe ich ihn ja auch schon in der Wunderbar als Sketch gesehen, als
sich die beiden Besitzerinnen noch gut vertrugen und ihn nachgespielt haben mit
einem grossen Hallo des Publikums! Aber dass der über die Generationen hinaus
und sogar über die Kontinente hinaus funktioniert, das fasziniert mich hier in
der extrem ländlichen Gegend von Marere doch schon ziemlich.

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Am 31.12. war das Open-Air-Kino-Publikum ziemlich zahlreich,
denn es waren ja auch einige Kinder anwesend, die sich vorher Madagaskar und
die Unendliche Geschichte angeschaut hatten auf Grossleinwand. Das muss für die
Kids wirklich ein Riesenereignis gewesen sein. Und dass sie von Mama Kaya dann
auch noch Fanta gekriegt haben das war das Tüpfchen auf dem „i“! Ich amüsierte
mich köstlich an den Kindern: sie sassen mit grossen Augen da und kullerten
sich vor Lachen bei fast jeder einigermassen lustigen Situation. Bei der
Unendlichen Geschichte bin ich mir nicht so sicher, ob sie da viel kapiert
haben oder ob sie dann doch noch Albträume hatten wegen der fantastischen
Figuren.

Aber wie gesagt: bei Dinner for One ging voll die Post ab:
die Kinder und die Erwachsenen konnten es kaum erwarten, bis der Butler wieder
über den Tigerkopf stolperte oder wie er am Schluss total besoffen aus der Vase
trank. Ein köstliches Erlebnis.

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Ich hatte mir Fisch gewünscht und wenn Madame Fisch wünscht,
dann kriegt sie ihn auch. Same Procedure as every year.Glücklicherweise war
Moses nicht anwesend und so wurde der Fisch dieses Jahr auch nicht zuerst im
Wasser gedämpft sondern gleich auf dem heissen Grill gebraten – dies nachdem er
in einer feinen Ingwer-Marinade zubereitet wurde – und natürlich von meinem
Mann liebevoll auseinandergepuhlt und mundgerecht präpariert. Dazu gab es
feines Kachumbari (Tomatensalat) und Reis mit einer feinen Tomatensauce.
Danach natürlich noch frische Früchte – wie üblich. Momentan ist gerade Papaya Saison
und wir haben sogar im eigenen Garten davon. Eine kleine Entschädigung dafür,
dass während der Dürre sämtliche Passionsfrüchte eingegangen sind…

Für die Einheimischen wurde das Kokosgesöff Mnazi eingekauft
– natürlich literweise – und so ergab sich schon früh eine feuchtfröhliche
Runde mit unseren Angestellten, der Coiffeuse und den beiden Männern aus der
Bäckerei. Erst am nächsten Tag habe ich dann herausgefunden, dass die Coiffeuse
vom Bäcker im 6. Monat schwanger ist. Das hat mir natürlich meine Mbuche
verraten. Ich fragte, weshalb sie denn Alkohol getrunken habe aber Mbuche’s Antwort
war: Tusker (das lokale Bier) ist sehr gut, wenn du schwanger bist. Ich
versuchte sie aufzuklären, dass das keineswegs der Fall sei und sie Sandra
bitte lieber sagen soll, dass es nicht wahr ist. Zudem wollte ich jetzt noch
ein bisschen mehr Gossip erfahren: von wem sie denn schwanger sei und da hat
mir Mbuche verraten, dass es eben vom Bäcker sei. Der habe aber schon 8 Kinder
von anderen Frauen und Sandra selber auch bereits drei, die bereits aus dem Gröbsten
raus seien. Sandra habe in Saudi Arabien gearbeitet und deshalb habe sie sich
jetzt ein Haus bauen können. Ich musste Klartext reden: ob sie denn keine
Verhütung kennen? Es gäbe doch die Pille und man könne wohl Freude an Sex
haben, aber das müsse doch nicht gerade jeweils mit einem Kind enden. Das wird
dann ja auch bedeuten, dass sie nicht arbeiten kann, denn sie ist ja auch noch
Coiffeusen-Lehrerin am College und der Bäcker bäckt momentan noch kleine
Brötchen… Mbuche stimmte mir zu und sagt, dass sie ihr das auch gesagt habe
aber anscheinend habe ihr der Bäcker die Pille versteckt damit sie schwanger
werde. Also ich finde, dass sie ja symbolisch daran festhalten können, ihren
Samen überall verstreuen zu wollen, aber bitte nicht mit lebenden Konsequenzen,
die allen nur Probleme bereiten!

Ach du grüne Neune – wie willst du da weiterdiskutieren – da
komme ich auf keinen grünen Zweig. Zum Glück habe ich das am Sylvesterabend
selber noch alles nicht gewusst – ich glaube, es hätte mich am Feiern gehindert.

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Nach dem sehr sehr lauten Anstossen um Mitternacht wollten wir
uns zuerst nochmals einen Film anschauen und ich hatte noch DVDs von Rocky
mitgebracht aber Rocky Balboa war ja sooo langweilig und ohne Action, dass wir
auf Musik umgestellt haben. Es folgte eine ziemliche ausgelassene Tanzsession,
bei der auch Mama Kaya und Hon. Shehe ihre Booties geschüttelt haben. Irene vom
Fit & Funky hätte ihre pure Freude an uns gehabt. Um etwa 2 Uhr bat der
Bäckerassistent Peter darum, dass er mit einem Piki Piki nachhause fahren
dürfe, denn er wolle jetzt zur Familie zurück. Aber Peter wollte das
keinesfalls zulassen, denn der Alkoholpegel war bei allen zu hoch und er wolle
nicht verantwortlich sein, falls etwas passiere. Nach tiefem Durchatmen sagte
Peter, dass er ihn persönlich mit dem Auto fahren werde. Peter hatte bestimmt
auch zuviel getrunken aber mit einer Kontrolle ist in Marere nicht zu rechnen
und er hat sich da immer ziemlich gut im Griff. Aber Mbuche und Sandra fanden,
dass man Peter nicht alleine gehen lassen könne und so begleiteten sie ihn. Im
Auto drin fing dann anscheinend Mbuche an den besoffenen Bäcker Assistenten zur
Schnecke zu machen. Was ihm eigentlich einfalle so viel zu tirnken, dass er
nicht mehr nach hause laufen könne. Was er eigentlich glaube, ob Peter ein
Taxiunternehmen sei. Ob er sich überhaupt vorstellen könne, wieviel eine
Taxifahrt mit so einem teuren Auto kosten würde? Unter KsH 1000 käme er da nie
weg usw. usf. Am Schluss war der ein ganz kleines Weggli und sehr beschämt,
dass er überhaupt gefragt hatte. Als wir kurz vor 3 ins Bett gingen sahen wir,
dass er angerufen hatte. Wir dachten, vielleicht sei noch etwas passiert aber
mit ganz scheuer Stimme wollte er sich nur erkundigen, ob Peter noch gut
nachhause gekommen sei… Ach ich liebe meine resolute Mbuche! Sie ist für uns
nicht nur Haushalthilfe und Köchin: nein, sie hat einfach Eier und scheisst
alle zusammen, die einfach nur dahocken und konsumieren wollen, während sie
sich abrackert. Echt eine Mordsfrau!

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Es hat auf jeden Fall sehr viel Spass gemacht und wir sind
kurz nach 3 Uhr in einen Tiefschlaf verfallen, obwohl sie draussen noch gelacht
und geshaked haben. Und vom nächsten Tag sprechen wir lieber nicht: ich selber
hatte absolut null Hangover aber der immer so seriöse Dominic sah beim
Aufstehen immer noch so aus, als ob er weitertanzen wolle – aber eher
unfreiwillig… Manchmal tut es einfach gut, die Kontrolle abzugeben an solchen
Festen und ich bin sicher, wir werden alle noch lange darüber lachen und davon
erzählen.

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Happy New Year! Es wird garantiert ein spannendes Jahr 2022!

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