Wohnträume

Als ich von Linet Fotos gesucht habe ist mir bewusst geworden, wie luxuriös das Leben in Marere jetzt schon geworden ist im Vergleich zum Anfang, als ich noch über den Dorfplatz aufs Plumpsklo musste: wir haben passable Möbel, schöne Vorhänge, Deckenventilatoren, ein richtiges WC, eine Waschmaschine, einen Kühlschrank, einen Heisswasserboiler, einen Gaskocher – alles Luxusdinge, die für uns aber zu einer Minimalausrüstung einer Wohnung gehören. Mein Büro liebe ich. Dort kann ich mich verschlaufen, man sieht mich nicht von der Strasse her und kommt daher auch nur selten Anklopfen und ich habe Internet, was mir sogar erlaubt mit der ganzen Welt zu kommunizieren. Meine geliebte Hängematte kann ich so ab 17.00 Uhr auch benutzen, weil dann ein angenehmes Lüftchen weht und die Sonne an der Ecke weg ist.

Und doch ist es anstrengend für mich in Marere zu leben. Wir kochen in der Stube, Wasser zum Kochen und Abwaschen müssen wir von draussen oder aus dem Badezimmer holen. Die Zimmer sind stickig heiss und es hat überall Viecher: von der Decke rieselt es, in den Kästen hausen Holzwürmer, auf dem Dach sind Fledermäuse eingenistet, die ich manchmal kratzen höre und abends kann ich vor lauter Moskitos und fliegenden Käfern kaum arbeiten. Selbst in meinem schönen Büro nicht. Unterhaltung kann ich mir nur übers Internet holen – aber immerhin. Den Sonntagabend Tatort kann ich zeitversetzt sehen und auch meine diversen Sternstunden und den Literaturclub wie auch Netflix-Unterhaltung habe ich. Ansonsten sind da einfach die Mitarbeitenden von uns. Wir essen alle zusammen am Tisch. Die Konversation ist manchmal lustig aber meistens sehr rudimentär. Traute Zweisamkeit kommt nur nachts vor, denn Peter ist dermassen absorbiert mit seinen Wahlvorbereitungsgeschäften und allerlei Verpflichtungen, die er fürs College und für seine Aktivitäten hat. Ab 07.00 Uhr morgens kommen Leute, die etwas von ihm wollen. Mal können sie schnell abgewiesen werden, mal dauert es etwas länger oder mal übernachten sie auch gleich in Marere, vor allem jetzt wo die Zimmer so hübsch sind. Da könnte es dem einen oder anderen noch in den Sinn kommen, sich bei uns einzunisten. Ich bin grad sehr froh, dass die drei Studentinnen kommen und die Zimmer somit „besetzt“ sind.

Das Einrichten der Zimmer hat mir super viel Spass gemacht – ich mache so etwas einfach mega gerne. Eine Herausforderung war noch, das richtige Moskitonetz für das 3. Zimmer zu kaufen, das noch keines hatte. Wir haben in Kilifi die korekte Grösse gekauft – oder mindestens dachte ich so. Nach dem Zusammensetzen Ikea-Style (einfach auf Chinesisch) passte einfach das verflixte Netz nicht. Ich habe es ausgemessen und es war klar: was auf der Verpackung stand war nicht in der Verpackung drin. Also alles wieder abbauen, nochmals nach Kilifi fahren und umtauschen. Leider war nur noch eine lila Variante mit kitschigen Verzierungen verfügbar. Aber am Schluss zählt vor allem, dass die Moskitos nicht stechen. Solche “Schlaufen” können mich schon nerven…

Auch wenn wir die Mittel auf einem tiefen Level halten mussten: auch mit wenig Geld kann man das Gewisse Etwas reinbringen. Wir haben günstige und farbenfrohe, lokale Stoffe gekauft und ich hatte plötzlich die Idee, dass wir den Zimmern doch Namen geben könnten. Dazu machte ich mit den Mitarbeitenden am Tisch ein Brainstorming. Es war ein Lacherfolg! Am Schluss wurde abgestimmt: die Namen der Bäume haben gewonnen vor den Namen von Vögeln. Verworfen haben wir die Namen von Insekten, von Orten (zuwenige Zimmer…), Tieren oder auch verschiedenen Stoffarten!!!

Peter brachte mich zu einem Holzschnitzer, der wunderschöne Namenstäfelchen schnitzte und jetzt sehen die Zimmer wirklich sehr ansehnlich aus. 

Als nächstes werde ich die Fotos, die ich von den diversen Bäumen gemacht habe, noch rahmen und sie dann als Deko aufhängen. Jemand meinte zwar, dass wir die Studentinnen nicht so verwöhnen sollten. Sie sollen das echte kenianische Leben kennenlernen. Aber erstens ist es der Stolz von Peter, dass er so schöne Zimmer vorweisen kann und 2. werden sie noch genügend „Hardship“ haben den ganzen Tag in den Primarschulen Juhudi und Marere. So können sie wenigstens abends und nachts ausruhen und ihre Lektionen vorbereiten. Sie zu Lehrern nachhause zu schicken, die in Lehmhütten wohnen wäre nicht ganz die feine Art gewesen. Aber klar: sie wären auch mit einfacheren Bedingungen, bzw. mit öffentlichen Duschen/WC klar gekommen. Ganz bestimmt Lisa, mit der ich ja noch auf Safari gehe. Sie ist eine Pfaderin und sich bestimmt nicht an riesengrossen Luxus gewohnt in ihren diversen Lagern.

Im Laufe unserer Diskussionen über unsere zukünftige Wohnsituation ist auch Kiwani in Kilifi wieder in unseren Köpfen herumgeschwirrt. Für mich persönlich ist es die beste Lösung: Das Haus hat eine sehr solide Struktur aber es muss enorm viel gemacht werden: die Küche muss vollkommen neu werden, das Badezimmer des Master Bedrooms und die Gäste WCs und Duschen ebenso. Das sind alles ziemlich kostspielige Investitionen. Dazu kommen auch noch die Zimmerdecken und die ganze Kücheneinrichtung, denn da ist alles verfault. Was mir super gefällt sind die schönen Böden, die Balkone, die Terrasse und natürlich das „Sommerhaus“, das wir erst vor ein paar Jahren sehr schön restauriert haben mit einem Makuti-Dach. Wenn auch noch der Swimmingpool (klein aber fein) dereinst wieder funktioniert dann kann ich mir es sehr gut vorstellen hier – 1.5 km vom Meer entfernt“ zu „residieren“… Ich kann dann zu Fuss an den Strand oder ins Städtchen und ein sehr eigenständiges Leben führen. Natürlich müsste dann auch der Vergnügungspark im Garten weg, denn ich möchte keinen Lärm in nächster Umgebung haben. Daher würde ich diesen Weg als nächstes gehen, auf jeden Fall bevor Peter noch Pläne schmiedet irgendwo ganz neu zu bauen. Und wir können in Etappen renovieren und einrichten.

Beim Gedanken daran kommt sogar schon recht viel Vorfreude auf und der Sanitärler macht schon erste Vorschläge, was die Kosten anbelangt. Auch wenn es nicht umweltfreundlich ist: eine Badewanne hätte ich gerne, denn es ist meine Relaxation Therapie und manchmal braucht es einfach ein Bad anstelle von einer Meditation für mich. Wir scherzen also schon über die Tropical Rain Shower und die Jacuzzi Badewanne und es macht richtig Spass solche Pläne zu schmieden. Vorerst planen wir, mit der Hälfte des Ertrages von unserer Wohnung in Nairobi damit weiterzubauen. Über die Wohnung in Nairobi möchte ich gar nicht viel erzählen, ausser dass der eine Sohn Peter total über den Tisch gezogen hat, indem er jahrelang die Miete eingesackt hat. Peter war aber im Glauben, dass die Wohnung leer sei und als er insistierte und sogar einen Anwalt nehmen musste um seine Schlüssel zurück zu kriegen hat er herausgefunden, dass Daniel weiterhin alles Geld dafür einsteckte, seinem Vater aber keinen Rappen dafür gab. Als der Vater dann kategorisch darauf bestanden hat den Schlüssel zu erhalten oder das Schloss zu wechseln riss der Sohn alles, was er hatte einbauen lassen in einer Verwüstungsaktion einfach aus der Wohnung raus, inkl. Glasscheiben bei den Balkonen, Lampen, Kücheneinrichtigung etc.  die allesamt noch sehr nützlich gewesen wären für spätere Mieter. Zum Glück gibt es aber 2 Söhne und der andere hat geholfen, alles wieder in einen vermietbaren Zustand zu versetzen. Er hat jetzt auch geholfen einen Mieter zu finden und darüber freuen wir uns enorm. So rückt nämlich die Renovation von Kiwandani in erreichbare Nähe.

In Gedanken plane ich natürlich schon die Einrichtung: dieses Mal aber Barbara-Style und im Swahili Design. Oh rein diese Zeilen zu schreiben versetzt mich schon in Vorfreude. Darüber werde ich bestimmt noch oft berichten!!!

Und ab und zu können wir dort dann auch im Garten Festanlässe abhalten, Hochzeiten organisieren oder kleine Events zulassen. Es wird unser erstes gemeinsames Zuhause sein. Es kommt grad ein Kribbeln auf und ich werde noch ein bisschen nach Ideen surfen…

Wie würdest du dein Haus einrichten in Kenia?

#houseofmydreams

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