Pamoja ist mein wichtigstes Wort

Ich kenne inzwischen ganz viele Swahili Wörter aber ich sage immer wieder, dass Pamoja=Zusammen eines meiner wichtigsten ist. Besonders hier in Kenia aber auf der ganzen Welt. Und wenn ich ein Attribut sehr mag, das mir zugesprochen wird, dann ist es, dass ich eine gute Netzwerkerin bin. Ich liebe es, Leute zusammenzubringen, bei denen ich denke, dass sie zusammenpassen (und das nicht auf einem Dating Level…) eher geschäftlich, ideologisch oder unterstützend und fördernd. Dass ich jetzt auch einmal von diesem Netzwerk profitieren kann freut mich daher auch umso mehr!

Wie es ganz genau begann musste ich grad selber rekonstruieren. Es war meine Studien-Kollegin aus dem CAS in African Affairs & Intercultural Competence an der Uni Basel, die alles initiiert hat. Es hatte damit zu tun, dass sie zwar in Tanzania aktiv war aber nicht an einer Primarschule und Tanzania war zu dem Zeitpunkt (im Februar 2020) zu unsicher mit dem damaligen Präsidenten. Die Frau ist übrigens die Tante von Sam Himself und daher ist auch meine Connection zu ihm entstanden – it‘s a small world… (wer Sam Himself noch nicht kennt: unbedingt reinhören….)

Ich wurde im Februar 2020 von der PH der Fachhochschule Nordwestschweiz kontaktiert und dann begann ein langer Prozess. Nicht wegen der FHNW aber definitiv zeitlich verlangsamt durch Corona und ein sehr langsam reagierendes Ministry of Health in Kenia. Manchmal treiben sie mich fast zur Weissglut in Kenia: du willst ihnen etwas Gutes bringen aber sie zieren sich, sie wollen dies und das (und zwischendurch will einer noch dies und das in Form von Schillingen…) und alles geht sehr pole pole vor sich hin. Aber wir sind drangeblieben, ich habe mich über das Projekt und die Hintergründe informiert, Peter und ich haben uns mit der engagierten Organisatorin physisch in Olten getroffen vorletzten Sommer, wir haben an Webex Austauschen teilgenommen, uns über Intermobil, Movetia erkundigt und einfach nicht aufgegeben. 

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Und auf der Seite von der FHNW blieben sie ebenfalls dran und hatten ganz am Schluss – und gleich um Weihnachten rum – noch so viele Probleme, weil einige Destinationen geschlossen waren, andere von sich aus annullierten und Student:innen, die plötzlich kalte Füssen kriegten. Wir haben fast täglich noch umorganisiert und es zog sich ja dann noch durch, weil selbst der Flug von 2 Studentinnen am Tag vorher annulliert wurde nachdem sie endlich ihr Visum für Kenia gekriegt hatte. Es wurde etwas wie ein Nervenkrieg – aber wir haben ihn gewonnen!

Das Resultat: seit Mitte Januar sind 3 mutige Studentinnen bei uns im Community Center und machen ihre Internship in 2 Primarschulen in Jaribuni.

Und noch besser: eine Repräsentantin des Programms hat sich für einen Besuch vor Ort angemeldet. Unsere anfängliche Kommunikation war etwas stockend und hatte einige Missverständnisse über die lokalen Begebenheiten drin (Houda: ich nehme ein Taxi nach Marere…. Ich: sage: Ah ok (denke: nimmt mich wunder was für ein Taxi…) und dann Houda: „Au, die wollen im Hotel aber fast CHF 100 um mich dorthin zu bringen Ich: (um 22.30 h am Vorabend) Peter: was machen wir? Und Peter: wir holen und bringen sie wieder für die Hälfte). Als wir Houda und ihren Partner Khalid im schönen Silver Palms in Kilifi abholen und darüber diskutieren können wir auch schon herzhaft lachen darüber, dass sie nicht wusste, dass sie wirklich abseits der Zivilisation gebracht wird.

Am ersten Tag besuchen wir die beiden Primarschulen und zeigen voller Stolz unser Community Center. In den Schulen werden alle drei Studentinnen gelobt, dass sie interessante Aspekte einbringen und bereits schon so viel geleistet hätten (ist bei den beiden in Marere fast nicht möglich, da sie erst am Montag angefangen haben – aber egal: wenn der Eindruck so ist, dann ist es ja perfekt).

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Am zweiten Tag wird es etwas „offizieller“: wir haben Audienz bei der Pwani University in Kilifi, die sich auf Education spezialisiert hat. Peter hat da natürlich die notwendigen Connections und ich glaube, wir sind wirklich bei den richtigen Personen gelandet. Houda erklärt gekonnt und souverän den Zusammenhang der verschiedenen Organisationen (Movetia = Bund, Intermobil, PH FHNW etc.) und lässt einen Vorschlag für ein MOU (memorandum of understanding) da. Sie ist versiert und man spürt, dass sie das nicht zum ersten Mal macht. Sie hat definitiv interkulturelle Kompetenz! Spätestens als sie hören, dass auch Austauschprogramme mit der Schweiz möglich werden in der Zukunft werden sie sehr hellhörig und interessiert… Das wäre natürlich der allergrösste Anreiz. Aus dem kleinen Küstenstädtchen Kilifi in die Schweiz reisen zu können: ein riesengrosser Traum würde da in Erfüllung gehen. Ich pushe sie noch ein bisschen, was das Thema Kommunikation anbelangt: ich „warne“ sie quasi davor, dass sie immer schnell antworten sollen, da das Programm sonst auch an eine andere UNI gehen könnte. Sie versichern uns, dass das nicht passieren wird und dass sie stolz sind, dass wir sie ausgewählt haben. Und wir schreiben unseren Namen in weitere Gästebücher. Wir begegnen in der Uni noch 2 ehemaligen Schulkollegen von Peter, die ihn sehr herzlich willkommen heissen. (Wenn ich so vergleiche denke ich: ich habe den „Richtigen“ gewählt…)

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Danach besuchen wir 2 Sekundarschulen in Jaribuni: die in Vyambani (wo auch die von unserem Kassier gesponserte Frau zur Schule geht) und die Jaribuni Secondary (wo die von mir gesponsorte Claris ihren Sek-Abschluss gemacht hatte). Die Jaribuni Secondary ist seit einem Jahr ausschliesslich eine Boys School. Versprochen wurde vom MP, dass eine separate Girls School gebaut wird aber darauf wartet Jaribuni wohl noch lange, denn das Versprechen wurde einfach nicht eingehalten und die Girls müssen sich irgendwo eine Schule suchen. Die politischen Gegner von Peter versuchen, ihm überall Knebel zwischen die Beine zu schmeissen und sie merken nicht, das sie ihre eigenen Leute damit am meisten bestrafen!

Während ich von Vyambani masslos enttäuscht bin: halb motivierte Schulleiterin, ein Board in dem der lokale MCA und MP sitzen und nichts dagegen unternehmen, dass es einigermassen besser aussieht! Eine echte Schande. Alles ist staubig und sehr sehr minimalistisch! Aber es ist der Ort, an dem Peter geboren ist und es ist seine Vision, aus dieser Schule eine bessere zu machen. In Jaribuni Boys ist ihm das schon sehr gut gelungen: wir treffen eine hübsche, aufgeräumte und gut eingerichtete Sekundarschule an. Der Schulleiter ist motiviert, bindet sofort seine 2 Lehrer ein und heisst uns richtig herzlich willkommen. Ich habe eine Riesenfreude, denn zusammen mit Onkel Peter haben wir hier die ersten PC Schulungen durchgeführt vor einigen Jahren. Wir erhalten noch eine Führung durch die Schule und fahren ganz erfreut retour nach Kilifi. Es war total spannend mit Houda, die algerische Wurzeln hat und Khalid, der ursprünglich aus Marokko stammt und in Strasbourg lebt, zu diskutieren. Über Politik, Entwicklung, interkulturelle Kompetenzen, Korruption, Motivation und alle möglichen Themen, die wir auf dem holprigen Weg zusammengebracht haben.

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Das Leben ist noch spannender mit Menschen, die so offen und vielgereist sind. Auch wenn der Weg holprig begonnen hat – danach war er wie eine Autobahn und ich vermisse die beiden bereits schon ein bisschen wenn ich diese Zeilen schreibe. Aber dank der Sozialen Medien kann ich jetzt auch noch auf ihrer Safari optisch mit dabei sein.

Das Schönste an diesen beiden Tagen: Peter und ich gehen mit einem wahnsinnig guten Gefühl ins Bett: diese Beziehungen haben gezeigt, was wir alles schon erreicht haben. Das wird uns wieder motivieren, wenn wir mal stecken bleiben und uns fragen: bringt es das überhaupt? Ja die kleinen Schritte bringen manchmal richtig viel in Bewegung. Danke an alle, die daran beteiligt waren!!! Pamoja!!!

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