Innendeko und “Sex in Kilifi”

Wenn ich etwas besonders gern mache, dann ist es Einrichten
und Wohnungen/Häuser planen. Daher war ich Peter gar nicht „böse“ als er
vorschlug, dass wir die Gästezimmer mit WC/Dusche ausstatten. Ich hatte ja zu
Beginn des ganzen Baus die Idee, dass wir dann jedes Zimmer in einer bestimmten
Richtung dekorieren würden. Naiverweise schwebte mir schon vor: 1x Zebra, 1x
Giraffe, 1x Elefant, 1x Löwe und 1x Leopard oder so ähnlich, teilweise hatte
ich ja schon die entsprechende Bettwäsche gekauft. Fast wie im Maison Müge in
Kilifi. Aber mit den Jahren habe ich begriffen, dass diese Tiere hier ja gar
nicht vorkommen. Weshalb sollte ich also so dekorieren? Es kommen ja keine
naiven Touristen zu uns zum Übernachten. Eher Leute, die sich wirklich für Land
und Leute interessieren und deshalb habe ich mich dann in unserem abendlichen
Brainstorming auch für die Namen der Bäume entschieden. So konnte ich nämlich
auch gleich noch etwas recherchieren, wozu denn diese Bäume gut sind, denn alle
haben einen Faktor, der unserer Gesundheit zugute kommt. Die Cashew-Nüsse
(MKANJU) sind ja auch bei uns bekannt und gerade in der veganen Küche finden
sie einen regen Einsatz. Der Baobab Baum (MBUYU) ist – wie alle wissen – mein absoluter
Lieblingsbaum und er hat extrem viele Vorzüge: man kann die Früchte essen, man
kann vitaminreiches Pulver draus machen und sogar hübsche Halsketten. Dann gibt
es noch den MSEREKTA, der dem Neem Baum entspricht. Der Einsatz ist vielfältig:
Haut- und Nagepflegeprodukte. Tee mit den Bitterstoffen gegen
Magenverstimmungen. Ich habe sogar bei Hauschka (sau-teure Kosmetikprodukte)
schon Nagelöl mit Neem-Öl gekauft. Und dort wo Mbuche wohnt ist der MWEMBE, der
Mangobaum. Über die Mangofrüchte brauche ich auch nicht viel zu sagen: sie
gehören zu meinen Lieblingsfrüchten (gleich nach der Passionsfrucht). Und ein
grosser Mangobaum dient ja oft auch als Schulzimmer in dieser armen Gegend. Es
gibt wunderschönen Geschichten dazu. Es hängt jetzt also in jedem Zimmer das
Bild des entsprechenden Baumes, der auch in Marere vorkommt und dessen Vorzüge
auf dem Bild beschrieben sind.

image
image
image
image

Mbuche war diejenige, die den Namen wählen konnte und sie
nahm Mangobaum. Sie ist sowieso überglücklich, dass sie jetzt ihre eigene
Toilette und Dusche hat und ich finde, sie hat es verdient. Die Frau ist erst
25 Jahre alt und zuhause hat sie weit weniger Komfort. Das soll es für sie ein
bisschen einfacher machen, dass sie oft von ihrer Familie und ihren 2 Kindern
getrennt lebt. Es ist hier immer so eine Gratwanderung zwischen streng sein mit
den Angestellten und ihnen doch die notwendige Wertschätzung zeigen. Aber
Mbuche profitiert viel wenn ich hier bin. Sie kriegt feines Essen (das sie zwar
meistens auch selber kocht), sie kriegt viele Kleider, Spielsachen für die
Kinder und sie darf ab und zu auch selber spielen. Sie kann sich zur
Schneiderin ausbilden lassen. Das sind alles Dinge, die sie sonst gar nicht
könnte. Deshalb ist sie dann auch wieder traurig, wenn ich weggehe.

Die Zimmer sind also richtig hübsch geworden. Leider habe
ich keinen „final check“ gemacht und so erhält gerade die Frau, die am meisten
Angst vor Viechern hat das Zimmer, bei dem im Bad noch ein paar Latten fehlen.
Sie überlegt sich zuerst, ob sie bei jemand anderem schlafen soll aber dann
organisiert Peter schnurstracks den Fundi, der das Loch sicher verschliesst.
Ringhörig bleiben die Zimmer – ein Fakt, der uns bisher noch gar nie
aufgefallen ist, da wir ja immer alleine waren. Aber auch damit kommen wir
klar. Es ist alles immer noch besser als in einer Lehmhütte zu übernachten!

Ich nenne Mbuche seit neustem „Queen Mbuche“, denn sie
regiert in Marere. Sie weiss, wo die Schlüssel sind, wo das Essen ist, wie man
Fotokopien macht, wo man Wasser holt etc. etc. Daher nehmen wir sie auf dem
Girls-Ausflug mit ans Meer nach Kilifi.  Ich bin die neue Fahrerin und ich stelle das
Auto beim Kilifi Bay hin. Ich kenne am Eingang den Fitness Trainer Thierry und
er stellt mich dem neuen Manager vor. Als er hört, dass ich die Frau vom Mweshimiwa
Shehe bin und schon wochenlang hier gewohnt habe lässt er uns auch das Auto
parken und wir dürfen durch das Hotel an den Strand. Es geht halt nichts über
Beziehungen. Und ich schmiere schon noch etwas aufs Butterbrot: wie schön alles
renoviert sei und wie sehr es sich nach „Nachhause“ kommen fühle. Hat aber auch
was.

Mbuche fühlt sich wie im Himmel: sie kriegt ein Soda, sie
darf am Meer spazieren. Ohne Schwimmen zu können darf sie ins Meer. Zum Glück
ist grad eher Ebbe, denn meine Lebensretterfähigkeiten wären nicht ausreichend
im Wasser.

Wir haben alle einen Riesenplausch und geniessen den
feinpudrigen Sand und die heisse Sonne von Kilifi. Es hat fast keine Menschen
und die Strandverkäufer sitzen nur grad vor dem Hoteleingang. Mbuche will schon
mit ihnen verhandeln aber ich halte sie zurück. Sie kann die Muzungu-Preise ja
gar nicht bezahlen. Allerdings sind wir wegen Julia und mir nicht allzu lange
am Strand, denn unsere weisse Haut spannt ziemlich schnell mal. Simona fragen
wir nicht, wie lange sie bleiben möchte, sie würde tage- und nächtelang hier
campen. Aber bevor wir nachhause gehen gibt es noch einen Handstand-Versuch.

image
image

Also bei Mbuche bleibt es beim Versuch und Simone spaziert natürlich gemütlich
auf den Händen dem Strand entlang. Wir 5 Frauen könnten unterschiedlicher kaum
sein und genau das macht den Ausflug spannend. In der Bäckerei und auf dem
Markt sind die jungen Ladies natürlich die Kilifi-Attraktion und als wir so die Strasse überqueren und von den Piki-Piki Drivern beobachtet werden denke ich: Sex in the
City kann einpacken im Vergleich zu “Sex in Kilifi”:  Mbuche als Bodyguard, Simona als
Fitnesstrainerin, Lisa als Girl Scout, Julia als Katzenliebhaberin und ich als Anstandswauwau (denkste!!). Wir hatten eine super Zeit und Mbuche
träumt bestimmt noch vom Salzwasser, denn davon hat sie auch einiges geschluckt…

#sexinkilifi

Teilen

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert