Happy Valentines Day – shake it Baby!!!

Bevor wir auf unserer 2-tägige Safari gegangen sind habe ich zu Peter gesagt: schade eigentlich, dass die drei Lehrerinnen nie traditionelle Tänze zu sehen bekommen haben. Ja das finde er auch, sie mögen doch Musik so gerne und tanzen auch gerne und dazu sind sie jetzt fast nie gekommen…

Und so schmieden wir um Mitternacht im Bett einen Plan für ein Abschiedsfest. Von mir und von den wunderbaren Frauen, die ein bisschen als Pionierinnen nach Marere gekommen sind und sich mit den Unterrichtsmethoden hier auseinandergesetzt haben und ganz bestimmt ihre interkulturelle Kompetenz erweitert haben. Was Mnazi ist müssen sie natürlich auch noch wissen finden wir und so einigen wir uns drauf: ich finanziere das Fest und Peter organisiert es. Meine Budgetlimite kündige ich an und überweise sie auch gleich an Peter.

Am Abend vor dem Fest fliegt die Überraschung fast noch auf, weil Mbuche in ihrem gebrochenen Englisch meint zu Simona, dass sie dann morgen tanzen werden. Ich mache ihr ein Zeichen zu schweigen – das ist aber nicht wirklich in Mbuches Repertoire… Mit meinem gebrochenen Swahili weise ich darauf hin, dass es eine Überraschung werden soll. Es löst so viel Gelächter aus, dass unser Plan fast auffliegt.

Gedacht waren 3 Musikgruppen à 10 Leute und 1 Akrobatikgruppe. Ich hätte natürlich gerne etwas Modernes gehabt: vielleicht einen Rapper oder sonst eine moderne Truppe aber bei Peter weiss ich: die traditionellen Namba (die mit den Sonnenbrillen) werden sicher dabei sein – sie gehören nach einigen Weihnachtseinsätzen schon fast zum Inventar in Marere…

Das nächste Mal koordiniere ich direkt mit Enrico aber ich denke für die erste Begegnung mit den Mijikendas hat Peter für die Lehrerinnen eine gute Wahl getroffen.

Ich schreibe oben „gedacht waren“ weil sich um 10 Uhr morgens schon der halbe Platz füllt vor dem Haus. Da auch noch Valentinstag ist verteile ich meine selbst gebastelten Sprüche an den Zuckerrosen. Die Reaktion ist herrlich: die Muzungus freuen sich natürlich auch, aber bei uns in der Schweiz ist man sich so eine Überraschung eher gewohnt als hier. Die Lehrer und die Schüler und die Putzfrau und die Kinderfrau und einfach alle erhalten einen personalisierten Zuckerstengel mit dem treffenden Spruch von Albert Schweitzer, dass die Liebe das ist, was sich vermehrt wenn man sie teilt… Es soll für alle eine Wertschätzung sein und eine Aufforderung Liebe zu verteilen – sie kennen sonst Geschenke kaum. Die Frau, die die Kinder von Alex hütet kann es kaum fassen, dass ich auch noch an sie gedacht habe und das ist sehr erfüllend zu beobachten. Es sind echt die kleinen Dinge im Leben, die es ausmachen, dieses wunderschöne Leben.

Oh nein, wir haben zuwenig Stühle, was machen wir? Ich bin gerade nicht bereit 100 Stühle zu finanzieren. Am Ende meines Kenia-Aufenthaltes bin ich immer pleite und das Pro Ganze Budget ist ebenfalls mit Brotschneidmaschine etc. ausgeschöpft. Aber Budgetieren war noch nie die Stärke von Peter und da das Essensbudget definitiv gesprengt wurde bleibt jetzt halt nichts mehr für die Stühle übrig. KES 10 (10 Rappen) kostet die Miete von einem Stuhl und ich grabe nochmals in meinen Schillingen und bringe das Geld auf für 100 Stühle, denn so viele Leute sind es mittlerweilen auch. Und wir organisieren noch mehr Reis fürs Pilau. 

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Lisa wacht auf und fragt, ob die Leute hier seien, weil es Valentinstag sei aber ich muss jetzt damit rausrücken, dass eine Abschiedsfeier steigen wird. Und auch Simona und Julia kommen etwas früher nachhause von der Schule und wundern sich über den ohrenbetäubenden Lärm, der bereits über die Lautsprecher dröhnt.

Und so feiern wir mit dem vollen Programm: Hüften schwingen ist angesagt, Hinterteil shaken und sich immer und immer wieder holen lassen von den Tänzerinnen, die teilweise ein herrliches Bild abgeben: zahnlose alte Weibchen, die aber noch so viel Energie haben, dass es einem schier umhaut, Männer jeden Alters mit zerrissenen Kleidern aber entschlossen, hier den Tanz ihres Lebens zu tanzen. Und ab und zu auch eine junge Schönheit, die sich für die Traditionen der Mijikendas einsetzt.

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Peter meinte nur, dass er nicht mit so vielen Leuten gerechnet habe aber was will man machen: wenn du an einem Ort ein Fest feierst, an dem die Leute nichts zu essen haben dann kommen sie alleine schon deswegen. Es haben ihn auch viele Leute angerufen und sich beklagt, weshalb sie nicht eingeladen seien… Ja es wären wohl Tausende geworden wenn wir gesagt hätten: kommt einfach vorbei.

Die Feuertaufe mit dem Mnazi Gesöff überstehen die Lehrerinnen fast ohne das Gesicht zu verziehen. Aber der nachgereichte Cuba libre schmeckt um Welten besser und wir spülen den ekelhaften Geschmack des gegärten Kokosharzes damit runter. Nicht nur, dass das Gebräu nicht besonders gut schmeckt: der penetrante Geruch hängt auch in der Luft und danach an den Leuten, die ihn getrunken haben. Heute macht selbst Peter mal eine Ausnahme und genehmigt sich einen Trunk aus der kleinen Kalabasse. Einige genehmigen sich weitaus mehr und der sonst so ruhige und bescheidene Dominic wird plötzlich zum Master of Cerermony und kündigt über das Megafon lautstark die Akrobatengruppe an.

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Diese jungen Männer faszinieren mich immer wieder (nicht nur wegen der Six-Packs, die unter dem Leibchen hervorblitzen). Mich fasziniert, wie sie auf diesem Kies, das wirklich so spitzig und giftig hervorsticht, ihre Rollen, Überschläge und Saltos vorführen können. Mir tut es alleine schon vom Zuschauen weh. Aber sie kriegen Applaus und ganz fies auch Lacher, wenn etwas nicht gelingt.

Heute haben Peter und ich auch entschieden, dass wir uns in die traditionellen Kleider stürzen. Dafür kommt eigens eine Mijikenda Frau, denn die Dinge müssen fachgerecht drapiert werden.

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Nicht wahnsinnig vorteilhaft mein „Hando“ (Faltenrock, der in mühsamer Arbeit vor ein paar Jahren für mich hergestellt wurde), was die Betonung der Hüfte und des Hinterteils anbelangt. Aber so ist das nun Mal und ich denke mir: what the hell: lass mich das jetzt auch mal zu 100% geniessen. Und so schütteln wir (bzw. ich) unseren Speck und kümmern uns nicht darum, dass wir von gefühlt Hunderten von Handys gefilmt werden. Im Normalfall machen wir es auch so. Was aus den minutenlangen Filmen wohl wird und wo die gezeigt werden, darüber wundern wir uns schon…lch wundere mich auch, wie wenig Ahnung man vom Filmen haben kann: ich gebe mein Handy an Alex weiter, da ich ja sonst nie auf einem Film bin wenn ich tanze. Als ich mir den Film anschaue (5:38) staune ich nicht schlecht: er hat während des Filmens von Hochformat auf Querformat gewechselt und dann wieder retour und nochmals zurück. Der Film ist unbrauchbar und ich muss ihn in kleine Einzelteile zerschneiden um ihn zeigen zu können, bzw. Fragmente daraus zu verwenden. Sonst wird es dir nicht vom Mnazi aber vom Filmschauen schlecht. Für einen kurzen Moment kommt das Gesöff fast wieder hoch – ich muss mich beherrschen, dass ich nicht auf die Toilette renne – aber ich halte durch und tanze weiter…

Plötzlich kriegen wir alle einen Riesenhunger und die vegetarischen Lehrerinnen sind froh, dass sie weder Pilau noch Mbuzi (Ziege) essen müssen sondern den Cabbage und den Reis von Mbuche geniessen können. Da ich morgen nachhause fliege essen wir auch noch die restlichen Schöggeli auf und tauschen uns über den überaus lustigen Nachmittag aus. Wir sparen nicht mit gegenseitigen Komplimenten, wie sehr wir die Zeit zusammen genossen haben. Peter ist voll des Lobes für die drei jungen Frauen und er hat recht: besser hätten wir es nicht treffen können. Wir haben zusammen gelacht, geweint, ganz selten gezickt und uns auch aufgemuntert und unterstützt. Alles, was wir erlebt haben hat uns richtig zusammengeschweisst. Draussen dröhnt immer noch die Musik und die Gruppen fahren langsam und mit viel Gelächter wieder nachhause. Bestimmt werden sie zuhause erzählen, wie es bei den Muzungus abgegangen ist.

Peter hatte tagsüber auch sehr viel Spass, nachdem er sich auch ein bisschen gehen lassen konnte und fleissig mittanzte. 

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Am Morgen war er noch ziemlich hässig, denn das wird er immer, wenn meine Abreise bevorsteht und es gab natürlich sehr viel zu organisieren. Zudem muss man bei einem solchen Menschenauflauf auch immer darauf achten, dass die Leute nicht plötzlich mit dem Essen inkl. Tellern und Besteck abhauen. Mbuche musste heute also auch noch Wachhund spielen. Es ist schon dunkel und Peter wird immer noch von Leuten belagert, die dies und jenes von ihm wollen. Der Allerbeste ist einer aus dem Ältestenrat: anscheinend hat der Noch-Gouverneur alle Ältesten zusammengerufen, bestochen und „befohlen“, dass sie Peter zur Gegenpartei PAA überreden müssen. Der uralte Mann, der noch am Nachmittag an meiner Seite getanzt hat, stellte sich für diese Mission zur Verfügung, weil er denkt, dass Peter auf ihn hören wird. Aber Peter hat keine schönen Worte für ihn übrig: „ich wechsle die Partei nicht, denn ich stehe zu meiner Meinung und bevor ich mit Amason Kingi spreche müssten schon Wunder geschehen.“ Er heizt ihm ein, dass sie ihre Seele nicht verkaufen sollen sondern sich endlich überlegen müssen, wer sie weiterbringen kann – auch ohne Bestechungsgeld. Mit dieser Botschaft muss der wieder zurück zum Ältestenrat. Fortsetzung folgt… ganz bestimmt.

Auf meine Post in den Sozialen Medien erhalten wir viele Komplimente und Rückmeldungen. Alles so bunt, so farbenfroh, so fröhlich, du strahlst so, dir geht es richtig gut und ja ich kann sagen: ich habe den Valentinstag genossen – Mijikenda Style!!!

Und spät im Bett finden Peter und ich: da haben wir eine richtig gute Idee gehabt!

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