Die Qual der Wahl?

Ich erhalte momentan so viele Rückmeldungen: „oh ich freue mich auf deinen Blog“, „schade, dass du im Sommer nicht hier bist, aber ich freue mich schon von dir zu lesen“ und ähnlich. Ich nehme das jetzt mal alles als Kompliment und beginne daher schon mit etwas „Vorlauf“ mit meinem Afrika-Blog.

Die letzten Tage waren total verrückt: die Gospel-Konzerte mit Gospel im Centrum in der von mir geliebten St. Laurenzen Kirche in St. Gallen haben mich extrem bewegt und echt „back to the roots“ gebracht, denn meine Gesangskarriere hat dort ihren Anfang genommen. Wenn man sich die Songs verinnerlicht und wirklich realisiert, was man da singt dann geht es gar nicht anders: es fährt einfach ein!

No News is Good News

Mit meinem lieben Peter hatten wir schon wieder den Status erreicht: ich bin froh, wenn ich nichts von ihm höre, denn jedes Telefon bedeutet: ich brauche Geld. Das hat sich in den letzten Wochen extrem gehäuft. Auch wenn ich geschworen habe, dass ich den Wahlkampf finanziell nicht unterstützte so gab es doch einige Situationen in denen ich nicht nein sagen konnte: zum Beispiel wenn er mitten auf der Strasse nach Malindi steht und das Auto keinen Wank macht und er sich wundert, wie er den Abschleppdienst oder gar seine Rückkehr nach Marere zahlen soll. Und in Marere warten bestimmt schon wieder x Leute auf ihn – wie üblich.

Oder wenn er über 39 Grad Fieber hat und unbedingt zum Doktor muss… Ich habe gar keine Freude, wenn unsere Beziehung diesen Status erreicht aber ich lebe jetzt schon 11 Jahre damit und habe eine gewisse Hoffnung, dass das ab dem 9. August anders wird. Dann ist die Wahl von allen Regierungsmitgliedern vom obersten Chef, dem Präsidenten bis runter zum kleinen MCA (Member of County Assembly) – so heisst der Posten für den Peter kandidiert. Ich schreibe das in meinem Blog, weil mich fast alle fragen, wie ich die Chancen für Peter sehe und ich kann es nur hier wiederholen: wenn es nach dem Volk gehen würde, dann wird er bestimmt gewählt, denn er hat so viel Gutes für diese Gegend getan. Wir sprechen hier von Jaribuni, das ist ein Teil von Ganze und zwar der Teil in dem er aufgewachsen ist und wo ihn wirklich alle kennen. Behaftet mich nicht, aber ich glaube, es leben etwa 34‘000 Menschen dort. Es wäre also wie eine mittelgrosse Stadt in der Schweiz nur dass es gar keine Städte hat. Und anscheinend ist ja bei der letzten Volkszählung einiges schief gelaufen. Für mich ist es zwar unverständlich weshalb er überhaupt noch Kampagne machen muss aber das hat natürlich wieder einen Zusammenhang mit dem Verteilen von Mehl oder damit die Leute auch von ihm hören, was seine Pläne sind.

Wer wird gewählt?

Ich habe ja im Januar schon mal berichtet, wie das mit den Parteien so läuft und es kamen ja einige Personen nach Marere um Peter zu erzählen, wie es 2017 zu und her gegangen ist bei den Wahlen und das war wirklich haarsträubend. Es gibt so viele Menschen die bestochen wurden. Jetzt kamen sie zu Peter und haben es ihm gebeichtet und wollten sich entschuldigen und ihn jetzt unterstützen. Aber da kann ich nur sagen: zu spät… Er musste sich jetzt 5 Jahre lang mehr oder weniger über Wasser halten. Es war eine harte Zeit und auch für unsere Beziehung phasenweise eine Strapaze. Ich hatte Peter zwar meine finanzielle Lage mit der Frühpensionierung dargestellt, aber er meinte in seinem unglaublichen und grenzenlosen Optimismus immer: mach das auf jeden Fall. Wenn es nicht reicht, dann verkaufe ich Land und unterstütze dich. Du musst jetzt deine Unabhängigkeit erhalten. Soll ich noch erwähnen, dass während Corona gar niemand an einem Landkauf, ja nicht einmal am Mieten unseres Apartements in Nairobi interessiert war? Eben…

Aber ich beklage mich nicht: ich mache, was ich kann und ich weiss: wenn wir zusammen sind, dann sind wir ein unschlagbares Team. Für ihn persönlich möchte ich wirklich, dass er gewinnt, denn er hat eine Wertschätzung seines unermüdlichen Einsatzes verdient und es wäre nicht mehr als recht für alles, was er für die Bevölkerung, den hoffentlich kommenden Präsidenten William Ruto und andere Politiker gemacht hat, die auf ihn zählen für die Stimmen an der Küste. Wir haben abgemacht (ich habe Zeugen ;-)) wenn er gewinnt komme ich öfter und länger nach Kenia. Wenn er verliert dann kommt er wieder in die Schweiz und geht nur noch ab und zu nach Kenia (mit oder ohne mich). Also hier meine Antwort: ich habe keine Ahnung wie es herauskommt. Es steht genau 50/50. 50 Prozent Gewinn, weil die Leute ihm die Stimme geben weil sie sehen, was er schon für sie gemacht hat und 50% Verlieren weil ich so das Gefühl habe, dass seine Gegner alle Mittel (und ich meine wirklich alle!!!) einsetzen werden damit er nicht gewinnt. Oder muss ich nochmals daran erinnern, dass 2017 der Chef der Abstimmungsbehörde in einem Strassengraben abgeschlachtet aufgefunden wurde?

 

Ihr sieht: dieses Mal wird der Blog an Spannung nicht zu übertreffen sein. Aber ich hoffe, es wird auch wieder viele Alltagsgeschichten geben, die euch zum Schmunzeln, Nachdenken, gruusen, herzerwärmen, kopfschütteln oder laut heraus lachen bringen werden. Ich freue mich immer auf Rückmeldungen damit ich weiss, dass meine Botschaften überhaupt gelesen werden. Und ihr gebt uns damit Mut und Kraft dranzubleiben!

Erfolgreicher Spendenaufruf

Danke auch an alle, die sich bei unserem Spendenaufruf angesprochen gefühlt haben. Ich kann mit Good News nach Kenia reisen. Und ein Koffer mit einem gesponsorten Beamer ist ebenfalls schon unterwegs – der wird bestimmt während der Wahl im Wahlbüro seinen ersten Einsatz haben.

Bis bald! Wir bleiben in Kontakt. Und damit es klar ist: wir haben nicht die Qual der Wahl. Die Wahl wird eher eine Qual… darüber aber bald live aus Marere

Wer Englisch spricht und sich mehr darüber informieren möchte, kann das z.B. hier machen: https://www.theafricareport.com/215033/kenya-2022-what-to-expect-in-this-years-most-competitive-elections/

 

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