Wenn sich Ausdauer auszahlt und Erwartungen übertroffen werden

Fundraising, also Gelder für einen guten Zweck zu beschaffen, ist ein Job. Man kann sogar ganze Ausbildungen dazu machen. Ich habe Pro Ganze vor 10 Jahren einfach gegründet, damit ich meinen Mann Peter Shehe in seinem Traum, in Ganze eine bessere Welt für die Bewohner zu schaffen unterstützen konnte. Wir haben gekämpft und wir haben immer wieder versucht, neue Ideen zu generieren. Wir haben manchmal auch gezweifelt, sind wütend geworden oder haben das Ende der Probleme nicht gesehen. Die Hilfe von Olivia Herrmann, die 3 Monate vor Ort war und die Hilfe ihres Onkels Peter Füllemann der im Schweisse seines Angesichtes Computerschulungen durchgeführt hat und die Buchhaltung sorgfältig führt, waren für mich besonders auch in moralischer Hinsicht immer eine grosse Unterstützung. Zu wissen, dass man nicht alleine ist mit einer Idee ist fantastisch und beflügelt immer wieder. Olivia hat mit ihren Primarschüler:innen vor Jahren in einem Sponsoring Lauf 20‘000 Franken generiert, die wir für den Bau von Schulzimmern in Mbonga Primary einsetzen konnten. Wir waren uns alle einig: wir müssen bei der Bildung beginnen. Das Ehepaar Wieser, das inzwischen ein eigenes Hilfswerk gegründet hat, war beim Waisenhaus Goshene aktiv und hat aus der ziemlich desolaten Schule eine Vorzeigeschule mitten im Bush gestaltet, wo Ziegen und Hühner gezüchtet werden, wo Gemüse und Früchte wachsen und wo Schüler:innen eine Ausbildung erhalten. Durch das Sponsoring von WhatSanAid und Aqua Pura gibt es dort jetzt sauberes Wasser und hygienische Toiletten, die in der Gegend ihresgleichen suchen. Sogar das Schweizer Fernsehen hat darüber berichtet und war vor Ort.

Wir sind an Märkten gestanden, wir haben Vorträge bei Service Clubs gehalten, Benefizkonzerte und Spendendinner organisiert und immer schien es, als ob es trotz allen Erfolgen doch nur ein paar Tropfen auf einen heissen Stein waren.

Primarlehrerin weist auf die Missstände hin

Als eine der Primarlehrerinnen der Fachhochschule Nordwestschweiz in der Juhudi Schule unterrichtet hat im letzten Winter sahen wir, wie schlecht die Bedingungen an dieser Schule sind. Verglichen mit der Marere Primary School, die nur ein paar Kilometer entfernt ist und bei der bereits der Vater von Peter Shehe mitgeholfen hatte ist Juhudi in einem miserablen Zustand. Die exisitierenden Klassenzimmer haben keine Böden, keine Fenster. Die hässlichen „Jigger“ (eine Art Würmer) fressen sich in die Füsse der Schüler:innen und wenn es regnet haben mindestens 2 Klassen keinen Ort an dem sie Schule halten können, denn sie werden hinter dem Haus auf dem Boden unterrichtet. WatSanAid hat zugesichert, auch hier Toiletten zu finanzieren aber ganz ehrlich: können wir Toiletten bauen, die um Welten besser sind als die Schulzimmer? Das ist in keinem Verhältnis. Und so entschieden wir, dass wir auf die Suche nach Sponsoren gehen würden. Artikel in den Zeitungen, Spendenaufrufe auf der Webseite etc. haben ehrlich gesagt nicht viel gebracht. Die Leute sind entweder spendenmüde oder sie sagen alle, dass sie für die Ukraine spenden bzw. Ukrainer:innen aufgenommen haben und ihr Budget jetzt ausgeschöpft ist.

Da ich etwas mehr Zeit habe als in meinen 100% Angestellten-Zeiten habe ich auch von einer professionellen Fundraiserin Tipps erhalten, wie wir das angehen müssen. Und ein grosser Zufall in meinem privaten Netzwerk hat ergeben, dass ich mich beim Hilfswerk Kinder in Not mit unseren beiden Projekten vorstellen konnte. Ich bin nach Zürich in das schicke Selnau Quartier gereist und habe vorgetragen, was wir benötigen und wie wir sicherstellen werden, dass die HIlfe direkt vor Ort ankommt und auch verfolgt werden kann mit Fotos, die den Prozess dokumentieren werden.

Hilfe für Kinder in Not

Ich war so beeindruckt von den Menschen, die diese Institution leiten. Einfühlsam, verständnisvoll und mit einem unglaublichen Engagement leiten sie das Hilfswerk. Und ich glaube, sie waren auch von Pro Ganze beeindruckt. Dass wir nie aufgegeben haben, dass wir mit unseren kleinen Mitteln immer drangeblieben sind, dass wir unsere Reisen selber finanziert haben und auch oft noch etwas von unserem privaten Geld eingebracht haben: das alles habe ich auf den Tisch gelegt. Sie haben gesagt, dass sie unsere Projekte in ihrer Mitgliederversammlung besprechen werden. Ich war wie auf Nadeln, wie wenn ich mich auf einen grossen Job beworben hätte. Ich hatte zwar ein gutes Gefühl, aber ich wusste noch nicht ganz, was ich erwarten durfte für den Verein. Als ich dachte, dass ich am Donnerstag Antwort erhalten würde aber kein Telefon kam wurde ich langsam aber sicher etwas nervös und ich träumte sogar schon von den Projekten. Aber irgend etwas in mir sagte mir: doch, dieses Mal wird es klappen – es passt einfach perfekt zum 10-jährigen Jubiläum von unserem Verein Pro Ganze. Bei den Gospelkonzerten habe ich aus voller Kehle zu Gott und zu Jesus gesungen: ich habe sie mit meinen Tönen angefleht und die Texte der Songs haben mir gesagt: es kommt gut!

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Letzte Woche dann das erlösende Telefon: die 23 Schüler:innen, die so gut abgeschlossen haben in der Primarschule und die von Sekundarschulen der Region akzeptiert wurden sitzen teilweise zuhause, weil die Eltern das Geld nicht aufbringen können um ihre Kinder zur Schule zu schicken. Was ist das für eine Perspektive für die jungen Menschen, die sich unter diesen schlechten Bedingungen so viel Mühe gegeben haben um zu reüssieren? Sie und ihre Familien dürfen jubeln: wir haben für alle ein ganzes Jahr Sponsoring erhalten. Und darüber hinaus können wir die privaten Spenden verwenden um für die erfolgreichen und durchhaltewilligen Schüler:innen auch ein weiteres Jahr zu subventionieren.  Ja und wenn Peter als MCA gewählt wird am 9. August, dann werden wir sogar Gelder vom Staat für genau solche Fälle einsetzen können. Und selbst wenn nicht: er wird seine Gegner Lügen strafen und ihnen zeigen können, dass sein Netzwerk in der Schweiz zum Tragen kommt. Aber das ist nicht alles: die Hälfte der Projekt-Kosten für neue Schulzimmer und Renovationen der bestehenden Schulzimmer wird finanziert. Ein Betrag, den wir uns nie gewagt hätten zu erträumen. Das ist ihre Art der Unterstützung: die Hälfte muss der Verein selber generieren. Ich hoffe jetzt sehr darauf, dass wir noch einen weiteren zahlkräftigen Sponsoren finden und bleiben dran mit dem Fundraising bei Privatpersonen.

Ich bin wortwörtlich im Wohnzimmer herumgetanzt und habe ganz laut meine Gospellieder geträllert.

  • I believe in God – he is so real to me
  • I see the evidence of your goodness
  • I see your promises in fulfillment – all over my life
  • Your goodness is running after meIs he worthy? He is!
  • And now that we believe that they do – dreams do come true
  • Overjoyed – overloved

Ich konnte die Freude kaum fassen und als ich Peter in Kenia angerufen habe meinte er immer wieder: Hilfe, ich kriege noch einen Herzinfarkt! Das ist zum Glück nicht passiert aber unsere Herzen schäumen über voller Freude. Nach 10 Jahren Knochenarbeit werden wir – und besonders die Menschen in Jaribuni – mit dieser riesengrossen Unterstützung belohnt. Ein Durchbruch, der nachhallen wird und ein Fundament für die Ausbildung von Generationen sein wird. Wir sind einfach nur dankbar. Und das schmälert keineswegs die Spenden, die wir von Verwandten, Freunden, Unbekannten erhalten haben. Jeder Franken, jeder Fussball, jedes Team-Shirt, jedes alte Smartphone, jedes Musikinstrument hat bewirkt, dass wir nie, aber auch auch gar nie aufgegeben haben. Nicht wenn uns Menschen enttäuschen haben, nicht wenn die politischen Gegner uns Knebel zwischen die Beine warfen, nicht während Corona und nicht wenn die Schweizer Botschaft plötzlich klemmte…

Danke an alle

Asante sana liebe Unterstützerinnen und Unterstützer. Euer Geld ist für uns Antrieb und ein Zeichen, dass ihr an unser Hilfswerk, unseren Verein glaubt. Ihr bewirkt damit Grossartiges, ihr gibt damit Hoffnung und ich werde euch wieder davon berichten.

Ich kann es kaum erwarten bis ich die Eltern treffe und in ihre erwartungsvollen Augen blicken darf. Denn ihre Erwartungen werden dieses Mal übertroffen.

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