Wo möchtest du denn wohnen?

Im letzten Winter war mir klar: wir werden für unsere gemeinsame Zukunft das Haus in Kiwandani, Kilifi renovieren und dort kann ich mir gut vorstellen, meine alten Tage (also quasi schon jetzt!) zu verbringen. Knapp 2 Kilometer bis zum weissen Strand und da fahre ich dann mit meinem Bike hin und mache meinen Schwumm im Indischen Ozean. Dazwischen blogge ich und schreibe an meinem Buch, höre Podcast, schaue Filme und lebe. Das alles umgeben von einem Zaun, damit nicht dauernd Leute anstehen, die etwas von mir – oder noch mehr von Peter – wollen. Natürlich so eingerichtet, wie es mir gefällt und mit einem Power WLAN! Im Gartenhaus hätten Freunde Platz, wenn sie zu Besuch kommen möchten und im Swimming-Pool könnten wir vielleicht noch eine Gegenschwimmanlage einbauen… Träumen darf ich, ja?

Vor ein paar Jahren hat Peter – weil er endlich begriffen hat, wie wichtig mir eine Aussicht ist – Land gekauft. Auf einem Hügel (auf den er mich dann auch in praller Sonne hochgejagt hat) weit abseits von Gut und Böse aber allerdings mit einem fantastischen Blick auf den Kilifi Creek und das Meer. Gute Idee, wenn wir unendlich viel Geld und Zeit hätten, denn es hat weder Wasseranschluss noch Elektrizität noch – kleines Detail – eine Strasse, die auf den Berg führt. Und täglich wäre das zwar ein gutes Fitness-Training aber unvorstellbar mühsam. Ich fand es zwar schön, dass er es mir zuliebe gekauft hat (allerdings ohne zu fragen) aber da die finanziellen Verhältnisse es sowieso nicht erlauben, da aktiv zu werden und da es wahrscheinlich auch meine/unserer Nerven kaum aushalten würden dort zu bauen ist dieses Projekt mal auf Eis gelegt (das ja bekanntlich schnell schmilzt in der heissen Sonne)…

Am Meer leben

Aber im März hat mir Peter plötzlich eine Foto von sich geschickt (macht er sonst nie). Sitzend auf einer Klippe am Meer. “Hast du Zeit zu telefonieren” stand dabei. Bevor er hallo sagen konnte fragte ich bereits: “hast du Land gekauft?” Er war über meine Frage erstaunt aber nicht darüber, dass ich ihn einfach schon zu gut kenne… Es ist ein super Deal, das Land wäre viel mehr wert, du hast dir doch immer gewünscht am Meer zu leben etc. etc. und ich brauche nur noch CHF 800 von dir. Ich erspare euch die Details der Konversation aber ja: wir haben das Land gekauft. Bestimmt kann es auch wieder verkauft werden, denn Ocean Front Property ist in Kenia sehr gesucht. Ach ja und ich soll bereits in der Schweiz eine Architektin suchen, die uns die Pläne zeichnen kann. Pole pole = langsam langsam sage ich da nur.

Eben dieses Land haben wir heute besucht und ich habe versucht, nicht früheilig zu urteilen. Die Fahrt nach Takaungu, so heisst der Ort, war aber sehr abenteuerlich. Weil wir kein Auto haben sind wir auf Freunde angewiesen, die uns fahren. Dieses Mal auf den Besitzer des Landes, der mit seinem Sohn kam. Weil niemand Geld hat und die Benzinpreise horrend sind wurde darauf verzichtet, schon im Vorfeld in Kilifi – wo es eine ganze Menge an Tankstellen hat – aufzutanken. In den letzten Monaten gab es aber ab und zu Benzinknappheit und viele Tankstellen sind geschlossen. Besonders diejenigen ausserhalb der Städte. Wir fahren also zuerst Richtung Takaungu und sind vor x verschlossenen Tanksäulen. Alle schauen immer gebannt auf den Tankfüllzähler, der anscheinend bereits 0 anzeigt. Ich rutsche langsam aber sicher auf meinem Sitz herum – auch keine schlechte Idee, da das Auto kaum Stossdämpfer hat.

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Auf der Suche nach Benzin

Wir fahren jetzt Richtung Meer und plötzlich halten wir vor einem kleinen Schuppen an. Was machen wir hier? Ist meine Frage: hier hat es Benzin? Oh mein Gott – ich bin immer wieder überrascht, was ich hier erlebe. Auf dem Google Maps Display steht “Last Corner” und das bringt es auch auf den Punkt. Aber leider ist die Einschätzung falsch: hier hatte es mal Benzin. Aber ein bisschen weiter vorne, beim PikiPiki Reparateur dort gibt es welches. Wir können den Tank mit etwa 8 dl „füllen“ – aber immerhin beruhigend, dass es ein paar Tropfen drin hat und wir es wieder bis retour nach Kilifi schaffen werden…

Die Fahrt dorthin sagt mir innerlich schon: vergiss es, hier werde ich nie in diesem Leben wohnen. Überall wurde das Land ausgehöhlt für Sand um Zement herzustellen, denn gleich nebenan ist die Mombasa Cement Factory.  Es sieht trostlos aus. Man versichert mir, dass das alles aufgefüllt werde um später auch dort zu bauen aber ich glaube echt, dass ich das nicht mehr erleben werde. Jetzt sehe ich unseren Blätz Land und ja klar: verlockend so ein Haus am Meer mit Ausblick auf den Indischen Ozean, wo die Delphine schwimmen und die Fische fast in den Teller springen. Ja klar, friedlich und abseits von der Zivilisation zusammen mit meinem Schatz hat was… aber ganz realistisch gesehen: wie lange würde es nur schon dauern, bis die Infrastruktur ausgebaut wäre, bis der Boden geebnet wäre – geschweige denn bis das WLAN funktionieren würde…

Zuviel Wind tut mir nicht gut

Ich war mal auf Aruba in der Karibik und dort hat es ständig gewindet und das hat mich ganz hibbelig gemacht. Irgendwie kriege ich Herzklopfen, wenn es immer windet. Zudem werden Häuser am Meer extrem abgenutzt, es braucht besondere Materialien etc. und hier ist es wirklich so: es windet vom Ozean her permanent und ohne Unterbruch. Ich glaube nicht, dass ich das aushalten würde, selbst wenn man sich beim Bau viel überlegen würde. Lüftchen: ja gerne – permanenter, starker Wind: nein danke. Aber ok, ich fotografiere und sage nicht allzu viel.

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Zurück im Hotel diskutieren wir das Thema dann aber sehr sachlich und ausführlich und Peter realisiert, dass das mit dem Haus am Meer wohl eher eine Utopie bleibt. Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Mich nimmt es noch Wunder, wir ihr, liebe Blogleser:innen das sieht: Leben am windigen Meer? Ja oder nein? Hast du Erfahrungen damit?

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6 Kommentare zu «Wo möchtest du denn wohnen?»

  1. Seraina Feuerstein-Covini

    Liebe Barbara. Am Meer (zeitweise) wohnen, ist auch so ein Traum von mir. In meinem Fall heisst das aber „mit Blick“ aufs Meer und garantiert in der Zivilisation. Nicht zu nahe, genau wegen deinen beschriebenen Nachteilen. Und ganz wichtig: es muss im Süden in warmen Gefilden sein! 😎

  2. Aus der Sicht eines Seglers-Wind und Wellensurfers, ist es sicher eine SUPERLAGE zum Bauen. Mit einem Windrad bist du Energie unabhängig. Ein Sandstrand währe optimal.
    Grüessli Urs

  3. Sieht nach einem schönem Ort aus um ein paar Tage zu Campen 🏕. Hast du mal die Koordinaten dann fahre ich vielleicht mal vorbei 😉
    Geil, dass du jetzt einen Blog hast!

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