Wahlkampf oder Wahlchrampf?

Wie die Chancen für Peter stehen – darüber habe ich ja schon mehrmals geschrieben. Die Bestellung ist an das ganze Universum unterwegs… Und trotzdem muss es hier auf Erden weitergehen. Ich wurde natürlich schon kurz nach Ankunft am 3. Tag involviert. Die Fahrt von Kilifi nach Marere machte noch einen Umweg über Mbonga. Peter ist momentan daran, sich mit Gruppierungen von Jugendlichen und Frauen zu treffen und sein Wahlprogramm bekannt zu geben. Er fand, dass es natürlich gut wäre, wenn ich da auch dabei bin, da ja mit Pro Ganze und der grossen Unterstützung von Olivia und ihrer Schulklasse die Schulzimmer in Mbonga gebaut hat. Da kann ich ja kaum nein sagen. 

Eines meiner Big 5 in meinem Leben ist, mal auf Swahili eine Ansprache zu halten. Davon bin ich leider noch recht weit entfernt aber ich habe in den letzten Monaten mit der DuoLingo App viel dazugelernt. Ich merke es, wenn die Leute jetzt sprechen dann verstehe ich viel mehr als vorher. Aber mein aktiver Wortschatz hält sich halt noch in Grenzen. Also habe ich – während diverse Leute ihre Speeches abhielten – mit Google Translate meinen Mini Speech zusammengestellt, so dass ich wenigstens die Einführung auf Kiswahili machen konnte. 

Der Inhalt war so ungefähr wie ich heisse, dass man mich auch Mama Kaya nennt, dass ich keine Fremde bin sondern hier lebe und dass wir vor 6 Jahren mit Pro Ganze und Olivia diese Schulzimmer gebaut haben und im Sinn haben noch viel mehr für Jaribuni zu machen, sofern dann Peter als MCA gewählt wird im August. Danach kam Peter‘s Speech. Wie immer: nicht unter 45 Minuten – dieses Mal hat er es sogar auf 1 Stunde gebracht. Danach noch Fragen und Antworten und das waren dann schon gut 2 1/2 Stunden. Herzig war, dass viele der Anwesenden (lauter 18-35 Jährige, das ist hier „die Jugend“) auch vor 6 Jahren hier zur Schule gegangen sind. Das hat mich berührt, weil sie dank einer intakten Schule bestimmt eine bessere Grundlage für ihr Leben hatten.

Aber es ist auch klar: es ist schwierig den Jugendlichen hier eine gute Zukunftsaussicht zu geben. Es gibt fast keine Anstellungsmöglichkeiten, die Preise sind im Land enorm gestiegen – ich hatte fast einen Schock als ich im Supermarkt zahlen musste. Alles ist 1/3 oder noch teurer geworden und die Leute konnten sich vorher schon kaum einen Einkauf im Supermarkt leisten… Ein Freund hat mir sogar erzählt, dass er Preise checken musste von Maismehl und dann kurz nachhause gegangen sei. Als er zurück kam um das Mehl zu kaufen sei der Preis schon wieder nach oben gegangen!

Am nächsten Tag wurde ich dann für das Meeting der Location Coordinators – davon hat es in Peter‘s Team 76 –  der Wahlkampagne aufgeboten. Peter hatte irgendwelche geheimen Meetings an anderen Orten. Ich wurde abgeholt und erhielt dann ein Briefing, was alles noch geplant ist bis zum 9. August. Das war wirklich eine minutiöse Auflistung von allen Aktivitäten und selbst meine Abwesenheit vom 25. Juli bis am 6. August wurde dabei berücksichtigt. Wer es noch nicht mitgekriegt hat: dann bin ich mit 2 guten Freundinnen aus der Schweiz auf Safari am Mount Kenia und in der Masai Mara…

Ich muss eingestehen: sie haben mich zutiefst beeindruckt, wie sie durch harte „Groundwork“ ganz Jaribuni abklappern. Jeder muss einige weitere Wähler akquirieren und so sollte es schneeballmässig gelingen, die meisten Wähler:innen auf die Seite von Peter Shehe zu kriegen oder sie davon zu überzeugen, dass er der Richtige ist. Derweil machen noch weitere 7 Personen Kampagne für denselben Job und somit natürlich gegen Peter. Hinter einigen stecken nicht echte Interessen sondern sie werden von Peter‘s Gegnern gesponsort – das sind namentlich die Mitglieder von der alten ODM Partei zu denen der jetzige Ganze Parlamentarier Teddy Mwambire gehört und auch der abtretende Governor von Kilifi County, Amason Kingi, der inzwischen von einer Partei zur anderen gehüpft ist und sogar die selbst gegründete Partei verlassen hat. Er kann sich nach 2 Amtszeiten nicht mehr aufstellen lassen und ist verzweifelt auf der Suche nach einem Job für die Zeit danach. Nein, das muss man sich mal vorstellen: er gründet eine Partei, lässt einige Leute für diese Partei kandidieren und selber wechselt er ins Lager der grössten bisherigen Feinde und ist jetzt im Prinzip in derselben Partei wie Peter. Von wegen Rückgrat! Ich sage im Prinzip weil er selbst dort immer noch gegen Peter kämpft. Peter hat ja vor etwa 2 Jahren das Kauma CBO gegründet www.kaumacbo.com. Das Ziel dieser „community based organization“ ist, dass die Zölle, die für die Ausgrabungen der Bodenschätze bezahlt werden müssen, wie rechtlich vorgesehen, auch an die Community bezahlt werden. Das CBO ist mit eben diesem Governor vor Gericht gegangen und hat in erster Instanz vor Gericht Recht erhalten. Also wird es ihm richtig an den Kragen gehen nach den Wahlen. Zudem habe ich jetzt gerade gelesen, dass er gehört hat, dass er allenfalls den Job als Speaker im Parlament, den er sich erhofft hat, nicht kriegen wird und deshalb unterstützt er jetzt auch UDA nicht mehr und ruht sich in England aus bzw. er versteckt sich dort weil er ja überall „verfolgt“ wird… Ein echtes Politikerschwein ohne Rückgrat und eine Fahne im Wind.

Der Fahrplan für die nächsten Wochen wird streng und ich ernte natürlich auch hier wieder viel Applaus, weil wir ja mit dem Bau der Schulzimmer und dem Bezahlen der Schulgelder ein grosses Projekt starten. Ich realisiere, dass ich schon seit über 10 Jahren für das Wohlergehen der Community sorge und dafür gibt es hier mindestens verbal eine grosse Wertschätzung. Einige von den Anwesenden haben ja selber Kinder in der Primarschule und können sich die Sekundarschule nicht leisten.

Anschliessend an das Meeting gehe ich ans Ausmessen der Gebäude für  die Juhudi Schule und dort warten auch schon die Fundis, die Arbeiter, die sich um das Renovieren der bestehenden Schulzimmer kümmern werden. Sie telefonieren mit den Lieferanten damit sie eine gute Offerte machen können. Die schlechte Nachricht ist, dass auch fürs Bauen alle Preise enorm gestiegen sind und es auch hier mindestens einen Drittel teurer wird als noch vor einigen Monaten. 

Am Sonntag haben wir dann in Marere ein weiteres Meeting mit über 60 Jugendlichen, die ganz Ohr sind als ich die Geschichte erzähle wie ich Peter kennengelernt habe und dass ich mich damals entschieden habe Peter zu unterstützen und ihn nicht von seinem politischen Vorhaben abgehalten habe obwohl wir in der Schweiz ein friedliches und ruhiges Leben gehabt hätten. Alle diese Efforts müssen an der Urne ihre Früchte tragen. Ich kann nur sagen: wenn Peter dieses Mal nicht gewinnt, dann steckt wieder eine grosse Korruption dahinter. Aber was ich gut finde ist, dass Peter immer sagen kann: wählt mich und es wird für euch eine positive Veränderung eintreten. Wenn ihr es nicht macht, dann wird Peter trotzdem ein gutes Leben führen können – aber sie müssen zurückbleiben und weiterhin leiden. Ich rede ihnen auch noch ins Gewissen, dass sie einerseits nicht alles glauben sollen, was man ihnen erzählt und dass sie nicht nur von Jobs wie Pilot, Arzt und ähnlichem träumen sollen sondern Jobs lernen sollen, die der ganzen Gemeinschaft etwas bringen: Elektriker, Maurer, Automechaniker, Schneider etc. Denn mit diesen Jobs wird auch ihre Zukunft und die Zukunft aller gesichert sein. Zudem sollen sie nicht weg von Jaribuni sondern dazu beitragen, dass es allen hier besser gehen wird. Vielleicht geht das in ihre Köpfe und vielleicht auch nicht. Wir werden sehen…

Die Wahlkampagne hat mich schon ein bisschen „reingezogen“, denn ich finde es ja auch faszinierend was hier alles abgeht. Alles trägt zu meinen unglaublichen Abenteuern bei, die ich hier erlebe und ich freue mich, wenn ich aus erster Hand berichten kann, wie die Post hier abgeht. Es wird noch einige Stories geben, das verspreche ich euch. Ich komme nämlich kaum dazu meinen Blog upzudaten und schon folgt wieder die nächste unglaubliche Geschichte!!!

#wahlkampfistwahlchrampf

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2 Kommentare zu «Wahlkampf oder Wahlchrampf?»

  1. Peter Füllemann

    Toi toi toi für Peter Shehe, für dich, die Projekte und Vorhaben. Es ist einfach grossartig, was da läuft und entsteht. Herzlichen Dank!

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