Landcruiser puzzle

Ich wusste, dass es irgendwann kommt, aber ich habe immer noch gehofft, dass er es bis zu den Wahlen aushalten würde… Es geht um unseren Lastwagen, bzw. den Toyota Landcruiser, den Peter in der ersten Amtsperiode als Member of Parliament als gut erhaltene Occasion gekauft hat und der uns sicher von Ort zu Ort gebracht hat. Bis jetzt…

Vor ein paar Monaten habe ich schon mal diese Nachricht erhalten von den Streets of Jaribuni.

Irgendwo in Jaribuni

Ein einziges Rad für dieses Auto kostet CHF 500! Peter hat dann mal Occasions-Pneus gekauft aber die halten nicht lange. Vor ein paar Wochen hat unser treues und heissgeliebtes Auto das mit dem heiss lieben etwas zu wörtlich genommen und fast einen Brand in Kilifi ausgelöst. Peter hat mir eine Standortposition über WhatsApp geschickt (hat er jetzt endlich gelernt) und die zeigte Kilifi Hospital an. Ich brach kurzerhand in Panik aus und war dann fast erleichtert als ich erfuhr, dass „nur“ das Auto in der Nähe des Kilifi Spitals den Geist aufgegeben hatte.

Lieber das Auto als Peter!!! Aber es war natürlich mit hohen Kosten verbunden, das Öl im Getriebe musste ersetzt werden. Ein ziemlich hoher Kostenfaktor bei einem solch riesigen Auto mit so speziellen Bedürfnissen. Dann machte es plötzlich mitten auf der Strecke nach Malindi keinen Wank mehr und Peter und sein Beifahrer Enrico haben einen grossen Schock erlitten. Wer die Strassen hier kennt weisst: sie fahren wie die Höllenhunde. Keine Markierung, keine Regeln, keine Geschwindigkeitsbegrenzung (also es hätte schon eine, sie wird einfach nicht eingehalten).

Nachricht von Enrico, der mit peter unterwegs war (Linksverkehr in Kenia)

Das Auto musste vom Arabuko Forest (etwa in der Hälfte zwischen Kilifi und Malindi) nach Malindi abgeschleppt werden und Peter & Enrico mussten einen Weg nach Marere finden. Ziemlich kompliziert weil ja die Strasse nach Marere nicht gerade von jedem Auto gut befahren werden kann.

Eine Reparatur war gar nicht budgetiert und so ist auch jetzt hier in Marere für mich die gewonnene Freiheit durchs eben erst entdeckte selber Fahren sehr eingeschränkt. Wir sind auf den Goodwill von Freunden und Familie angewiesen. Gestern haben wir zum Beispiel total vergessen einzukaufen und ich musste noch meinen Essensschrank durchforsten und habe zum Glück noch ein paar von diesen chinesischen Fertignudeln gefunden und die haben wir dann alle untereinander aufgeteilt – sonst wären wir hungrig ins Bett gegangen.

Schon als ich ankam hat mir Peter erzählt, dass er einen Mechaniker kennt, der weiss, dass man in Uganda ein gebrauchtes Ersatzgetriebe (Gear Box) kaufen könne. Ich dachte damals: ja ja und zaubern kann er auch noch… Der Mechaniker hatte sich aber kurzerhand auf die Reise gemacht, weil er noch einen 2. Auftrag hatte aber leider blieb die Suche erfolglos. Weil es Sonntag war musste er auch noch dort übernachten und es wurde ein eher teurer Ausflug für nichts. Irgendwie hat ihn dann der Berufsstolz nicht mehr ruhen lassen. Er meinte, dass er jetzt das Getriebe selber restaurieren würde. Das musste also von Malindi nach Nairobi gebracht werden. Keine Ahnung wie schwer das Getriebe bei meinem herzigen Renault Captur ist aber das Toyota Landcruiser Getriebe ist sage und schreibe 1.5 Tonnen schwer! So ein Gewicht kann man sich gar nicht vorstellen. Der Typ hat das Getriebe nach St. Austin’s Service Center gebracht https://st-austins-service-centre-ltd.business.site/. Das ist die grösste und renommierteste Autoreparatur in ganz Ostafrika. Damit keine teuren Arbeiten bezahlt werden mussten, hat er alles persönlich in Einzelteile zerlegt und Schritt für Schritt wieder zusammengesetzt mit Ersatzteilen für die kaputten Teile. Also das hat er auf jeden Fall immer berichtet und uns auch Fotos und Videos darüber geschickt. Alleine das neue Öl fürs Getriebe und das 6-Gang-Getriebe hat über 150 Franken gekostet!

Hier noch ein Video vom Mechaniker für die ganz Wissbegierigen:

https://www.youtube.com/watch?v=0-uS9FdAqPY

Beim Anblick der Fotos, die Peter mit ab und zu schickte oder zeigte wurde mir fast schlecht! Wie soll das je wieder funktionieren? Nach 2 Wochen war es diese Woche so weit: das Teil konnte nach Malindi zurück transportiert werden. Diese Lieferung fand ich ja noch günstig mit CHF 50 für den Transport. Aber das Ding wurde einfach auf dem Boden liegen gelassen von der Transportfirma und wie hievt man ein 1.5 Tonnen Getriebe in den Kofferraum? (klingt wie der Anfang eines Witzes…) Es muss eine besondere Vorführung gewesen sein und es hat 6 sehr starke Männer gebraucht. Der Mechaniker ist ebenfalls per Bus angereist. Wie ums Himmels Willen dieses Teil jetzt wieder ans Auto montiert werden soll – das entzieht sich meinem Wissen vollständig. Irgend etwas in mir sagt mir: das ist einfach schlichtweg unmöglich und etwas anderes sagt mir: wenn das irgend jemand schafft, dann ein Kenianer!

Ich habe die Serie Jobtausch immer so geliebt, weil sie eben genau diese Unterschiede zeigt: für unser Auto passt vor allem die Sendung mit dem Lastwagenmechanikertausch: wenn du 40 Minuten Zeit hast: ungefähr so sieht die normale Werkstatt des Mechanikers in Nairobi aus: https://www.srf.ch/play/tv/jobtausch/video/lastwagenmechaniker—kenia-staffel-6-folge-5?urn=urn:srf:video:3c8ed2e5-d2a5-4dd1-bf86-9c5d067ed46b

Ihr dürft gespannt weiter verfolgen, wie die Story ausgeht… in ein paar Tagen wissen wir Bescheid! So einen guten Cliffhanger hatte ich wohl noch nie in meinen Blogs…

#landcruiser #landcruiserpuzzle #jobtausch

Teilen