Die Kauma Frauen haben Power

Nach meinen ersten drei politischen Einsätzen wusste ich: heute kann es richtig laut werden und das bestätigte sich dann auch bereits ab 08.00 Uhr, als die ersten Frauen eintrafen, die sich über das Programm von Peter und vor allem über das Programm von Keneth Kazungu, alias Tungule informieren wollten. Keneth ist der Mann, den ich persönlich am liebsten als neues Member of Parliament von Ganze sehen würde. Wir kennen uns jetzt schon seit einigen Jahren und sind über die Zeit Freunde geworden. Peter hat einen besonderen Bezug zu ihm. Als Peter noch Member of Parliament für Ganze war kam Keneth auf ihn zu, weil er sich für einen Job als Chief Officer im Kilifi County beworben hatte und er aus Bamba (ein Ward von Ganze), folglich war Peter “sein” MP. Peter hat damals alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit er den Job kriegt, obwohl das auch bedeutete, dass er unter dem Governor Amason Kingi arbeiten würde. Er war denn abwechslungsweise in Kilifi County Officer of County Government Health, Water und Roads.

Ich glaube, dass er in diesen diversen Ämtern sehr sehr viel Geld gemacht hat. Ob legal oder nicht legal oder weil er einfach von seiner Position profitiert hat und das optimal umgesetzt hat weiss ich wirklich nicht. Ich weiss nur, dass ich im Normalfall ein gutes Gspür für Menschen habe und mich selten täusche. Ich hoffe jetzt mal, dass es bei ihm auch so ist. Auf jeden Fall war er Peter immer dankbar dafür, dass er diesen Job gekriegt hat und dass er dadurch ein besseres Leben gehabt hat. Ich weiss noch genau als wir vor ein paar Jahren in seinem Büro in Kilifi sassen (wir wollten jemanden dazu bewegen, etwas für die schlechte Strasse von Dtzitsoni nach Marere zu machen) und als er uns eröffnet hat, dass er 2022 Member of Parliament von Ganze werden möchte. Ich weiss auch noch genau, was ich gesagt habe: bist du dir sicher, dass du das willst? Weisst du, was es bedeutet? Hast du deine Familie und vor allem deine Frau gefragt, ob das ok ist? Er war damals erstaunt über meine Fragen aber im Nachhinein hat er mir gesagt, dass er es sich sehr zu Herzen genommen hat. Aber genau wie Peter will er, dass sich in Ganze endlich etwas verändert. Ich glaube, er ist der richtige Mann dafür. Ein grosses Herz UND ein grosses Portemonnaie. Peter war für ihn auch über die letzten Jahre hinweg sein grosser Mentor und er kam immer wieder nach Marere um seinen Rat einzuholen. So hat er auch manchmal von meinen Back- und Glacémach Künsten profitiert und vielleicht geht die Liebe wirklich durch den Magen. Er ist definitiv auch von mir begeistert und immer wieder beeindruckt darüber, was Peter und ich auch als Paar bewirken hier in Kenia. 

Das grosse Dilemma war dann als er sich für eine Partei entscheiden musste. Von der Gesinnung her und auch wegen der Hoffnung auf den neuen Präsidenten und auch wegen Peter wäre UDA die logische Konsequenz gewesen. Aber – und das ist ein grosses ABER: sein Boss, der Governor von Kilifi, hatte extra eine eigene Partei gegründet und hat ihn quasi dazu gezwungen, sich dieser Partei – PAA – anzuschliessen. Besagter Amason Kingi ist aber so ein Profiteur, dass er von seiner eigenen Partei zur Gegenpartei UDA gewechselt hat weil er sich von denen einen Job erhofft, und die Leute, die in seine eigene Partei eingetreten sind einfach hängen lässt. Ich muss es mal irgendwo rauslassen: er ist einfach ein kleiner W….! Keneth kann jetzt – 3 Wochen vor den Wahlen – nicht mehr die Partei wechseln und das führt alles zu ziemlich viel Konfusion.

Lange Einführung aber es wichtig den Hintergrund zu kennen für die Veranstaltung, die bei uns in Marere durchgeführt wurde. Ich habe ja bereits erwähnt, dass jetzt die einzelnen Ansprechsgruppen separat bedient werden. Und heute war die Zeit der Frauen und sie kamen in Scharen. Auch Peter hatte einen Schock als er die grosse Menge sah, die bereits so früh aufmarschiert war. Er konnte unmöglich durch die Türe raus und so hat er kurzerhand den Weg übers Fenster genommen, damit er mit einem Umweg Keneth empfangen konnte.

Auch ich merkte so langsam aber sicher: heute gilt es ernst… Ich entschloss mich dann, wenigstens als verbindedes Element etwas UDA reinzubringen, in dem ich eine gelbe Jacke anzog. Das Marere Community Center füllte sich und füllte sich – bald konnte ich auch fast nicht mehr zum Wohnzimmer raus. Ich hatte dann aber die Ehre auf dem vordersten Posten zwischen zwei hoffentlich bald wichtigen Männer für Ganze bzw. Jaribuni werden. Der Ablauf war dann wie immer an solchen Meetings: zuerst wird gebetet, dann kommen die kleineren Fische, die etwas zu sagen haben, dann war ich dran, danach Keneth und zum Schluss Peter. Ich mache es jeweils so, dass ich mir über Google Translate und mit meinem Swahili Wissen ein paar einführende Sätze zusammensetze und dann auf Englisch wechsle und nochmals richtig einheitze. Ich weiss jetzt wie die Leute hier funktionieren und wie ich sie zum Lachen und zum Klatschen bringe. Dieses Mal ist es mir super gelungen. Ich habe auf das Thema Frauen gesetzt und dass Frauen keinen Krieg anfangen weil sie Kinder haben. Und dass auch sie dafür sorgen werden, dass die Kinder zur Schule gehen, denn das ist die Zukunft: ausgebildete Menschen, die beurteilen können, ob es jemand ehrlich meint oder ob es alles nur Propaganda ist. Ich wurde dann auch von Keneth und Peter sehr wertgeschätzt für alles, was ich gemacht habe. Das sind die Momente in denen ich denke: oh wow, es hat sich wirklich alles gelohnt auch wenn ich manchmal schier daran verzweifelt bin. Und immerhin muss ich die stundenlangen Meetings nicht mehr auf einem Plastikstuhl absitzen sondern darf auf meinem eigenen gepolsteren Stuhl durchführen.

Ab durchs Fenster für die Privatsphäre
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1000 Frauen im Community Center
Marere voller Frauen

Was dann auch noch ganz verrückt war: am Schluss wurde für uns gebetet – von allen 1000 Anwesenden. Die ganz Gläubigen etwa 20 Centimeter von unseren Köpfen entfernt.  Wer in einer Freikirche wie der Pfingstmission ist kennt das vielleicht: alle haben individuell vor sich hin gebetet und zwar sehr sehr laut. Es wurde schon fast unheimlich, aber ich kann nur sagen: Hauptsache es nützt.

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Tungule ist dran
Unglaubliche rhetorische Fähigkeiten

Im Anschluss daran kann sich jede Frau 200 Shilling abholen, was nicht einmal 2 Franken sind aber damit können sie für die Familie immerhin ein Kilo Mehl kaufen um sie zu ernähren. Die Frauen mussten sich alle bei der Ankunft registrieren und jetzt werden sie eine nach der anderen aufgerufen um das Geld abzuholen. Ich erkläre das hier so offen, weil das nichts mit Korruption zu tun hat sondern wirklich mit Unterstützung für die Leute. Und bei 891 Frauen, die hier in Marere waren macht es doch fast CHF 2‘000 aus, die Keneth dafür investiert hat.

Es ist wirklich zu hoffen, dass solche Aufklärungsveranstaltungen etwas bringen und dass sie sich zu Herzen nehmen, was ich gesagt habe: Keneth ist mein Freund und wenn ich einem Freund vertraue, dann ist es mir egal in welcher Partei er ist. Hauptsache seine Werte stimmen.

Wenn du dir die Videos ansehen möchtest von mir und vom Dankeschön von Tungule:

#friendswillbefriends #powertothewomen

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