Wie verteilen wir Spendengelder gerecht?

Unsere Freude als Verein Pro Ganze war riesengross, als sich einige Privatpersonen und insbesondere das Hilfswerk Kinder in Not dazu entschieden haben unsere Spendenaktion für Schulgelder zu unterstützen. Unser Aufruf war auch ein Hilfeschrei: in ganz Jaribuni hatten 23 Studenten und Studentinnen so gute Resultate erzielt beim Primarschulabschluss, dass sie die Zusicherung von Sekundarschulen erhalten hatten dort eintreten zu dürfen. Das grosse Problem aber: woher das Geld nehmen? Die Sekundarschule ist leider nicht gratis. Zu den Schulgeldern kommt eine ganze Liste an Dingen, die diese Schüler:innen brauchen: von Uniform über Matratze, Transport etc. Es gibt eine 2-seitige A4 Liste, die sagt, was sie alles mitbringen müssen. Ich weiss, dass Freunde und Freundinnen von mir diese Erfahrung gemacht haben. Man denkt: au, das ist ja nicht so viel Geld und dann merken sie, was alles dazu kommt. Der Eintritt in die Schule kann gut und gerne mal auf CHF 1000 kommen für das erste Jahr. Klar, bei den sehr armen Familien wird auch mal ein Auge zugedrückt aber die meisten Dinge werden eingefordert und sonst werden die Kinder nachhause geschickt.

Als klar wurde, dass wir über CHF 10‘000 für diese Schulgelder einsetzen können ist wieder etwas „typisch kenianisches“ passiert. Weil der momentane MCA Angst hat, dass eine solch positive Aktion aus der Schweiz für Peter von Vorteil sein könnte während der Wahl hat er kurzerhand Gelder aktiviert, auf denen er vorher gesessen ist und hat für den ersten „Term“ des Jahres das Geld locker gemacht. Niemand konnte das fassen, denn bisher hat er einfach nie etwas rausgerückt. Aber wir haben daraus ein noch besseres Projekt gemacht: wir haben ein Kommittee gegründet für dieses Thema bestehend aus 3 verschiedenen Lehrern der Gegend. Wir haben entschieden, für das restliche Jahr zu bezahlen für diese 23 Schüler:innen. Den Rest haben wir als kleinen Beitrag von jeweils CHF 50 an über 120 weitere Begünstigte verteilt. Das heisst momentan ist das erst auf einer Excel Tabelle verteilt und dafür haben wir jetzt mindestens 3 volle Tage und phasenweise auch Nächte eingesetzt. Die Lehrer haben wirklich seriös darauf geachtet wer das Geld kriegt. Also wenn eine Familie mehrere Kinder hat, dann hat nur eines Geld erhalten und dann achteten sie auch noch auf die Noten, damit nicht Schlechtere bevorzugt werden.

Ich war echt beeindruckt vom Durchhaltevermögen dieser Lehrer. Das Problem war allerdings, dass sie vor dem Verteil-Event nur eine Papierliste hinterliessen. Weder alphabetisch geordnet noch nach Schule, denn es kamen ja immer noch mehr dazu. Wir mussten aber unbedingt die Schülernummer haben wenn das Geld dann via Banküberweisung dem richtigen Schüler zugeteilt werden sollte. Zudem mussten wir auch das Bankkonto der Schule haben. Ja und da sass ich also mit der Liste vor den erwartungsvollen Müttern. Peter musste an eine andere Veranstaltung und ich fand mich mit ganz vielen Müttern wieder, die versuchten, mir die Namen der Kinder anzugeben und ich blätterte wie wild in der Liste.

Wie ist der genaue Name?

Vorwärts und rückwärts bis ich sie fast auswendig kannte. Leider wussten die wenigsten weder die Schülernummer noch das Konto… und so ging das Blättern wieder los und ich kam auf keinen grünen Zweig. In derselben Nacht noch habe ich die Informationen in eine Excel Tabelle übertragen. Zum Glück kenne ich mich mit Mijikenda Namen schon ziemlich gut aus, denn ich habe ja schon viele solcher Liste für Peter erstellte. Oder wüsstest du sofort, wie man Mwando, Chivatsi, oder Swaleh buchstabiert?

Wer kommt noch alles auf die Liste?

Danach konnte ich wenigstens suchen, kopieren, ordnen und was man sonst noch so machen kann in Excel… Langsam langsam fanden wir alle Informationen. Heute, nach 4 Tagen fehlen nur noch 5 Informationen und die Liste ist länger und länger geworden. Diesen hier haben wir vergessen, diesen hier müssen wir unbedingt berücksichtigen, diesen hier schicken sie nachhause wenn er kein Geld kriegt. Ich wurde bestürmt von allen Seiten und ich sage dir: wenn du in diese Augen der Mütter und Kinder schaust und weisst, dass sie sonst von nirgends Hilfe kriegen werden, da kannst du echt nicht nein sagen. Also ich auf jeden Fall nicht. Also ist die Liste jetzt etwas länger geworden als geplant aber dank der grossen Unterstützung von unseren Spenderinnen und Spendern konnten wir noch viele mehr berücksichtigen als ursprünglich geplant. Am Montag fahren wir zu den einzelnen Banken und machen die Überweisungen direkt an die Schulen, damit es keine „Zwischenhändler“ gibt.

Manchmal sieht man bei einem Hilfswerk nur von aussen hin und fragt sich: jetzt haben wir all das Geld gegeben und wo ist es denn jetzt genau hingekommen? Es ist oft so, dass das eine längere Geschichte ist als ursprünglich geplant… aber auch hier und wie immer: wir bleiben dran, wir halten durch und wir freuen uns auf weitere Unterstützung von Leuten, die wissen, dass wir hier hart dafür arbeiten damit das Geld genau ans richtige Ort kommt. Denn nach dem Projekt ist vor dem Projekt! http://www.proganze.com

#fundraisingishardwork #gerechtspendenverteilen

Teilen

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert