Heldinnen dieser Welt

Es gibt immer wieder Menschen, die im Leben von mir auftauchen, die mich einfach fast umhauen. Weil sie so treu sind, weil sie so mutig sind, weil sie so grosszügig sind, weil sie so aussergewöhnlich innovativ sind, weil sie so viel Durchhaltevermögen haben oder es gäbe noch sie viele andere Eigenschaften zu nennen, die mir Eindruck machen.

Einige von meinen Bloglesern und Blogleserinnen wissen es: ja auch dich finde ich supergenial.

Heute ist aber die Zeit, in der ich euch Latifa näher bringe. Wir haben vor fast einem Jahr eine grosse Spendenaktion gemacht und konnten für die Primarschule Juhudi 100 Pulte bauen und sie dann der Schule übergeben. Das alleine gab ja schon ein Freudenfest. Als ich dann im Dezember nach Juhudi kam um anzukündigen, dass bald eine Volontärin der Fachhochschule Nordwestschweiz bei ihnen als Lehrerin einen Einsatz haben würde bereitete man mir auch nochmals einen „Empfang“. Ich durfte dabei sein, als Noten verteilt wurden für die Zwischenprüfungen und habe fleissig geknipst und gefilmt. Sie haben dann Latifa, eine Schülerin im letzten Jahr Primarschule, auserkoren um sich für die Pult-Lieferung zu bedanken. Sie setzte zum Dankeschön an und im gleichen Zug kam: aber… und eine lange Aufzählung von Missständen begann. Oups, dachte ich: das macht sich ja nicht so gut, wenn ich in der Schweiz diesen Film mit dem Dankeschön und gleichzeitig schon mit dem nächsten Projekt zeige. Auch Fundraising hat seine Regeln…

Also habe ich Latifa erklärt, dass ich zwar keine Wunder vollbringen könne, aber dass ich wirklich versuchen werde mit Spenden Geld für eine bessere Schule aufzutreiben. Und ich habe erklärt, dass ich gerne zwei verschiedene Videos aufnehmen würde: einen mit dem Dankeschön an die Spender der Pulte und eines mit dem neuen Spendenaufruf für verbesserte Bedingungen an der Schule. Das hat sie verstanden und wir haben die zwei Videos gedreht. Den Dankesvideo habe ich sofort in den Sozialen Medien verbreitet, denn was könnte besser sein als eine Rückmeldung von dort, wo die Hilfe angekommen ist? Den zweiten Video habe ich dann gebraucht um auf Spendengeldersuche zu gehen. Auf jeden Fall keine einfache Angelegenheit – besonders mit dem Krieg in der Ukraine – der momentan noch mehr Unterstützung erhält als ein Schulprojekt in Kenia. Aber trotzdem: als ich bei Kinder in Not vorsprechen durfte zeigten sich die Verantwortlichen ebenfalls berührt und ich bin sicher, das hat auch noch dazu beigetragen, dass sie Gelder gesprochen haben. Und ich selber kriege immer wieder Hühnerhaut, wenn ich den Video anschaue. Für diesen Blog habe ich mich erkundigt, wie als Latifa ist – sie ist erst 13 Jahre alt – das erstaunt mich gerade noch mehr. Zudem hat sie ein schweres Schicksal, denn sie ist nämlich Vollwaise und wächst bei einer Verwandten auf. Sie ist eine richtige Kämpferin. Wir haben beim Dreh für das nationale Fernsehen mit ihr geübt, dass sie ihre Angst vor der Kamera ablegen kann und ich finde: sie hat es hervorragend gemacht. Hier die beiden Videos:

Latifa beklagt sich über die Zustände an der Juhudi Schule (deutsche Untertitel vorhanden)
Latifa bedankt sich für die Spenden (deutsche Untertitel vorhanden)

Interessanterweise ist es ihr auf Suaheli schwerer gefallen aber die Begleiterin aus der Schule hat mir gesagt, dass Suaehli eine schwierigere Sprache sei als Englisch und die Kinder, die zur Schule gehen, daher oft lieber auf Englisch kommunizieren.

Ich habe Latifa gesagt, dass sie mit ihrem Mut einen grossen Stein ins Rollen gebracht hat und dass ich sie daher persönlich dafür belohnen werde. Ich habe ihr CHF 30 von meinem eigenen Geld geschenkt. Es ist ein Betrag, der so gross ist, dass sie es für sich kaum glauben konnte und er ist für mich so klein, dass ich ihn gut verkraften kann. Es soll ein Ansporn dafür sein, sich immer wieder einzusetzen für eine bessere Welt. So fällt es uns im Wohlstand nämlich auch leichter es mit Spendengeldern zu tun auch wenn wir nicht in einer Lehmhütte wohnen, auch wenn unser Schulweg nicht mehrere Kilometer lang ist und auch wenn es für uns einfacher ist, Anwältin zu werden. Das ist Latifa‘s Traum. Sie will Anwältin werden und glaubt mir, ich werde alles daran setzen, was ich von meiner Seite tun kann, dass sie die Hoffnung auf die Erfüllung dieses Traums nicht verliert. Die „Goodie-Bag“ mit Kleidern von meiner Nicht Colombe im Raiffeisen Turnbeutel haben ihre Augen nochmals zum Leuchten gebracht.

Latifa – meine neue Heldin – ich hoffe, ihre Augen (und damit auch meine und unsere) werden auch in Zukunft oft leuchten!

Und so passt gerade ein Spruch, den ich heute gelesen habe hervorragend zum Thema Spenden:

#Latifahero #steineimweg

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2 Kommentare zu «Heldinnen dieser Welt»

  1. Latifa ist definitiv eine Heldin und nach diesem Video hoffe auch ich sehr für sie und Kenia, dass sie einmal eine Anwältin wird. Barbara, auch du bist (m)eine Heldin und dank dir, erhalten so viele Menschen ( und das nicht nur in Kenia) die Möglichkeit ihre Träume zu erfüllen und die Welt besser zu machen. Asante Sana

    1. oh mein Gott Beata – das berührt mein Herz gerade so fest. Ich habe Tränen in den Augen! Danke für diese Worte – sie bedeuten so viel. Wenn du an Projekten wie diesen arbeitest dann kämpfst du mehr mit Problemen als dass du Freude erfährst. Und solche Worte sind deshalb der grösste Lohn. Danke dir sehr dafür, dass du sie “ausgesprochen” hast.

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