Mehr als Out of Africa

Was ich in den letzten zwei Tagen in der Lewa Conservancy erleben durfte hat durchaus Bilderbuch-Charakter. Von den Big 5: Löwe, Elefant, Leopard, Büffel und Nashorn hat mir nur noch das Nashorn „gefehlt“. Ich hatte mich irgendwie schon damit abgefunden, dass ich vielleicht in diesem Leben nie eines in der freien Wildbahn sehen werde. Sie sind weltweit vom Aussterben bedroht und genau der Zürich Zoo setzt sich sehr für die Erhaltung der Art ein. Ebenfalls für die Grevy‘s Zebras, die viel feiner gestreift sind als die „normalen“ Zebras, viel grössere runde Ohren haben und überhaupt auch körperlich grösser sind. Und diese zwei Tiere findet man ja im Zürich Zoo – nebst einigen anderen – auch in diesem Park, der am Fusse des Mount Kenya in Meru liegt. Der Park, der auch unter dem Namen Lewa Downs bekannt ist erstreckt sich über ein Gebiet von 250 km2. Es gibt einen Zaun um den Park, damit es keinen Konflikt zwischen den dort wohnenden Menschen und den Tieren gibt aber es gibt auch Öffnungen, damit die Tiere frei zirkulieren und in andere Gegenden abwandern können. 

Nach unserer Ankunft im Haus von Freunden wurden wir bereits mit Rocelyne, einer überaus quirligen und engagierten Frau, mit allem vertraut gemacht und von Rose feinstens bekocht. In Nanyuki haben wir uns mit Gin & Tonic, Wein und Bier eingedeckt und freuten uns schon sehr auf unsere Zeit. Am nächsten Tag wurde uns ein feines Frühstück kredenzt und der Fahrer Fred hatte seinen grossen Auftritt im Masai Outfit. Meine erste Frage war, ob er ein richtiger Masai sei, denn ich bin ja etwas allergisch auf die Masai-Imitatoren von denen es auch einige gibt (und auf die weisse Masai gehe ich erst gar nicht ein, sonst werde ich noch hässig). Da ich in der Ziwani Lodge gelernt hatte, dass jeder Masai eine Markierung im Gesicht trägt habe ich danach gefragt aber Fred meinte, das hätten die modernen Masai nicht mehr. Ich war mir also nicht ganz sicher, ob das einfach ein Touristengag war aber ich war auch bereit, mich darauf einzulassen. Er erwies sich auf jeden Fall als sehr umsichtiger Typ, kein Schnorri und er hatte doch noch das eine oder andere Fahrer-Witzli drauf, das uns zum Lachen brachte. Von Alibaba – unserem Driver aus Kilifi – war ich mich ja da schon ein paar deftige Anekdoten und Räubergeschichten gewohnt. 

Am ersten Tag haben wir ihn relativ spät bestellt (schliesslich hat die Reise für meine Freundinnen mit Qatar Airways über Doha im Endeffekt doch etwa 30 Stunden gedauert) und Susanne hatte den Wunsch geäussert, zu „Anna‘s House“ zu fahren. Anna Merz ist die Frau, die sich extrem für die Erhaltung der Rhinos = Nashörner eingesetzt hatte. Sie muss eine etwas schrullige Frau gewesen sein, deren Leben sich fast ausschliesslich um Nashörner drehte und sie hasste es, in der Öffentlichkeit aufzutreten. Sie deklarierte, dass sie Tiere besser mochte als Menschen. Sie hat auch bestimmt, dass ihr Haus nach ihrem Tod dem Erdboden gleichgemacht wird, denn sie wollte nicht, dass es zu einer Art Pilgerstätte oder Lodge umgebaut und genutzt wurde. Solcher Personenkult war ihr zuwider. Susanne durfte einmal in ihrem Haus wohnen, als Anna sich gerade in Südfafrika befand. Die Frau starbt 2013 und Susanne wollte sich davon überzeugen, dass der Wille der Frau auch eingalten wurde. So hatten wir im Sinn, nur eine ganz kurze Fahrt dorthin zu machen. Schon kurz nach dem Gate verblüfften uns aber viele Zebras, ein paar Büffel, Gazellen und im Hintergrund auch bereits die ersten Nashörner. Da alles dermassen ausgetrocknet ist, versammeln sich alle Tiere dort, wo es noch etwas Wasser hat. Begeistert zückten wir unsere Kameras, bzw. wir zückten unsere Handys, denn mit der Kamera, die Susanne von ihrer Tochter mitgenommen hatte stimmt irgend etwas nicht. Nachdem uns Fred auf einen wunderschönen Aussichtspunkt gefahren hatte und dort einen Puncher (Platten, kommt euch das irgendwie auch bekannt vor?) reparieren musste fuhren wir durch ein Flussbett und wurden nochmals durch ganze Herden von Büffeln und Grevy‘s Zebras überrascht. Anna‘s House existiert wirklich nicht mehr und somit wurde der letzte Wille von Anna Merz tatsächlich erfüllt.

Für Susanne und Vreni war es definitiv eine Art Nostalgie-Trip und die Geschichten rund um Evi Bernhard, die ehemalige Kuoni Resident Managerin und danach Tierfreundin mit einem Haus mitten im Park und auch über die Gründer der Lewa Conservancy: Jane und Ian Craig waren omnipräsent. Dann gibt es ja auch noch die Geschichten um die Royals, denn William soll seiner Kate hier den Heiratsantrag gemacht haben und Charles versteckte sich anscheinend mit Camilla hier vor den Paparazzi. Wir kamen von unserem ersten Game Drive sehr happy und überwältigt zurück.

Am nächsten Tag standen wir sehr früh auf und erlebten eine Verblüffung nach der anderen: Zuerst sahen wir einen Löwen, dann mehrere Nashörner umgeben von Schakalen, viele spannende und schöne Gazellenarten, die Überreste eines Büffels, einen Adler, viele farbenfrohe Vögel, ein paar Elefanten – all das war auf dem Menü. Wir konnte uns kaum satt sehen und das Schöne: wir alle drei hatten null Stress und nahmen es richtig gemütlich. Wir hatten ja genügend Zeit und konnten auch einfach Mal die Landschaft auf uns einwirken lassen.

Der dritte Tag brachte dann ein weiteres Highlight: das Gründerpaar von Lewa lud uns zum Mittagessen ein, bzw. Jane hatte ausrichten lassen, dass sie uns sehr gerne sehen würde zum Lunch. Und so fuhren wir zu ihrem Anwesen, welches das Haus von Out of Africa noch um ein Vielfaches toppte. Wir hielten uns zwar „nur“ im Salon/Esszimmer auf aber die Inneneinrichtung war filmreif. Jane erwies sich als hervorragende Gastgeberin und auch ihr Mann tauchte kurz auf. Er ist ein weisser Kenianer in 3. Generation. Sein Grossvater und sein Vater waren Farmer in Lewa und zusammen mit der Engländerin Jane hatte er die Lewa Conservancy gegründet wie auch die NRT (Northern Rangelands Trust). Ein Abenteurer wie aus dem Bilderbuch: er fliegt mit seinem eigenen Flugzeug von Ort zu Ort und ist fast dauernd unterwegs. Seine Frau kümmert sich um alles auf dem grossen Anwesen und managet alles, nachdem sie sich jetzt als pensioniert bezeichnet und sich jahrelang um Frauenanliegen kümmerte. Mit so interessanten Menschen zu diskutieren,  Meinungen und Ideen auszutauschen und das noch mit guten Freundinnen – während die wilden Tiere um das Haus sträunen und so ganz per äxgüsi mal eine Giraffe oder ein Büffel vorbeiläuft – wow – was für ein einzigartiges Erlebnis. Wir assen einen ausgezeichneten Lunch und wurden mit dem neusten Buch „Flowers for Elephants“, das vor allem die Arbeit von Ian Craig beschreibt, beschenkt. Wir werden das Buch verschlingen und uns über die Geschichten freuen.

Wir machten dann noch einen Besuch auf der Grabstätte von Evi Bernhard, die an einem Ort begraben ist, der Lion King pur ist: ganz oben auf dem Hügel mit Sicht auf die ganze Savanne. Das Leben schreibt unglaublich spannende Geschichten und ich bin grad von einer riesengrossen Dankbarkeit erfüllt, dass ich so etwas erleben darf.

Auf dem Rückweg erhielten wir fast eine Nashorn-Überdosis: mindestens 4 Tiere waren direkt vor unseren Augen, weitere folgten und rundherum waren Zebras, Paviane, Büffel, diverse Gazellen, Warzenschweine in Hülle und Fülle. Wir sassen einfach in unserem Toyota Landcruiser und saugten diese Szenerie in uns auf. Was für ein einmalige Naturerlebnis. Ich hatte phasenweise Hühnerhaut, Herzklopfen aus Freude und aus Respekt und konnte mein Glück kaum fassen. 

Das ehemalige Haus von Evi Bernhard werden wir nicht besuchen können. Es sei ziemlich erweitert worden und es lebt der CEO der Lewa Conservancy drin und er hat vor ein paar Tagen Covid erwischt. Wahrscheinlich am internationalen Marathon, der jährlich in Lewa stattfindet und dessen bekanntester Botschafter der bekannte Marathonläufer Eliud Kipchoge ist. Na ja, ganz alles kann dann selbst auf dieser Reise nicht nach Plan laufen.

Die Lewa Wildlife Conservancy erstreckt sich wie erwähnt über 250 km2 und setzt sich insbesondere auch gegen Wilderer ein. Wie das überhaupt möglich ist, das fragen wir uns angesichts der Grösse des Parks. Durch die 3-jährige Trockenheit haben die meisten Tiere zu wenig zu essen, die Elefanten haben fast alle Bäume umgeschlagen und sind an andere Orte ausgewandert. Sie muss man zum Teil mit Elefantenzäunen in Schach halten, damit sie nicht noch die letzten Bäume abgrasen. Anscheinend sind einige Elefantenfamilieln jetzt in die umliegenden Wälder abgewandert. Susanne ist ganz böse auf diese Elefanten, denn sie haben tatsächlich ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Aber durch diese Massnahmen ist nicht alles 100% Natur pur aber bei dieser Grösse ist die Lewa Savanne schon ein Park mit aussergewöhnlichen Dimensionen und unbeschreiblichem Wildlife.

Zuhause angekommen schmiedeten wir schon wieder Pläne für die nächsten Tage und freuten uns über gute Gespräche, unsere Freundschaft und diskutierten über Gott und die wunderschöne Welt. Gerade fühle ich mich total privilegiert so etwas erfahren zu können – es übertrifft meine kühnsten Vorstellungen von einer Safari und ich gehe müde und überglücklich ins Bett. Die Bilder sortiere ich dann später aus…

#interestingconversations #ilovelife #levaconservancy

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5 Kommentare zu «Mehr als Out of Africa»

  1. Jucker-Iberg Françoise

    Liebe Barbara
    Was für ein spannender Bericht über eure tolle Safari. Und v.a. noch mit so bekannten Begleiterinnen wie Susanne und Vreni. Lasse euch alle ganz herzlich grüssen und wünsche euch weiterhin traumhafte Tage unter “Wilden Tieren”. Bin ganz bei euch und auch ein klein bisschen neidisch!
    Hebeds guät und ganz liebe Grüsse an die Natur und euch!😘

  2. Madeleine Ammann

    Sehr lebhaft und eindrücklich geschrieben liebe Barbara. Was du alles in so kurzer Zeit erlebst, ist einfach so spannend. Ich wünsche dir weiterhin viele solche schöne Momente, die du geniessen darfst.

    Liebä Gruess
    Madeleine

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