Voyeure in der Maasai Mara

Ich habe schon oft gehört, wie unglaublich reich an Tieren die Masai Mara sei und auch unsere zwei Lehrerinnen haben geschwärmt von der Fülle der Tiere, die man in diesem Park sieht. Die Masai Mara ist im Prinzip die Fortsetzung der Serengeti in Tanzania. Allerdings ist es nicht möglich, die Grenze einfach so zu überschreiten, da es auch für Tanzania ein Visum braucht.

Was uns schon an den ersten beiden Tagen aufgefallen ist, das ist die Menge der Wildkatzen. In Masai Mara ist es fast nicht möglich, keinen Gepard, Leopard oder Löwen zu sehen. Wir haben sogar den sehr sehr seltenen und extrem scheuen Serval gesehen, eine Art Wildkatze. 

Neu für mich waren die Topis, eine Gazellenart* und die Silberrücken-Schakale. Unser Fahrer war extrem bemüht, uns die besten Möglichkeiten zu bieten. Wir mussten ihm immer wieder sagen, dass wir es locker nehmen möchten und dass wir nicht so erpicht darauf sind, Tiere zu „sammeln“. Die meisten Leute sind natürlich nur 2-3 Nächte hier und wir haben 5 Nächte gebucht. Zudem haben wir ja die Nashörner in Lewa „abgehakt“, denn wir hatten schon fast eine Überdosis davon. Allerdings kann man sich auch nicht sattsehen an ihnen.

Die Keekorok Lodge war die allererste Lodge in der Masai Mara und besteht sage und schreibe schon seit 1962, was ich zuerst gar nicht glauben wollte, weil Kenia ja erst seit 1963 unabhängig ist. Sie ist toll gelegen, denn man kann sich in alle Richtungen bewegen und ist somit sehr flexibel. Allerdings ist sie definitiv in die Jahre gekommen. Zwar sind viele Einrichtungsgegenstände sehr originell und ich habe mir für mein vielleicht zukünftiges Zuhause ein paar Fotos gemacht aber die Gebrauchsspuren sind sichtbar.

Zudem ist es die grösste Lodge in Masai Mara und jetzt in der absoluten Hochsaison total ausgebucht. Wir haben aber Glück und verhalten uns wahrscheinlich auch antizyklisch, denn wir haben immer genügend Auswahl am Buffet und auch immer einen guten Tisch. Der Lärmpegel im Restaurant ist auch durchaus erträglich. Die Inder machen den grössten Teil der Kunden aus. Dann hat es auch einige Chinesen und auch ein paar Europäer. Unglaublicherweise trifft Susanne sogar den Sohn der Nachbarin. Beide wussten nur, dass der/die Andere „in Afrika“ unterwegs sei. Es ist eine kleine Welt, wie ich immer wieder feststelle. 

Ganz speziell ist, dass die Lodge von einem Generator betrieben wird (der leider gleich hinter meinem Zimmer ist) und der wird von Mitternacht bis 04.00 Uhr morgens abgeschaltet wird. Das ist an und für sich kein Problem, weil es ja schon um 19.00 Uhr dunkel wird aber das einzige Problem ist, dass man in der Zeit auch keine Geräte aufladen kann. Ich habe mir zum Glück noch eine Steckerleiste gekauft, damit ich ein Maximum an Geräten anschliessen kann. Wenn ich unterwegs bin muss ich nämlich den Laptop, den iPad, das iPhone, das keniansiche Samsung, die Apple Watch, das Antimückenarmband, die Powerbank und neusten auch noch die Stirnlampe aufladen. Das braucht ziemlich Koordination! 

Nach 19.00 Uhr darf man auch nicht mehr unbegleitet vom Zimmer zum Speisesaal und umgekehrt. Glücklicherweise habe ich das auf dem Rückweg vom Nachtessen befolgt, denn vor meinem Zimmer graste ein riesengrosses Nilpferd (ok, ich dachte zuerst es sei ein Nashorn und alle fanden das „unbelievable“. Henry – unser Fahrer – hat dann auch nachgefragt und es war ein Nilpferd – na ja das kann man ja schon mal verwechseln wenn man unter Schock steht…). Vor unserer Reise haben ein Budget gemacht und entschieden, dass wir lieber 5 Nächte in einer günstigeren Lodge übernachten anstatt nur 2 Nächte in einer sehr teuren. Und so nehmen wir auch in Kauf, dass nicht alles auf Hochglanz ist und die Boutique eher wie ein Ramschladen in Russland aussieht…

Ich habe mir schon vorgestellt, dass sich die Fahrer gegenseitig kontaktieren, wenn sie ein bestimmtes Tier sehen, das hat ja durchaus auch Vorteile. Dass dann aber bis zu 20 Autos um ein Löwenpaar stehen, die gerade am Liebe machen sind fand ich too much. Das Paaren von Löwen nennen sie hier übrigens „Harusi“ = Hochzeit machen. Wir waren etwas zu spät und haben nur noch die Hochzeitsnacht bzw. den gemeinsamen Schlaf erlebt. Die beiden schienen recht erschöpft zu sein. Ganz ehrlich gesagt ging mir ein ganz perverser Gedanke durch den Kopf: ich fand, dass es fast wie ein Pornofilm bei den Dreharbeiten aussah: In der Mitte das kopulierende Paar und rundherum alle mit Kameras. Was mich dann aber wirklich hässig machte waren zwei Dinge: gewisse Fahrer halten sich an keine Regeln und haben z.B. den Geparden regelrecht den Weg abgeschnitten. Henry meinte zwar, dass die Tiere sich daran gewöhnt seien aber ich fand, dass es ein richtiger Eingriff in die Natur war. Und das Zweite ist, dass die Masai Fahrer sich einfach mehr Rechte herausnehmen. Sie fahren abseits der Pfade, auf denen alle bleiben sollten und fahren teilweise so nahe an die Tiere heran, dass es direkt unverschämt ist. Anscheinend drücken auch die Rangers ein Auge zu bei ihnen, weil die alle meistens verwandt sind miteinander. Die Masai nehmen sich also andere Rechte heraus, weil sie sagen, das sei ihr Land und sie hätten hier Vorrecht. Aber ich gebe zu: ich war noch nie Fan von den Masai auch wenn das jetzt bei meinen Leser:innen ein Raunen hervorruft und es vielleicht eine ganze Menge „Weisse Masai“ Fans unter euch habt. Auch die Geschichte nervt mich mehr als dass sie mich fasziniert. Ich finde die Masai recht arrogant und eingebildet und die Frauen können ganz schön aufsässig werden, wenn sie dir ihren Schmuck verkaufen möchten. Aber ich habe ja schon in Mavueni bei den Cashew Nut Verkäufern gelernt: Sitaki kitu chochote: Ich brauche gar nichts… Und meine Meinung muss nicht immer mehrheitstauglich sein. Aber diese gewisse Abneigung hat natürlich auch damit zu tun, dass immer alle Touristen nur die Masai kennen und wenn ich mal von den Mijikendas spreche hat niemand eine Ahnung. Nicht einmal die Kenianer, die ich auf der Reise danach frage. Aber ich war halt schon immer gerne für die „Underdogs“…

Aber all diese kleinen Abstriche nehmen wir gerne in Kauf für die unglaublichen Erlebnisse, die wir haben. Wir sehen Abertausende von Zebras und Gnus, die aus ihrem Instink heraus genau in dieser Zeit aus Tanzania migrieren. Darüber gibt es ja sensationelle Tierfilme wie „Serengeti“, eine mehrteilige BBC Serie, die auch schon auf SRF gezeigt wurde. Und ich habe einen Film mit demselben Namen im iMax im Verkehrshaus Luzern gesehen und fand den extrem eindrücklich. Zählen können wir die Tiere gar nicht, denn wohin das Auge reicht sieht man sie. Es ist auch unmöglich, dies auf unseren kleinen Kameras festzuhalten und das ist es ja genau: eine Safari muss man einfach erleben. Die Landschaften, die enorme Fülle an verschiedenen Tieren und Vögeln: es ist schlichtweg überwältigend. 

Mit dem Fotografieren ist es so eine Sache: die Kamera von Susanne hat wirklich einen Defekt: mal funktioniert sie, mal nicht, was uns manchmal fast verrückt macht. Ich habe meine bei Enrico gelassen, damit er für den Wahlkampf eine bereit hat und Vreni benutzt ihre schon länger nicht mehr, weil sie sagt, dass sie einfach nur geniessen wird und sowieso nichts mit den Fotos macht danach – ok dafür fotografiert sie aber auch munter drauf los – irgendwie kann man hier gar nicht anders und hier kommst du einfach ins Foto-Fieber. Und so hat vor allem Susanne den Trick mit dem Swarovski Feldstecher und dem iPhone dahinter halten voll gut drauf. Sie schiesst echt gute Bilder. Wir finden auch heraus, dass wir bei einem Film danach Screenshots machen können und so noch besser zoomen können. Es gibt natürlich Typen (eigentlich nie Frauen) hier, die Wahnsinnsrohre dabei haben. Sie brauchen fast einen Gepäckträger dafür. Ich behaupte, es ist gewissermassen eine Penisverlängerung – ähnlich wie bei den Autos. Aber ihr könnt mir gerne das Gegenteil beweisen und ich hoffe, meine Fotografen Freundinnen und Freunde lesen diesen Blog nicht allzu detailliert, denn ihnen würden sich wahrscheinlich die Haare sträuben. Aber ich finde, wir sind recht innovativ mit unseren „Tricks“.

Alles, was wir vor die Linse kriegen ist einfach umwerfend. Wir machen viel zu viele Bilder, wir teilen sie und jede hat wieder ihre eigene Art, etwas zur Gesamtheit beizutragen. Vreni hatte schon immer ein super Auge für Aufnahmen, Susanne ist die Feldstecher-Trick-Queen und ich bin am schnellsten und mache die besten Selfies… Da kommt auch keinerlei Konkurrenzkampf auf sondern wir freuen uns alle drei gleichermassen, wenn uns ein gutes Bild gelungen ist. Zwischendurch gebe ich immer wieder mal ein paar technische Tipps über das Bearbeiten, das Speichern, das Freimachen von Speicher etc. etc:, denn IT-mässig bin ich ja schon mit vielen Wassern gewaschen.

Es ist toll, wie wir drei gut miteinander auskommen – auch wenn wir ganz unterschiedliche Frauen sind. Aber jede mag der anderen das Glück gönnen und keine tut sich hervor. Wir haben total ähnliche Wertvorstellungen und so finden wir immer wieder einen Konsens und akzeptieren die Eigenart und Einzigartigkeit von jeder Einzelnen. Manchmal haben wir das Gefühl, dass wir schon ewig unterwegs seien und doch kriegen wir überhaupt nicht genug von den Game Drives. Jeden Tag machen wir mindestens zwei davon und mit Henry finden wir langsam aber sicher auch den richtigen Dreh. Er ist uns etwas zu strikt aber mit der Zeit wird er lockerer und gibt auch zu, dass er viel Spass hat mit uns. Auf jeden Fall hat er ein extremes Verantwortungsbewusstsein und will sicher sein, dass uns nichts zustösst. Zudem ist er ein ausgezeichneter Fahrer und führt uns durch Gräben und Feuchtgebiete und benutzt seinen 4×4 sehr geschickt.  Wir hatten also gegenseitig viel Glück.

Unsere Reise könnte noch lange weitergehen und wir sind wohl alle drei gleichermassen angefressen von einer Safari. Und noch ist sie nicht vorbei. Und noch lasse ich euch gerne mitreisen. 

*am 20. September habe ich von Elvira Wolfer (Bushtrucker-Tours) erfahren, dass Topis keine Gazellen sondern Antilopen sind – ich lerne nie aus – danke dafür Elvira!

#safariforlife #ilovesafaris

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5 Kommentare zu «Voyeure in der Maasai Mara»

  1. ganz stark! Erinnert mich sehr an meine Erlebnisse in den 70er-Jahren. Eigentlich hat sich nichts veränert, ausser die Foti-Ausrüstung! Weiterhin viele Erlebnisse, Ruedi

    1. Ja ich glaube, viel hat sich tatsächlich nicht geändert und unserer Fahrer/Guide hat heute gesagt: dir wird es Leid tun, dass du gehen musst – aber für die Tiere geht das Leben ganz normal weiter. Wir werden aber verändert nachhause gehen!

  2. Ich bekomme ihre Berichte via Barbara Hirt und bin begeistert. Packend und begeisternd sind ihre Beschreibungen und lösen auch Sehnsucht nach Afrika aus das ich mit Barbara 3mal bereiste.
    Vielen Dank für die glücklichen Momente die mir durch ihre Reiseberichte ausgelöst werden.
    Herzliche Grüsse Ernst mit lieben Grüssen auch an Susanne und Vreni

    1. Wir können uns sehr gerne duzen lieber Ernst. Ich habe ja schon viel von dir gehört. Ja, wer den Afrika-Virus hat, der wird ihn nie mehr los. Wir erleben eine ganz besondere Zeit und ich liebe es, wenn ich damit andere Menschen ebenfalls erfreuen kann Ganz liebe Grüsse zurück in die Schweiz!

  3. Liebe Barbara
    Mit grosser Spannung und Freude lese ich deine Reiseberichte und assoziiere sie mit eigenem Erlebten und Träumen. Afrika ist wohl dar vielfältigste Kontinent der Erde mit seiner überwältigenden Mensch-, Tier- und Pflanzenwelt.
    Es ist ein Genuss deine Artikel zu lesen. Vielen Dank dafür.
    Liebe Grüsse Ernst.

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