Let the Games begin

Dass mich mal jemand aus dem Schweizer Freundeskreis in meinem Marere Umfeld besucht hat mich extem gefreut. Ausser Olivia und Onkel Peter sind noch keine meiner Freundinnen und Freunde bis hierher durchgedrungen und das hat seine guten Gründe: es gibt in Marere quasi nichts zu sehen: keine Sehenswürdigkeiten, keine wilden Tiere, kein chillen auf der Terrasse mit einem Drink in der Hand. Und meistens ist es in Marere einfach zu heiss. Marere – so sage ich immer – ist „hardship“… Nicht, dass ich dazu geboren wäre aber wenn ich meinen Mann sehen möchte, dann muss ich es auch auf mich nehmen, einen Teil meines Lebens hier zu verbringen. Ihr habt das ja zum Teil als treue Blogleser:innen mitverfolgt. Ich komme hier immer einmal während meines Aufenthaltes an einen Punkt, an dem ich am liebsten alles hinschmeissen würde – das passiert mal schneller und mal weniger schnell. Dass es vor den Wahlen wohl etwas schneller passieren könnte war mir bewusst und daher war meine Entscheidung genau zu diesem Zeitpunkt auf die Safari zu gehen ein sehr überlegte. Auf der Safari ist es mir sehr gut gelungen abzuschalten und mich einfach über die Schönheit der Tierwelt und der Landschaft zu erfreuen. Ich wäre wahrscheinlich schon durchgedreht wenn ich in Marere geblieben wäre und mit dieser gemeinsamen Reise habe ich die schönste Safari meines Lebens gehabt während mein Mann wie ein Irrer auf und ab und hin und hergerannt und gefahren ist. Ich habe immer nur mitgekriegt, wenn z.B. drei Schrauben bei einem Pneu locker waren und er etwas reparieren oder für etwas bezahlen musste, wofür ihm das Cash fehlte.

Im Vorfeld musste ich meinen Freundinnen nochmals die Sitten von Marere erklären, da sie beide keine Zeit gehabt hatten meine Marere-Infos zu lesen: keine nackten Beine – egal ob mit Hose oder mit Rock. Aber ich weiss ja, dass die beiden nur kurz bleiben und so leihe ich Susanne einen Kanga aus, den sie sich hübsch um die Hüften wickelt. Sie versteht die Regel wohl nicht so ganz aber sie fügt sich dem Schicksal. Und sie ist bereits in die Mijikenda Community aufgenommen mit dem Kishutu Stoff!

Ich hatte aber immerhin einen Tag, an dem ich meinen Freundinnen mein Umfeld zeigen konnte. Das Juhudi Projekt, das jetzt vor der Wahl entscheidend ist. Der MP von Ganze hat – nachdem wir das Plakat mit unseren Einsätzen aufgestellt hatten – auch gleich ein noch grösseres Plakat gemacht und es noch näher an den Strassenrand gestellt um zu zeigen: ich bin hier der Boss. Das tut aber unserer Hilfe keinen Abstrich und das wird auch das Letzte sein, was er für die nächsten 5 Jahre (sollte der abscheuliche Typ noch einmal gewählt werden) machen wird für Jaribuni. Denn er ist von einem anderen Stamm und er bekämpft Peter aufs Blut. Das es dieses Mal immerhin den Schüler:innen von Juhudi zugute kommt hat wenigstens einen positiven Nebeneffekt…

Da ich ja jetzt auch mit dem grossen Toyota Landcruiser unterwegs bin habe ich den beiden mein Kilifi gezeigt. Allerdings hat die Fahrt damit angefangen, dass das hintere Fenster rechts sich nicht mehr raufdrehen liess. Peter hat jemanden angerufen und wir sollten ihn im Naivas Shopping Center (dem einzigen in Kilifi) treffen. Er war sofort zur Stelle und wir begannen damit, die Einkäufe für die nächsten Tage zu machen. Dieser Naivas ist schon ein Segen und man kriegt echt fast alles, was man für den täglichen Gebrauch benötigt, auch wenn es in Mombasa noch viel grössere solcher Shopping Centers gibt. 

Naivas in Kilifi

Danach haben wir uns am ATM mit Bargeld eingedeckt und dann bei der Marktfrau meines Vertrauens einen riesen Sack Gemüse und Früchte für nicht einmal CHF 20 gekauft.

Dann ging es an den schönen und schneeweissen Kilifi Strand beim Kilifi Bay, wo es immer schön windet und kühl ist. 

Das sind effektiv die schönen Seiten von Kilifi und deshalb habe ich mich ja vor einigen Monaten schon entschieden, dass ich gerne meine Zeit in Kenia im Haus von Peter in Kilifi verbringen möchte. Allerdings gibt es noch viel zu reparieren aber ich finde es immer spannend, wenn Schweizer Freunde und Freundinnen sich das Haus ansehen. Wir drei sind uns einig: das ist das Haus, das ich wunderbar renovieren und einrichten kann. Mit den 2 Stockwerken kann man es sich auch so einrichten, dass wir nur den unteren Teil bewohnen würden.

Wir schmieden Pläne, wie es dann aussehen wird und wie ich hier Freunde einladen kann um eine Zeit zu Besuch zu kommen. Susanne und Vreni bearbeiten später dann auch noch Peter, dass er doch endlich Land verkaufen soll damit wir hier ein schönes Leben haben können. Die Wahlen vom 9. August werden für uns entscheidend sein: verliert Peter die Wahl, wird er in die Schweiz kommen und nur noch ab und zu nach Kenia reisen und gewinnt er die Wahl, dann werde ich bestimmt während 6 Monaten in Kenia leben – aber natürlich nur, wenn ich auch ein entsprechend schönes Zuhause habe. Das ist mindestens das, was wir zusammen besprochen haben. Marere war eine Zwischenlösung und ich bin ganz froh, wenn diese bald vorbei ist, denn es ist einfach zuviel zu provisorisch, auch wenn es mir gelungen ist, alles mit einfachen Mitteln einigermassen schön einzurichten. Aber die Küche im Esszimmer zu haben ohne Wasser und dauernd Leute zu haben, die das Zeichen „private“ nicht verstehen ist mir einfach zu anstrengend. Allerdings wird auch das Haus in Kiwandani die Aussicht von meinem Büro nicht schlagen. Aber nochmals neu bauen wollen wir beide nicht, auch wenn ich immer wieder das komische Gefühl habe, dass mich Peter plötzlich mit einem neuen Haus überraschen möchte. Aber solche Überraschungen möchte ich eigentlich nicht mehr in diesem Leben…

Am Abend machen wir dann noch meine übliche Runde bis zum Baobab Baum und retour und begrüssen alle Nachbarn, die natürlich an den neuen Muzungus interessiert sind und auch Nyanya (Grossmutter) Blabla = Barbara.

Mein Mann ist eine Wundertüte – wir werden sehen, ob sich mein und unser Leben übermorgen entscheidend ändern wird. Ihr könnt gerne mitfiebern. Ich werde euch via WhatsApp und meine Facebook Story auf dem Laufenden halten. Let the games begin! Meine Wunschentscheidung:

Präsident: William Samoei Ruto

Member of Parliament Ganze: Kenneth Kazungu „Tungule“

Member of County Assembly Jaribuni: Peter Safari Shehe

Nach einer Nacht ohne jeglichen Schlaf weil die politiserenden Kenianer einen Heidenlärm machten vor unseren Zimmern haben Susanne und Vreni entschlossen, dass sie schon einen Tag früher nach Mombasa fahren und ich kann sie verstehen. Auch mir ist etwas mulmig zumute wenn ich an die nächste Nacht denke.

Peter war nicht einmal im Bett und ich schreibe diese Zeilen um 22.00 Uhr und er hat noch kein Auge zugemacht und noch nichts gegessen. Auch weil ich mich nicht dazu berufen fühle eine halbe Kuh zu kochen. Darum müssen sich echt andere Leute kümmern. Ich mache, was ich am besten kann: schreiben damit ihr mit dabei sein könnt. Und nicht vergessen ab 06.00 Uhr (in der Schweiz 05.00 Uhr) Daumen drücken bis am Abend…

P.S. Bereits kommen Meldungen rein, dass es Probleme gibt: in gewissen Regionen wurden die Wahlzettel verwechselt und es erscheinen Kandidaten, die gar nicht mehr gewählt werden können… das kann ja heiter werden…

#electionkenya2022 #letthegamesbegin #futurelife

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1 Kommentar zu «Let the Games begin»

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