Eine Krankheit taucht wieder auf

Nachdem ich euch mit der Ungewissheit hängen liess, ob es jetzt klappen wird mit der Wohnungsvermietung in Nairobi hier ein bisschen Hintergrundinfo.

Weshalb unsere grosse Wohnung in den letzten 5 Jahren seit Peter’s Abwahl kein Geld eingebracht hat möchte ich hier nicht erläutern – ich kann nur sagen, dass mir fast die Galle hochkommt, weil es nämlich ganz nahe mit einem groben Fehlverhalten von Familienmitgliedern zu tun hat. Aber ich möchte hier ja keine dreckige Wäsche waschen und daher gebe ich dir gerne Auskunft wenn du mich persönlich fragst aber ich werde es nicht breitschlagen. Ich möchte einfach, dass ihr versteht, warum ich so halb aufgeregt war, als Peter mir sagte: ich glaube, wir haben jemanden gefunden, der unsere Wohnung mietet in Nairobi. Nur halb aufgeregt, weil vor etwa 3 Monaten schon mal dasselbe passiert war. Peter‘s Sohn Paul hatte die Wohnung mal möbliert vermieten wollen – er versprach sich einen besseren Erfolg. Er hatte auch beigesteuert um die Verwüstung durch Termiten und die letzten Mieter/Wohnungsbesetzer auszubessern. Es hiess dann plötzlich: wir haben einen Mieter, der bezahlt sogar doppelt so viel wie wir erwarten. Plötzlich tauchte also der zahlfreudige Mieter auf aber er wollte die Wohnung leer haben und so habe ich ganz kurzfristig für den Transport der Möbel und das Einstellen in deiner Lagerhalle wie auch für die Reinigung einen ziemlich Batzen investiert. Dafür wurde mir dann von Peter auch das erste Deposit versprochen. Es ist hier üblich, dass ein Mieter 2 Monate als Deposit bezahlt (Kündigungsfrist ist auch 2 Monate) und die eine Miete im Voraus – ganz ähnlich wie bei uns. Nur leider ist der ominöse Mieter dann doch nicht aufgetaucht und ich blieb etwas hässig auf meinen Auslagen sitzen.

Also war ich dieses Mal verhalten aufgeregt, denn auch Paul war es nicht gelungen, in den letzten Jahren die Wohnung erfolgreich zu vermieten und von seiner Idee mit dem Air B&B war ich nicht so begeistert, weil das ja auch bedeutet, dass man jemanden haben muss, der dann immer die Schlüsselübergabe machte. Paul meinte zwar, diese Person müsste man finden. Aber es hat natürlich auch damit zu tun, dass Peter Nairobi gar nicht mag und daher auch nicht ab und zu hinreisen möchte um nach dem Rechten zu schauen.  Zu der Air B&B Idee kommt noch dazu, dass ich schon oft gehört habe, dass manchmal Parties von Air B&B Mietern ziemlich ausarten. Und mit Ruhestörungen der oben angedeuteten Personen hatten wir uns bereits schon zur Genüge rumgeschlagen.

Aber der Agent – er heisst auch Paul, nennen wir ihn „den Agenten“ – klang wirklich voll überzeugt. Er wollte noch verhandeln, da wir einen höheren Preis gesagt haben und anscheinend war der Mieter einverstanden. Ich gab Peter im Hintergrund schon Zeichen, dass wir auch etwas entgegenkommen könnten aber Peter wollte hart bleiben. Sein Betrag oder gar nicht. Der Agent meinte, dass er zurückrufen würde. Das tat er auch und schickte dann auch gleich noch den Mietvertrag mit Passnummer der neuen Mieter aus dem und natürlich auch seine Vereinbarung für die Kommission, die hier immer einen Monatslohn beträgt – was total üblich und für mich auch ok ist. Aus den Zeiten in Paris weiss ich, dass es noch viel mehr sein kann, wenn die Wohnungssituation noch krasser ist. Das ist sie eben in Nairobi nicht mehr, seit die Chinesen Apartmenthäuser aus dem Boden gestampft haben und daher hatte ich manchmal auch meine Bedenken, dass wir die Wohnung je vermieten werden können. Peter und sein Sohn Paul haben schon davon gesprochen, diese grosse Wohnung zu verkaufen und eher eine oder zwei kleinere zu kaufen. Aber an einem solchen Unterfangen muss man wirklich dranbleiben, vielleicht auch mal nach Nairobi reisen und die Lage auschecken, Vergleiche machen etc. Und vielleicht wisst ihr das: Peter hasst Nairobi und meidet die Stadt wie der Teufel das Weihwasser. 

So diskutierte er auch mit dem Agenten Paul, wie wir es denn wohl machen könnten, denn er sei momentan sehr engagiert mit den Vorbereitungen für die Amtsübernahme und er habe auch nicht das Geld nach Nairobi zu kommen. Im Hintergrund hielt ich die Hand hoch: ich könnte das doch machen… und da blitzten Peter‘s Augen auf und zwei Stunden später hatte ich schon den Auftrag gefasst, nach Nairobi zu gehen und mit einem unterschriebenen Vertrag retour zu kommen. Bei Nacht und Nebel druckte ich den Vertrag aus, Peter unterschrieb ihn und die Auszahlung für den Agenten. Er kriegt eine Monatsmiete.

Ich machte mal ein paar Überlegungen, wie ich reisen möchte und wie lange ich bleiben möchte. Ich hätte natürlich problemlos ein paar Tage bleiben können, denn ich mag Nairobi ja sehr und ich hätte auch noch ein paar Bekannte, die ich hätte besuchen können aber man sprach schon darüber, dass bald der Governor seine Siegesfeier halten würde und so plante ich mal mit einer Nacht. Ich hatte als Erstes das Ziel, den Vertrag zu unterschreiben und als Zweites hatte ich noch ein paar Shopping-Ideen. Vor allem wollte ich in meinen Lieblings-Geschenkladen Bananabox um ein paar Geschenke zu kaufen. Es stellte sich heraus, dass es einen praktischen Flug von Malindi nach Nairobi gab um 08.50 und dass wir somit das Meeting auf 12.00 Uhr ansetzen konnten. Malindi ist der bevorzugte Flughafen, weil man damit jeglichen Mombasa Verkehr umgehen können. Dann buchte ich eine Nacht im Jacaranda Hotel. Es hat einen vernünftigen Preis, weil es nicht gerade super modern ist und für mich entscheidend: weil es genau nebem dem Sarit Shopping Center Saritcity liegt. Und genau dort drin soll es einen BananaBox Laden geben… ich konnte mich sogar noch erinnern, wo er sich befand… Gleich gegenüber vom Kaffeeladen…

Peter brachte mich zum Flughafen, die Leute von Jambojet waren so sympathisch wie immer und weil ich noch so früh dran war konnte ich mir sogar noch einen feinen Capuccino und ein Croissant gönnen (ein grosser Vorteil, weil die Italiener Malindi besetzt haben: du kriegst richtig guten Kaffee und Essen…) und ich sah auch einen Laden wieder, den ich noch im Kopf hatte seit dem letzten Flug: Seifen, Öle etc. aus natürlich Zutaten aus der Gegend: Moringa, Neem, Baobab: lauter Dinge, die wir in Jaribuni mal herstellen könnten. Ich nahm also ein paar Beispiele von Seifen mit. Diese Firma produziert in Lamu, das nicht allzu weit von uns entfernt liegt aber es wäre eine Geschäftsidee für Jaribuni. Natürlich Seifen direkt aus Kenia…

Alles klappte bestens, ich installierte mir die Uber App neu und am Flughafen Nairobi angelte ich bereits ein Uber Taxi. Über die neue Expressway (für KES 300 = CHF 3) ist man in no time downtown. Ich war also schon um 11.00 Uhr in der Nähe des Apartements – 1 Stunde zu früh… das ging natürlich nicht, also machte ich schon mal den ersten Abstecher in das Junction Shopping Center aber oh wie schade, hier war der Laden nicht mehr, den ich gesucht hatte. Aber ich kaufte mir endlich die traditionellen BATA Schuhe (made in Kenia), die zu einer Safari gehören und dann entdeckte ich einen besonders originellen Laden, der ganz coole Sweatshirts, Hausschuhe und Dinge mit lokalem Stoff kombiniert mit modernen Materialen macht und in Kibera, dem berühmtesten Slum Kenias produziert. Die Verkäuferin war ein Goldschatz und sie war total erfreut, dass ich ihre Dinge so super fand. Um 10 vor 12 war ich dann in der Wohnung, an die mich doch sehr viele Erinnerungen banden. Fred, unser Sanitärler war auch vor Ort, denn er hatte wieder ein paar Möbel in die Wohnung transportiert… keine Ahnung warum… (als er später Geld dafür wollte, sie wieder ins Lager zu transportieren fragte ich ihn, ob er das wirklich im ernst meine und verweigerte, dafür zu zahlen…)

Praktischer und günstiger Transport mit Uber

Ich traf den Agenten und sah dann auch eine Frau, die aus Süd Sudan sein könnte wie es auf dem Vertrag hiess. Sie hatte aber noch einen Übersetzer dabei, einen kleinen pushy Typen und auch noch eine Madame, die sich ebenso aufführte. Ich bat sie alle, sich mal hinzusetzen und schon begann ein Geschrei: also: wie ist der Preis – wir bezahlen nur xxx  (KES 20’000 = CHF 200 weniger als vereinbart…) Ich war erstaunt und fragte, wie sie auf diesen Betrag kämen, denn der Vertrag war wie telefonisch mit dem Agenten vereinbart ausgestellt… Was jetzt begann war ein langer Prozess und eine Lektion Verhandlungstechnik. Nur gut, dass ich das jahrelang gemacht und gelernt hatte. Es ging zuerst einmal drum, die Leute zu beruhigen, sie zum Hinsetzen zu bewegen. Sie liefen schon wieder raus, verwarfen die Hände und meinten, dass wir es gleich vergessen können. Es folgte ein langes Hin und Her. Innerlich zitterte ich: das kann ja jetzt wohl nicht sein, dass ich den ganzen Weg mache, in Nairobi übernachte und unverrichteter Dinge wieder zurück gehe. Ich mache es kurz: es gelang mir, den Mietpreis reduziert festzulegen und die Service Charge werden sie selber bezahlen müssen. Ich drückte auch ein bisschen auf die Emotionendrüse und sagte, dass ich doch auch noch emotional an der Wohnung hangen würde und dass es mir wichtig sei, dass jemand glücklich sei in der Wohnung, wie ich es auch gewesen sei… Ich glaube das Entscheidende war dann auch, dass die Frau, die 6 Kinder hat, ein paar davon in die Schule schickt, die gleich hinter unserer Wohnung liegt. Das wird ihnen auch viele Auslagen ersparen, weil die Kinder zu Fuss zur Schule gehen können. Ich wusste, dass Peter nicht besonders erfreut sein würde aber ich fand: lieber günstiger vermietet als gar nicht. Und jetzt konnte ich auch meinen Puls wieder etwas beruhigen, denn ich hatte echt Bedenken, dass ich unverrichteteter Dinge wieder retour reisen müsse und der ganze Prozess wieder von vorne begann.

Mein Puls schnellte aber nochmals in die Höhe als ich das Inventar machen musste. Diese Wohnung hat ja etwa 6 Duschen/WC. In jedem Zimmer eine, dann eine im Gäste WC und noch eine im Servant Quarter. Alle waren ausser Betrieb und in einem grauenhaften Zustand. Teilweise sah es aus, als seien sie direkt herausgerissen worden. Zudem fehlten alle Schlüssel… Mit Fred machte ich eine Auflistung, was noch alles repariert und ersetzt werden müsse und ich sage nur: die Liste war lang und teuer und mein Ärger über die ganze Geschichte sehr gross. Das Positive an den ganzen Auslagen war dann aber, dass der neue Mieter das Geld für die 3 Mieten bereits überwiesen hatte bevor ich überhaupt weiterreisen konnte. Das ist doch immerhin mal etwas sehr Positives.

Ich telefonierte dann kurz mit Peter und begann, ihn auf die reduzierte Miete vorzubereiten, denn bei der Banküberweisung würde er es ja spätestens sehen. Er war so beschäftigt, dass er sich gar nicht aufregen konnte und er schlug vor, dass ich doch den Mechaniker, der unser Auto restauriert besuchen solle, damit ich sehe wo er arbeitet. Ich sah den Grund dafür nicht wirklich ein aber dann fand ich, dass es noch spannend sein könnte und der Workshop war ja in der Nähe. Mit dem nächsten Uber war ich also bald bei Geoffrey und der freute sich wie ein kleines Kind über mein Interesse an seiner Arbeit. Voller Stolz zeigte er mir sein Büro und wie er arbeitet. Ich musste immer wieder an die Serie „Jobtausch“ denken, die in Kenia stattfand (findest du noch auf Youtube oder auf SRF). Der Besuch wurde dann nicht in die Länge gezogen und ich checkte bald im Hotel ein und machte zuerst mal einen Power Nap. Die ganze Geschichte hatte mich recht geschafft. Mir wurde gesagt, dass die Läden in der SaritCity bis 9 Uhr abends offen haben und so zog ich um halb 7 los für meine erste Shoppingrunde. Das Praktische an diesem Hotel war, dass es sozusagen an das Shopping Center grenzte und es so auch spät abends nicht gefährlich war, aus dem Center zu kommen. Allerdings musste ich beim Staff Eingang läuten, denn der offizielle Eingang schloss bereits um 19.00 Uhr.Den Rückflug Nairobi-Malindi buchte ich für den nächsten Tag auf 17.20 h. Somit konnte ich noch eine weitere Shoppingrunde einlegen, falls ich nicht alles finden würde.

So zuverlässig war die Info mit 9 Uhr schliessen nicht, denn jeder Laden macht, was er will und so stiess ich meine Nase an einigen Läden an. In der Zwischenzeit hatte ich mit Peter gesprochen und er bestätigte, dass Mung‘aro seine Feier am Donnerstag abhalten werde und wir zu den Guest of Honor gehören werden = ich brauchte ein Kleid. Also ich brauchte nicht wirklich eins aber ich wollte eins… Ich erspare euch die Details meines Shoppingfiebers und sage nur so viel: ich musste noch einen zusätzlichen Koffer kaufen, sonst hätte ich die Dinge nicht nach Malindi transportieren können… Aber eine Anekdote aus dem grossen Carrefour Laden, in dem ich die Art Kleid entdeckt habe, die ich für die Wahlfeier des Governors wollte: es gabe leider keine Ankleidekabine und nicht einmal einen Spiegel. So zog ich mich einfach im Laden um und bat die Verkäuferin, Fotos von mir zu machen. Ich konnte mich aber nicht entscheiden und weil der Preis so günstig war kaufte ich halt beide Kleider… Es kommt ja bestimmt bald wieder mal eine andere Gelegenheit.

Ich war absolut begeistert darüber, wie sich Nairobi verändert hat: coole Restaurants in diesem Center, Läden mit Kleidern und Haushaltsgegenständen mit der Schweiz vergleichbar und ein Carrefour, in dem ich sogar das Kleid, den Koffer und einige andere Dinge fand…

Ganz am Schluss sah ich sogar noch Lampenschirme, die ich schon so lange gesucht hatte für unser Esszimmer, wo immer noch die puren Glühbirnen an der Wand sind. Der Lampenladen war echt umwerfend und ich war in Gedanken schon an der Planung der Einrichtung meines neuen Hauses – wo immer das dann in Zukunft sein wird. Ich werde bestimmt einen Trip nach Nairobi machen müssen und einen Container füllen – oder so… Ich handelte einen guten Preis aus für die Lampenschirme, die ich sonst in der Schweiz in der IKEA gekauft hätte. Das Blöde war, dass die Dinger etwas gstabig waren und ich dafür noch eine zusätzliche kleine Tasche brauchte.

Weil ich auf meinem Flug von Nairobi nach Malindi etwas abgelenkt war (ich sass neben einer Familie, die in den USA lebt und jetzt ebenfalls zu Mung‘aros Feier kam) und so passierte es: ich vergass genau die Tasche in der Gepäckablage über mir und merkte es erst, als wir in Marere ankamen. Aber ich sah vor meinem geistigen Auge, wo die Tasche eben noch lag…

Ich fragte Enrico, ob er mal beim CallCenter nachfragen könne, was es da zu tun gäbe – in Swahili ist das schon noch einfacher als in Englisch und er gab mir eine E-Mail Adresse von Jambojet an. Ich war beim E-Mail schreiben etwa so zuversichtlich wie als ich das letzte Mal bei der SBB eine Vermisstmeldung aufgegeben habe.

Aber oh Wunder: am nächsten Tag um 06.00 Uhr erhielt ich schon ein Telefon, dass die Tasche gefunden sei und ich sie abholen könne oder jemand mit meinem Pass vorbei schicken könne. Wow – das hätte ich gerade in Kenia echt nie erwartet… Diese Prozedur wird natürlich den Preis der Lampenschirme (den ich doch extra noch runtergedrückt habe) in die Höhe treiben aber echt: das haut mich jetzt wirklich um. Und dass ich um 06.00 Uhr bereits wach war hat natürlich damit zu tun, dass heute die grosse Wahlfeier vom Governor Munga‘ro über die Bühne geht… Bestimmt werde ich die Leute aus dem Flugzeug wieder treffen, es werden ja höchstens 10‘000 Leute vor Ort sein…

#shoppingfieber #shoppinginnairobi #apartmentvertrag

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