New Home Teil 1

Ihr könnt euch vorstellen, dass es nicht lange ging und ich auf meine „Mission“ zu sprechen kam: wo werden wir in Zukunft wohnen? Wir haben diverse Optionen aber keine davon passt uns beiden zu 100% und ich habe Peter verboten, mich mit neuen Möglichkeiten zu überraschen. Zuerst müssen wir ja auch eine Auslegeordnung des neuen Lebens machen. Dreimal die Woche muss Peter von Marere nach Malindi, um dort in der County Assembly zu arbeiten. Die restliche Zeit ist er an irgendeinem Seminar oder in der Gegend von Jaribuni unterwegs auf den Holperstrassen.

Marere in Jaribuni ist seine jetzige Heimat, in Kilifi hat er das Haus, das er damals mit seiner Schweizer Partnerin gebaut hat und zweimal hat er noch Land gekauft, das meiner Meinung nach vollkommen ungeeignet ist für eine Altersresidenz. Denn davon sprechen wir: ein Ort, der bequem und praktisch ist aufs „Alter“, d.h. auch bequem zu erreichen und möglichst flach ohne hohe Treppen, die zu besteigen sind.

In den letzten Jahren hat mich Peter immer mal wieder überrascht mit Landkauf (an den ich sogar teilweise noch selber beisteuern „musste“) an Orten, die nicht gerade optimal sind. Und so sieht die Situation an den diversen Orten aus:

Marere: 2 Räume mitten im College ohne Küche und ohne jegliche Privatsphäre. Da heisst, die Küche ist eigentlich im Wohnzimmer. Alle kommen vorbei, alle wollen grüssen und ich kann keinen Schritt machen ohne beobachtet zu sein. Die Räume sind falsch gebaut und daher stickig und heiss ohne Durchzug. Zudem ist es ziemlich dunkel und ich kann mich nicht frei bewegen. Für mich nur eine temporäre Lösung. Vom Herzen her aber irgendwie „unser Ort“.

Kilifi: Ein tolles Haus, in dem aber noch Bäder und Küche neu eingebaut werden müssen. Es hat keine Aussicht, ist aber nur etwa 2 Kilometer vom Meer entfernt. Das Sommerhaus und der ganze Garten sind momentan untervermietet und Dennis hat dort ein Restaurant und einen Kinderspielplatz angefangen und einiges an Bauarbeiten wie Toiletten, Zaun etc. gemacht. Dafür bezahlt er monatlich auch einen schönen Betrag und seit Covid vorbei ist macht er es auch regelmässig. Unmittelbar neben dem Grundstück hat Peter seinen Kindern Land geschenkt. Den Muhezzin hört man dort fünf Mal am Tag laut.

Takaungu: Land direkt an den Klippen. Kein Strand, noch keinerlei Infrastruktur. Strasse zum Grundstück ist sehr holprig. Und Permanentwind vom Indischen Ozean.

Kibokoni: das Wort alleine bedeutet irgendwie am Arsch vom Hippo und dort liegt es auch. Zwar auf einer Anhöhe mit wunderschöner Sicht auf den Kilifi Creek. Aber keine Strasse, keine Elektrizität, kein Wasser, keine sauberen Papiere für das Grundstück…

Meine Idee im Kopf ist, dass wir das Haus in Kilifi Kiwandani renovieren und dann sehen, auf wieviele Monate heraus wir dem Menschen kündigen können, der jetzt das Restaurant und damit auch seinen Lebensverdienst dort hat. Aber Peter hatte bisher hundert Gründe, weshalb er dort nicht leben will. Es hat sicher auch damit zu tun, dass er jemandem kündigen muss, dass dieser somit das Einkommen nicht mehr hat etc. Etc. Aber irgendwann ist er auch herausgerückt, dass er nicht in der Nähe von seiner ex-Frau sein will, die auch in Kilifi wohnt und ständig noch versucht durch seine Kinder negativen Einfluss auf ihn zu nehmen. Auch den Fakt, dass seine Kinder gleich nebenan etwas bauen sieht er als negativ an. Es ist recht vertrackt und ich kann nicht in sein Hirn sehen und wirklich wissen, wo das Problem liegt aber teilweise kann ich es verstehen.

Aber aus all diesen Diskussionen ist wieder eine Idee entstanden, die ich bereits vor 10 Jahren geäussert hatte. Bei unserem Land wo das Marere College steht hat es ganz vorne an der Grenze wunderschöne Baobab Bäume (meine Lieblingsbäume) und von dort sieht man bis nach Kilifi und ans Meer runter.

Dort konnte ich mir schon immer vorstellen zu wohnen und jetzt kommt Peter mit der Idee, dass wir dort ein Haus bauen. Zugegeben, es klingt verlockend ein Haus zu designen, das genau meinen Vorstellungen und Ansprüchen entspricht. Bedenken kommen auf wenn ich an den Bau, Ausbau, Details etc. denke und auch an das Geld, das es kosten wird. Aber dann muss ich auch zugeben, dass mein Herz am meisten für die Gegend von Marere schlägt und ich dieses Bild vom Haus beim Baobab Baum schon lange in mir herumtrage. Nachdem mir heute die Ex-Frau von Peter in einem Tuk Tuk begegnet ist dachte ich mir auch: Kilifi ist hübsch aber hat halt auch eine alte Geschichte und viel Lärm (manchmal um nichts).     

No.Place+
1TakaunguMeerWind, schlechte Strasse, kein Wasser, keine Elektrizität
2KibokoniAussichtWeit weg von allem, keinerlei Infrastruktur
3KiwandaniBereits gebaut (stabil), Meer nicht weit entfernt, alles in der NäheTeil davon vermietet, Muhezin in der Nähe (lärmig), Familie nimmt Einfluss
4Marere BaobabNach Wunsch bauen, Aussicht, Ruhe, luftig1/2 Stunde von Kilifi entfernt – abseits

Die meisten von euch kennen die Gegend hier nicht und daher habe ich hier eine Karte eingefügt, die in etwa die Distanzen und Orte aufzeigen.

Ich war auf jeden Fall froh, dass Peter einigermassen relaxed war und auch bereit, über solche Dinge zu diskutieren. Ich wusste ja nicht genau, welchen Peter ich antreffen würde: den supergestressten, der keine Sekunde für mich frei hat, den vollkommen relaxten, dem alles egal ist (gibt es nicht wirklich…)

Ich finde es auch total sinnlos, dass Peter jeden Tag diese 1 1/2 Stunden nach Malindi und zurück fährt. Sein Sohn hätte ja eigentlich die perfekte Wohnung für ihn aber leider kann man mit ihm nicht verhandeln bzw. man weiss nie, woran man ist. Einige von euch mögen sich vielleicht noch an die Nairobi-Wohnungs-Story erinnern. Diese Möglichkeit fällt also weg und auch sonst haben wir nicht die grosse Verbindung zu Malindi. Oder mindestens dachte ich so. Bis Peter meinte: ich habe auch noch Land hier in Malindi, denn meine Familie kommt ursprünglich von hier. Oh wow – das wusste ich so noch nicht. Lass uns das Land anschauen. Und das war dann auch unsere Abendbeschäftigung. Wir fuhren Inland (ja leider nicht Richtung Meer) und fuhren und fuhren und fuhren. Ok, für mich war schon klar: ein Ort der mehr als 30 Minuten von Malindi entfernt ist, kann ja auch nicht die gute Lösung sein und als ich das Land sah war mir noch klarer: hier draussen inmitten der Pflanzfelder wird Peter keine Wohnung aufstellen, in der er übernachten kann – oder noch extremer: in der ich auf ihn warten würde… Es war zwar total herzig, wie sehr sich sein „Cousin Brother“ – das ist ein sehr naher Verwandter freute über unseren Besuch. Sei dem Tod seiner Frau lebt er mausbeinalleine hier draussen und bewirtschaftet für jemanden einen Pflanzblätz.

Das ist dann auch wirklich alles, was man hier machen kann: Gemüse und Früchte anpflanzen, also eine sogenannte „Shamba“ haben. Das ist sicher keine schlechte Idee aber das hilft uns jetzt grad nicht weiter. Wir kriegten noch 2 riesige Papayas geschenkt und fuhren retour nach Malindi um in einem bekannten Restaurant noch gemeinsam zu essen.

Jetzt habt auch ihr die neue Auslegeordnung (ausser ich weiss auch noch nicht alles…) zum Grund, weshalb ich dieses Mal für drei Monate hier bin: ich will herausfinden, wo es für mich stimmt, wo ich die Zelte oder eben lieber die Steine aufschlagen möchte für die nächsten Jahre. Meine 2 Kriterien aus der Schweiz gelten immer noch: Aussicht in die Ferne und Ruhe. Ich bin gespannt, ob ihr kommentiert, wie das alles für euch so rüberkommt…

Und ihr könnt sicher sein: die weiteren Teile der Geschichte folgen…

#homeiswhereyourheartis 

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9 Kommentare zu «New Home Teil 1»

  1. Danke, Barbara, nimmst du mich wieder mit nach Afrika.
    Ihr seid auf gutem Weg! Es kommt, wie es muss!
    Ich freue mich auf euren Weg!
    Ursula

  2. Baobab in Marere halt sehr abgelegen und einsam. Höchstens ein Stresserholungsort am Weekend.
    Für Euch wäre eine urbanere Gegend sicher vorteilhafter
    Beste Grüsse Markus&Christiane 😘😘

    1. Stimmt schon und schon meine Grossmutter hat gesagt, sie würde am liebsten mitten in einer Stadt leben… Im „Alter“ sollte man sich ja nicht mehr vom Stress erholen müssen. Aber so wie ich meinen Mann (und mich) kenne werden wir nie ganz aufhören zu arbeiten…

  3. Liebe Barbara
    Marere bei den Baobab Bäumen klingt wirklich verlockend romantisch wie in jenseits von Afrika, allerdings die 1.5 Stunden pro Strecke nach Malindi sind staubig, unromantisch . Ich meine ihr werdet im Dialog Euren Ort finden. Zweifellos. Herzlicher Gruss🙋🏻😘🍀eva

  4. Tja, wer die Wahl hat die Qual? Oder deinem Fall wähle das kleiner «Übel»… 😉
    Also für mich kämme Option3 niemals in Frage, weil immer das Negative über das Positive überwiegt…
    Vielleicht ist einfach das Richtige nicht erschienen? Für mich wäre es wichtig da zu stehen und zu sagen, da fühle ich mich Wohl, dass ist der richtige Traumort. Dann sind die negativen Einflüsse egal 🙂

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