Jamhuri Day in Juhudi

„Du, wir werden am 12. Dezember die Einweihung von Juhudi machen“ hatte mir Peter schon vor einem Monat per WhatsApp gesagt. Ja klar, das passt – wird alles fertig sein? Ja, der grösste Teil schon. Und zwar sprach er von einem unserer grössten Projekte, das wir bisher durchgezogen haben mit Pro Ganze. Aber ich schmücke mich nicht mit fremden Federn, denn in diesem Projekt waren diverse NGOs involviert. Ich hatte das Glück, von einem Hilfswerk in der Schweiz einen substantiellen Betrag zu erhalten. Dieses NGO unterstützt Kinder, die in Not sind. Sie bezahlen aber immer nur die Hälfte der Projektkosten. Die andere Hälfte muss entweder von anderen Sponsoren oder aber von der Bevölkerung bestritten werden. Dass hier die Bevölkerung so viel Geld aufbringt ist ein Ding der Unmöglichkeit aber wir konnten uns mit verschiedenen anderen Hilfswerken zusammen tun und Peter Wieser, der früher auch bei Pro Ganze mitgewirkt hat, und jetzt sein eigenes Hilfswerk hat, erklärte sich bereit, die Bauführung zu übernehmen. So wurden in kürzester Zeit eine Umzäunung der ganzen Juhudi Schule inkl. Eingangstor gebaut und dann mit lokalen Handwerkern 5 neue, erdebebensichere Schulzimmer, 16 Toiletten und auch noch eine Wasseraufbereitungsanlage, wie wir sie ebenfalls von Aqua Pura in Marere geniessen gebaut. Den grössten Teil des Geldes hat aber WatSanAid beigetragen, ein Hilfswerk, das sich für bessere hygenische Bedinungen einsetzt. Dahinter steht Peter Preisig mit seinem grossen Sanitär-Unternehmen in der Schweiz.

Mit gemeinsamem Effort konnte in wenigen Monaten fertiggestellt werden, was dringend notwendig war. Auf die extremen Missstände in Juhudi wurden wir einerseits durch Lisa, eine angehende Primarlehrerin an der FHNW aufmerksam. Sie war im letzten Januar an der Juhudi Schule und sie gestand uns, dass sie lieber nichts trinke am Morgen und während des Tages, damit sie nicht vor Ort zur Toilette gehen müsse, so prekär waren die Bedingungen. Und als wir dann bei der Übergabe der 100 Pulte, die wir für Juhudi bauen konnten (wahrscheinlich auch mit deiner Hilfe) in Juhudi waren stand eine gewisse Latifa vor mich hin und sagte: vielen Dank für die 100 Pulte – jetzt müssen wir nicht mehr am Boden sitzen und uns von den Jiggers (hässliche Würmer, die sich in die Zehen fressen) maltraitieren lassen, aber… und dann folgte eine ganze Litanei an Dingen, die schlecht seien an dieser Schule. Ich war etwas schockiert, da ich ja nur Lob und Dank erwartetet aber als ich hörte, wie schlecht die Bedingungen sind versprach ich Latifa, dass ich zurück in die Schweiz gehen würde und Hilfe suche.

Aber Hilfe suchen ist momentan ein hartes Pflaster – auch in der Schweiz. So viele Leute haben selber Angst, ob sie die Rechnungen für die Heizung noch zahlen können. Es ist sogar der Grund weshalb wir dieses Jahr auf einen Spendenaufruf vor Weihnachten verzichtet haben. Wir kommen dann schon wieder mit neuen Ideen. Ich war also ziemlich ratlos, woher das Geld für eine Verbesserung der Bedingungen kommen sollte. Die Unterstützung des Hilfswerks kam für mich echt vom Himmel gefallen und genau zur richtigen Zeit. Manchmal braucht man einfach einen solchen Durchbruch. 

Es sind zwar noch nicht alle Toiletten installiert aber die Hauptsache ist fertig gestellt und so freute ich mich auf eine kleine Eröffnungsfeier im normalen Rahmen: Kinder, Eltern, ein paar Offizielle etc. Was jetzt aber hier wieder abgeht übertrifft alles bisher Gesehene. Aus irgendeinem Grund hat der Governor von Kilifi entschieden, dass er die Feierleichkeiten für den Nationalen Feiertag (Jamhuri Day) nach Jaribuni verlegen wird und mit seiner ganzen Mannschaft einfahren wird. Auch sämtliche Mitgleider der lokalen Regierung (County Assembly) wurden eingeladen und es wird eine Kombi Einweihung der Schulzimmer/Nationalfeiertag geben. Was das alles hinter den Kulissen bedeutet könnt ihr euch kaum vorstellen: Sponsoren organisieren für den Reis, für die Kühe, für das Wasser, für die Teller. Separates Essen für die kleine Delegation von bestimmt 30 Leuten mit denen der Governor einfahren wird. Er hat angekündigt, dass er bei uns im Marere Community Center gedenkt zu Frühstücken und den Lunch einzunehmen. Das Gute an der Grösse: einige Sachen werden vom Organisationskommittee von Munga‘ro organisiert und so brauche ich (nicht wie letztes Mal an der Wahlfeier) nicht selber einzukaufen und tagelang Dingen nachzurennen, die notwendig sind für eine Feier von einer solchen Dimension. Aber Peter ist natürlich am Rotieren und ich bin mir heute  um 19 Uhr nicht sicher, ob er wirklich alle erreichen konnte, die Hilfe versprochen haben. Er düst momentan mit der Frau, die für das Protocol verantwortlich ist in der Gegend herum, stürmt ab und zu rein und will etwas zu Trinken und zu Essen, verschwindet dann wieder bis plötzlich ohrenbetäubender Sound erklingt, der mich fast aus dem Bett schmeisst und ist wieder weg…

Einladung für alle Offiziellen in der lokalen Regierung

Morgen kann ich euch dann berichten, was alles funktioniert hat und was nicht. In der Zwischenzeit schreibe ich schon mal meinen Speech, denn ich bin ja auch auf der offiziellen Liste der Speaker… für mich schon fast „business as usual“ aber die Dimension erreicht jetzt doch eine Grösse, bei der es mir fast trümmlig wird. Happy Jamhuri Day. Das heisst gewissermassen der Tag an dem die Republik Kenia ausgerufen wurde, also am 12.12.1964. Es gibt noch den Madaraka Tag, der fällt gleichzeitig mit der Unabhängigkeit vom Britischen Empire auf den 1. Juni 1963. Jamhuri Day wird begleitet von Militärparaden und hat eine besoders offizielle Bedeutung. Ich prophezeihe mal – nebst der Übergabe des Projektes – ganz viel offiziellen Pomp mit Militärmusik und allem drum und dran. Hurrah! Genau so habe ich mir die kleine Einweihung vorgestellt: Jamhuri in Juhudi!!!

Ihr dürft gespannt warten – vielleicht gehe ich noch live mit Facebook morgen…

#jamhuriinjuhudi

Teilen

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert