Keine grossen Anlässe mehr!?

Nach dem letzten Blog und heute gab es noch zwei besondere Herausforderungen: Um etwa 21 Uhr stellten wir fest, dass die Kaffeemaschine nicht mehr funktionierte. Irgendwie kam das Wasser am falschen Ort raus und erzeugte Dampf. Und das, nachdem ich ordnungsgemäss das “Descaling” und “cleaning” durchgeführt hatte. Das ging schon fast unter Nationales Desaster und Peter liess kurzerhand den Supermechaniker aus Mombasa einfahren. Er war am “chlütteren” bis mindestens um 01 Uhr morgens und irgendwie hörte ich plötzlich ein brummen – etwa so, wie wenn der Kaffee gebraut wird. Ich war mir aber nicht sicher, ob das nicht auch einfach ein Traum war.

Um 6 Uhr wurden wir dann durch einen so heftigen Regen geweckt, dass man das eigene Wort nicht mehr verstand. Ausgerechnet jetzt!!! Ich stellte mir schon vor, wie die ganze Veranstaltung ins Wasser fällt, dachte an die Musikboxen, die Zelte und alles andere. Aber zum Glück war es einfach ein heftiger aber kurzer tropischer Regen, der ja dringend benötigt wird. Insofern war das ein gutes Zeichen.

Die Kaffeemaschine funktionierte zwar nicht sofort aber nach einem zweiten Anlauf brachte der Fundi (Handwerker), der die Nacht in Marere verbracht hatte, dann doch alles einwandfrei zum Laufen.

Unglaublich, was es braucht für einen solchen Anlass. Zum Glück kam der Governor, denn so hat er seine Crew damit beauftragt alles zu organisieren. Mögt ihr euch noch an die Wahlfeier erinnern, als ich selber alles in Kilifi einkaufen musste und Tage dafür aufwenden musste? Es war sehr nervenaufreibend und am Schluss hatte ich nicht einmal Gelegenheit das Wort zu ergreifen.

Weshalb der Governor überhaupt entschieden hat, unsere Juhudi Einweihung zu „crashen“ bleibt uns immer noch ein Rätsel aber wir schätzen es. Vielleicht wollte er seinen Wahlgegnern zeigen, dass er bessere Beziehungen zu Peter hat als sie…

Aber wir fühlen uns geehrt und so erhält natürlich die Einweihung des Juhudi Projekt noch viel mehr Aufmerksamkeit und wir konnten die Offiziellen und die Regierung auffordern, in Zukunft genau dasselbe in anderen Schulen zu machen! 

Dieses Mal traf also ein riesen Team ein, das alles inspizierte. Wie schnell das dann geht mit Aufstellen ist unglaublich. Woosh woosh woosh und die Zelte stehen und sind dekoriert. Dann die diversen Stühle, die die Klassen einteilen. Heute habe ich es auf Klasse 2 geschafft. Nur der Governor sass auf einem besseren Thron! Sogar der Abbau geht dann ganz ähnlich: woosh woosh woosh und alles ist wieder abtransportiert und Marere sieht wieder so friedlich aus wie immer. Anscheinend heisst Marere ja auch schlafen in der Lokalsprache…

Was dieses Mal speziell war: Frühstück und Lunch wurden bei uns im Marere Community Center geplant. Da wurde bereits gestern das Musiksystem getestet (ein paar von euch haben schon mitgekriegt, dass ich aus dem Mittagsschlaf geweckt wurde) und heute begannen sie etwa um 6 Uhr mit kochen, Tische aufstellen und dekorieren. Es sah richtig schön aus und als dann alle Offiziellen eintrafen gab dieses Setting richtig was her. Peter war noch unterwegs und so konnte ich ganz alleine die Deputy Governor willkommen heissen. Ich bin ihr ja schon auf Facebook gefolgt und manchmal machte sie einen sehr ernsten Eindruck aber wir verstanden uns gleich von Anfang an fantastisch. Wir sassen nebeneinander während beiden Essen und hatten so einen richtigen Frauentalk mit sehr viel Gelächter.

Die Veranstaltung in der Juhudi Schule war dann gigantisch. Es waren echt Tausende von Menschen dort. Zuerst gab es eine Menge von Vorführungen: Chöre, Akrobaten und natürlich auch die bekannten Musikgruppen, die jeweils bei uns zuhause auftreten an Weihnachten. Logischerweise mussten wir auch noch ein bisschen shaken. Oh es war so lustig, alles aus der 3. Reihe zu beobachten. Jetzt, wo wir wieder „mittendrin“ sind kommen natürlich alle Leute und begrüssen mich wie eine alte Freundin. Sogar der Erzfeind Teddy Mwambire macht einen auf Freund, umarmt mich und ich muss innerlich so lachen. Und irgendwie sage ich mir – komm Barbara: spring über deinen Schatten – du sagst ja selber immer, dass man sich vergeben soll und Vergebung das Grösste ist. Also lieber Teddy: ich gebe dir eine Chance – mal schauen ob es funktioniert.

Was total aussergewöhnlich ist: ich komme direkt nach dem Kauma Elder (quasi der Rat der Weisen) dran mit meinem Speech. Ich hätte ihn zwar auf Swahili übersetzen wollen aber Peter meinte: wenn du das machst, dann denken alle, ich hätte das für dich übersetzt. Also habe ich den Speech grösstenteils auf Englisch gehalten. Und – auch vollkommen neu – der Master of Ceremony hat gleich alles auf Swahili übersetzt. Da gab es natürlich einige Lacher und mein Name ist für die Kenianer einfach schwierig auszusprechen, also habe ich meinen alten Joke wieder verwendet. Ich heisse Barbara – wie Barabara (das bedeutet Strasse auf Swahili) und zum Nachnamen Fuhrer wie Furaha (das bedeutet glücklich) Barbara Fuhrer = die glückliche Strasse… und dann habe ich in diese gigantische Runde gerufen: und – unter welchem Namen kennt ihr mich hier noch besser? und Hunderte, wenn nicht Tausende von Menschen haben geschrien: Mama Kaya!!!

Ein ganz spezieller Moment, den ich auch ein bisschen genossen habe. Ich habe dann die Geschichte des Projektes erzählt und die Leute versichert, dass sie nicht vergessen werden – nicht von allen Sponsoren in der Schweiz und dann habe ich auch alle Politiker:innen aufgefordert in ganz Jaribuni/Kauma die Schulen und Ausbildungsstätten auf Vordermann zu bringen und endlich den Leuten zu geben was sie verdienen. Damit ihr politisch versteht, was hier abgeht: die Gegend von Kauma (da gehört noch mehr als Jaribuni dazu) wurde als eigene Constituency (Wahlkreis) deklariert von der Regierung und ab 2027 wird das in Kraft treten. Und jetzt meinen die Leute natürlich schon, dass es dann auch klar sei, dass Peter dann Member of Parliament wird, denn er hat ja alles in die Wege geleitet. Aber dann ist Peter ja schon über 70 und vielleicht schon ein bisschen zu alt um noch in der Politik zu bleiben… aber wir nehmen diese Hürde dann wenn sie vor uns steht. Oder wie es auf Englisch so schön heisst: We cross the bridge when we come to it…

Nach den vielen Speeches kam auch noch die Deklaration des Präsidenten – das war fast eine Stunde lang das, was der Präsident für den Jamhuri Day aufgeschrieben hatte und das musste in allen 47 Counties vorgelesen werden. Da haben wir es schon einfacher in der Schweiz, aber wir waren ja auch nie von anderen Ländern besetzt und mussten für unsere Freiheit kämpfen. Da hält sich dann auch das Kämpferische in Grenzen und wir müssen keine Militärparaden machen. Ich hatte am Anfang nämlich fast die offizielle Eröffnung verpasst und reihte mich zwar in die Besucher ein. Peter schnauzte nur “stand still” aber weil ich ihn nicht verstand fragte ich nach und er sagte etwas lauter “stand still” – ein sehr komischer Moment…

Der letzte Speech gehört dem Governor und danach haben wir in Windeseile die Klassenzimmer, die Wasserreinigungsanlage und die Toiletten besucht, die noch im Bau sind. Kaum Gelegenheit um Fotos zu machen aber der Governor meinte, er sei zutiefst beeindruckt und er werde nochmals kommen, wenn alle Toiletten fertiggestellt seien. Für mich war die Aufmerksamkeit, die wir erhalten hatten, genügend und auch in den Sozialen Medien wird dieser Event bestimmt ziemlich ausgeschlachtet, denn wir waren ja der einzige Ort im ganzen Kilifi County (und dazu gehören doch an die Million Menschen) an dem Munga’ro den Jamhuri Day zelebriert hat. Er konnte sich natürlich bei uns auch wie zuhause fühlen und mit Peter in meinem Büro hinten eine Rauchen und sich auf die neu gekauften “Sleeping Chairs” setzen und richtig schön relaxen. Etwas, das er sich auch verdient hat, denn er ist seit der Wahl permanent unterwegs.

Nelly, Linda and Matunda

Ich hatte noch Zeit mit unseren Verwandten zu plaudern und wurde dann ganz am Schluss noch “engagiert” um eine Runde zu machen und die Ladies nachhause zu fahren. Das hat bei mir nicht wirklich Begeisterung ausgelöst, denn wir haben ja immer noch nur den kleinen Reservewagen und diese blöden schlafenden Polizisten sind manchmal so hoch, dass es ganz schön kratzt an der Unterseite des Autos – wir mussten es erst gerade repaprieren lassen. Ich habe also für den Rückweg auch noch einen “bump-spotter” mitgenommen, der mich auf alle Bumps hinweisen musste und wenn möglich auch auf alle Löcher, die es in der Strasse gibt.

Ich habe schon ein Stossgebet losgeschickt und das hat genützt: nach 2 Stunden waren wir wieder wohlbehütet zurück in Marere. Peter konnte sich von positiven Feedback Telefonaten kaum wehren. Alle riefen ihn an, gratulierten ihm zum tollen Anlass, dankten für die Bewirtung etc. etc. Für einmal war es richtig schön, sich mit fremden Federn zu schmücken. Ich muss sagen: wenn die Feste so organisiert sind, dann habe ich nicht einmal etwas gegen riesengrosse Veranstaltungen… aber bitte nicht grad morgen wieder…

Wer auf Facebook ist kann sich noch die Live-Übertragungen ansehen – sie bleiben 30 Tage lang im Netz und geben dir einen Einblick in diesen Tag nachdem ich happy und müde ins Bett gehe und mich wundere, was der neue Tag bringen wird.

#thebiggerthebetter #wecrossthebridgewhenwegettoit 

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