Auf der Suche nach einer Edeldraht-Tanne

Wenn es heisst: wir müssen nach Kilifi um Dinge einzukaufen dann weiss ich: ok, der Tag ist gelaufen. Klar, im Naivas Supermarkt kriege ich fast alles (ausser Butter) aber dort ist auch alles um ein Vielfaches teurer (also noch teurer). Daher gibt es auch den Laden, in dem wir Zucker, Bohnen, Reis etc. in grossen Quantitäten kaufen, den Laden, der günstige Haushaltartikel verkauft, den „Jumbo“ fürs Bauen und natürlich den Markt für frische Früchte und Gemüse. Man kann super hinten hinfahren und auf einen Parkplatz hoffen. Wir gehen dann immer zur selben Marktfrau. Das ist fast einfacher, denn alle möchten natürlich etwas verkaufen, aber man kann sich ja auch nicht auf alle aufteilen. Manchmal fällt mir aber auch auf, dass es an anderen Ständen Dinge hat, die mir besser gefallen, oder die sie nicht anbietet und so gehe ich zwischendurch auch mal „fremd“. So habe ich zum Beispiel dieses Mal eine neue Passionsfrucht-Sorte entdeckt. Iko tamu: die ist fein meinte die Marktfrau. Beim Frühstück fand ich dann aber nur: ganz ok. Die sauren, wenn auch schrumpelig aussehenden finde ich besser, denn ich habe da im Kopf so eine Vorstellung, wie eine perfekte Passionsfrucht schmecken soll.

Aber mir gefällt es auch, eine gewisse Beziehung zur Marktfrau aufzubauen und das gibt mir auch eine Sicherheit. Die Sicherheit, dass sie mich nicht übers Ohr haut, die Sicherheit, dass sie mir keinen Mist verkauft sondern auch sagt: das habe ich nicht oder das kaufst du besser an einem anderen Ort.

Heute ist sie aber leider nicht hier. Sie sei auf Reise heisst es und zwei Jungs haben den Laden übernommen. Wir kaufen viel ein, denn die Regale in Marere sind leer. Zum Zusammenzählen nimmt er ein vorsintflutliches Handy hervor und tippt die einzelnen Sachen ein. Wir brauchen aber noch etwas Zusätzliches und da passiert es: er drückt auf die falsche Taste und alle Eingaben sind weg. Er hat sich natürlich auch den Betrag nicht gemerkt und somit muss er alles nochmals aus den riesigen Taschen rausnehmen und einen Betrag nach dem anderen nochmals eintippen.

Alles wird dann schön ins Auto verladen – ein Service, den ich sehr schätze. Ich könnte diese schweren Säcke auch überhaupt nicht ins Auto schleppen. Ich bin überrascht, wie ruhig Peter heute mitmacht. Einkaufen ist definitiv nicht sein Ding. Ich aber finde es schon schöner, wenn man zu zweit ist bei der grossen Auswahl. Dann kann man besprechen, was man noch braucht und sich gegenseitig unterstützen. Alleine bin ich da manchmal fast überfordert. Der Nachteil ist natürlich, dass von überall Leute kommen, die sonst noch etwas von ihm wollen. Klar, etwas auf dem Markt verkaufen, aber auch sein Auto reparieren, ihm Land verkaufen, um Geld für Ihre Schulkinder bitten. Selbst in Kilifi sind wir davor nicht gefeit – egal, ob Peter hier der MCA ist oder nicht. Aber heute scheint er eine extra Portion Geduld eingepackt zu haben. Am Schluss bezahlt er sogar für den Einkauf – (finanziell) bessere Zeiten scheinen definitiv in Sicht zu sein!

Zuhause beim Kochen merken wir dann aber, dass noch die Pili Pili Hoho fehlen, das sind die Peperoni, die einer Sauce einfach noch einen besseren Geschmack geben. Ich sage, dass ich da wieder vorbeigehen werde, denn bezahlt haben wir. Sie haben einfach vergessen, das einzupacken. Die Leute lachen mich aus und meinen: hast du das Gefühl, dass sie dir glauben und dir die Peperoni geben werden? Und ob ich das Gefühl habe. Das mache ich dann auch beim nächsten Trip to Kilifi. Ich habe sogar nicht einmal gemerkt, dass sie die Zitronen auch noch vergessen haben. Sie entschuldigen sich x-Mal und packen mir alles fein säuberlich ein. Das stärkt auf jeden Fall mein Vertrauen, denn so etwas kann ja schon mal passieren.

Peter deponiert mich dann im Naivas – wir hatten noch ein paar Sachen vergessen das letzte Mal und ich gehe ganz ehrlich gesagt am liebsten alleine in diesem Laden shoppen. Ich besorge die notwendigen Sachen und muss auch noch in den oberen Stock zum „Non Food“. Dort sehe ich plötzlich einen künstlichen Christbaum.

So war das Angebot letztes Jahr – also Lichterkette habe ich dieses Jahr keine gesehen

Gar nicht sooo teuer – ich hatte nämlich in der Schweiz schon gewerweisst, ob ich einen kaufen soll. Durch die Verzögerung mit dem Container wäre er allerdings ein Jahr zu spät angekommen (siehe anderer Blogbeitrag). Ich versuche einen Verkäufer anzusprechen aber er muss noch schnell in den unteren Stock. In fünf Minuten kommt er tatsächlich wieder (ich bin ja nicht zu übersehen in diesem Laden) und bedauert, dass es keinen eingepackten Christbaum mehr habe. «Ja dann nehmen wir das Ausstellungsmodell» ist mein Vorschlag aber ich sehe es kommen: genau in diesen fünf Minuten hat sich sonst jemand für den Kauf entschieden und der Baum wird für ihn eingepackt. Au nein, das mag ich gar nicht, wenn mir jemand etwas vor der Nase wegschnappt. Es gibt jetzt nur noch einen doppelt so teuren und extrem kitschigen Baum mit Goldnadeln an den Spitzen. Nein, also den will ich definitiv nicht. Da es auch keine Lieferung mehr zu geben scheint bis Weihnachten muss ich andere Register ziehen. Und den weissen, also den will ich auch nicht – das ist sogar mir zu kitschig. Also ich meine, ich hatte zuhause auch schon einen weissen, aber dann war die ganze Deko darauf abgestimmt. Der Verkäufer meint zwar, das würde mich an meine Heimat erinnern – aber ich weiss momentan ja überhaupt nicht, wo meine Heimat ist. Nein, ein weisser Baum kommt nicht ins Haus. Etwas unmutig gebe ich dem Verkäufer auch die Weihnachtskugeln zurück, die ich schon eingepackt habe.

Ganz klar, der Weihnachtsbaum wäre mein Frustkauf gewesen, denn als ich aufwachte und es immer noch keine Elektrizität gab und ich mich wieder mit der Kübelmethode waschen musste war ich grad etwas frustriert und Peter musste wieder Wege finden um mich runterzuholen. Er tat es mit einer Einladung ins Fayaz Kaffee in Kilifi. Aber dort hat der Service leider extrem nachgelassen: es gibt keinen Fruchtsaft mehr (the machine broke down) und es gibt auch keine kleinen Glacés mehr (we only sell 1 Liter Containers…). Es klingt vielleicht pingelig, aber wenn du Jahr für Jahr keine positive Veränderung siehst, dann ist es echt schwierig, die positiven Seiten zu sehen. Ich nehme aber immer wieder einen Anlauf und der Christbaum wäre jetzt so mein Wohlfühlverwöhnfaktor gewesen. Schnief…

Fürs Online bestellen bin ich zu spät. Manchmal steht zwar schon: 2 days aber dann kommen immer wieder Infos, weshalb jetzt doch nicht geliefert werden kann. Und Weihnachten lässt sich nicht verschieben. Ich beauftrage schon mal meinen Mann des Vertrauens Enrico. Er geht in Mombasa zur Schule und ich hoffe, dass er sich auf Weihnachtsbaumsuche machen wird. Ich habe auch noch eine Chance, wenn ich am Donnerstag nach Malindi fahre für einen Ausflug mit dem Geburtstag(gross)skind Ebube. Das A3 Papier, das ich schon im Einkaufswagen habe, behalte ich mal vorsichtshalber. Ich suche jetzt nach einfachen Weihnachtsdeko-Ideen aus Papier oder aus Materialien, die ich hier leicht bekomme. Mir gefällt der Austausch mit meinen Leserinnen und Lesern. Danke schon mal für die feinen Kuchenrezepte ohne Butter, die ich von euch gekriegt habe!

Wenn ihr also einfache Dekoideen für Weihnachtsbäume habt: sehr sehr gerne. Ich mache inzwischen auch mal auf Pinterest schlau – da finde ich sicher auch noch einiges. Ich bin auf jeden Fall davon überzeugt, dass ich noch so ein grünes Ding finden werde bis Weihnachten. Und Peter sagt ja immer, dass eine grosse Gemeinsamkeit von uns sei, dass wir nie aufgaben. Und so ein grünes Ding kommt mir noch in die Stube. Wie hatte meine Freundin Gabriela Buchmüller das Ding jeweils benannt: eine echte taiwanesische Edeldraht-Tanne!!!

Frohe Vorfreude auf Weihnachten!

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