Snow in Paradise

Nachdem ich die Shopping Challenge für einen Christbaum an einen Kenianer verloren hatte wollte ich Enrico damit beauftragen, mir in Mombasa einen künstlichen Christbaum zu besorgen. Aber die Bilder, die er plötzlich im WhatsApp hatte machten gar keine Freude: er lag auf einem Bett und hing am Tropf und schrieb: Feeling unwell, please pray for me.

Ich dachte zuerst, das ist jetzt ein bisschen viel Drama. Als er mir dann den genauen Befund schickte vom Arzt war klar: er hat einen schweren Malariaschub. Diese Krankheit kann einen wirklich flachlegen und das passierte grad mit ihm. Es dauerte einen ganzen Tag bis er wieder richtig sprechen konnte und sich nach Kilifi in sein Zuhause begeben konnte. Als ich ihn anrief antwortete der Vater, dass es ihm sehr schlecht gehe. Er erholte sich erst nach ein paar Tagen wieder mit starken Medikamenten. Ich will nicht eigennützig erscheinen aber eines war klar: das mit dem Weihnachtsbaum via Enrico wird nichts.

Peter und ich hatten gerade zwei der neu gekauften Stühle zurückgebracht, weil sie nach zwei Tagen bereits wieder kollabiert sind. Aber mit Reklamationen ist das hier so eine Sache: der Ladenbesitzer meinte nur, dass er es dem Lieferanten zeigen werde… ob da noch etwas draus wird ist fraglich. Wir hatten ja beim Kauf dieser Stühle schon eine enttäuschende Erfahrung gemacht: da wir die doppelte Menge wollten rief der Ladenbesitzer bei einem anderen an und sandte ihm die Foto der Stühle, die wir wollten. Ja, die habe er und er werde sie gleich liefern. Oh toll, wunderbar. Als er dann aber mit dem Piki Piki anzurauschen kam stellte sich heraus, dass es die falschen Stühle waren. Es war das Modell „Sleeping Chair“ und nicht das Model „Safari Chair“. Wir gingen ins Geschäft zurück und die wollten partout keinen Umtausch vornehmen bzw. sie wollten sie schon umtauschen nur hatten sie keine anderen. Und Peter hatte sie im Voraus bezahlt, denn sonst hätten sie diese ja nicht vorbeigebracht. What can you do – war die Antwort von Peter und ich meinte: ich will mit dem Chef dort reden. Ihr könnt euch jetzt kaputtlachen, aber meine Autorität hat überhaupt nichts gebracht. Zuerst machte er mal einen auf „ich kann nur Swahili“ und als ich dann meine Brocken zusammenklaubte meinte er ganz lakonisch: sorry, aber das Geld kriegst du nicht zurück. Als ein Polizist auch in diesem Laden einkaufte drohte ich damit, es diesem Polizist zu erzählen, aber das liess den Typ kalt. Erst als dann Peter doch noch auftauchte und mit seinem „ich bin Honorable Peter Shehe, former MP of Ganze, now MCA of Jaribuni“ rückten sie dann die Kohle heraus. Ach solche Momente finde ich doch eher ärgerlich um es mal milde auszudrücken.

Auf jeden Fall waren wir retour vom Stuhlzurückbringen und fuhren an einem „Blumenladen“ – also für künstliche Blumen – vorbei und mir war, als ob ich da so etwas wie einen Weihnachtsbaum gesehen hätte. Ich sagte es Peter und irgendwie war er heute sehr milde gestimmt und er drehte mit dem Auto um und wir fuhren zurück. Tatsächlich, da war so ein grünes Modell. Wenn man es ordentlich zurechtzupfte konnte man das noch gut aufhübschen. Mein Aufruf an die FB und Blog Community brachte dann vor allem ein paar Alternativ-Vorschläge für einen Weihnachtsbaum hervor. Das finde ich natürlich auch eine Überlegung wert, aber mir blieb nicht mehr viel Zeit um einen kreativen Weihnachtsbaum zu zimmern oder zu schweissen und so entschied ich mich halt für die taiwanesische Variante und googelte nach schönen Weihnachtsbaumanhängern.

Dann kam die Zeit, die ich tatsächlich genoss: ich bastelte Engel und dreidimensionale Weihnachtssterne aus weissem Papier mit Leimstift und ich muss sagen: ich bin ganz schön stolz auf das Resultat. Ich begann dann fast eine Art „Massenproduktion“ und mit der Zeit musste ich nicht mal mehr die Masse einzeichnen: ich war ganz fix am Produzieren meiner Deko.

Im Naivas hatte ich auch noch weisse!!! (eine Seltenheit) Lichterketten gefunden und das machte mich richtig happy. Zusammen mit Weihnachtsmusik auf Spotify stellte ich also auch noch die kenianische Krippe auf, die ich wirklich liebe: aus Bananenblättern und Sisalschnüren und mit natürlichen Materialien ist sie gefertigt und sie macht mir echt jedes Jahr wieder so richtig Freude.

Während ich am basteln war bereiteten die Männer wieder die fliegenden Vorhänge vor. Fliegend, weil es in Marere immer ein bisschen lüftelt und daher unsere Deko beim Eingang eine fliegende Deko ist. Und ich glaube kaum, dass Mbuche weiss, was der Spruch auf ihrem T-Shirt bedeutet.

Let it snow in Marere

Was jetzt aber das Allergenialste war, das waren die Reaktionen der Leute auf den neuen Weihnachtsbaum. Selbst die Erwachsenen hatten ja noch nie so etwas gesehen. Ausdrücke wie: this looks heavenly, oder This is Paradise sind nur ein paar Beispiele. Und als dann die Kinder von Alex vorbeikamen und sich vor Staunen und Freude fast nicht mehr einrenkten dachte ich: so ist jetzt doch auch ein bisschen Weihnachtsstimmung in Marere eingekehrt. Strahlende Kinderaugen waren dann auch die ganze Weihnachtsdeko Aufregung wert.

Und wenn ich Glück habe, wird es dieses Jahr auch keine laute Namba-Musik mit Mnazi und Discomusik am 25.12. geben sondern einen sinnlichen und geruhsamen Abend für Peter und mich… Also Weihnachtswünsche zu haben ist legitim, stimmt’s?

Ein paar Zutaten

Vorsorglich habe ich schon mal zwei Kuchen gebacken und allerlei Sodas gekauft, denn Spontanbesuche sind in Marere ja an der Tagesordnung und ich bin mir fast sicher: diese grossen Zweiliterflaschen werden alle getrunken sein nach Weihnachten…

Euch Blogleserinnen und –lesern wünsche ich die Art von Weihnachten, die euch gefällt und mit der ihr euch identifizieren könnt. Und dassselbe wünsche ich auch mir.

#christmasinmarere #thechristmasiwant

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