Die Fischerin von Kilifi

In Marere haben wir mehrere Angestellte. Mbuche, die ihr bereits mehrfach kennengelernt habt. Sie kümmert sich um unseren Haushault und kocht auch meistens für uns. Dann gibt es noch reine Putzleute für die Schule, einen Sicherheitsmann, der nachts arbeitet und zwei Personen, die sich um den Garten und allerlei facilitymässiges kümmern sollten, mit Betonung auf sollten. Interessant finden sie es vor allem hier, dass sie viel zu essen kriegen. Weil Peter ja meistens in der County Assembly arbeitet (und auch sonst oft unterwegs ist) gibt es natürlich auch viel Zeit, während der sie nicht unter Kontrolle sind. Sie wüssten zwar, dass sie den Platz wischen sollten und dass der riesige Garten und das Land drumherum von ihnen bewirtschaftet werden sollte. Aber eben: sollten. Sie können sich also auch stundenlang einfach auf einen Stuhl setzen und die Landschaft anschauen, auch mal das Piki Piki ausleihen für eine Ausfahrt. Der neuste Gag ist sogar, dass sie auf Peter’s Land eigenen Mais und Tomaten etc. angepflanzt haben. Nicht etwa als Beitrag zur Allgemeinheit, nein für ihre eigenes Heim oder für den Verkauf. Es hat eine Weile gedauert bis Peter es überhaupt herausgefunden hat, denn sie haben es geschickt eingefädelt und an einem Ort gemacht, wo man nicht gerade jeden Tag spaziert. Und auch wenn er es weiss: Peter ist definitiv nicht hart im Durchgreifen. Er ruft zwar ab und zu mal aus aber gesamthaft lässt er sich ganz schön auf der Nase herumtanzen. Schon lange sagt er aber: Moses (der mit den riesigen Händen und dem noch riesigeren Appetit) muss weg. Er ist ursprünglich ein Fischer und daher hat Peter ein Fischerboot gekauft, das momentan noch brach liegt weil er noch kein Geld für einen Motor hat. Sobald das aber passiert ist wird er Moses in seinen ehemaligen Beruf zurückbefördern: Fischer in Kilifi. Weshalb er ihn nicht einfach so entlässt könnte man sich fragen: Moses gehört irgendwie entfernt zur Familie und hat jetzt bestimmt schon sechs Jahre für Peter gearbeitet. Er hat natürlich auch selber eine riesige Familie, die es zu ernähren gilt. Nicht unser Fehler aber wir haben ja auch eine soziale Ader oder vielleicht sogar mehrere davon.

Wie es der Zufall will hat sich eine Frau bei Peter gemeldet, die ihn aus früheren Geschäften kannte und sie wollte sich mit ihm zusammentun um in das Fischerei Business einzusteigen. Wir haben sie in Kilifi getroffen und sie ist eine sehr quirlige und – wie mir scheint – auch geschäftstüchtige Person. Ihr Mann und sie haben ein Boot aber eines dieser Holzmodelle. Wer sich etwas mit Booten auskennt: Holzboote sind auf der ganzen Welt sehr aufwändig im Unterhalt. Sie müssen immer wieder repariert werden und das kostet. Sie besitzen auch einen Motor und Netze und haben auch bereits Platz bei den Fischständen ausserhalb des Marktes in Kilifi gemietet mit Gefrierfach. Ob wir ins Business kommen könnten war ihre erste Anfrage und ich wurde von Peter daraufhin delegiert, sein Boot genauer zu betrachen. Leider lag es jetzt 5 Monate an der Sonne und muss daher neu gestrichen werden. Es ist aber 18 Feet lang (etwa 5.5 Meter) und aus Fiberglass, was viel beständiger ist als Holz.

Die Idee beginnt sich zu entwickeln und wir halten in Marere ein grosses Meeting ab, bei dem wir die Details (wer kriegt wieviel) diskutieren. Das Ehepaar hat früher Sonnenuntergangsfahrten für Touristen gemacht aber die waren einfach nicht lukrativ, denn wenn keine Touristen da waren dann gab es auch kein Geld. Wenn man das richtige Equipment und die richtigen Leute hat, dann kann man mit Fisch richtig schön Geld machen. Für Peter und mich ist klar: wir werden nicht am Hafen stehen und die Fische entgegennehmen und sie auch nicht aussortieren und die Fischer bezahlen. Aber davon zu essen oder uns mit unserem Boot am Business zu beteiligen: warum nicht? Wir haben kein grosses Risiko, Moses ist wieder in seinem angestammten Beruf und Peter und ich sind neu Teilhaber von Kalamari Seafoods… Die Papiere sind wir bereits am Ausfüllen und ich bin mal gespannt, was daraus wird.

Fish! for Life Prinzip

Während unserer Diskussion ist mir plötzlich wieder diese Geschäfts-Story von Fish! For Life in den Sinn gekommen. Alle sind begeistert von der Idee und werden sich gleich das Buch beschaffen. Ich habe es mir auch nochmals auf meinen Kindle geladen, denn es ist schon ein paar Jahre her, seit wir auch bei Raiffeisen Workshops zu diesem Thema gemacht haben. Sollte irgendjemand von euch auch noch Unterlagen und Ideen zum Thema haben: schickt sie

Fish!

Also bald gehöre ich vielleicht zu den Fischerinnen von Kilifi – warum auch nicht. Möglichkeiten müssen wir beim Schopf packen.

#fischerinvonkilifi #samakibusiness

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