die kleinen Dinge organisieren

Eine ganze Woche ohne Blog update. Das kann verschiedene Gründe haben und die hat es bei mir definitiv auch. Es sind einige Dinge passiert, von denen ich nicht sprechen darf weil Peter in der Regierung des Kilifi Counties arbeitet, ein paar Dinge will ich nicht schreiben, weil sie mich extrem verletzt haben (natürlich nicht von Peter’s Seite – er ist eher der Fels in der Brandung, er stellt mich auf, er bringt mich zum Lachen und relativiert die Dinge “the Kenyan way” – und ich halte ihm den Rücken frei, schreibe ihm nachts um 23.00 Uhr noch eine Liste, wenn er sie am nächsten Morgen braucht. Unsere Beziehung ist nicht einfacher aber stärker denn je.)

Ein paar Dinge haben mich extrem in Schach gehalten, wie der Wiederbeginn des Marere College nach den Weihnachtsferien und damit verbunden die Suche nach neuen Lehrer:innen, das Erstellen eines Budgets, das Auffüllen der leeren Materialien etc. Und ganz viele neue Geschäftsideen, wie das besagte Fish-Business. Darüber berichte ich dann später wieder Mal, wenn wir die ersten Fische gefangen haben

Ich bin dieses Mal definitiv relaxter als auch schon – vielleicht adoptiere ich auch ein bisschen den Kenyan Style… ich lasse den Schweiss herunterrinnen, Tag und Nacht, ich versuche nicht besonders perfekt auszusehen, ich knie mich in die Dinge rein und versuche einige Verbesserungen anzubringen, die ich nicht gemacht hätte, wenn ich nicht wüsste, dass ich in Zukunft mehr Zeit hier verbringen würde.

Ich hatte zwar letztes Mal Peter eine kurze Liste hier gelassen mit ein paar Verbesserungen, die ich mir bis zum nächsten Mal (also bis im Dezember) wünsche. Wenn ich aber sehe, wie hart er arbeitet – vor allem in dieser Phase der Regierungsbildung – und so habe ich nicht hässig sondern verständnisvoll reagiert und die Dinge einfach selbst in die Hand genommen. Das tut mir ja auch besser und der Beziehung definitiv ebenso.

Als Erstes habe ich die “Küche” aus dem Wohnzimmer verbannt. Das ständige Gläuf, das dauernde unterbrochen werden bei irgend einer Beschäftigung, der Duft (nicht immer nur angenehm) bei meinem ausgeprägten Geruchssinn, gingen mir so auf den Keks, dass dies schon nach wenigen Tagen passierte. Jetzt steht nur noch der kleine Ofen im Wohnzimmer und den brauche vor allem ich, weil ich mal einen Kuchen backe oder einen Gratin koche etc. Wir haben neu einen Koch, was vieles erleichtert. Ich tausche mich regelmässig mit ihm aus. Wir machen zusammen einen Menüplan, ich zeige ihm ein paar neue Dinge, z.B. eine Salatsauce und überhaupt Salat und er – da er jetzt ein Smartphone hat – googelt nach neuen Rezepten. Ich musste nämlich feststellen, dass sein Repertoire sehr beschränkt ist – aber ich glaube, die kenianische Küche ist einfach nicht extrem abwechslungsreich. So liess ich ihn auch mal ein Raclette probieren, ich habe mit ihm Thai Curry gekocht und ich versuche langsam langsam etwas mehr Abwechslung in den Menüplan zu bringen. Ich habe mich sogar durchsetzen können, dass es jetzt jeden Tag Gemüse oder Salat gibt. Die Blätter schnetzelt er momentan noch in winzige Teile, aber das kriegen wir noch hin. Er versteht es gut, dass ich mich besser ernähren möchte, denn er war mal Fussballtrainer und ist selber ziemlich fit und so versteht er, dass wir Ladies (Mbuche und ich) bereits fett genug sind und daher auch zum zMorge keine Mahamris und/oder Chapati brauchen (auch wenn sie mega lecker sind). Ich habe jetzt durchgesetzt, dass ich mein eigenes Frühstück mache (meistens ziemlich spät Yoghurt mit Haferflocken und einer frischen Frucht) und dass Mohammed dafür das Nachtessen selbstständig kocht und zwischendurch auch mal einen kleinen Einkauf auf dem nahen Markt macht. Wenn ich nach Kilifi fahre mit dem Auto kann er mir eine Shoppingliste geben. Es macht richtig Spass mit ihm, auch wenn er noch Verbesserungspotenzial hat. Wenn er zum Beispiel um 18.00 Uhr kommt und fragt, ob wir heute Abend Fleisch kochen sollen und ich dann herausfinde, dass das Fleisch noch ein Eisblock ist… Ich bringe ihn langsam dazu besser zu planen und nicht wegen jedem Haferchäs zu fragen. Wo er noch Potenzial hat ist beim Aufräumen. Es liegt noch alles ziemlich wild in einem grossen Durcheinander am Boden und überall, aber seine Antwort ist meistens “understood, I get you” und dann verändert sich alles pole pole, langsam langsam.

Auch Mbuche – unserer Haushaltshilfe und Mädchen für alles – muss dran glauben. Gegen Ende Jahr hat sie sich einiges herausgenommen und wohl öfters die Haare machen lassen als dass sie die Wäsche gewechselt hat. Was ich nicht wusste: Mbuche ist super eifersüchtig und es hat ihr gar nicht gepasst, dass Peter jetzt eine Sekretärin hat und sie nicht immer nur die Einzige ist, die weiss wo Peter ist.

Wir haben sie jetzt zur Zimmerverantwortlichen gemacht. Dafür habe ich eine Liste geschrieben mit allen Aufgaben, die sie täglich, bi-weekly, wöchentlich und monatlich hat. Damit sie nicht ausweichen kann habe ich alles mit der Hilfe von Freunden auf Swahili übersetzt und dabei auch noch einige Begriffe kennengelernt. Für die neuen Studentinnen, die bald aus der Schweiz ankommen habe ich ihr eine Checkliste gemacht, was alles vorhanden und funktionstüchtig sein muss (mit Bildli und in zwei Sprachen). Die hat sie – mit ein paar Missverständnissen – brav abgearbeitet. Dummerweise haben wir dabei auch herausgefunden, dass der Durchlauferhitzer in einem der Zimmer nicht funktioniert. Also muss der Elektriker damit bis nach Mombasa um sicherzustellen, dass das Ding bis am 25.1. funktioniert. Dabei habe ich ihm gleich noch die Mikrowelle mitgegeben, denn die funktioniert schon lange nicht mehr und ist halt manchmal megapraktisch.

Und jetzt kommt das Beste: die Mohammed und Mbuche sind auf mich zugekommen und haben gesagt, sie möchten auch Kurse nehmen am College. Oh, ok – was möchtet ihr denn lernen? Computer, damit wir auch Dinge lernen können, Briefe schreiben können, eine E-Mail schreiben und modern werden.

Challenge akzeptiert kann ich da nur sagen. Zusätzlich haben wir noch Carlos, den Baumaschinen Mechaniker dazu genommen. Der wartet nämlich immer noch auf eine Internship, weil ihn im November alle auf den Januar vertröstet haben. Er war natürlich Feuer und Flamme. Sie wollten zwar “Packages” lernen. Das macht man hier in Kenia: Paket 1 Basic Computer Skills / Paket 2 Word / Paket 3 Excel etc. Am Schluss hat man ihnen zwar alles um die Ohren geschlagen, aber sie wissen grad mal gar nichts. Weil ich das unnütz fand schlug ich vor, dass ich ihnen Privatlektionen gebe und das hat sie natürlich noch mehr begeistert. Mama Kaya, die ihnen persönlich hilft besser zu werden. Und jetzt haben wir schon die erste Woche hinter uns. Ich konnte im Internet gute Bücher downloaden und wir folgen jetzt diesen Kapiteln. Ich versuche, alles so realitätsbezogen wie möglich zu gestalten. So vergleichen wir zum Beispiel oft den Computer mit einem Smartphone, denn das kennen sie gut. Und wir schauen nach, wieviele MB oder GB Platz haben auf ihren Phone und rechnen dann aus, wie viele Fotos sie darauf speichern können. Oder beim Erklären der Tasten vergleiche ich den Space Bar mit einem Chocolate Bar, weil er auch so lange ist und empfehle ihnen, diesen nicht zu essen. Vor allem gestern, als Mohammed zu spät kommen wollte weil er noch nichts gegessen hatte. Da ich aber sauer reagiert habe und meinte: entweder kommt ihr jetzt oder gar nie mehr, sind sie dann rennend ins Klassenzimmer gekommen… Wir haben Mausklicken geübt, gar nicht so selbstverständlich für jemanden, der noch nie so ein Ding in der Hand hatte. In diesem kleinen Rahmen können sie alle Fragen stellen die sie möchten. Nichts ist falsch und ich werde ziemlich kreativ und entwickle neue Ideen, wie ich ihnen die Dinge beibringen kann, damit sie hängenbleiben.

Der Sekretärin habe ich auch alles Gute gewünscht, denn bisher hat es noch niemand geschafft, Peter’s Agenda zu organisieren aber sie ist fest davon überzeugt, dass es ihr gelingen wird. Wenn jemand am Warten ist, dann fragt sie nach, weshalb er da ist und wenn nötig ruft sie Peter an bis sie ihn erreicht. Und Peter hat sie darauf hingewiesen, dass das Wort Secretary von “secret” kommt und sie das auch halten muss.

Das nächste auf der Liste war ein bisschen Beton vor meinem Büro. Besonders im Sommer habe ich gesehen, wie mühsam es sein kann, wenn es dauernd regnet und ich mit dreckigen Schuhen oder Füssen ins Büro gehe und den Dreck überall mittrage. Unser Maurer Ravasco hat diese kleine Aufgabe mit einer riesen Inbrunst gemacht. Es war eine Freude, ihm zuzuschauen.

Dann war noch das Thema mit dem Trinkwasserhahn, den wir draussen haben. Jedes Mal lief das Wasser direkt auf den Boden und die Erde war total aufgeweicht und es ging auch viel wertvolles Nass verloren. Ich organisierte ein Waschbecken in Kilifi (sie machten den Laden extra für mich nochmals auf und verkauften mir, was ich wollte) und jetzt habe ich Saumu organisiert. Sie ist die Sanitär-Lehrerin am College. Eine absolut coole Frau und sie hat das Projekt ebenfalls mit viel Leidenschaft durchgeführt. Im hübschen Kleid mit zwei Arbeitern, die sie angeleitet hat. Das ist doch ein tolles Gender-Thema – ich hatte richtig Freude an diesem Bild. Das Ganze ist zwar ein bisschen schräg aber was soll’s: wir können jetzt Wasser rauslassen ohne uns zu bücken und vor allem ohne Wasser zu verlieren.

Es sind die kleinen Freuden, die ich in Marere geniesse. Langsam aber sicher ist alles gut organisiert, sauber und heute Abend habe ich mit grossem Genuss Spaghetti Bolognese mit einem feinen Salat genossen.

Bravo Marere Crew – es nimmt alles gute Formen an.

#bararareorganisiert #loveyourjob #itmitmamakaya

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1 Kommentar zu «die kleinen Dinge organisieren»

  1. Peter Füllemann

    Das macht auch mir richtig Spass!
    Die fröhliche Art beim Arbeiten und vorallem deine treffenden Worte dazu, einfach schön!

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