Die grossen Dinge organisieren

Action im College

Das Thema Marere College sass mir im Nacken in den letzten Monaten. Wir hatten ziemlich viel Pech mit dem ersten „Set“ an Lehrern und dem Schulleiter. Alle wollten sich bereichern, waren aber nicht bereit, viel dafür zu leisten. Vor den Wahlen entschieden wir daher, dass wir einfach „überleben“, denn es hatte keinen Wert allzu viel Effort hineinzustecken. Peter hatte nicht das Geld und auch nicht die Fähigkeit, ein College zu leiten und die Lokalen wussten mehr schlecht als recht was zu tun war. Zudem waren plötzlich alle mit Peter „verwandt“ und wollten weder Schulgeld noch die Einschreibgebühr zahlen. Peter ist mein Cousin, mein Bruder, mein Vater etc. waren die Ausreden. Trotz aller Hindernissen konnten wir im August einen jungen Mann rekrutieren, der bereit war, das Amt des „Principals“ (Schulleiters) zu übernehmen. Und Peter‘s Sohn John, der zuvor an einem anderen Vocational College arbeitete, half etwas mit, die Buchhaltung zu organisieren. Aber es war einfach zu wenig Geld vorhanden, um das Schulmaterial zu kaufen und alle Lehrkräfte zu bezahlen. Der vorherige MCA wollte keine Schulgelder locker machen, weil er ja nicht die Wahl von Peter begünstigen wollte. Es war eine sehr vertrakte und verzwickte Situation. Peter und somit auch ich (auch mit der Hilfe von Pro Ganze) schafften es mindestens, das College über Wasser zu halten.

Jetzt, da Peter gewählt ist, hat sich die Situation geändert und das Budget für die Schulgelder hat er unter sich – wenn es denn ausbezahlt wird. Aber er muss natürlich auch die anderen Colleges in Jaribuni (es gibt noch 2 staatliche) berücksichtigen und kann nicht alles Geld ins Marere College einfliessen lassen.

Erste Sitzung ernüchternd

Die erste Sitzung mit den Lehrern war ernüchternd: eine leere Kasse, niemand der auch nur die Einschreibgebühr bezahlt hatte und kein Geld für Marketing und Material. Wir hatten mit Pro Ganze zwar schon einiges gesponsort aber eben: das reicht nirgendwo hin. Und in der ersten Sitzung kam auch ein neues Problem auf: sieben der Lehrerinnen sind junge Mütter und bringen die Kinder mit in die Schule. Als jemand sagte, dass wir einen Kinderhort einrichten müssen lachte ich nur und sagte: ja das ist jetzt gerade unser grösstes Problem. Aber ziemlich schnell musste ich einsehen, dass es keinen Weg drum herum gibt. Entweder haben wir die 7 Schülerinnen in den Kursen mit Kindern oder wir haben sie gar nicht weil sie nämlich zuhause bleiben.

Ich war ziemlich frustriert über die gesamte Situation und führte mit einigen Freunden und Business Leuten Gespräche: wie können wir dieses College zum Laufen bringen? Etwas, das ich bisher wirklich etwas verdrängt hatte wurde sonnenklar: entweder kremple ich die nicht vorhandenen Ärmel nach oben und „pull up my socks“ (die auch nicht vorhanden sind) oder es kommt nicht gut mit diesem College. Und wie man von mir weiss: aufgeben ist einfach keine Option. Also entschied ich mich vor einer Woche, dass ich jetzt „all in“ gehe. Ich übernehme die Führung (inoffiziell). Ich bringe mich zu 100% ein und mache noch einen (hoffentlich letzten) Versuch, hier alles auf die Reihe zu bringen. Wenn es nicht klappt kann ich mir nicht vorwerfen, dass ich es nicht mindestens versucht habe.

Mein Lebensplan

Es war nicht bewusst mein Lebensplan, ein College in Kenia zu führen, aber die Probleme sassen mir dermassen im Nacken, dass ich selber auch einsehen musste: ich habe keine Option. Ich wollte ja auch keine Kinder haben und kriegte zwei geschenkt. Es gibt einfach Dinge, die entscheiden sich aus dem Universum. Ein Freund sagte mir auch: weisst du, wie stolz du sein wirst, wenn du in ein paar Jahren Leute in Jaribuni siehst, die ihr eigenes Business begonnen haben, weil du ihnen eine Ausbildung ermöglich hast? Das kenne ich ja bereits aus der Schweiz mit meinen vielen Schüler:innen von der Academia Euregio Bodensee und den Neuen Medien. Ich platze ja jeweils fast vor Stolz, wenn sie sagen, dass sie etwas bei mir gelernt haben, das sie später auch anwenden konnten.

Und seit ich mich entschieden habe sind bei mir wieder alle Geister geweckt und wir machen vorwärts. Ich wünschte, dass ich einfach ein grosses Budget hätte um alles Einzurichten aber mit meinen bescheidenen Verhältnissen finanziere ich jetzt halt alles, was geht. Und im Endeffekt hoffe ich auf Sponsoren aus der Schweiz. Ein Elektrogeschäft, das für die Elektriker Material kauft, eine Schneiderin / Outfitterin, die für die angehenden Schneider:innen hier Material finanziert, eine Autogarage, die Werkzeug für die Studenten sponsort. Eine Coiffeuse / ein Coiffeur die/der das Material für die angehenden Hairdresser finanziert. Eine IT Firma, die Ausbildungsmaterial organisiert – vielleicht in Form von E-Learning. Grosszügige Spender:innen, die dafür sorgen, dass jeder Schüler hier wenigsten einen Stuhl hat. Wir hoffen auf 100 Schüler = 100 Stühle à CHF 7 = CHF 700…

Es räblet in Marere

Und so hat es diese Woche „geräblet“ im verschlafenen Marere. Jetzt ist hier ein Gewusel. Wir haben als erstes ein Eltern- und Schülermeeting einberufen und allen klar gemacht: ohne Einschreibgebühr (die ist nur CHF 15) gibt es keine Ausbildung. Dann haben wir die Busary Forms verteilt (das sind die Antragsformulare für Unterstützung von der Regierung), denn es ist hier absolut niemand in der Lage das Schulgeld selber zu bezahlen. Selbst die CHF 15 Einschreibegebühr sind ein Problem. Aber ich habe ihnen vorgerechnet: 3 x die Haare machen kostet gleich viel und 6 Dosen Bier kosten ebenso viel. Und darauf müssen sie jetzt halt verzichten. Ich finde auch, sie müssen mindestens diesen Effort zeigen wenn ihnen dann schon die ganze Schulbildung bezahlt wird. (1 Jahr Schule kostet etwa CHF 400). Wir planen im Jubiläumsjahr von Pro Ganze einige Anlässe und werden zusammen dieses College hoffentlich so richtig auf Touren bringen. Ich stelle mein Budget zusammen und gehe auf Sponsorensuche.

Wenn du also einen finanziellen Beitrag leisten kannst, dann unterstützt du nicht nur die Bevölkerung hier sondern auch mich persönlich: so ein Motivationsschub aus der Schweiz wäre für mich momentan gerade Gold wert!

Der Kreis schliesst sich

Irgendwie schliesst sich mein Wirkenskreis: 1985-1989 habe ich in den USA eine Tourismusschule geleitet und jetzt – fast 40 Jahre später – leite ich ein College in Kenia. Gelernt ist gelernt… und Bildung ist das Fundament fürs Leben. Meine Devise war schon immer: lieber Aus- anstatt Einbildung!

#educationislife #marerecollege #ausstatteinbildung

P.S. Wenn ich dich davon überzeugen konnte, dass es sich nicht um Spendengeld sondern um eine Investition in die Zukunft von jungen Menschen handelt dann freue ich mich über deinen Beitrag mit dem Vermerk: College.

Mehr Infos auf www.proganze.com und in den Sozialen Medien auf Facebook oder Twitter

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